
Smiling active senior people posing together forming heart shape with hands in the park
WHO-Empfehlungen gehen davon aus, dass wöchentlich 150 bis 300 Minuten mittlere oder 75 bis 150 Minuten intensive körperliche Aktivität das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Mehr Risikoschutz geht aber nur mit deutlich mehr Sport. Foto: Lumos sp/stock.adobe.com
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Mehr Sport für mehr Schutz gegen Herzinfarkt & Co.
Regelmäßige körperliche Aktivität stellt eine wesentliche Säule der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Ob für alle Personengruppen die empfohlenen 150 Minuten pro Woche ausreichen, um eine deutliche Risikoreduktion zu erreichen, untersuchte eine Beschleunigungssensor-basierte Kohortenstudie mit Daten von 17.088 Teilnehmern.
Aktuelle Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sehen wöchentlich 150 bis 300 Minuten mittlere oder 75 bis 150 Minuten intensive körperliche Aktivität vor. Für Kinder und Jugendliche werden täglich 60 Minuten Aktivität mittlerer bis hoher Intensität empfohlen. Möglicherweise sind aber noch größere Anstrengungen erforderlich, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam vorzubeugen, besonders bei bisher inaktiven Personengruppen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Kohortenstudie hin, die den Zusammenhang zwischen Bewegung und Herz-Kreislauf-Risiko analysierte.
Wie viel Sport für weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Innerhalb dieser Kohortenstudie wurden Daten von Studienteilnehmern der UK-Biobank analysiert, deren körperliche Aktivität zwischen 2013 und 2015 mit einem Beschleunigungssensor erfasst worden war. Unterschieden wurde körperliche Aktivität mittlerer oder hoher Intensität (moderate to vigorous physical activity, MVPA) mit weniger als 150 Minuten und mehr als 150 Minuten pro Woche. Die kardiorespiratorische Fitness (VO2max) war bei der Eingangsuntersuchung ermittelt worden.
Der primäre, zusammengesetzte Endpunkt umfasste Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall. Zusätzlich wurden mit zwei Mendelschen Randomisierungen durchgeführt, bei denen genetische Marker für Fitness und körperlichen Aktivität mit dem Auftreten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Beziehung gesetzt wurden.
Kohortenstudie mit riesiger Datenmenge
Die Studie umfasste Daten von 103.700 Teilnehmern. In die Endauswertung gingen Daten von 17.088 Teilnehmern ein (mittleres Alter 57,4 Jahre), die den Sensor durchgehend für 7 Tage getragen hatten. Während der Nachbeobachtungszeit über im Schnitt 7,85 Jahre traten 1233 kardiovaskuläre Ereignisse auf. Studienteilnehmer, die mindestens 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv waren, zeigten über alle Fitnesslevel hinweg ein 8 bis 9 Prozent geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.
Für einen höheren Schutz waren deutlich mehr Anstrengungen nötig: Für eine Risikoreduktion über 30 Prozent waren je nach persönlicher Fitness 3- bis 4-fach höhere Aktivitätslevel (560 bis 610 Minuten pro Woche) erforderlich. Menschen mit geringerer Fitness müssten dabei deutlich mehr Zeit für sportliche Aktivitäten aufbringen als gut trainierte Personen.
Die Analysen mittels Mendelscher Randomisierung unterstützen die Ergebnisse teilweise: Eine anhand genetischer Indikatoren gemessene höhere kardiorespiratorische Fitness ging mit einem geringeren Herzinsuffizienzrisiko einher, während die Zusammenhänge für genetische Merkmale körperlicher Aktivität schwächer und weniger konsistent waren.
Mehr Bewegung für besseren Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Da große Teile der Bevölkerung Schwierigkeit haben, 150 Minuten Sport pro Woche in ihrem Alltag unterzubringen, plädieren die Autoren dafür, die offizielle Empfehlung weiter zu unterstützen: Mit 150 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität kann über alle Fitnesslevel ein substanzieller Beitrag zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geleistet werden. Mit einer an die Fitness angepassten Verordnungs-Matrix bietet die Studie eine Grundlage für individuelle Sport-Empfehlungen. DGP/HealthCom
Info Liang Z, Du S, Zhao S, Wang X, Yan Q, Xu B, Ng S, Ning Z. Joint non-linear dose-response associations of device-measured physical activity and cardiorespiratory fitness with cardiovascular disease: a cohort and Mendelian randomisation study. Br J Sports Med. 2026 May 28:bjsports-2025-111351.doi: 10.1136/bjsports-2025-111351. Epub ahead of print. PMID: 42156172.