
Weil Listeria monocytogenes in einer Charge Weinbauernkäse der Dorfkäserei Geifertshofen (Symbolbild) gefunden wurde, gab es einen Rückruf. Weil weitere Käsesorten in einem benachbarten Reifekeller lagerten und eine Verunreinigung nicht ausgeschlossen werden kann, weitete der Hersteller den Rückruf vorsorglich aus. Foto: Kurtz – KI-generiert
Listerien-Fund in Käse: Warum diese Bakterien im Kühlschrank besonders tückisch sind
Ein Käserückruf aus dem Kreis Schwäbisch Hall ist binnen weniger Tage kräftig gewachsen. Inzwischen sind 15 Sorten der Dorfkäserei Geifertshofen betroffen. Auslöser ist Listeria monocytogenes. Das Bakterium kann Kühlschranktemperaturen überstehen – und für Schwangere, ältere und abwehrgeschwächte Menschen ausgesprochen gefährlich werden. Was Listerien im Körper anrichten, welche Lebensmittel besonders kritisch sind und wie man sich schützt.
Kein Listeriennachweis für alle Sorten
Erst waren es sechs Käsesorten, inzwischen sind es 15: Der Rückruf der Dorfkäserei Geifertshofen aus Bühlerzell im Landkreis Schwäbisch Hall hat sich erheblich ausgeweitet. Auslöser war der Nachweis von Listeria monocytogenes in einer Charge Weinbauernkäse. Weil weitere Käsesorten in einem benachbarten Reifekeller lagerten und eine Verunreinigung nicht ausgeschlossen werden kann, weitete der Hersteller den Rückruf vorsorglich aus. Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein positiver Listeriennachweis bei sämtlichen 15 zurückgerufenen Sorten ist damit nicht belegt.
Betroffen sind sowohl verpackte Stücke als auch lose Ware von Käsetheken. Das Identitätskennzeichen lautet DE BW 445 EG. Die Produkte gelangten unter anderem über Lebensmittelgeschäfte, Naturkost- und Feinkostläden, Metzgereien, Hofläden, Gastronomie und die Verkaufsstelle des Herstellers in den Handel. Für Verbraucher lautet die wichtigste Regel deshalb zunächst ganz schlicht: Zurückgerufenen Käse nicht essen.
Ursprünglich betroffen: Weinbauernkäse, Weinbauernkäse mittelalt, Wengert, Alter Wengert, Geifertshofener Classico und Schwäbischer Trollingerkäse; ursprünglich alle Mindesthaltbarkeitsdaten bis 30. Oktober 2026.
Dazugekommen: Bühlertaler, St. Barbara mittelalt, St. Barbara, Schabzigerkleekäse, Pfefferkäse, Schwäbischer Rahmkäse, Geifertshofener Blütenfee, Geifertshofener Classico gerieben, Bio-Reibekäsemischung. Die aktuelle Herstellerseite nennt dafür Mindesthaltbarkeitsdaten bis 20. November 2026. Identitätskennzeichen: DE BW 445 EG.
Wichtig: Listeria monocytogenes wurde laut Herstellerangaben in einer Charge Weinbauernkäse. Der erweiterte Rückruf erfolgt vorsorglich, weil andere Ware in einem benachbarten Reifekeller gelagert wurde.

Warum ausgerechnet Listerien so unangenehme Gäste sind
Listerien sind Bakterien, die praktisch überall in der Umwelt vorkommen können: im Boden, in Gewässern, auf Pflanzen und im Verdauungstrakt von Tieren. Für Erkrankungen des Menschen ist vor allem die Art Listeria monocytogenes verantwortlich. Die dadurch ausgelöste Krankheit heißt Listeriose.
Und Listerien besitzen eine Eigenschaft, die sie für Lebensmittelhersteller und Verbraucher besonders lästig macht. Sie mögen zwar Wärme – aber Kälte hält sie nicht zuverlässig auf. Listeria monocytogenes kann sich nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sogar bei Kühlschranktemperaturen vermehren. Auch relativ hohe Salzkonzentrationen und ungünstige Umweltbedingungen verträgt der Keim erstaunlich gut.
Damit unterscheidet er sich von vielen anderen Krankheitserregern. Lebensmittel in den Kühlschrank zu legen, ist zwar weiterhin richtig und wichtig. Gegen Listerien ist Kühlen allein aber keine Garantie. Besonders ungünstig kann deshalb die Kombination aus verzehrfertigem Lebensmittel plus langer Lagerzeit sein. Die Keime bekommen Zeit, sich zu vermehren. Auch eine Vakuumverpackung verhindert das nicht.
Man sieht, riecht und schmeckt die Gefahr nicht
Ein weiterer Haken: Listerien machen einen Käse, eine Wurst oder einen Räucherfisch nicht unbedingt sichtbar schlecht. Das Lebensmittel kann völlig normal aussehen, riechen und schmecken und trotzdem belastet sein. Anders als Schimmel oder Fäulnis liefern Listerien dem Verbraucher damit keinen zuverlässigen Warnhinweis.
