Wer in Deutschland den Wasserhahn aufdreht, bekommt normalerweise ein Lebensmittel von sehr hoher Qualität. Das bedeutet allerdings nicht, dass Mineralwasser die schlechtere oder gar unsichere Alternative wäre. Foto: RABBY – KI-generiert/stock.adobe.com

Sprudel gegen Leitungswasser: Was Schadstoffe, Mikroplastik und alte Rohre wirklich bedeuten

Es kommt aus dem Hahn oder aus der Flasche, kostet wenige Cent oder deutlich mehr – und über kaum ein Lebensmittel kursieren so viele Überzeugungen wie über Wasser. Ist Mineralwasser aus tiefen Quellen tatsächlich reiner? Ist Leitungswasser stärker mit Schadstoffen belastet? Was ist mit Mikroplastik, alten Rohren und Kohlensäure? Und kann das richtige Mineralwasser sogar einen gesundheitlichen Zusatznutzen haben? Der Vergleich fällt eindeutiger aus, als manche Werbung vermuten lässt – aber nicht in jedem Punkt.

Trinkwasser in Deutschland: Lebensmittel von sehr hoher Qualität

Wer in Deutschland den Wasserhahn aufdreht, bekommt normalerweise ein Lebensmittel von sehr hoher Qualität. Mehr als 99 Prozent der Messwerte des Trinkwassers aus den großen zentralen Versorgungsanlagen erfüllen nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) die Anforderungen der Trinkwasserverordnung oder unterschreiten die Grenzwerte sogar deutlich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Mineralwasser die schlechtere oder gar unsichere Alternative wäre. Natürliches Mineralwasser stammt aus unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Wasservorkommen, muss amtlich anerkannt sein und bestimmte mikrobiologische sowie chemische Anforderungen erfüllen. Die nüchterne Antwort auf die Frage „Was ist gesünder?“ lautet deshalb zunächst: Für einen gesunden Erwachsenen sind sowohl einwandfreies Leitungswasser als auch zugelassenes Mineralwasser sehr gute Durstlöscher. Einen allgemeinen medizinischen Vorteil von Mineralwasser gegenüber Leitungswasser gibt es nicht. Bei Umweltbelastung, Preis und Transport hat Leitungswasser dagegen einen deutlichen Vorsprung.

Wasser richtig aus dem Hahn trinken

# Nach längerer Standzeit frisches Kaltwasser laufen lassen, bis es deutlich kühl wird.

# Wasser zum Trinken und Kochen aus der Kaltwasserleitung nehmen, nicht aus der Warmwasserleitung.

# Bei Verdacht auf alte Bleileitungen Eigentümer oder Hausverwaltung fragen und gegebenenfalls untersuchen lassen.

# Die Analysewerte des Wasserversorgers sind normalerweise öffentlich zugänglich.

# Stagnationswasser nicht verschwenden – es kann zum Blumengießen genutzt werden.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Trinkwasser in Deutschland: Lebensmittel von sehr hoher Qualität

Wer in Deutschland den Wasserhahn aufdreht, bekommt normalerweise ein Lebensmittel von sehr hoher Qualität. Mehr als 99 Prozent der Messwerte des Trinkwassers aus den großen zentralen Versorgungsanlagen erfüllen nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) die Anforderungen der Trinkwasserverordnung oder unterschreiten die Grenzwerte sogar deutlich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Mineralwasser die schlechtere oder gar unsichere Alternative wäre. Natürliches Mineralwasser stammt aus unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Wasservorkommen, muss amtlich anerkannt sein und bestimmte mikrobiologische sowie chemische Anforderungen erfüllen.

Die nüchterne Antwort auf die Frage „Was ist gesünder?“ lautet deshalb zunächst: Für einen gesunden Erwachsenen sind sowohl einwandfreies Leitungswasser als auch zugelassenes Mineralwasser sehr gute Durstlöscher. Einen allgemeinen medizinischen Vorteil von Mineralwasser gegenüber Leitungswasser gibt es nicht. Bei Umweltbelastung, Preis und Transport hat Leitungswasser dagegen einen deutlichen Vorsprung.

