
Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland eine neue Regel für die Ewigkeitschemikalien PFAS im Trinkwasser, was Millionen Menschen betrifft, obwohl man die betreffenden Stoffe weder sehen, riechen noch schmecken kann. Ab 12. Januar 2028 gilt zusätzlich für vier besonders relevante Vertreter – PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS – ein noch geringerer Grenzwert. Damit sind PFAS endgültig im deutschen Trinkwasserrecht angekommen. Foto: Kurtz – KI-generiert
Ewigkeitschemikalien im Wasserglas? Fakten über PFAS, Grenzwerte und Teflonpfannen
Sie stecken oder steckten in beschichteten Pfannen, Outdoorjacken, Löschschäumen und zahlreichen Industrieprodukten – und inzwischen findet man sie praktisch überall in der Umwelt. PFAS werden nicht ohne Grund „Ewigkeitschemikalien“ genannt: Viele dieser Stoffe sind extrem langlebig. Seit Januar 2026 gilt erstmals ein verbindlicher PFAS-Grenzwert für deutsches Trinkwasser. Was machen PFAS im Körper? Wie gelangen sie ins Grundwasser? Und kann ein Wasserwerk sie überhaupt wieder herausfiltern?
Neue Regeln gegen PFAS im Trinkwasser
Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland eine neue Regel für das Trinkwasser, die Millionen Menschen betrifft, obwohl man die betreffenden Stoffe weder sehen, riechen noch schmecken kann. Für die Summe von 20 bestimmten PFAS gilt jetzt ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter. 100 Nanogramm – das sind 0,0001 Milligramm. Und es wird noch einmal strenger: Ab 12. Januar 2028 gilt zusätzlich für vier besonders relevante Vertreter – PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS – zusammen ein Grenzwert von nur 20 Nanogramm pro Liter.
Damit sind die sogenannten PFAS endgültig im deutschen Trinkwasserrecht angekommen.
Das ist kein Grund, Leitungswasser plötzlich zu meiden. Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) sprechen derzeit ausdrücklich nicht für eine flächendeckende PFAS-Belastung des deutschen Trinkwassers. Regionale Problemgebiete gibt es allerdings durchaus. Und genau darin liegt das eigentliche PFAS-Problem: Es geht weniger um einen akuten Vergiftungsstoff im Wasserglas als um Chemikalien, die wir über Jahrzehnte in die Umwelt gebracht haben und die dort ausgesprochen hartnäckig bleiben.


Was bedeutet PFAS?
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Hinter dieser sperrigen Bezeichnung verbirgt sich keine einzelne Chemikalie, sondern eine riesige Familie chemischer Stoffe. Das Umweltbundesamt spricht von mehr als 10.000 verschiedenen Stoffen, wobei die genaue Zahl von der verwendeten Definition abhängt.
Menschen haben diese Chemikalien nicht aus Spaß erfunden. Sie besitzen Eigenschaften, die technisch außerordentlich praktisch sind. PFAS können Materialien unter anderem
- wasserabweisend,
- fettabweisend,
- schmutzabweisend,
- hitzebeständig und
- chemisch widerstandsfähig
machen. Deshalb wurden und werden sie in einer erstaunlichen Vielzahl von Anwendungen eingesetzt: in Outdoorbekleidung, Beschichtungen, Feuerlöschschäumen, Kosmetika, Imprägniermitteln, Papier und Lebensmittelverpackungen, Elektronik, Industrieanlagen, Medizinprodukten und zahlreichen Spezialanwendungen.
Warum heißen PFAS „Ewigkeitschemikalien“?
Ausgerechnet ihre größte technische Stärke ist ihr ökologisches Problem. Die Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor ist extrem stabil. Viele PFAS lassen sich durch Sonnenlicht, Mikroorganismen und andere natürliche Vorgänge kaum oder gar nicht zerlegen. Sind sie erst einmal freigesetzt, verschwinden sie deshalb nicht einfach.
Langkettige PFAS können sich zudem in Organismen und entlang der Nahrungskette anreichern. Kurzkettige Vertreter sind häufig besonders mobil und können sich mit Wasser über große Entfernungen verteilen. Daher der inzwischen berühmte Name: Forever Chemicals – Ewigkeitschemikalien.

Wie kommen PFAS ins Wasser?