Gerade deshalb sind amtliche Lebensmittelkontrollen, Eigenkontrollen der Hersteller und Rückrufe so wichtig.

Wie kommen Listerien überhaupt in den Käse?
Die Bakterien können bereits mit Rohstoffen in einen Lebensmittelbetrieb gelangen. Bei tierischen Produkten kann eine Kontamination beispielsweise im Zusammenhang mit Milch oder Fleisch auftreten; pflanzliche Lebensmittel können über Boden oder organischen Dünger belastet werden.
Ein besonderes Problem ist jedoch die Kontamination während der Verarbeitung. Listerien können sich in Lebensmittelbetrieben in schwer zugänglichen, insbesondere feuchten Bereichen festsetzen. Deshalb spielen konsequente Reinigung und Desinfektion sowie Kontrollen der Produktionsumgebung eine wichtige Rolle.
Für Hersteller von verzehrfertigen Lebensmitteln ist das besonders relevant. Wird ein Produkt nach einer möglichen Kontamination nicht mehr erhitzt, gibt es vor dem Essen keinen weiteren Schritt mehr, der die Bakterien zuverlässig abtötet.
Käse ist deshalb keineswegs das einzige Lebensmittel, bei dem Listerien eine Rolle spielen. Zu den immer wieder auffälligen Lebensmitteln gehören unter anderem Rohmilch und bestimmte Käse, rohe Fleischprodukte und Rohwurst, Räucherfisch und andere rohe oder marinierte Fischprodukte sowie verschiedene verzehrfertige Lebensmittel. Auch vorgeschnittene Salate oder andere pflanzliche Produkte können betroffen sein.Was passiert nach dem Essen im Körper?
Hier muss man zwischen gesunden Menschen und Risikopatienten unterscheiden. Bei einem gesunden Erwachsenen kann eine Infektion unbemerkt bleiben oder vergleichsweise mild verlaufen. Nach Aufnahme großer Mengen von Listerien kann es beispielsweise zu einer fieberhaften Magen-Darm-Erkrankung mit Durchfall und Erbrechen kommen.
Problematisch wird es, wenn Listeria monocytogenes die Barriere des Darms überwindet und sich die Infektion systemisch, also im Körper, ausbreitet. Dann können die Bakterien in die Blutbahn gelangen. Aus einer Lebensmittelinfektion kann eine Sepsis (Blutvergiftung) werden. Listerien können außerdem das zentrale Nervensystem erreichen und eine Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Enzephalitis (Gehirnentzündung) verursachen. Das erklärt, warum eine insgesamt eher seltene Lebensmittelinfektion medizinisch so ernst genommen wird.
Für wen Listerien besonders gefährlich sind
Das Risiko ist äußerst ungleich verteilt. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Menschen mit geschwächter Immunabwehr, Patienten mit schweren Grunderkrankungen sowie Schwangere und Neugeborene. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit Krebserkrankungen oder Patienten, deren Immunsystem durch Medikamente unterdrückt wird. Auch Diabetes wird vom BfR als Risikofaktor genannt. Bei diesen Menschen kann aus einer zunächst unspektakulären Infektion eine lebensbedrohliche Erkrankung werden.
Bei Schwangeren kommt eine Besonderheit hinzu: Die Mutter selbst kann nur leichte, grippeähnliche Beschwerden haben oder die Infektion kaum bemerken. Trotzdem können die Bakterien auf das ungeborene Kind übergehen. Mögliche Folgen sind Fehlgeburt, Frühgeburt, Totgeburt oder eine schwere Infektion des Neugeborenen. Deshalb gelten für Schwangere beim Umgang mit bestimmten Lebensmitteln strengere Vorsichtsregeln als für gesunde Erwachsene.


Von Fieber bis Hirnhautentzündung
Die Beschwerden einer Listeriose können sehr unterschiedlich aussehen. Möglich sind zunächst: Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.
Bei einer invasiven Listeriose – wenn der Erreger also beispielsweise Blut oder Nervensystem erreicht – wird die Erkrankung wesentlich ernster. Dann können unter anderem Sepsis, Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung auftreten.
Das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass schwere Listeriosen trotz gezielter Behandlung eine beträchtliche Sterblichkeit haben können. In den vom RKI ausgewerteten Daten verliefen zuletzt etwa 21 Prozent der Listerien-Septikämien und 13 Prozent der Listerien-Meningitiden tödlich.
Das sind keine Sterberaten für jeden Menschen, der irgendwann Listerien mit einem Lebensmittel aufnimmt. Sie beziehen sich auf diese schweren manifesten Krankheitsformen.
Gegessen – und jetzt?
