Jede siebte Mutter berichtet von mangelnder Aufklärung, unnötigen Schmerzen oder respektlosem Verhalten bei der Geburt im Krankenhaus. Etwa zwei von drei Müttern mit einem ungeplanten Kaiserschnitt beschreiben ihre Erfahrung als gemischt (26 Prozent) bis negativ (38 Prozent). Foto: nataliaderiabina/stock.adobe.com

Üble Kommentare, unnötige Schmerzen: negative Erfahrungen für Mütter während der Geburt

Die Mehrheit der Mütter in Deutschland bewertet ihre Geburtserfahrung positiv. Dennoch berichtet jede siebte von mangelnder Aufklärung, unnötigen Schmerzen oder respektlosem Verhalten. Das ergab eine aktuelle repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der hkk Krankenkasse anlässlich des „Roses Revolution Day“, dem internationalen Aktionstag gegen Gewalt in der Geburtshilfe.

Die meisten Geburten finden im Krankenhaus statt

Die große Mehrheit der befragten Mütter (94 Prozent) haben ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt gebracht. Nur wenige Mütter hatten eine Hausgeburt (3 Prozent) oder eine Geburt im Geburtshaus (2 Prozent). Rund zwei Drittel der Mütter, die ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt gebracht haben, hatten eine spontane, vaginale Geburt (68 Prozent). Etwa ein Drittel (32 Prozent) hatte einen Kaiserschnitt – bei 14 Prozent war dieser geplant, bei 18 Prozent ungeplant.

Fehlende Aufklärung und respektloses Verhalten

14 Prozent der befragten Mütter berichten, während der Geburt Eingriffe erlebt zu haben, über die sie nicht ausreichend informiert oder nicht ausdrücklich um Zustimmung gebeten wurden. 15 Prozent schildern abwertende Kommentare, Druckausübung oder unzureichende Schmerzlinderung durch das Fachpersonal – besonders häufig bei einem ungeplanten Kaiserschnitt (23 Prozent).

Deutlicher Informations- und Kommunikationsbedarf

Mehr als jede dritte Mutter (42 Prozent) fühlte sich nur teilweise oder gar nicht ausreichend in Entscheidungen während der Geburt einbezogen oder informiert. Dr. Cornelius Erbe, Bereichsleiter hkk-Versorgungsmanagement: „Geburtshilfe ist immer auch Kommunikation. Eine respektvolle, informierte Einbindung der Frauen in Entscheidungsprozesse ist zentral für positive Geburtserlebnisse und Vertrauen in die Versorgung.“

Zwei Drittel der Frauen bewerten ihr Geburtserlebnis positiv

Rund 66 Prozent der befragten Mütter bewerten ihre Geburtserfahrung als sehr oder eher positiv. Besonders positiv äußern sich Frauen, die spontan entbunden haben (72 Prozent) oder deren Kaiserschnitt geplant war (72 Prozent). Etwa zwei von drei Müttern mit einem ungeplanten Kaiserschnitt beschreiben ihre Erfahrung dagegen als gemischt (26 Prozent) bis negativ (38 Prozent).

Einfluss auf Vertrauen in medizinisches Personal

Zwei Drittel der Mütter (65 Prozent) geben an, dass ihre Erfahrungen während der Geburt ihr Vertrauen in das medizinische Personal beziehungsweise ihre Wahl der Geburtsumgebung positiv beeinflusst haben. Bei etwa jeder 10. Frau haben die Erfahrungen dagegen zu einem geringeren Vertrauen in das Gesundheitssystem geführt.

Zu viele unnötige Kaiserschnitt-Geburten?

In Deutschland finden viele Geburten inzwischen nicht mehr im Kreißsaal, sondern im Operationssaal statt. Aktuelle Zahlen der KKH zeigen, dass 2024 fast 34 Prozent der Neugeborenen per Sectio, also Kaiserschnitt, auf die Welt kamen. Damit geht ein Trend weiter, der seit vielen Jahren zu beobachten ist. Ein Kaiserschnitt ist längst keine Ausnahme mehr, sondern für viele Frauen ein fester Bestandteil der Geburtsplanung – ob gewünscht oder medizinisch notwendig.

Vijitha Sanjivkumar, Expertin für Kinder- und Frauengesundheit bei der KKH, empfiehlt: „Ein Kaiserschnitt sollte immer nur dann durchgeführt werden, wenn eine natürliche Geburt eine gesundheitliche Gefahr für Mutter oder Kind darstellt. Denn wie bei jedem operativen Eingriff gibt es auch bei einem Kaiserschnitt Risiken, die sorgfältig abgewogen werden müssen. Dazu zählen beispielsweise das Infektionsrisiko, eine langsamere körperliche Erholung und mögliche Auswirkungen auf zukünftige Geburten. Eine spontane Geburt ist in der Regel deutlich weniger invasiv und hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Babys.“  

Positive Entwicklung, Handlungsfelder bleiben

Die Umfrage zeigt eine insgesamt positive Wahrnehmung der Geburtshilfe in Deutschland, offenbart jedoch Defizite im respektvollen Umgang, in der Aufklärung und im Einbezug von Gebärenden in Entscheidungen. Wenn diesen Aspekten mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, kann das Geburtserlebnis deutlich positiver ausfallen.

Info

Die Erhebung wurde vom 25. September bis 7. Oktober 2025 im Rahmen des Online-Panels forsa.omninet durchgeführt. Befragt wurden rund 1000 Frauen mit Kindern bis 5 Jahren. Hier geht es zum HKK-Gesundheitsreport „Erfahrungen unter der Geburt“. Nähere Informationen zur KKH erhalten Sie unter kkh.de/presse/portraet.    pm