Dafür gibt es nicht den einen Weg. PFAS können bereits bei ihrer Herstellung und industriellen Verarbeitung freigesetzt werden. Hinzu kommen die Nutzung PFAS-haltiger Produkte, deren Entsorgung und belastete Altstandorte. Besonders bekannte Problemstellen sind Flächen, auf denen PFAS-haltige Feuerlöschschäume verwendet wurden – beispielsweise Feuerwehrübungsplätze, Flughäfen, Militärflugplätze oder Orte großer Brände.
Weitere bekannte Eintragsquellen sind beziehungsweise waren unter anderem:
- Galvanikbetriebe
- Textilverarbeitung
- Papierindustrie
- Deponien
- bestimmte industrielle Anlagen
- Klärschlämme und belastete Bodenverbesserer
- teilweise Pflanzenschutzmittel.
PFAS gelangen in den Boden, können mit Niederschlag ausgewaschen werden und schließlich das Grundwasser erreichen. Andere gelangen mit industriellen oder häuslichen Abwässern in Kläranlagen. Und dort beginnt das nächste Problem.

Die Kläranlage ist keine PFAS-Vernichtungsmaschine
Konventionelle Kläranlagen wurden dafür gebaut, Abwasser beispielsweise von organischer Belastung, Stickstoff und Phosphor zu reinigen. PFAS stellen sie vor eine völlig andere Aufgabe. Ihre chemische Stabilität bedeutet, dass herkömmliche biologische Reinigungsprozesse viele PFAS nicht einfach zerstören können.
Ein Teil kann sich im Klärschlamm wiederfinden, andere Verbindungen verbleiben im gereinigten Abwasser. Das Problem kann damit vom Wasser in den Schlamm beziehungsweise mit dem Ablauf weiter in die Umwelt verlagert werden. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass übliche Kläranlagentechniken PFAS nicht wirksam genug aus dem behandelten Abwasser entfernen; zusätzliche, technisch aufwendige Reinigungsstufen wären erforderlich.
Deshalb gilt bei PFAS ganz besonders: Was gar nicht erst ins Abwasser gelangt, muss später auch nicht mit großem Aufwand herausgeholt werden.
Wie belastet ist unser Trinkwasser?
Hier ist eine sachliche Einordnung wichtig: Deutschland hat kein flächendeckendes PFAS-Trinkwasserproblem. Das Umweltbundesamt untersuchte in einer aktuellen Studie 89 über Deutschland verteilte Trinkwasserproben auf 26 PFAS. Bei allen Proben lag die Summe der PFAS-20 unter dem seit Januar 2026 geltenden Grenzwert von 100 ng/l. Der höchste gemessene Wert lag bei 80 ng/l. Beim strengeren zukünftigen PFAS-4-Grenzwert von 20 ng/l, der ab 2028 gilt, lagen dagegen 2 der 89 Proben darüber.
Eine frühere Abschätzung auf Grundlage vorhandener Untersuchungen war weniger günstig: Danach könnten ungefähr 3,8 Prozent der Proben den PFAS-20-Wert und etwa 5 Prozent den zukünftigen PFAS-4-Wert überschreiten. Die Datensätze und Methoden unterscheiden sich allerdings, weshalb diese Prozentwerte nicht einfach auf jedes deutsche Wasserwerk übertragen werden dürfen.
Entscheidend ist der regionale Befund. Wer wissen möchte, wie es vor Ort aussieht, sollte deshalb die Analysedaten seines Wasserversorgers beziehungsweise Informationen des zuständigen Gesundheitsamts heranziehen.
Warum 20 PFAS herausfiltern, wenn es mehr als 10.000 gibt?
Die Anzahl der Ewigkeitschemikalien ist scheinbar explodiert. Eine berechtigte Frage lautet daher: Warum gibt es über 10.000 von diesen chemischen Verbindungen, aber die Trinkwasserverordnung konzentriert sich nur auf 20? Der neue Grenzwert bedeutet ausdrücklich nicht, dass nur diese 20 PFAS existieren oder alle übrigen harmlos wären. Der Summenparameter PFAS-20 ist ein regulatorisch definierter Messparameter. Die Trinkwasserverordnung nennt exakt die 20 Verbindungen, die dafür addiert werden.
