In Studien sank das Gesamtcholesterin durch den konstanten Genuss von Mandeln im Mittel um rund 15,5 mg/dl. Beim LDL-Cholesterin waren es etwa 14,6 mg/dl. Bemerkenswert, aber das darf man nicht mit der Wirkung einer modernen medikamentösen Cholesterinsenkung verwechseln. Foto: oleh11/stock.adobe.com

Diese drei Lebensmittel könnten dem Herz helfen: Was Mandeln, Leinsamen und Paranüsse bewirken

Ein paar Mandeln, etwas Leinsamen oder eine Paranuss – mehr braucht es offenbar nicht, um zumindest einige Messwerte bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit zu beeinflussen. Ein systematischer Review mit Metaanalyse aus China kommt zu dem Ergebnis, dass bestimmte Nüsse und Samen Blutfette und Entzündungswerte verbessern können. Das klingt erfreulich. Zum Herzmedikament werden Mandeln und Leinsamen dadurch allerdings noch lange nicht.

Die koronare Herzkrankheit, kurz KHK, entsteht, wenn die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen zunehmend verengt werden. Das Herz erhält dann vor allem unter Belastung möglicherweise nicht mehr genug sauerstoffreiches Blut. Im schlimmsten Fall verschließt sich ein Gefäß vollständig: Es kommt zum Herzinfarkt.

KHK und Herzinfarkt sind Top-Todesursachen in Deutschland

Die Erkrankung gehört auch in Deutschland zu den großen Gesundheitsproblemen. Nach Angaben des Deutschen Herzberichts zählen koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt zusammen zu den häufigsten Todesursachen. Rund 120.000 Menschen sterben hierzulande jährlich daran oder an ihren Folgen.

Umso interessanter ist die Frage, ob sich neben Medikamenten, Bewegung, Rauchstopp und anderen etablierten Maßnahmen auch mit alltäglichen Lebensmitteln etwas erreichen lässt.

Was Pflanzenstoffe mit dem Herzen zu tun haben

Im Mittelpunkt der neuen Auswertung stehen sogenannte Polyphenole. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem in Obst, Gemüse, Kaffee, Kakao, Nüssen und Samen vorkommen. Pflanzen produzieren diese Stoffe beispielsweise als Farb-, Aroma- oder Schutzsubstanzen.

Im menschlichen Körper können verschiedene Polyphenole biologische Prozesse beeinflussen. Untersucht werden unter anderem antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen sowie mögliche Effekte auf Gefäße und Fettstoffwechsel.

Entscheidend ist allerdings ein Punkt, der bei Ernährungsmeldungen gerne untergeht: Ein Lebensmittel wirkt nicht allein deshalb günstig, weil darin Polyphenole stecken. Nüsse und Samen liefern gleichzeitig ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, Eiweiß, Mineralstoffe und zahlreiche weitere bioaktive Substanzen. Welcher Bestandteil letztlich welchen Effekt verursacht, lässt sich bei Ernährungsstudien häufig gar nicht sauber trennen.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Forscher werteten sieben Studien aus

Ein chinesisches Forschungsteam suchte deshalb systematisch nach randomisierten kontrollierten Studien, in denen polyphenolreiche Samen- beziehungsweise Nussprodukte bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit untersucht worden waren. Am Ende blieben sieben Arbeiten mit insgesamt lediglich 324 Teilnehmern übrig. Untersucht worden waren Paranüsse, Mandeln und Leinsamen beziehungsweise Leinsamenöl. Die Interventionen dauerten zwischen sechs Wochen und drei Monaten.

Das ist wichtig für die Einordnung: Die Analyse fasst zwar kontrollierte Studien zusammen, insgesamt handelt es sich jedoch um eine eher kleine Datengrundlage. Die Autoren selbst bewerteten die Qualität der Evidenz für Triglyzeride und HDL-Cholesterin als niedrig, für Gesamt- und LDL-Cholesterin sogar als sehr niedrig. Zudem war bei mehreren Studien unklar, wie sauber die zufällige Zuteilung der Teilnehmer zu den Gruppen durchgeführt worden war.

