Die Koronare Herzkrankheit gehört zu den gefährlichsten Volkskrankheiten überhaupt. Das Heimtückische: Die Verkalkung der Herzkranzgefäße (rechts im Bild), die das Herz mit Sauerstoff versorgen, entwickelt sich oft still. Am Ende kann es zum Herzinfarkt kommen. Foto: setu – KI-generiert/stock.adobe.com

Verstopfte Gefäße, Sauerstoffalarm im Herz: KHK – die tödliche Gefahr für Millionen Deutsche

Das Herz arbeitet rund um die Uhr. Es schlägt etwa 100.000-mal pro Tag, pumpt rund 7000 Liter Blut durch den Körper und gönnt sich dabei nicht eine einzige echte Pause. Doch was passiert, wenn genau dieses Hochleistungsorgan selbst nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird? Dann sprechen Ärzte von der Koronaren Herzkrankheit, kurz KHK. Und diese Erkrankung gehört zu den häufigsten Todesursachen weltweit.

Besonders tückisch: Viele Menschen merken lange nichts davon. Die Gefäße verengen sich schleichend. Das Herz leidet still. Und plötzlich wird aus einem harmlos wirkenden Druckgefühl in der Brust ein lebensbedrohlicher Herzinfarkt. Die gute Nachricht: Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Ernährung, Bewegung, Rauchverzicht und moderne Medizin können das Fortschreiten oft deutlich bremsen.

Was ist die Koronare Herzkrankheit?

Die Koronare Herzkrankheit ist eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels. Ursache ist meist eine Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“). Dabei lagern sich Fett, Kalk, Entzündungszellen und Bindegewebe in den Herzkranzgefäßen ab. Diese Herzkranzgefäße – medizinisch Koronararterien – versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen. Werden sie enger, bekommt das Herz weniger Sauerstoff. Die Folgen:

  • Brustschmerzen (Angina pectoris = Brustenge)
  • Atemnot
  • Leistungsabfall
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinfarkt
  • Herzschwäche
  • plötzlicher Herztod

Man kann sich die Gefäße wie Wasserrohre vorstellen. Je enger sie werden, desto schlechter fließt das Blut.

Ursachen der KHK

Die Hauptursache ist die Arteriosklerose. Dabei werden die Gefäßwände durch verschiedene Faktoren geschädigt:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • hohe Cholesterinwerte
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • chronischer Stress
  • ungesunde Ernährung
  • genetische Veranlagung

Entzündungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die moderne Forschung zeigt: Die KHK ist nicht nur eine „Fettablagerung“, sondern auch eine chronische Entzündungserkrankung der Gefäße.

Gut zu wissen…

# Das Herz schlägt im Leben rund drei Milliarden Mal – ohne Urlaub, ohne Wochenende.

# Blutgefäße sind gigantisch lang: Würde man alle Blutgefäße eines Menschen aneinanderlegen, ergäbe das etwa 100.000 Kilometer. Das entspricht mehr als zwei Erdumrundungen.

# Der vom Herz erzeugte Druck beim Pumpen könnte theoretisch Blut mehrere Meter weit spritzen lassen. Hollywood übertreibt trotzdem meistens.

# Das Herz hat ein eigenes elektrisches System. Es schlägt nicht nur wegen des Gehirns, denn spezielle Herzschrittmacherzellen geben den Takt vor.

# Lachen hilft dem Herzen: Studien zeigen, dass das Lachen kurzfristig die Gefäßfunktion verbessert. Humor ist also tatsächlich ein kleines Herztraining.

Depressionen oder Ängste sind die zweithäufigste Ursache für eine Krankschreibung. Sie können auch körperliche Folgen haben, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Foto: DAK-Gesundheit/iStock

Risikofaktoren: Was das Herz besonders stresst

Rauchen: DasRauchen gilt als einer der gefährlichsten Risikofaktoren überhaupt. Nikotin verengt Gefäße, erhöht den Blutdruck und fördert Entzündungen. Schon wenige Zigaretten täglich steigern das Herzinfarkt-Risiko deutlich.

Bluthochdruck: Hoher Druck schädigt die empfindlichen Gefäßinnenwände. Dadurch entstehen leichter Ablagerungen.

Diabetes: Erhöhte Blutzuckerwerte greifen Gefäße direkt an. Deshalb haben Diabetiker ein besonders hohes Risiko für Herzinfarkte.

