Eine Diät mit viel pflanzlichem und tierischem Eiweiß kann für Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes den Glukosestoffwechsel und andere biochemische Parameter verbessern sowie das Körpergewicht verringern. Gleichzeitig ist eine hohe Proteinzufuhr bei älteren Menschen von Vorteil für die Mobilität. Foto: Evi – KI-generiert/stock.adobe.com

So hilfreich sind High-Protein-Diäten bei Typ-2-Diabetes und für die Mobilität im Alter

Hat der Anteil von pflanzlichem oder tierischem Protein Einfluss auf die Ergebnisse einer kalorienarmen, proteinreichen Diät? Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 117 Teilnehmern aus Spanien untersuchte dies nun bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas sowie Störungen des Glukosestoffwechsels. Eine weitere Studie ging der Frage nach, ob eine höhere Proteinzufuhr im Alter mit besserer körperlicher Leistungsfähigkeit und einem geringeren Sterberisiko einhergeht.

Das Ergebnis der ersten Studie: Eine kalorienarme, proteinreiche Diäten bei Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes kann den Glukosestoffwechsel sowie kardiometabolische Parameter verbessern – unabhängig davon, ob das Protein aus tierischen oder pflanzlichen Quellen stammt. Und die zweite Studie zeigt: Eine höhere Proteinzufuhr geht im Alter mit besserer körperlicher Leistungsfähigkeit und einem geringeren Sterberisiko einher. Außerdem scheint Protein ein Teil der Erklärung dafür zu sein, warum Ernährungsformen wie die mediterrane Ernährung positive Effekte auf die körperliche Funktion haben.

High-Protein-Diäten bei Diabetes getestet

Die erste Studie verglich zwei kalorienarme, proteinreiche (HighProtein, HP) Diäten und glykämische sowie kardiometabolische Ergebnisse. Erwachsene ab 18 Jahren mit einem Body-Mass-Index über 27,5 kg/m2 und Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes (T2D) nahmen an der Studie teil. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei HP-kalorienarmen Diäten (35 % der Gesamtkalorien aus Protein) zugewiesen. Bei einer Diät stammte 75 % des Proteins aus pflanzlichen Quellen (HPP), bei der anderen aus tierischen Quellen (HPA). In beiden Diäten wurden 30 % der Gesamtkalorien aus Fett gewonnen, Kohlenhydrate stellten 35 % der Gesamtkalorien. Die Ernährungsintervention dauerte 6 Monate, wie das DeutschesGesundheitsPortal (DGP) berichtet.

Gewichtsverlust und verbesserter Glukosestoffwechsel

Insgesamt nahmen 117 Erwachsene an der Studie teil. Beide Ernährungsformen verbesserten die Körperzusammensetzung in ähnlichem Ausmaß, einschließlich einer Gewichtsreduktion und einem Verlust von Fettmasse und Bauchfett. Der Gewichtsverlust betrug nach 6 Monaten 8,05 kg mit tierischem Protein sowie 7,70 kg mit pflanzlichem Protein.

Beide Ernährungsformen hatten eine ähnliche positive Wirkung auf den Glukosestoffwechsel, einschließlich Nüchternglukose, Insulin, HOMA-Index, Insulinresistenzindex und des glykosylierten Hämoglobin. Andere biochemische Parameter, einschließlich Lipidprofile, Leberenzyme, Adipokine und Entzündungsbiomarker, verbesserten sich in beiden Gruppen in ähnlicher Weise. Nüchtern-Inkretine, hauptsächlich das Glucagon-ähnliches Peptid 1, nahmen in beiden Gruppen signifikant ab. Dieser Effekt korrelierte mit einem Gewichtsverlust.

Kalorienarme High-Protein-Diäten verbesserten also bei Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes die Körperzusammensetzung, den Glukosestoffwechsel und andere kardiometabolische Parameter. Die Ergebnisse waren unabhängig von der Proteinquelle: Sowohl tierische als auch pflanzliche Proteinquellen gingen mit Verbesserungen einher.      DGP/HealthCom

Info

Originalstudie: Rodrigo-Carbó C, Madinaveitia-Nisarre L, Pérez-Calahorra S, Gracia-Rubio I, Cebollada A, Galindo-Lalana C, Mateo-Gallego R, Lamiquiz-Moneo I. Low-calorie, high-protein diets, regardless of protein source, improve glucose metabolism and cardiometabolic profiles in subjects with prediabetes or type 2 diabetes and overweight or obesity. Diabetes Obes Metab. 2025 Jan;27(1):268-279. doi: 10.1111/dom.16013. Epub 2024 Oct 17. PMID: 39420528; PMCID: PMC11618321.