Wasser ist kein Nebendarsteller – ohne Wasser läuft fast nichts

Der menschliche Körper besteht ungefähr zur Hälfte oder sogar zu einem größeren Anteil aus Wasser – abhängig unter anderem von Alter, Geschlecht und Körperzusammensetzung. Wasser ist Bestandteil von Zellen, Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Es transportiert Nährstoffe und Stoffwechselprodukte, ermöglicht zahlreiche chemische Reaktionen, hilft den Nieren bei der Ausscheidung wasserlöslicher Abbauprodukte und ist für die Regulation der Körpertemperatur entscheidend. Beim Schwitzen schützt die Verdunstung von Wasser vor Überhitzung.

Weil ständig Wasser über Urin, Stuhl, Haut und Atemluft verloren geht, muss laufend Nachschub kommen. Ein ausgeprägter Flüssigkeitsmangel kann sich unter anderem durch Durst, trockenen Mund, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Schwindel und verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar machen. Gerade ältere Menschen sind gefährdet, weil mit zunehmendem Alter das Durstgefühl schwächer werden kann.

Grafik: Kurtz – KI-generiert
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Wie viel sollte man trinken?

Für gesunde Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als alltagstaugliche Orientierung rund 1,5 Liter Getränke pro Tag. Zusätzlich steckt Wasser in Lebensmitteln – besonders in Obst, Gemüse, Suppen und Milchprodukten. Die 1,5 Liter sind allerdings keine starre medizinische Sollzahl für jeden Menschen und jeden Tag. Der Bedarf steigt beispielsweise bei:

  • Hitze,
  • körperlicher Arbeit,
  • Sport,
  • Fieber,
  • Durchfall oder Erbrechen,
  • starkem Schwitzen,
  • trockener Luft.

Bei Hitze empfiehlt die DGE als praktische Faustregel, tagsüber etwa alle ein bis zwei Stunden ein Glas von ungefähr 0,2 Litern zu trinken – möglichst schon bevor starker Durst entsteht. Eine pauschale Sommermenge lässt sich nicht seriös für jeden Menschen festlegen.

Im Winter braucht der Körper deshalb nicht plötzlich „weniger Wasser“. Auch trockene kalte Luft kann den Bedarf erhöhen. Meist schwitzt man im Alltag allerdings weniger als an heißen Sommertagen.

Wichtig: Menschen mit schwerer Herzschwäche, bestimmten Nierenkrankheiten oder anderen Erkrankungen können ärztlich festgelegte Trinkmengen benötigen. Für sie gilt die pauschale Empfehlung „viel trinken“ ausdrücklich nicht.

Leitungswasser gegen Mineralwasser: Wo liegt der Unterschied?

LeitungswasserNatürliches Mineralwasser
Unterliegt der TrinkwasserverordnungUnterliegt vor allem der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung
Kann aus Grund-, Quell- oder Oberflächenwasser gewonnen werdenMuss aus unterirdischem, vor Verunreinigungen geschütztem Wasservorkommen stammen
Darf aufbereitet werdenNur bestimmte Behandlungen sind erlaubt
Qualität wird bis zur Entnahmestelle geregeltMuss amtlich anerkannt und an der Quelle abgefüllt werden
Mineralstoffgehalt regional unterschiedlichZusammensetzung muss innerhalb natürlicher Schwankungen charakteristisch bleiben
Keine Verpackung nötigFlasche, Abfüllung und Transport erforderlich

Hat Leitungswasser strengere Grenzwerte?

Hier lohnt ein genauer Blick. Häufig liest man, Leitungswasser unterliege grundsätzlich strengeren Schadstoffgrenzwerten als Mineralwasser. So pauschal stimmt das nicht. Beide Wasserarten unterliegen unterschiedlichen gesetzlichen Regelwerken, die nicht Stoff für Stoff identisch aufgebaut sind.

Einige Beispiele:

StoffTrinkwasserNatürliches Mineralwasser
Nitrat50 mg/l50 mg/l
Bleiderzeit 0,010 mg/l0,010 mg/l
Arsenderzeit 0,010 mg/l0,010 mg/l
Nickel0,020 mg/l0,020 mg/l
Fluorid1,5 mg/l5,0 mg/l

Beim Trinkwasser treten inzwischen außerdem neue Parameter in den Vordergrund. Seit 12. Januar 2026 gilt beispielsweise ein Grenzwert von 0,00010 mg/l – also 0,1 Mikrogramm pro Liter – für die Summe von 20 bestimmten per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS. Für vier besonders relevante PFAS wird ab 12. Januar 2028 ein noch niedrigerer Summengrenzwert von 0,000020 mg/l gelten.