Die vier PFAS des strengeren Grenzwertes ab 2028 sind:
- PFOA – Perfluoroctansäure
- PFNA – Perfluornonansäure
- PFHxS – Perfluorhexansulfonsäure
- PFOS – Perfluoroctansulfonsäure
Gerade diese vier standen auch im Mittelpunkt der gesundheitlichen Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Wie kommen PFAS in unseren Körper?
Wenn PFAS in Trink- und Essbarem stecken, können sich auch in den Körper gelangen. Der Hauptweg in unseren Organismus geht vor allem über das, was wir essen und trinken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt Lebensmittel und Trinkwasser als wichtige Aufnahmewege. Weitere mögliche Quellen sind Luft, Hausstaub und PFAS-haltige Verbraucherprodukte. Das ist wichtig, weil die PFAS-Belastung eines Menschen nicht einfach mit der PFAS-Konzentration seines Trinkwassers gleichgesetzt werden darf. Wasser ist eine mögliche Quelle – aber nicht die einzige.
PFAS können über belastete Böden und Wasser in Pflanzen gelangen, von Tieren aufgenommen werden und so Teil der Nahrungskette werden. Einige langkettige PFAS werden vom menschlichen Körper außerdem nur sehr langsam ausgeschieden. Wiederholte geringe Aufnahmen können deshalb über längere Zeit zu messbaren Konzentrationen im Blut führen.
Was können PFAS im Körper anrichten?
Hier muss man sauber zwischen wissenschaftlichen Zusammenhängen und dem individuellen Erkrankungsrisiko unterscheiden. Nicht PFAS als Gesamtgruppe verursachen automatisch dieselben Krankheiten. Die Stoffe unterscheiden sich erheblich, und ein großer Teil der mehr als 10.000 Substanzen ist toxikologisch längst nicht so gut untersucht wie PFOA und PFOS.
Für bestimmte PFAS zeigen epidemiologische Untersuchungen jedoch Zusammenhänge mit gesundheitlichen Veränderungen. Die US-amerikanische Agency for Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR) – eine Bundesbehörde für toxische Substanzen und Krankheitsregister – nennt unter anderem Assoziationen zwischen einer höheren Belastung mit bestimmten PFAS und:
- erhöhten Cholesterinwerten,
- verminderter Antikörperantwort auf einige Impfungen,
- Veränderungen von Leberenzymen,
- schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck beziehungsweise Präeklampsie,
- geringfügig niedrigerem Geburtsgewicht sowie
- Nieren- und Hodenkrebs, insbesondere im Zusammenhang mit PFOA.
Dabei bedeutet Assoziation nicht automatisch, dass PFAS in jedem Einzelfall die Ursache sind. Das Erkrankungsrisiko hängt unter anderem von der konkreten Substanz, Dosis, Dauer der Belastung und individuellen Faktoren ab. Auch die Wirkmechanismen sind nicht für alle beobachteten Effekte abschließend geklärt.
Das Immunsystem steht besonders im Fokus
Die EFSA bewertete 2020 vier PFAS gemeinsam: PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS. Als besonders empfindlichen Endpunkt wertete sie die verminderte Immunantwort auf Impfungen bei Kindern. Daraus leitete sie eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge – den sogenannten Tolerable Weekly Intake (TWI) – von nur 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche für die Summe dieser vier PFAS ab. Das ist eine extrem kleine Menge.
Der TWI ist allerdings keine Schwelle, oberhalb der ein Mensch plötzlich krank wird. Er ist ein toxikologischer Richtwert für eine lebenslange wöchentliche Aufnahme, bei der kein nennenswertes Gesundheitsrisiko zu erwarten sein soll. Das BfR schätzte auf Grundlage deutscher Lebensmittelüberwachungsdaten, dass die langfristige Aufnahme der vier PFAS bei etwa der Hälfte der Erwachsenen im Bereich oberhalb dieses TWI liegen könnte. Das ist einer der Gründe, warum Behörden eine weitere Verringerung der PFAS-Belastung anstreben.

PFAS und Krebs – was ist wirklich belegt?
Auch hier wäre die Aussage „PFAS verursachen Krebs“ viel zu pauschal. Am besten untersucht ist PFOA. Die epidemiologischen Daten sprechen insbesondere für einen Zusammenhang zwischen PFOA-Exposition und Nierenkrebs; für Hodenkrebs ist die Evidenz schwächer. Für andere Krebsarten und andere PFAS ist die Datenlage wesentlich uneinheitlicher.
