Ein dauerhaft hoher Konsum gezuckerter Getränke führt unter anderem zu erhöhten Risiken für die chronische Nierenkrankheit (CKD), für Nierensteine (Abbildung), insbesondere Harnsäuresteine und für Albuminurie, also das vermehrte Auftreten von Eiweiß im Urin als frühes Zeichen von Nierenschäden. Foto: New Africa/stock.adobe.com

Zu viel Fruktose schadet den Nieren: Versteckter Zucker in Getränken und Fertigprodukten

Übermäßiger Konsum von Fruktose (Fruchtzucker) kann die Nieren nachhaltig schädigen und das Risiko für eine chronische Nierenkrankheit (CKD) erhöhen. Besonders problematisch ist Fruktose, die in großen Mengen industriell zugesetzt wird – etwa in Softdrinks, Energydrinks, Fruchtsäften und zahlreichen Fertigprodukten, häufig in Form von Fruktose-Glukose-Sirup oder Maissirup. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN) anlässlich des Weltnierentags im März 2026 hin.

Zuckersüße Getränke im Alltag konsequent meiden

„Fruktose ist kein ‚gesünderer‘ Zucker – im Gegenteil: In großen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen“, betont die DGfN. Besonders kritisch sei der Konsum zuckerhaltiger Getränke, da die Fruktose hier schnell und in hoher Konzentration aufgenommen werde. In Kombination mit Hitze und Flüssigkeitsmangel – etwa im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung – könne dies die Nieren zusätzlich belasten.

Die DGfN empfiehlt daher, zuckergesüßte Getränke im Alltag konsequent zu reduzieren und stattdessen Wasser, ungesüßten Tee oder Kaffee ohne Zucker zu trinken. Zugleich fordert sie die Gesundheitspolitik auf, sich den Empfehlungen der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), Bundesärztekammer und Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Einführung einer Zuckersteuer anzuschließen.

Wie Fruktose die Niere belastet

Fruktose wird im Körper überwiegend in der Leber, aber auch in der Niere verstoffwechselt und unterscheidet sich grundlegend vom Glukosestoffwechsel. Ein hoher Fruktosekonsum begünstigt die Entstehung von Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz – zentrale Treiber für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. „Beide Erkrankungen zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine CKD“, sagt Professorin Dr. med. Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN. 

Zudem zeigen zahlreiche Studien, dass hohe Fruktosemengen den Harnsäurespiegel erhöhen können. „Erhöhte Harnsäure steht im Zusammenhang mit Bluthochdruck, Gicht, Nierensteinen und Entzündungsprozessen in der Niere“, so die Nephrologin. Gleichzeitig fördert Fruktose die Bildung von Fett und Entzündungen im Körper, die auch die feinen Blutgefäße der Nieren schädigen können.

Mechanismen der Nierenschädigung

Aus nephrologischer Sicht sind mehrere Mechanismen relevant:

  • Harnsäureproduktion: Fruktose ist der einzige Zucker, der bei seinem Abbau zu einer vermehrten Harnsäurebildung führt. Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel gilt als wesentlicher Faktor für Nierenschäden, Nierensteine und Entzündungen.
  • Entzündungen und Verhärtung des Nierengewebes (Fibrose): Langfristig hoher Fruktosekonsum fördert entzündliche Prozesse und Fibrose.
  • Energieverbrauch (ATP-Depletion): Beim Abbau von Fruktose in der Niere wird viel Energie verbraucht. Dadurch entsteht ein Energiemangel in den Zellen, der Entzündungen, oxidativen Stress, Funktionsstörungen der Gefäßinnenwand (Endothel) und eine Verengung der Blutgefäße auslösen kann.
  • Indirekte Effekte: Fruktose fördert Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettleber – Erkrankungen, die die Nierenfunktion zusätzlich verschlechtern.

Folgen für die Nierengesundheit

Ein dauerhaft hoher Konsum gezuckerter Getränke ist mit mehreren gesundheitlichen Risiken verbunden. Nephrologin Stracke zählt auf:

  • Erhöhtes Risiko für CKD
  • Nierensteine, insbesondere Harnsäuresteine
  • Albuminurie, also das vermehrte Auftreten von Eiweiß im Urin als frühes Zeichen von Nierenschäden
  • Besondere Gefährdung bei Hitze und Dehydrierung, wenn zuckerhaltige Getränke den Flüssigkeitsmangel nicht ausgleichen, sondern verstärken
  • Verstärkte Fettneubildung und Ablagerung sowohl als Unterhautfett wie auch als sogenanntes viszerales Fett.

Wo Fruktose überall drin steckt – von Energydrinks bis Kinderjoghurt

„Problematisch ist nicht Fruktose aus frischem Obst, sondern vor allem der zugesetzte Fruchtzucker in industriell hergestellten Lebensmitteln“, erläutert die Nephrologin. Sie findet sich unter anderem in:

  • Softdrinks, Energydrinks und Limonaden
  • „Sportdrinks“, Eistees und aromatisierten Wässern
  • Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müsliriegeln und Desserts
  • Fertigsaucen, Ketchup, Dressings sowie Backwaren und Snacks.

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher unterschätzen, wie viel Fruktose sie allein über Getränke zu sich nehmen. Ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann bereits mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird“, warnt sie.