Ab 12. Januar 2028 sinkt der Blei-Grenzwert für Trinkwasser in Deutschland von 0,010 auf 0,005 mg/l. Das macht deutlich, dass Grenzwerte keineswegs für alle Zeiten festgeschrieben sind, sondern mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden.

Der Vergleich zeigt deshalb weniger „streng gegen lasch“, sondern zwei unterschiedliche Schutzsysteme. Natürliches Mineralwasser muss unter anderem seine ursprüngliche Reinheit besitzen und aus einem geschützten unterirdischen Vorkommen stammen. Leitungswasser dagegen wird vom Einzugsgebiet über Aufbereitung und Verteilungsnetz bis zur Entnahmestelle nach einem umfangreichen Katalog mikrobiologischer, chemischer und technischer Kriterien überwacht.

Die Schwachstelle beim Leitungswasser liegt häufig im eigenen Haus

Das Wasser kann das Wasserwerk in tadellosem Zustand verlassen – und trotzdem am Wasserhahn problematisch werden. Der Grund sind die letzten Meter im Gebäude. Für die Hausinstallation sind Eigentümer beziehungsweise Betreiber verantwortlich. Alte oder ungeeignete Leitungen und Armaturen können beispielsweise Metalle an das Wasser abgeben. Besonders bekannt ist das Problem alter Bleirohre.

Seit dem 12. Januar 2026 dürfen Bleileitungen in Trinkwasserinstallationen grundsätzlich nicht mehr betrieben werden; vorhandene Leitungen und Teilstücke mussten entfernt oder stillgelegt werden. Das Umweltbundesamt weist dennoch darauf hin, dass sie insbesondere in älteren Gebäuden noch entdeckt werden können. In Teilen Baden-Württembergs und Bayerns waren Bleileitungen allerdings schon sehr früh nicht mehr üblich beziehungsweise verboten. Neben Blei können je nach Installation beispielsweise auch Kupfer oder Nickel eine Rolle spielen.

Deshalb gilt nach längerer Standzeit: Hat Wasser vier Stunden oder länger in der Leitung gestanden – etwa über Nacht –, sollte es für Getränke und Speisen nicht sofort verwendet werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt, das Wasser laufen zu lassen, bis es merklich kühl aus dem Hahn kommt. Das abgestandene Wasser lässt sich beispielsweise zum Blumengießen verwenden.

Zum Trinken und Kochen sollte außerdem grundsätzlich frisches Kaltwasser verwendet und nicht warmes Wasser aus der Leitung entnommen werden.

Aber das Wasser hat doch einen langen Weg vom Wasserwerk hinter sich

Der weite Weg vom Wasserwerk ist für sich genommen kein Gesundheitsargument gegen Leitungswasser. Trinkwassernetze sind genau dafür gebaut, Wasser über große Strecken hygienisch sicher zu transportieren. Entscheidend sind nicht allein die Kilometer, sondern Planung, Zustand und Betrieb des Netzes, Temperatur, Verweilzeiten sowie die Installation im Gebäude.

Der kritische Punkt liegt deshalb häufig weniger bei „vielen Kilometern vom Wasserwerk“ als bei Stagnation und ungünstigen Installationen auf den letzten Metern.

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Mikroplastik: Ist Flaschenwasser stärker belastet?

Mikroplastik ist inzwischen in der Umwelt weit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass Mikroplastik sowohl in Leitungs- als auch in Flaschenwasser nachgewiesen wurde. Die Studien verwenden allerdings sehr unterschiedliche Analyseverfahren, was direkte Vergleiche schwierig macht. Deshalb wäre die Aussage „Leitungswasser ist mikroplastikfrei“ falsch.

Ebenso lässt sich derzeit nicht seriös behaupten, dass die üblichen Konzentrationen von Mikroplastik im Trinkwasser beim Menschen nachweislich Erkrankungen verursachen. Die WHO sieht weiterhin erhebliche Wissenslücken, insbesondere bei sehr kleinen Mikro- und Nanoplastikpartikeln.