Für Verbraucher bedeutet das: PFAS sind gesundheitlich ernst zu nehmen, aber aus einem PFAS-Nachweis im Trinkwasser lässt sich nicht ableiten, dass ein einzelner Mensch Krebs bekommen wird.
Muss ich jetzt mein Blut auf PFAS untersuchen lassen?
Für die Allgemeinbevölkerung ist ein PFAS-Bluttest kein gewöhnlicher Vorsorgetest. Ein Bluttest kann zeigen, wie viel von bestimmten untersuchten PFAS zum Zeitpunkt der Untersuchung im Blut vorhanden ist. Er kann aber nicht vorhersagen, ob und wann die betreffende Person eine bestimmte Krankheit entwickeln wird.
Die amerikanische ATSDR weist deshalb ausdrücklich auf die begrenzte klinische Aussagekraft solcher Untersuchungen hin. Sinnvoller können sie bei dokumentierten oder vermuteten erheblichen Expositionen sein – etwa in stark belasteten Regionen – und sollten dann medizinisch eingeordnet werden.
Paradebeispiel Teflonpfanne: Muss eine zerkratzte Pfanne sofort in den Müll?
Auf diese Frage gibt es ein klares „Jein“ als Antwort. Gerade bei diesem Thema werden zwei Dinge häufig vermischt. Der klassische Antihaftwerkstoff Polytetrafluorethylen (PTFE) gehört zur großen PFAS-Stoff-Familie. Daraus folgt aber nicht automatisch: zerkratzte PTFE-Pfanne = PFAS-Vergiftung. Und so sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht bei bestimmungsgemäßem Gebrauch von PTFE-beschichtetem Kochgeschirr keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Verbraucher. „Bestimmungsgemäß“ heißt in diesem Fall, dass solche Pfannen mit Samthandschuhen zu bedienen sind. Kein Herumkratzen mit scharfen Gegenständen in der Pfanne. Am besten von Hand spülen.
Aber: Selbst wenn sich aus einer zerkratzten Beschichtung winzige PTFE-Partikel lösen und versehentlich verschluckt werden, erwartet das BfR nach aktuellem Kenntnisstand keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen. Ein Ersetzen der Pfanne kann aber nicht schaden, zumal es da noch ein weiteres Problem gibt.
Bei der Pfanne lauert nämlich noch eine andere, größere Gefahr: extreme Hitze. Problematisch kann PTFE werden, wenn eine beschichtete Pfanne leer sehr stark überhitzt wird. Bei Temperaturen von ungefähr 360 Grad Celsius und darüber können gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte beziehungsweise Gase entstehen. Deshalb: Eine leere beschichtete Pfanne nicht minutenlang auf höchster Stufe erhitzen.
Das BfR weist zugleich darauf hin, dass bei wasserhaltigen Lebensmitteln solche Temperaturen nicht erreicht werden können und Öl normalerweise bereits vorher deutlich zu rauchen beginnt. Pech, wenn man dann in diesem Moment gerade abgelenkt ist und danach dann offensichtliche Materialbeschädigungen am Pfannenboden vorfindet. Jetzt wäre es dann wirklich zu überlegen, ob man die Pfanne lieber doch schnell entsorgt.
Die größere gesellschaftliche Kritik an fluorierten Antihaftbeschichtungen betrifft daher nicht primär die Frage, ob ein verschluckter Krümel Beschichtung den Verbraucher vergiftet. Sie betrifft den gesamten Lebenszyklus solcher extrem langlebigen fluorierten Stoffe – Herstellung, Verarbeitung, Entsorgung und Umweltbelastung.

Kann man PFAS einfach aus dem Trinkwasser filtern?
Die moderne Wassertechnik kann viel, aber nicht alles und schon gar nicht einfach. Technisch ist es aber möglich, PFAS aus dem Trinkwasser zu filtern, zumindest bei vielen PFAS. Wasserwerke können je nach PFAS-Mischung verschiedene Verfahren einsetzen. Das Umweltbundesamt nennt Aktivkohle, Ionenaustausch, Nanofiltration und Umkehrosmose als geeignete Aufbereitungstechniken. Die Verfahren verursachen allerdings erhebliche zusätzliche Kosten.
