Mindestens neun verschiedene Hantaviren kommen in Deutschland in verschiedenen Mäusearten vor. Die Rötelmaus (Myodes glareolus) gilt als häufigste Überträgerin. Die meisten Infektionen werden durch das Puumala-Orthonavirus (PUUV) verzeichnet. Foto: bennytrapp/stock.adobe.com

Drei tödliche Hantavirus-Infektionen auf Kreuzfahrtschiff: Im Südwesten sorgen Rötelmäuse in Haus und Garten für Übertragungsgefahr

Kreuzfahrtschiffe und Viren, das war bislang eine schon vertraut gewordene Geschichte von in kürzester Zeit in großen Menschenmengen auftretenden, heftigen, aber nur wenige Tage andauernden Magen-Darm-Erkrankungen durch Noroviren. Jetzt sorgt das Hantavirus in der Passagierschifffahrt für Aufsehen – und das in einer ganz anderen, tödlichen Dimension. Auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ sind auf der geplanten Atlantik-Tour vom südlichen Argentinien bis zu den Kapverdischen Inseln mutmaßlich drei Menschen an einer Infektion mit Hantaviren gestorben.

Trotz Todesfällen keine Reisebeschränkungen erforderlich

Im vergangenen Jahr sorgten Norovirus-Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen weltweit für Unruhe: Bis Anfang Mai 2025 wurden bereits 14 Ausbrüche der hoch ansteckenden Magen-Darm-Erkrankung auf Kreuzfahrten registriert – fast so viele wie im gesamten Vorjahr 2024. Das CRM Centrum für Reisemedizin hatte Kreuzfahrt-Reisenden mit gezielten Hygienemaßnahmen zur Vorbeugung geraten. Dass auch das durch Kontakte zu Nagetieren verbreitete Hantavirus auf hoher See zuschlägt und für mehrere Todesfälle verantwortlich sein soll, ist eher ungewöhnlich.

Bislang ist die Rede von drei Toten unter den Passagieren der „MV Hondius“. Ein niederländisches Ehepaar und ein Deutscher sind mutmaßlich an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben. Drei weitere sind offenbar infiziert und müssen behandelt werden. Ein britischer Passagier liegt offenbar auf der Intensivstation eines Krankenhauses im südafrikanischen Johannesburg. Zwei weitere Fälle gibt es unter den Mitgliedern der Schiffscrew, von denen einer schwerer erkrankt sein soll. Beide bräuchten „dringend medizinische Versorgung“, wie der Schiffsbetreiber „Oceanwide Expeditions“ erklärte.

Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich, so verkündet es die Weltgesundheitsorganisation (WHO), denn Infektion seien selten und die daraus entstehenden Krankheitsfolgen wären zumeist nicht gravierend. Vor allem sei das Risiko einer Übertragung von Mensch zu Mensch eher nicht möglich. In Europa ist bisher solch eine Übertragung nicht dokumentiert worden. Hantaviren sind zwar in Deutschland keine unbekannten Erreger mehr, deren Bedeutung wird in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch oft noch unterschätzt.

Häufigste Überträgerin ist hierzulande die Rötelmaus

Diese Viren gehören zur Familie der Bunyaviridae und sind RNA-Viren, die vorwiegend durch Nagetiere übertragen werden. In Europa ist der Puumala-Virus-Stamm am häufigsten, während in Süd- und Mittelamerika andere, zum Teil tödlichere Varianten zur Plage werden. Mindestens neun verschiedene Hantaviren kommen hierzulande in verschiedenen Mäusearten vor, die meisten Erkrankungsfälle werden durch das Puumala-Orthonavirus (PUUV) verursacht. Als häufigste Überträgerin gilt die Rötelmaus (Myodes glareolus), deren Populationsdichte Schwankungen unterliegt, was das Infektionsrisiko für den Menschen beeinflusst.

Rötelmäusen begegnet man in der Regel nicht auf Schiffen, sondern im eigenen Garten, beim Camping oder im Wald. Aufräumarbeiten im alten Gartenschuppen, im Keller oder auf dem Dachboden, Aufenthalte an lauschigen Plätzen im Wald oder im Zelt auf dem Campingplatz bergen die Gefahr einer Infektion. Auch wenn man vielleicht nie eine Rötelmaus direkt zu Gesicht bekommt, so kann man dennoch mit ihren Hinterlassenschaften unbemerkt in Berührung kommen. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über das Einatmen virushaltiger Aerosole, also kleinster fester oder flüssiger Schwebeteilchen in der Luft, die etwa beim Kontakt mit Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) der infizierten Nagetiere entstehen.  

Vergleichsweise wenig Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland

Das Robert Koch-Institut verzeichnet in Deutschland für die Kalenderwochen 1 bis 17 ganze 46 dokumentierte Hantavirus-Erkrankungen. Im gleichen Zeitraum im Jahr 2025 waren es 71. Das RKI-Dashboard zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten führt bislang 15 Hantavirus-Erkrankungen in Baden-Württemberg an – das ist der bundesweite Höchstwert. 2024 gab es in Deutschland nach RKI-Angaben 424 Hantavirus-Erkrankungen, in 2025 waren es nur 297.

Zum Vergleich: Die vor allem mit der Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) in Verbindung gebrachte Bornavirus-Erkrankung steht in der RKI-Liste mit den meldepflichtigen Infektionskrankheiten weit abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze: bislang nur drei Fälle wurden in der Zeit von KW 1 bis 17 gemeldet. Im Vorjahr gab es im gleichen Zeitraum keinen einzigen Fall. Ganz anders sieht es in Deutschland mit den Norovirus-Infektionen aus, die vor allem als Geisel der Kreuzschifffahrt bekannt wurden. Von KW 1 bis 17 wurden in diesem Jahr 39.257 Norovirus-Infektionen gemeldet. 2025 waren es dagegen im gleichen Zeitraum schon 48.066.