Bei Wasser aus PET-Flaschen kommen zusätzlich Fragen nach Stoffen auf, die aus der Verpackung in das Getränk übergehen können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht nach heutigem Wissensstand keine Anhaltspunkte für ein gesundheitliches Risiko durch die üblichen PET-Mineralwasserflaschen. Auch für Mikroplastik, hormonähnliche Stoffe oder Acetaldehyd sieht das BfR bei den festgestellten Mengen derzeit keinen Hinweis auf eine gesundheitlich relevante Belastung.

Das bedeutet nicht, dass die Forschung zu Mikro- und Nanoplastik abgeschlossen wäre. Sie ist es ausdrücklich nicht.

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Ist Mineralwasser tatsächlich mineralreicher?

Schon der Name verleitet zu einem Missverständnis: Mineralwasser muss nicht besonders viele Mineralstoffe enthalten. Manches Mineralwasser ist ausgesprochen mineralstoffarm. Umgekehrt kann Leitungswasser je nach Region erhebliche Mengen an Calcium und Magnesium enthalten. Entscheidend ist also nicht das Wort „Mineralwasser“, sondern die Analyse auf dem Flaschenetikett beziehungsweise beim örtlichen Wasserversorger.

Als „calciumhaltig“ darf natürliches Mineralwasser beispielsweise bezeichnet werden, wenn es mehr als 150 mg Calcium pro Liter enthält; bei Magnesium liegt die entsprechende Schwelle bei 50 mg/l. „Natriumarm“ bedeutet weniger als 20 mg Natrium pro Liter.

Mineralwasser gezielt auswählen

# Für mehr Calcium: mehr als 150 mg/l erlaubt die Kennzeichnung „calciumhaltig“.

# Für mehr Magnesium: ab mehr als 50 mg/l darf mit „magnesiumhaltig“ geworben werden.

# Bei natriumarmer Ernährung: weniger als 20 mg/l Natrium.

# Bei starkem Schwitzen: Zusammensetzung beachten; der größte Elektrolytverlust über Schweiß betrifft Natrium und Chlorid.

# Nicht verwechseln: Natürliches Mineralwasser ist ein Lebensmittel. Heilwasser ist ein Arzneimittel.

Wann Mineralwasser einen echten Zusatznutzen haben kann

Für die meisten gesunden Menschen liefert eine ausgewogene Ernährung den Großteil der benötigten Mineralstoffe. Wasser muss diese Aufgabe nicht übernehmen. Es gibt aber Situationen, in denen die Auswahl des Mineralwassers durchaus sinnvoll sein kann.

Calcium

Wer wenig oder keine Milchprodukte isst, kann ein calciumreiches Mineralwasser gezielt als zusätzliche Calciumquelle einsetzen. Zwei Liter eines Wassers mit beispielsweise 300 mg Calcium pro Liter liefern bereits 600 mg Calcium. Das ist ernährungsphysiologisch keineswegs bedeutungslos. Das BfR bestätigt, dass entsprechend mineralisierte Wässer einen relevanten Beitrag zur Calcium- und Magnesiumversorgung leisten können – insbesondere bei Menschen, deren Aufnahme über die Nahrung niedrig ist.

Magnesium

Auch magnesiumreiches Wasser kann die tägliche Magnesiumzufuhr ergänzen. Dabei gilt wiederum: Auf das Etikett schauen. Zwischen verschiedenen Mineralwässern liegen Welten.

Nach starkem Schwitzen

Mit Schweiß gehen vor allem Wasser, Natrium und Chlorid verloren; kleinere Mengen betreffen unter anderem Kalium, Calcium und Magnesium. Bei sehr starker oder lang anhaltender körperlicher Belastung kann deshalb nicht nur Wasser, sondern auch der Elektrolytersatz wichtig werden. Für den normalen Büroalltag ist deshalb aber kein „Sport-Mineralwasser“ nötig.

Natrium – manchmal erwünscht, manchmal gerade nicht

Natriumreiches Mineralwasser kann in bestimmten Situationen mit starken Schweißverlusten zur Elektrolytzufuhr beitragen. Wer hingegen aus medizinischen Gründen auf eine natriumarme Ernährung achten soll, sollte genau das Gegenteil wählen: Mineralwasser mit weniger als 20 mg Natrium pro Liter darf mit der Angabe „geeignet für natriumarme Ernährung“ gekennzeichnet werden.

Kann Mineralwasser sogar therapeutisch wirken?