Welche Rolle spielt die Menge an Protein im Essen für gesundes Altern?

Eine ausreichende Proteinzufuhr gilt zunehmend als wichtig für gesundes Altern. Es ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt, wie stark der Proteingehalt der Nahrung den funktionellen Abbau und die Sterblichkeit beeinflusst. Dies untersuchte nun eine Analyse von Daten aus einer Studie in Großbritannien.

Eine aktuelle Studie analysierte Daten von 532 Personen ab 65 Jahren aus der English Longitudinal Study of Ageing über einen Zeitraum von 6 Jahren. Dabei wurden sowohl querschnittliche als auch longitudinale Zusammenhänge zwischen verschiedenen proteinbezogenen Parametern und klinischen Endpunkten betrachtet. Zusätzlich prüfte die Analyse, ob der Proteingehalt die Effekte zweier gesunder Ernährungsweisen – der mediterranen Ernährung (MED) und des WHO Quality Diet Index (WHO-QDI) – beeinflusst oder vermittelt. Eine erhöhte Proteinzufuhr definierte die Studie als eine Aufnahme oberhalb der empfohlenen täglichen Zufuhrmenge, sowohl in Relation zum Körpergewicht als auch bezogen auf den Anteil an der Gesamtenergiezufuhr (Proteinanteil von über 18 %).

Die mediterrane Ernährung zeichnet sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten sowie durch regelmäßigen Fischkonsum und einen geringen Anteil an rotem Fleisch aus. Der WHO-QDI bewertet die Ernährung anhand der Einhaltung zentraler WHO-Empfehlungen. Dies umfasst den vorwiegenden Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln und eine geringe Aufnahme von gesättigten Fetten, Salz und freien Zuckern. Auch Unterschiede zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen wurden von den Wissenschaftlern berücksichtigt.

Proteinzufuhr und Bewegungsfähigkeit im Alter

Eine erhöhte Proteinzufuhr war konsistent mit einem geringeren Risiko für folgende Parameter verbunden:

• Stürze

• Mobilitätseinschränkungen

• Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens (Activities of Daily Living, ADL)

• Gebrechlichkeit (Frailty)

• Abnahme der Gehgeschwindigkeit

• Sterblichkeit

Die Proteinzufuhr, insbesondere aus tierischen Quellen, vermittelte teilweise die positiven Effekte der mediterranen Ernährung und der Ernährungsempfehlungen der WHO auf die Bewegungsfähigkeit älterer Menschen, wie das DGP berichtet.

Ausreichende und qualitativ hochwertige Proteinzufuhr kann gesundes Altern fördern

Laut der Studienautoren war somit eine höhere Proteinzufuhr, insbesondere im Bereich von etwa 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag oder mehr, mit besseren funktionellen Ergebnissen, weniger Gebrechlichkeit und Stürzen und einer niedrigeren Sterblichkeit im Alter verbunden. Die Autoren führen dies auf die verringerte Fähigkeit älterer Muskeln, auf Aminosäuren zu reagieren, zurück.

Grundsätzlich kann der Körper auch aus pflanzlichen Proteinen Muskelprotein aufbauen. Im Alter ist dies jedoch weniger effizient, weil pflanzliche Proteine oft weniger gut verfügbare essentielle Aminosäuren enthalten. Tierische Proteine liefern ein vollständiges Spektrum essentieller Aminosäuren, darunter verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA), die entscheidend für die Muskelproteinsynthese sind.

Die Autoren schließen, dass ein Teil der positiven Wirkung der mediterranen Ernährung und der WHO‑Ernährungsempfehlungen auf die Beweglichkeit älterer Menschen darauf zurückzuführen sein könnte, dass dabei ausreichend Protein, insbesondere aus tierischen Lebensmitteln (zum Beispiel Milchprodukte, Eier oder Fisch) aufgenommen wird. Jedoch sollte berücksichtigt werden, dass es sich hierbei um Beobachtungsdaten handelt und daher keine eindeutigen Ursache‑Wirkungs‑Aussagen möglich sind.

Weitere Informationen zu Prävention und HealthyAging auch bei staYoung.     DGP/HealthCom