Prävention: Was jeder für seine Nieren tun kann

Nierenkrankheiten verlaufen häufig lange unbemerkt. Wer regelmäßig Nierenwerte (eGFR, UACR) sowie Blutdruck und Blutzucker kontrollieren lässt, kann früh gegensteuern.
Für die Nierengesundheit empfiehlt die DGfN:

  • Durst mit Wasser statt mit Softdrinks oder Energydrinks löschen
  • Zutatenlisten prüfen und Fruktose-Glukose-Sirup, Maissirup oder „Fruchtzucker“ möglichst meiden
  • Normalgewicht anstreben und halten
  • Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes konsequent behandeln.

„Mit wenigen, aber konsequent umgesetzten Verhaltensänderungen lässt sich das persönliche Risiko für eine CKD deutlich senken“, sagt auch Dr. med. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN.

Forderung an Politik und Versorgung: Zuckerbremse und bessere Früherkennung

Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit CKD fordert die DGfN wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen zur Reduktion des Zuckergehalts in Getränken und Fertigprodukten. Dazu zählen eine klare Nährwertkennzeichnung, verbindliche Reduktionsziele für zugesetzten Zucker sowie eine stärkere gesundheitliche Aufklärung.

Zugleich unterstützt die Fachgesellschaft die aktuellen politischen Debatten über eine steuerliche Lenkungswirkung bei stark gezuckerten Getränken. Stefan Schwartze, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, erklärt: „Ich begrüße den angestoßenen öffentlichen Diskurs um eine Zuckersteuer sehr. Eine solche würde vor allem Kindern und Jugendlichen zugutekommen – und damit denjenigen, die sich mangels Wissens nicht selbst schützen können und unserer besonderen Fürsorge bedürfen.“

Internationale Daten zeigen, dass Maßnahmen wirken: In einer weltweiten Studie aus 107 Ländern war der tägliche Konsum von Süßgetränken bei Schülern in Ländern mit Zuckersteuer geringer als in Ländern ohne entsprechende Abgaben. Bereits 32 Länder erheben Steuern auf Süßgetränke – mit messbarem Rückgang des Konsums.
Parallel müsse die Früherkennung von Nierenkrankheiten verbessert werden. Studien zeigen, dass viele Patienten erst spät nephrologisch betreut werden. „Jede früh erkannte Nierenkrankheit ist eine Chance, durch Verhaltensänderung und Therapie Dialyse und Transplantation zu verhindern – diese Chance dürfen wir nicht ungenutzt lassen“, betont Nicole Helmbold.    pm

Dieses Vital-Region-Video gibt Tipps, wie man mit der richtigen Ernährung seine Nieren schützen kann. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

Viele Fleischwaren enthalten weiterhin zu viel Salz – viel zu süße Kinderprodukte

Bei Wurstwaren und weiteren Fleischerzeugnissen, Brot und Kleingebäck sowie Riegeln sind die Gehalte an Energie, Zucker, Fetten und Salz seit 2020 großteils kaum gesunken; in einigen Fällen haben sie sogar zugenommen. Dies ist das Ergebnis einer Erhebung des vom Max Rubner-Institut (MRI) durchgeführten Produktmonitorings. Die Ergebnisse zeigen, dass unter anderem das von der Lebensmittelindustrie im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI) selbst gesteckte Ziel zur Salzreduktion in erhitzten Fleischerzeugnissen (etwa Brühwurst und Kochschinken) nicht erreicht wurde. Ein starker Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzanteil kann zu Übergewicht und Adipositas sowie anderen Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.
Viele Produkte, die mit ihrer Optik explizit Kinder ansprechen, weisen hohe Zucker-, Fett- und Salzgehalte auf. So erfüllen nur wenige Produkte die Kriterien des Nährwertprofilmodells der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Vermarktung gegenüber Kindern. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

Konsequenter Kinderschutz: Großbritannien startet Werbeverbot für Junkfood und Softdrinks

In Großbritannien gilt seit Januar 2026 eine gesetzliche Beschränkung für Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet und für ungesunde Lebensmittel wirbt. Für Deutschland ist eine solche Beschränkung weiterhin nicht geplant. Im Vereinigten Königreich läuft zwischen 5.30 Uhr und 21 Uhr, also zu Zeiten, wo Kinder besonders häufig vor dem Fernseher sitzen, keine Werbung mehr für ungesunde Lebensmittel wie Softdrinks, Chips oder Fast Food. Im Internet ist die Werbung für ungesunde Lebensmittel sogar rund um die Uhr verboten. Das soll die Fettleibigkeit bei Kindern und alle damit im Lebensverlauf einhergehenden Krankheiten zurückdrängen.
Großbritannien hat bereits 2018 die „Soft Drinks Industry Levy“ eingeführt, eine gestaffelte Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Der durchschnittliche Zuckergehalt in Softdrinks sank von 5,3 Gramm auf 3,8 Gramm pro 100 ml, was einer Reduktion von etwa 30 Prozent entspricht. Kinder reduzierten ihren täglichen Zuckerkonsum um etwa 5 Gramm, Erwachsene um 11 Gramm. Lesen Sie hier mehr zum Thema.