Wasser mit spezieller therapeutischer Wirkung? Hier muss zwischen Mineralwasser und Heilwasser unterschieden werden. Normales Mineralwasser ist ein Lebensmittel. Heilwasser dagegen gilt in Deutschland als Arzneimittel. Für eine arzneiliche Zulassung müssen die beanspruchten vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkungen belegt werden.

Aber auch einzelne stark mineralisierte Mineralwässer werden wissenschaftlich untersucht. Ein Beispiel ist sulfatreiches Mineralwasser bei Verstopfung. In einer randomisierten kontrollierten Studie mit 100 Teilnehmern erhöhte ein Liter sulfatreiches Mineralwasser täglich nach drei Wochen die Stuhlfrequenz stärker als die Vergleichsbehandlung. Nach sechs Wochen war der Unterschied allerdings nicht mehr statistisch signifikant. Die Autoren forderten weitere Studien. Das illustriert den Unterschied zwischen einem möglichen physiologischen Zusatznutzen und einer gesicherten Therapie.

Mineralwasser kann die Ernährung sinnvoll ergänzen. Einen diagnostizierten Mineralstoffmangel einfach auf eigene Faust mit irgendeinem Mineralwasser zu „behandeln“, wäre dagegen zu kurz gedacht. Ursache und Ausmaß eines echten Mangels gehören medizinisch abgeklärt.

Kohlensäure: Was passiert eigentlich im Körper?

Sprudel gehört gerade im Südwesten für viele Menschen zum Alltag – pur und traditionell auch in der Weinschorle. Bei der Herstellung wird Kohlendioxid, chemisch CO₂, unter Druck im Wasser gelöst. Ein kleiner Teil reagiert mit Wasser zu Kohlensäure.

Im Mund sorgt das Gas für das typische Prickeln. Im Magen wird Kohlendioxid wieder freigesetzt. Ein Teil wird aufgestoßen, ein Teil kann über den Verdauungstrakt aufgenommen und schließlich über die Lunge abgeatmet werden. Für gesunde Menschen ist Kohlensäure in Wasser nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich.

Macht Sprudel einen Blähbauch? Das kann passieren. Kohlendioxid vergrößert das Gasvolumen im Magen. Empfindliche Menschen können deshalb nach größeren Mengen Sprudel Völlegefühl, Aufstoßen oder einen aufgeblähten Bauch wahrnehmen.

Bei Reflux beziehungsweise Sodbrennen ist die Lage differenzierter. Kohlensäure kann kurzfristig Druckverhältnisse in Speiseröhre und Magen beeinflussen; eine systematische Auswertung fand jedoch keinen überzeugenden Beleg dafür, dass kohlensäurehaltige Getränke generell eine Refluxkrankheit verursachen oder verschlimmern. Individuell können Beschwerden trotzdem auftreten. Wer merkt, dass Sprudel regelmäßig Sodbrennen, Aufstoßen oder Völlegefühl auslöst, fährt mit stillem Wasser schlicht besser.

Ist Kohlensäure schlecht für die Zähne? Reines Sprudelwasser ist etwas saurer als stilles Wasser. Das ist aber nicht mit Cola, Limonade oder vielen Fruchtgetränken gleichzusetzen. Die American Dental Association bewertet ungewürztes Sprudelwasser als deutlich weniger problematisch als stark saure Softdrinks. Kritischer können aromatisierte Produkte mit zugesetzter Zitronen- oder anderen Säuren sein, insbesondere wenn sie ständig über den Tag verteilt getrunken werden. Für die Zähne lautet die praktisch wichtige Unterscheidung deshalb nicht „Sprudel gegen stilles Wasser“, sondern eher „Wasser gegen stark saure und/oder zuckerhaltige Getränke“.

Stilles Wasser oder Sprudel – womit nimmt der Körper mehr Flüssigkeit auf?

Physiologisch liefern beide Wasser. Die DGE stellt ausdrücklich klar: Für die Flüssigkeitsversorgung ist es grundsätzlich egal, ob Wasser sprudelt oder nicht. Entscheidend sind persönliche Vorlieben und Verträglichkeit. Eine kontrollierte Untersuchung verschiedener Getränke fand bei der Flüssigkeitsbilanz ebenfalls keinen relevanten Unterschied zwischen Sprudelwasser und stillem Wasser.