Die Resultate sind deshalb interessant, aber kein endgültiger Beweis.

Triglyzeride sanken – HDL stieg

Über alle untersuchten Lebensmittel hinweg zeigte sich zunächst ein günstiger Effekt auf zwei Blutfettwerte. Die Triglyzeride sanken im Mittel um rund 20 mg/dl. Gleichzeitig stieg das HDL-Cholesterin durchschnittlich um rund 3 mg/dl.

Triglyzeride sind Fette, die unter anderem als Energiereserve im Körper gespeichert werden. Erhöhte Werte können zusammen mit weiteren Risikofaktoren auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hinweisen.

HDL wird dagegen häufig vereinfachend als „gutes Cholesterin“ bezeichnet. Ganz so einfach ist die Sache inzwischen nicht mehr. Ein hoher HDL-Wert bedeutet nicht automatisch Schutz vor Herzinfarkt, und eine künstliche Erhöhung des HDL-Werts senkt nicht zwangsläufig das Erkrankungsrisiko. Für die Behandlung der koronaren Herzkrankheit ist deshalb vor allem die konsequente Senkung des gefäßschädigenden LDL-Cholesterins entscheidend. Und genau hier wurden die Mandeln interessant.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Mandeln schnitten beim LDL besonders gut ab

In den Mandelstudien sank das Gesamtcholesterin im Mittel um rund 15,5 mg/dl. Beim LDL-Cholesterin waren es etwa 14,6 mg/dl. Das ist durchaus bemerkenswert – darf aber nicht mit der Wirkung einer modernen medikamentösen Cholesterinsenkung verwechselt werden.

Bei Menschen mit bereits bestehender koronarer Herzkrankheit gilt LDL-Cholesterin als einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren. Je nach individuellem Risiko werden deshalb sehr niedrige Zielwerte angestrebt. Medikamente wie Statine und bei Bedarf weitere Cholesterinsenker können das LDL erheblich stärker reduzieren und vor allem ist für sie nachgewiesen, dass dadurch Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Ereignisse verhindert werden können.

Diese Evidenz gibt es für Mandeln bislang nicht. Interessant ist außerdem, wie unterschiedlich die verwendeten Mengen waren. In einer Studie wurden täglich 85 Gramm Mandeln gegessen, in einer anderen lediglich 10  Gramm. Das zeigt bereits, wie schwierig es ist, aus der Metaanalyse eine konkrete „Herzdosis“ abzuleiten.

Leinsamen könnten Entzündungen dämpfen

Leinsamen machten dagegen bei einem anderen Wert auf sich aufmerksam: dem C-reaktiven Protein, kurz CRP. CRP wird in der Leber gebildet und steigt bei Entzündungsprozessen im Körper an. Auch bei Atherosklerose – also den Gefäßveränderungen hinter der koronaren Herzkrankheit – spielen chronische Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle.

In einer der eingeschlossenen Untersuchungen erhielten die Teilnehmer zwölf Wochen lang täglich 30 Gramm Leinsamen. Dabei verbesserten sich Entzündungsmarker. Hier gibt es inzwischen zusätzliche Daten. Eine 2024 veröffentlichte Metaanalyse von 54 randomisierten Studien mit insgesamt rund 3000 Menschen kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Leinsamen beziehungsweise Leinsamenprodukte den CRP-Wert und den Entzündungsbotenstoff Interleukin-6 im Durchschnitt senken können.

Allerdings waren die Ergebnisse zwischen den Studien sehr unterschiedlich. Und eine Senkung eines Entzündungsmarkers bedeutet noch nicht automatisch, dass dadurch weniger Herzinfarkte auftreten oder Menschen länger leben.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Und was bringen Paranüsse?

Ausgerechnet bei Paranüssen fiel die Bilanz wesentlich unspektakulärer aus. In zwei der ausgewerteten Studien bekamen Herzpatienten über drei Monate entweder täglich 5 Gramm beziehungsweise eine Paranuss. Bei Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeriden fanden sich dabei keine statistisch überzeugenden Veränderungen.