| Verfahren | Wirkung |
| Aktivkohle | besonders für bestimmte langkettige PFAS geeignet |
| Ionenaustauscher | kann PFAS gezielt aus Wasser binden |
| Nanofiltration | Membranverfahren, kann PFAS zurückhalten |
| Umkehrosmose | sehr wirksam auch gegen viele schwer entfernbarer PFAS |
| Normale Wasseraufbereitung | für PFAS häufig nicht ausreichend |
Warum Aktivkohle nicht alle PFAS gleich gut und TFA kaum erwischt
PFAS ist eben nicht gleich PFAS. Langkettige Vertreter lassen sich vergleichsweise gut an Aktivkohle adsorbieren. Kurzkettige PFAS sind häufig wasserlöslicher und mobiler. Sie werden von Aktivkohle schlechter zurückgehalten; Filter müssen bei entsprechenden Belastungen deutlich häufiger gewechselt werden. Und es gibt einen besonders unangenehmen Vertreter: TFA – die nächste Herausforderung.
Trifluoressigsäure (TFA) gehört ebenfalls in die PFAS-Debatte und beschäftigt Wasserfachleute zunehmend. TFA ist extrem persistent, gleichzeitig sehr gut wasserlöslich und mobil. Das Umweltbundesamt berichtet von Nachweisen in Oberflächengewässern, Grundwasser, Niederschlag und Trinkwasser. Herkömmliche Aktivkohle hilft hier kaum. Auch Ozon oder UV-Licht bauen TFA nach Angaben des Umweltbundesamtes nicht ausreichend ab. Eine relevante Entfernung ist beispielsweise durch Umkehrosmose möglich. Doch auch sie hat einen Haken.
Wohin mit den herausgefilterten PFAS?
Ein Filter lässt PFAS nicht einfach so verschwinden. Wohin damit? Das ist eine der entscheidenden Fragen. Aktivkohle bindet die Chemikalien. Ionenaustauscher sammeln sie. Eine Membrananlage erzeugt einen konzentrierten Reststrom. Die Schadstoffe sind anschließend also konzentriert an anderer Stelle vorhanden. Bei der Umkehrosmose entsteht beispielsweise neben gereinigtem Wasser ein PFAS-reicherer Abwasserstrom, der behandelt beziehungsweise entsorgt werden muss. Zudem benötigt das Verfahren Energie. Das illustriert das Grundproblem der Ewigkeitschemikalien: Herausfiltern ist nicht dasselbe wie vernichten.
Im Wasserwerk werden PFAS-haltige Filterrückstände in der Regel als Sondermüll entsorgt, da PFAS nicht einfach vernichtet oder recycelt werden können. Die genauen Verfahren hängen von der Art der Rückstände und den lokalen Vorschriften ab, aber typische Entsorgungswege sind:
- Verbrennung bei hohen Temperaturen (über 1100 Grad Celsius): PFAS werden in speziellen Hochtemperatur-Verbrennungsanlagen zerstört. Die Asche wird anschließend auf Deponien oder in Untertagedeponien gelagert, da sie noch geringe Mengen an Schadstoffen enthalten kann.
- Lagerung in Fässern oder Containern: In einigen Fällen werden die PFAS-haltigen Filtermaterialien (etwa Aktivkohle) zunächst in speziellen, dicht verschlossenen Fässern oder Containern gesammelt und dann zur Verbrennung oder Deponierung transportiert.
- Sondermülldeponien: In Deutschland und vielen anderen Ländern müssen PFAS-haltige Abfälle auf Sondermülldeponien wie etwa Untertagedeponien gelagert werden, wenn eine Verbrennung nicht möglich oder nicht ausreichend ist.
- Alternative Verfahren: Es gibt auch experimentelle Verfahren, wie das Plasmaverfahren oder die chemische Zerstörung (etwa mit Natrium oder anderen Reagenzien), die jedoch noch nicht flächendeckend eingesetzt werden. Diese Methoden sind oft teuer und energieintensiv.
Kann ein Tischfilter PFAS aus meinem Leitungswasser entfernen?
Manche Aktivkohle- oder Umkehrosmosefilter können bestimmte PFAS reduzieren. Daraus folgt aber nicht, dass jeder handelsübliche Wasserfilter zuverlässig sämtliche PFAS entfernt. Die Wirksamkeit hängt unter anderem ab von:
- Filtertechnik,
- PFAS-Verbindung,
- Konzentration,
- Wassermenge,
- Kontaktzeit und
- rechtzeitigem Filterwechsel.