Wer einen zurückgerufenen Käse gegessen hat, muss nicht automatisch erkranken. Selbst nach dem Verzehr eines belasteten Lebensmittels ist eine invasive Listeriose selten. Bei beschwerdefreien Menschen wird deshalb nicht automatisch eine vorbeugende Antibiotikatherapie eingeleitet.
Besonders aufmerksam sollten allerdings Menschen aus den Risikogruppen sein. Treten nach dem Verzehr eines zurückgerufenen Produktes Fieber oder andere verdächtige Beschwerden auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Listeriose infrage kommt. Das gilt besonders für Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen. Dabei ist wichtig, auf den möglichen Kontakt mit einem zurückgerufenen Lebensmittel hinzuweisen.

Kann man Listerien behandeln?
Ja. Listeriose ist eine bakterielle Erkrankung und kann mit Antibiotika behandelt werden. Bei einer schweren invasiven Listeriose nennt das RKI hoch dosiertes Amoxicillin beziehungsweise Ampicillin als Medikamente der ersten Wahl, je nach Situation kombiniert mit einem weiteren Antibiotikum. Die Behandlung kann mehrere Wochen dauern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mensch nach dem Verzehr eines verdächtigen Lebensmittels Antibiotika benötigt. Ob überhaupt behandelt werden muss und welches Medikament eingesetzt wird, entscheidet sich nach Beschwerden, Risikoprofil und ärztlicher Diagnostik.
Hitze ist der Schwachpunkt der Überlebenskünstler
So widerstandsfähig Listerien gegen Kälte sind: Gegen ausreichendes Erhitzen haben sie deutlich schlechtere Karten. Kochen, Braten und Pasteurisieren töten Listerien ab. Das BfR empfiehlt als allgemeine Regel der Küchenhygiene, Lebensmittel beim Erhitzen an allen Stellen für mindestens zwei Minuten auf 70 Grad Celsius oder mehr zu bringen.
Ein möglicherweise belastetes zurückgerufenes Lebensmittel sollte trotzdem nicht nach dem Motto „Dann mache ich es eben heiß“ weiterverwendet werden. Für Rückrufware gilt die Rückrufempfehlung: nicht verzehren und zurückgeben beziehungsweise entsprechend den Herstellerhinweisen entsorgen.
Der Kühlschrank ist kein Listerien-Tresor
Für den Alltag ist vor allem eine Erkenntnis wichtig: Kalt bedeutet nicht keimfrei. Leicht verderbliche Lebensmittel gehören zwar selbstverständlich in den Kühlschrank. Doch gerade verzehrfertige Lebensmittel sollte man nicht unnötig lange aufbewahren. Das RKI empfiehlt insbesondere bei vakuumverpackten Produkten einen möglichst zügigen Verbrauch – deutlich vor Ablauf der angegebenen Haltbarkeit.
In der Küche hilft zudem das klassische Prinzip gegen Kreuzkontamination: Rohe Lebensmittel und bereits verzehrfertige Speisen möglichst getrennt halten, unterschiedliche beziehungsweise gründlich gereinigte Arbeitsgeräte benutzen und Hände sowie Arbeitsflächen sorgfältig reinigen. Obst und Gemüse sollten unter fließendem Wasser gründlich gewaschen werden.
Was Risikogruppen besser meiden
Schwangeren, älteren und abwehrgeschwächten Menschen empfiehlt das RKI besondere Vorsicht. Dazu gehört der Verzicht auf rohe Fleischprodukte und Rohwurst, rohen sowie geräucherten oder marinierten Fisch, bestimmte Rohmilchkäse und vorgeschnittene verpackte Blattsalate.
Das Entscheidende ist weniger ein einzelnes „Listerien-Lebensmittel“ als das Prinzip dahinter: Besonders problematisch sind Lebensmittel, die verzehrfertig sind, während Herstellung oder Verarbeitung erneut kontaminiert werden können und vor dem Essen nicht mehr erhitzt werden.
Und was können Hersteller tun?
Listerienprävention beginnt lange vor dem Kühlschrank des Verbrauchers. Lebensmittelhersteller müssen insbesondere verhindern, dass sich Listerien dauerhaft in Produktionsumgebungen einnisten. Dazu gehören eine hygienische Betriebs- und Anlagenplanung, klar getrennte Hygienezonen, geeignete Personal- und Materialwege, konsequente Reinigung und Desinfektion sowie ein risikobasiertes Monitoring von Rohstoffen, Produkten und Produktionsumgebung.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen schwer zugängliche und feuchte Bereiche. Denn gerade dort können sich Listerien hartnäckig halten.
Der aktuelle Rückruf aus dem Kreis Schwäbisch Hall zeigt damit exemplarisch, warum Lebensmittelunternehmen bei einem einzelnen positiven Listerienbefund nicht nur auf genau dieses eine Produkt schauen. Wenn eine Kontamination weiterer Produkte nicht sicher ausgeschlossen werden kann, kann aus einem zunächst kleinen Rückruf schnell ein wesentlich größerer werden. Genau das ist in Geifertshofen geschehen. tok