Hohe Cholesterinwerte: Besonders das LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“) fördert Ablagerungen.

Bewegungsmangel: Das Herz ist ein Muskel. Wird er nicht gefordert, leidet der gesamte Kreislauf.

Übergewicht: Vor allem Bauchfett produziert entzündungsfördernde Stoffe.

Stress: Dauerstress erhöht Puls, Blutdruck und Entzündungswerte.

Alkohol: Große Mengen Alkohol fördern Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche.

Wie verläuft die KHK?

Die Krankheit entwickelt sich meist über Jahre oder Jahrzehnte.

Frühes Stadium: Die Gefäße verengen sich langsam. Oft bestehen noch keine Beschwerden.

Stabile Angina pectoris: Unter Belastung treten Brustschmerzen auf. Typisch:

  • Druckgefühl
  • Engegefühl
  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Beschwerden beim Treppensteigen oder Sport

Instabile Angina pectoris: Beschwerden treten plötzlich auch in Ruhe auf. Das gilt als Notfall.

Herzinfarkt: Ein Gefäß verschließt sich vollständig.Herzmuskelgewebe stirbt ab.

Herzschwäche: Durch dauerhaften Sauerstoffmangel verliert das Herz an Pumpkraft.

Herzrhythmusstörungen: Narben und Durchblutungsstörungen stören die elektrische Steuerung.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Lange galt die KHK als „Männerkrankheit“. Das war ein Irrtum. Frauen erkranken häufig später, aber oft gefährlicher.

Männer

  • häufiger klassische Brustschmerzen
  • Erkrankung oft früher
  • häufiger Herzinfarkt vor dem 65. Lebensjahr

Frauen

Frauen zeigen oft atypische Symptome:

  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Atemnot
  • Oberbauchschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Erschöpfung

Dadurch wird die Krankheit bei Frauen oft später erkannt. Nach den Wechseljahren steigt das Risiko deutlich an.

Symptome der KHK

Typische Warnzeichen:

  • Brustenge
  • Druck auf der Brust
  • Atemnot
  • Schmerzen in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer
  • Leistungsknick
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit
  • Herzstolpern

Alarmzeichen:

  • starke Brustschmerzen länger als fünf Minuten
  • kalter Schweiß
  • Todesangst
  • plötzliche Atemnot

Dann sofort den Notruf wählen.

Wie viele Menschen sterben in Deutschland an KHK?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Die koronare Herzkrankheit und ihre Folgen – insbesondere Herzinfarkte – verursachen jährlich zehntausende Todesfälle. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sterben jedes Jahr deutlich über 100.000 Menschen an ischämischen Herzkrankheiten („Durchblutungsstörungen des Herzens“).

Männer sterben häufiger früher. Frauen sterben insgesamt ebenfalls sehr häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil sie durchschnittlich älter werden.

Top-10: Die häufigsten Todesursachen bei Erwachsenen in Deutschland

  1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen (die KHK gehört in diesem Bereich zu den wichtigsten Ursachen)
  2. Krebs
  3. Krankheiten des Atmungssystems
  4. Demenz
  5. Schlaganfall
  6. Diabetes mellitus
  7. Lebererkrankungen
  8. Unfälle
  9. Infektionskrankheiten
  10. Nierenerkrankungen
Baden-Württemberg hat nur einen Platz im Mittelfeld der Bundesländer im Vergleich der Herzinfarkt-Fälle je 100.000 Einwohner ab 30 Jahren. Herzgesünder scheint man im Stadtstaat Hamburg zu leben, wo es nur 270 Herzinfarkt-Fälle je 100.000 Einwohner ab 30 Jahren gab. Quelle: www.gesundheitsatlas-deutschland.de/© WIdO 2026/AOK-Bundesverband

Behandlung der KHK

Die Therapie besteht aus mehreren Säulen.

Medikamente:

  • Statine senken Cholesterin.
  • Blutverdünner, wie zumBeispiel ASS (Acetylsalicylsäure) verhindern Blutgerinnsel.
  • Betablocker senken Puls und Blutdruck.
  • ACE-Hemmer schützen Herz und Gefäße.
  • Nitrospray erweitert Gefäße schnell.