Bei einem nicht sachgerecht betriebenen Filter können zudem hygienische Probleme entstehen.
Wer einen Filter ausdrücklich wegen einer nachgewiesenen PFAS-Belastung einsetzen möchte, sollte deshalb nicht allein auf allgemeine Werbeaussagen wie „entfernt Schadstoffe“ vertrauen, sondern einen unabhängig geprüften Leistungsnachweis für die betreffenden Stoffe verlangen. Noch besser ist bei einer tatsächlichen Grenzwertüberschreitung die Orientierung an den Anweisungen von Wasserversorger und Gesundheitsamt.
Muss ich bei PFAS im Leitungswasser auf Mineralwasser umsteigen?
Ein Umstieg auf Mineralwasser ist kein prophylaktisches Muss. Das Umweltbundesamt sieht derzeit keine flächendeckende Überschreitung des neuen PFAS-Grenzwertes im deutschen Trinkwasser. Wer keine Hinweise auf eine lokale Belastung hat, hat deshalb keinen wissenschaftlich begründeten Anlass, Leitungswasser allein wegen PFAS generell durch Flaschenwasser zu ersetzen.
Und Mineralwasser bedeutet nicht automatisch PFAS-frei“ Entscheidend ist im konkreten Belastungsfall die analytisch nachgewiesene Qualität des jeweiligen Wassers.
Was passiert, wenn der Grenzwert überschritten wird?
Ein Grenzwert ist keine unverbindliche Empfehlung. Nach der Trinkwasserverordnung dürfen die festgelegten chemischen Grenzwerte grundsätzlich nicht überschritten werden. Bei einer Abweichung greifen Melde-, Bewertungs- und Maßnahmenregelungen; das Gesundheitsamt entscheidet über das weitere Vorgehen.
Unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen kann eine Überschreitung zeitlich befristet zugelassen werden. Dabei werden eine Frist zur Behebung und ein Maßnahmenwert festgelegt. Das Umweltbundesamt hat dafür 2026 spezielle Empfehlungen für PFAS-20 und PFAS-4 veröffentlicht.
Eine Grenzwertüberschreitung bedeutet also nicht automatisch: „Ein Schluck ist gefährlich.“ Sie bedeutet aber: Die Belastung muss behördlich bewertet und minimiert beziehungsweise beseitigt werden.
PFAS: Was ist belegt – und was nicht?
| Aussage | Wissenschaftliche Einordnung |
| PFAS sind extrem langlebig | Ja |
| Alle PFAS sind gleich giftig | Nein |
| PFAS können ins Trinkwasser gelangen | Ja |
| Deutsches Trinkwasser ist flächendeckend stark belastet | Nein |
| Einige PFAS reichern sich im Menschen an | Ja |
| Bestimmte PFAS sind mit Gesundheitseffekten assoziiert | Ja |
| Jeder PFAS-Nachweis macht krank | Nein |
| Zerkratzte PTFE-Pfannen vergiften das Essen | Nach aktuellem Wissen nein. Aber: Überhitzte Pfannen geben giftige Gase ab. |
| PFAS lassen sich aus Wasser entfernen | Teilweise ja, aber technisch aufwendig |
| Ein Filter vernichtet PFAS | Nein |
Der beste PFAS-Filter steht nicht im Wasserwerk
So leistungsfähig moderne Wasseraufbereitung sein kann – PFAS erst aus Grundwasser, Flüssen oder Trinkwasser herauszufiltern, ist technisch aufwendig und teuer. Aus Sicht des Umweltschutzes ist deshalb die wirksamste Strategie eine andere: PFAS gar nicht erst in die Umwelt gelangen lassen.
Genau deshalb werden verschiedene PFAS bereits international beziehungsweise europäisch reguliert. PFOS, PFOA und PFHxS unterliegen weitreichenden Verboten mit bestimmten Ausnahmen. Gleichzeitig wird über weitergehende Beschränkungen der gesamten Stoffgruppe diskutiert.
Denn eine Chemikalie, die Jahrzehnte oder länger in Wasser, Böden und Organismen verbleibt, stellt die Gesellschaft vor ein ungewöhnliches Problem: Eine kurzfristig praktische Produkteigenschaft kann zu einer sehr langfristigen Umweltlast werden. Und genau deshalb sind 100 Nanogramm pro Liter plötzlich eine ziemlich große Nachricht. tok