Württemberg ist niedriges Risiko-Gebiet

Vor allem in bestimmten Regionen Deutschlands treten regelmäßig Ausbrüche auf. Die meisten Infektionen werden durch das Puumala-Virus verursacht, das hauptsächlich im Süden und Westen Deutschlands vorkommt. Baden-Württemberg gilt als Bundesland mit einem niedrigen Risiko. Während der Mittel- und Hochschwarzwald zu weiten Teilen kein etablierter Raum für Hantavirus-Infektionen ist, wird das Risiko vor allem in der württembergischen Landeshälfte für das laufende Jahr 2025 als niedrig bis mittelhoch, im Nordbadischen als niedrig eingeschätzt. Im Norden des Musterländles, in den angrenzenden bayerischen und hessischen Landkreisen sowie in Teilen von Thüringen, Ostbayern und in den westlichen Grenz-Landkreisen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gehen die Prognosen für Hantavirus-Infektion von mittelhoch bis hoch. Der große Rest von Deutschland scheint 2026 verschont zu bleiben. Die Fallzahlen schwanken aber stark von Jahr zu Jahr, abhängig von der Populationsdichte der Rötelmäuse, die eng mit dem Nahrungsangebot, vor allem der Buchenmast, korreliert.

Das Risiko für humane Puumala-Hantavirus Infektionen lässt sich anhand eines Modells vorhersagen. Die > Risikokarte < wird jährlich im Herbst für das Folgejahr aktualisiert. Foto: © Umweltbundesamt (2025) Creative Commons BY-NC 4.0   

Hier können Sie ein RKI-Merkblatt mit Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen (PDF-Datei mit 0,5 MB) herunterladen.

Die Fakten

Einatmen virushaltiger Aerosole

Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über das Einatmen virushaltiger Aerosole, die beim Kontakt mit Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) infizierter Nagetiere entstehen. Folgende Aktivitäten gelten als besonders risikobehaftet:

  • Aufräumarbeiten in Schuppen, Kellern oder Dachböden
  • Wald- und Forstarbeiten
  • Campen oder Zelten in betroffenen Gebieten
  • Gartenarbeiten, besonders in ländlichen Regionen

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist in Europa bisher nicht dokumentiert worden.

Mehrwöchige Inkubationszeit, niedrige Sterberate

Die Inkubationszeit beträgt typischerweise 2 bis 4 Wochen. Zu den häufigsten Symptomen zählen:

  • Plötzliches hohes Fieber
  • Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen

Viele Menschen spüren die Folgen der Infektion gar nicht. Aber in schweren Fällen kann es zu einem Nephropathia epidemica kommen, einer durch das Virus ausgelösten Nierenerkrankung mit folgenden Folgen:

  • Proteinurie
  • Niereninsuffizienz (in circa 10 Prozent der Fälle dialysepflichtig)
  • Blutdruckanstieg
  • Flüssigkeitseinlagerungen

Die Letalitätsrate in Deutschland liegt unter 1 Prozent, schwere Verläufe sind jedoch nicht auszuschließen. Jene gravierenden Erkrankungen sind vor allem für Virustypen aus Südamerika typisch. Hier liegt die Letalität bei 25 bis 40 Prozent.

Keine Impfung, keine kausale anitivirale Therapie

Die Diagnostik erfolgt serologisch (Nachweis spezifischer Antikörper) sowie mittels PCR. Eine kausale antivirale Therapie existiert bislang nicht; die Behandlung ist symptomatisch und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Eine überstandene Infektion, so das RKI, kann möglicherweise zu einer lebenslangen Immunität führen.

Eine Impfung gegen Hantaviren ist in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Umso wichtiger sind präventive Maßnahmen:

  • Staubvermeidung durch Anfeuchten (zum Beispiel beim Fegen von Kellern)
  • Tragen von Handschuhen und Atemschutz bei Reinigungsarbeiten
  • Lebensmittel und Abfälle stets Nagetier-sicher lagern
  • Fenster und Türen von Schuppen und Ställen gut verschließen
  • Nagetierbefall vermeiden bzw. professionell bekämpfen

Info

Das Bundesumweltamt veröffentlicht jedes Jahr eine interaktive Deutschland-Karte mit Hantavirus-Prognosewerten, die man für jeden Stadt- und Landkreis abrufen kann. Die Prognosekarte zeigt das erwartete Risiko für Hantavirus-Infektionen im Jahr 2025 auf Landkreis- und Stadtkreisebene. Diese Einschätzungen basieren auf einem Modell, das Wetter- und Phänologiedaten berücksichtigt, um das Infektionsrisiko einzuschätzen. Die Karte finden Sie > hier <.

Eine detaillierte Übersicht der gemeldeten Hantavirus-Fälle auf Landkreisebene bietet die interaktive Karte von Proplanta. Diese ermöglicht es, die Verteilung der Fälle regional einzuordnen und zeigt, in welchen Gebieten erhöhte Infektionszahlen auftreten. Die Karte finden Sie > hier <.

Aktuelles zur Hantavirus-Situation in Deutschland lesen Sie auf der Webseite des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesinstitut für Tiergesundheit). Zur FLI-Seite gelangen Sie > hier <.

Für weitere Informationen und aktuelle Daten empfiehlt sich ein regelmäßiger Blick auf die Seiten des Robert Koch-Instituts. Zur Hantavirus-Seite des RKI gelangen Sie > hier <. tok