Während sich in Dänemark viele Laien eine Reanimation zutrauen, mangelt es in Deutschland an Erste-Hilfe-Wissen. Foto: Rawpixel.com/stock.adobe.com

Wenn im Notfall jede Minute zählt: Wie Sie mit Kursen und Apps Leben retten können

Manchmal zählt jede Minute, um ein Leben zu retten, doch zu viele Menschen zögern zu helfen. In Deutschland ergreifen mit 51 Prozent gut die Hälfte der Laien lebensrettende Sofortmaßnahmen, während es in Dänemark 80 Prozent sind. Diese größere Hilfsbereitschaft hat ihre Gründe.

„Dänemark hat Anfang der 2000er eine nationale Initiative gestartet und die Laienreanimationsquote vervierfacht. Kinder lernen da in der Grundschule Wiederbelebung. Wir empfehlen seit 2014 Reanimationsunterricht ab der siebten Klasse. Bisher wurde das in Deutschland nur vereinzelt umgesetzt“, erklärt Prof. Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Uniklinik Köln, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rats für Wiederbelebung, im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“.

In Kursen einzelne Maßnahmen üben

Um bei einem Notfall nicht ratlos danebenzustehen, gibt es einige Möglichkeiten, um das Wissen aufzufrischen. Verschiedene Einrichtungen und Organisationen bieten Erste-Hilfe-Kurse an, wie sie zum Beispiel vor der Prüfung für den Führerschein besucht werden müssen. In der Gruppe werden verschiedene Notfallsituationen durchgespielt und Erste-Hilfe-Maßnahmen geübt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet auch kürzere Formate von 90 Minuten zur Auffrischung an.

Mit Videos und Apps Kenntnisse digital auffrischen

Wer nicht vor Ort teilnehmen möchte, kann auf Online-Angebote zurückgreifen. Auf der Videoplattform YouTube stellen zum Beispiel Kreisverbände des DRK oder die Krankenkasse AOK kurze Videos zu einzelnen Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es von der Techniker Krankenkasse in Kooperation mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung eine Virtual-Reality-App für Smartphones. Die App versetzt ihre Nutzer mit der VR-Brille direkt in eine Notfallsituation. Die digitalen Kanäle haben allerdings einen Nachteil: Das praktische Üben an einer Puppe fehlt.

Eine gute Hilfestellung, um in einer Notsituation handeln zu können, bietet auch die App von DRK und der Hilfsorganisation Malteser. Interaktiv führt sie durch eine Notfallsituation und unterstützt auch beim Absetzen des Notrufs und eine Standortbestimmung über Google Maps. Das kann hilfreich sein, wenn man in einer Notfallsituation einen kühlen Kopf bewahrt und dabei die App in Ruhe bedienen kann. Viele Menschen sind in so einem Moment aber zu gestresst dafür. Dann sollte man lieber direkt die europaweite Notrufnummer 112 anrufen. Hier kann geschultes Personal den Ersthelfer vor Ort übers Telefon anleiten.      pm/tok