Für die täglich tatsächlich getrunkene Menge kann Kohlensäure allerdings indirekt eine Rolle spielen. Wer Sprudel erfrischender findet und dadurch häufiger zum Glas greift, erreicht möglicherweise leichter seine Trinkmenge. Wer nach zwei Gläsern wegen des Gasgefühls bereits „voll“ ist, kommt mit stillem Wasser möglicherweise besser zurecht. Die beste Variante ist deshalb sehr unspektakulär: diejenige, von der man ausreichend trinkt.

Und die berühmte Weinschorle? Die Kohlensäure ist dabei gesundheitlich das kleinere Thema. Entscheidend ist der Wein. Alkohol ist kein sinnvoller Durstlöscher und sollte nicht zur täglichen Flüssigkeitszufuhr gerechnet werden. Die DGE weist inzwischen ausdrücklich darauf hin, dass keine Alkoholmenge als gesundheitlich unbedenklich bezeichnet werden kann. Aus einem gesunden Mineralwasser wird durch Wein deshalb kein Gesundheitsgetränk – auch nicht in Süddeutschland.

Umwelt: Hier gibt es einen klaren Sieger

Beim Umweltvergleich hat Leitungswasser einen strukturellen Vorteil: Es braucht weder Flaschenproduktion noch Abfüllanlage, Verpackung, Lastwagentransport, Leergutrücktransport oder Recycling der Flasche. Das Umweltbundesamt bezeichnet Leitungswasser deshalb als kostengünstigsten und umweltfreundlichsten Durstlöscher.

Bei Mineralwasser wiederum hängt die Umweltbilanz stark davon ab,

  • wie weit es transportiert wird,
  • ob Mehrweg oder Einweg verwendet wird,
  • aus welchem Material die Flasche besteht,
  • wie häufig eine Mehrwegflasche genutzt wird.

Wer Flaschenwasser bevorzugt, kann die Umweltbelastung reduzieren, indem er regional abgefülltes Wasser in Mehrwegflaschen kauft.

Vorsicht ist dagegen mit spektakulären Angaben wie „Leitungswasser ist exakt 600-mal klimafreundlicher“ geboten. Solche Werte hängen stark von Annahmen zu Verpackung, Entfernung, Transportmittel und Systemgrenzen einer Ökobilanz ab. Die solide Aussage lautet: Leitungswasser verursacht im Regelfall erheblich weniger Verpackungs- und Transportaufwand.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Leitungswasser oder Mineralwasser: Wer gewinnt welchen Punkt?

FrageEinordnung
Sicher zu trinken?Beide normalerweise ja
Strenge Kontrolle?Beide reguliert, aber unterschiedlich
Weniger Schadstoffe?Nicht pauschal entscheidbar
Mineralstoffquelle?Stark mineralisiertes Mineralwasser kann Vorteil haben
Mikroplastikfrei?Für keines von beiden garantierbar
Kohlensäure problematisch?Für Gesunde meist nein
Für empfindlichen Magen?Stilles Wasser oft angenehmer
Umweltbilanz?Klarer Vorteil Leitungswasser
Preis?Klarer Vorteil Leitungswasser
Altbau mit problematischen Leitungen?Kann Vorteil für Flaschenwasser bedeuten, bis die Ursache behoben ist

Der wichtigste Blick gehört nicht auf die Werbung, sondern auf die Analyse

Wer gesund ist und Zugang zu einwandfreiem Leitungswasser hat, braucht aus medizinischen Gründen normalerweise kein gekauftes Mineralwasser. Das bedeutet allerdings nicht, dass Mineralwasser überflüssig wäre. Geschmack, Kohlensäure und vor allem ein gezielt gewählter hoher Calcium- oder Magnesiumgehalt können gute Gründe für Mineralwasser sein.

Und bei Zweifeln an alten Hausleitungen kann Flaschenwasser vorübergehend sogar die sicherere Wahl sein – allerdings sollte dann nicht dauerhaft die Flasche das Problem kaschieren, sondern die Hausinstallation überprüft werden. Die beste Frage lautet deshalb nicht „Welches Wasser ist grundsätzlich gesünder?“, sondern „Ist mein Wasser hygienisch einwandfrei, trinke ich genug davon – und passt seine Zusammensetzung zu meinen Bedürfnissen?“

Für die meisten Menschen in Deutschland führt die Antwort erstaunlich häufig direkt zum Wasserhahn. tok