Paranüsse sind zudem ein Sonderfall. Sie können sehr viel Selen enthalten, nehmen aus dem Boden aber auch vergleichsweise viel natürlich vorkommendes Radium auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb ausdrücklich Zurückhaltung: Erwachsene sollten höchstens ein bis zwei Paranüsse am Tag essen. Mehr ist hier also keineswegs automatisch besser.

Andere Forscher kommen zu nüchternerem Ergebnis

Wie vorsichtig man die neue Metaanalyse interpretieren sollte, zeigt eine weitere 2024 veröffentlichte Auswertung. Forscher analysierten darin randomisierte Studien zu Nüssen speziell bei Menschen mit bereits bestehender atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Eingeschlossen wurden fünf Studien mit insgesamt 439 Teilnehmern. Untersucht wurden unter anderem Mandeln, Pekannüsse, Paranüsse und gemischte Nüsse.

Das Resultat war wesentlich zurückhaltender: Gegenüber einer Ernährung ohne zusätzliche Nüsse fanden sich insgesamt keine statistisch signifikanten Verbesserungen bei den klassischen Blutfettwerten oder Entzündungsmarkern.

Das widerspricht der chinesischen Metaanalyse nicht zwangsläufig. Unterschiedliche Studienauswahl, Lebensmittel, Mengen und statistische Verfahren können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Es zeigt aber, dass die wissenschaftliche Antwort derzeit keineswegs lautet: „Nüsse behandeln eine koronare Herzkrankheit.“

Eine kleine Handvoll am Tag passt trotzdem gut

Für den Alltag braucht es glücklicherweise keine Mandeltherapie mit Taschenrechner. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen ohnehin täglich eine kleine Handvoll Nüsse oder Samen – etwa 25 Gramm. Möglichst ungesalzen und abwechslungsreich.

Der gesundheitliche Nutzen hängt dabei wahrscheinlich weniger an einem einzelnen Superstoff als am gesamten Ernährungsmuster. Wer Nüsse statt Chips, Süßigkeiten, Wurst oder stark verarbeiteten Snacks isst, tauscht gleichzeitig ungünstige Bestandteile gegen ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und andere pflanzliche Inhaltsstoffe aus.

Genau in diese Richtung gehen auch internationale Herzleitlinien: Menschen mit chronischer koronarer Herzkrankheit wird grundsätzlich eine herzgesunde Ernährungsweise empfohlen. Sie gehört neben regelmäßiger Bewegung, Rauchstopp, Blutdruckkontrolle und konsequenter Behandlung erhöhter Blutfette zu den zentralen Bausteinen der Sekundärprävention.

Mandeln ersetzen keine Tablette

Damit bleibt von der neuen Studie aus China eine erfreulich bodenständige Botschaft übrig. Mandeln und Leinsamen sind keine Arzneimittel. Sie können eine koronare Herzkrankheit nicht rückgängig machen, einen Stent nicht ersetzen und machen cholesterinsenkende Medikamente nicht überflüssig. Als Bestandteil einer insgesamt günstigen Ernährung haben Nüsse und Samen aber viel für sich.

Die neue Metaanalyse liefert Hinweise darauf, dass bei Menschen mit bestehender KHK insbesondere Mandeln einige Blutfettwerte und Leinsamen bestimmte Entzündungsmarker verbessern können. Ob diese Veränderungen tatsächlich zu weniger Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Todesfällen führen, kann die Untersuchung dagegen nicht beantworten.

Oder einfacher gesagt: Eine Handvoll Nüsse am Tag ist wahrscheinlich eine gute Idee. Die Herztabletten deshalb wegzulassen ganz sicher nicht.    tok

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Info

Originalstudie: Jia Y, Wang H, Fan W, Lv J, Niu Q, Zhu R, Zhang Q. Effects of polyphenol-rich seed foods on lipid and inflammatory markers in patients with coronary heart disease: a systematic review. Front Nutr. 2024 Nov 19;11:1493410. doi: 10.3389/fnut.2024.1493410. PMID: 39628469; PMCID: PMC11611543.