Zusammen mit ihrer Vorstufe Gingivitis, auch Zahnfleischentzündung genannt, ist Paradontitis die häufigste Krankheit überhaupt. Übeltäter sind Bakterien, die sich auf den Zähnen ablagern und zuerst die Befestigung des Zahnfleisches am Zahn lösen, bevor sie den Kieferknochen abbauen. Foto: New Africa/stock.adobe.com

35 Millionen leiden in Deutschland an Paradontitis – Darum ist sie so gefährlich

Sie ist beileibe keine Seltenheit und wird trotzdem immer noch unterschätzt: 35 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Paradontitis. Eine Erkrankung, die gerade auch für Menschen mit Diabetes sehr gefährlich ist, weil sie die Allgemeingesundheit beeinflusst.

„Über die Zahnfleischtaschen gelangen Mundbakterien und Entzündungsstoffe in den Blutkreislauf und können so auch Probleme in anderen Regionen des Körpers auslösen“, erklärt Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie sowie Ärztliche Direktorin des Zentrums Innere Medizin in München. Das Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“ 3/2024 (liegt in den meisten Apotheken aus) erklärt, welche Warnzeichen es gibt und wann behandelt werden muss.

Paradontitis entwickelt sich meist schleichend, schmerzlos und unbemerkt. Eine Paradontitis mit einer Zahnfleischtaschentiefe von vier Millimetern und mehr ist behandlungsbedürftig. Foto: Bilderzwerg/stock.adobe.com

Paradontitis ist eine „stille“ Krankheit

Zusammen mit ihrer Vorstufe Gingivitis, auch Zahnfleischentzündung genannt, ist Paradontitis die häufigste Krankheit überhaupt. Übeltäter sind Bakterien, die sich auf den Zähnen ablagern. Sie lösen die Befestigung des Zahnfleisches am Zahn und führen zum Abbau des Kieferknochens, bis sich die Zähne lockern und schließlich ausfallen. Auslöser kann beispielsweise schlechte Mundhygiene sein, aber auch Rauchen, Diabetes und Veranlagung erhöhen das Risiko. Werden die Beläge nicht entfernt, gelangen Bakterien und ihre Produkte ins Gewebe. Bei anfälligen Personen wird die Entzündung chronisch, das Zahnfleisch löst sich vom Zahn und bildet Taschen.

Das Tückische: Paradontitis ist eine „stille“ Krankheit. Sie entwickelt sich meist schleichend, schmerzlos und unbemerkt. „Blut beim Zähneputzen oder bei der Zahnzwischenraumreinigung ist nie normal – das muss zahnärztlich abgeklärt werden“, betont Prof. Dr. Søren Jepsen, Direktor der Poliklinik für Paradontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde an der Uniklinik Bonn. Auch Mundgeruch, geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch sowie verlängerte Zahnhälse können auf Paradontitis hinweisen. Deshalb: regelmäßig zahnärztlich kontrollieren lassen.

Über die Zahnfleischtaschen gelangen Mundbakterien und Entzündungsstoffe in den Blutkreislauf und können so auch Probleme in anderen Regionen des Körpers auslösen. Foto: Henrie/stock.adobe.com

Mit Mundhygiene allein ist es nicht getan

Eine Paradontitis mit einer Zahnfleischtaschentiefe von vier Millimetern und mehr ist laut Leitlinie behandlungsbedürftig. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Behandlung einer Paradontitis. Dazu gehören die ursächliche Therapie und die Nachsorge. „Mit guter Mundhygiene allein ist es hier nicht getan: Die Zahnbürste erreicht die Bakterienbeläge in den Taschen nicht“, erklärt Zahnmediziner Jepsen.   pm