Operationen und Eingriffe

  • Herzkatheter: Ein dünner Schlauch wird in die Gefäße vorgeschoben. Verengungen lassen sich sichtbar machen.
  • Stent: Ein kleines Metallgitter hält das Gefäß offen.
  • Bypass-Operation: Dabei werden Umgehungsgefäße gelegt. Das Blut fließt so an verstopften Stellen vorbei.

Ist KHK heilbar?

Die bereits entstandenen Gefäßschäden lassen sich meist nicht vollständig rückgängig machen. Aber: Das Fortschreiten kann oft stark verlangsamt werden. Teilweise können sich Ablagerungen durch konsequente Lebensstiländerungen sogar etwas zurückbilden. Die beste Medizin beginnt häufig nicht im OP-Saal – sondern auf dem Teller und in den Laufschuhen.

Was Patienten selbst tun können

Rauchverzicht: Der Turbo für die Gefäße

Wer mit dem Rauchen aufhört, erlebt erstaunliche Effekte. Nach

  • 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck
  • 24 Stunden sinkt Kohlenmonoxid im Blut
  • wenigen Wochen verbessert sich die Durchblutung
  • einem Jahr halbiert sich das Risiko für Herzkrankheiten deutlich

Langfristig sinkt das Herzinfarkt-Risiko massiv.

Alkoholverzicht

Weniger Alkohol bedeutet häufig:

  • niedrigerer Blutdruck
  • bessere Schlafqualität
  • weniger Herzrhythmusstörungen
  • Gewichtsabnahme
  • geringere Entzündungswerte

Das Herz bedankt sich oft erstaunlich schnell.

Ernährung: Was KHK-Patienten essen sollten

Die Mittelmeer-Ernährung gilt wissenschaftlich als besonders günstig. Empfehlenswert sind

  • Gemüse
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Fisch
  • Olivenöl
  • Nüsse
  • ungesüßter Tee

Gut für das Herz: Entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren, die nimmt man zu sich mit

  • Lachs
  • Makrele
  • Walnüssen

Eher meiden: Ultrahochverarbeitete Fertiggerichte sind ultraschlecht. Die industrielle Massenware soll ein höheres Schlaganfall- und Demenzrisiko haben. Daneben steht auch der Fleischkonsum in der Kritik. Meiden sollte man deshalb

  • stark verarbeitete Lebensmittel
  • Fast Food
  • Transfette
  • Zuckerbomben
  • stark gesalzene Produkte
  • große Mengen rotes Fleisch

Wichtig: Nicht die perfekte Diät rettet das Herz, sondern die langfristige Umstellung.

Bewegung: Das unterschätzte Herz-Medikament

Körperliche Aktivität verbessert

  • Blutdruck
  • Cholesterinwerte
  • Gewicht
  • Blutzucker
  • Stresslevel
  • Gefäßfunktion

Gut geeignete Sportarten sind

  • Spazierengehen
  • Nordic Walking
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • moderates Joggen
  • Herzsportgruppen

Was für KHK-Patienten möglich ist

Viele KHK-Patienten können nach ärztlicher Rücksprache wieder erstaunlich aktiv werden. Manche schaffen später sogar:

  • längere Wanderungen
  • Halbmarathons
  • Radtouren
  • Bergwanderungen

Wichtig ist ein langsamer Aufbau. Das Motto lautet: Nicht Höchstleistung – sondern Regelmäßigkeit.

Mythen rund um die KHK

Mythos 1: Nur alte Männer bekommen KHK

Falsch. Auch Frauen und jüngere Menschen können betroffen sein.

Mythos 2: Wer schlank ist, hat kein Risiko

Auch schlanke Menschen können gefährliche Cholesterinwerte oder genetische Risiken haben.

Mythos 3: Ein bisschen Rauchen schadet nicht

Doch. Schon wenige Zigaretten täglich erhöhen das Risiko.

Mythos 4: Herzinfarkte kommen immer plötzlich

Oft gibt es lange vorher Warnzeichen.

Mythos 5: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen Medikamente

Für viele Präparate aus dem Nahrungsergänzungsmittel-Bereich fehlt ein wissenschaftlicher Nutzen. Die klassischen KHK-Medikamente sind erprobt und die Wirkung ist nachgewiesen. Alles andere sind Werbeversprechen oder unbewiesene Theorien.    tok