
2024 starben 2245 Säuglinge im 1. Lebensjahr. Das sind 3,4 Todesfälle je 1000 Lebendgeburten. Die häufigsten Todesursachen für Kinder im 1. Lebensjahr: Erkrankungen und Komplikationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Frühgeburt. Foto: dechevm/stock.adobe.com
Millionen Kinderleben durch Impfen retten – zwei Frühgeburt-Todesfälle pro Tag in Deutschland
Jedes Jahr sterben weltweit fast 5 Millionen Kinder vor ihrem 5. Geburtstag. Ein Team der Online-Publikation „Our World in Data“ hat sich die Todesursachen genau angeschaut und visualisiert. Denn: „Um die Mortalität zu reduzieren, müssen wir wissen, woran Kinder sterben“, so Wissenschaftlerin Hannah Ritchie. Zum Glück sieht es mit der Kindersterblichkeit in Deutschland besser aus. Hier sterben die meisten Kinder im ersten Lebensjahr durch die Folgen einer Frühgeburt oder durch Geburtskomplikationen.



Zwei große Todesursachen-Komplexe
„Es gibt nahezu eine gleich große Verteilung zwischen Infektionskrankheiten – wie Lungenentzündung, Malaria, Durchfallerkrankungen und Masern – und angeborenen Erkrankungen bzw. Geburtskomplikationen, die vor allem durch Frühgeburten und neonatale Erstickung geprägt sind. Beide Kategorien machen jeweils über 40 Prozent der Todesfälle bei Kindern aus“, fasst Ritchie für Our World in Data zusammen. Nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden sind für insgesamt 9 Prozent der Todesfälle weltweit verantwortlich; auf Verletzungen und Unfälle entfallen fast 5 Prozent.
Diese Statistik ist in den Augen von Ritchie nicht nur so tragisch, weil sie für viel „Schmerz und Verlust“ steht; sondern „besonders auch deshalb, weil die meisten dieser Todesfälle vermeidbar sind“.
Kinder: Ungleiche Chancen weltweit
Ein Baby, das in Nigeria geboren wird, hat eine mehr als 20-fach höhere Wahrscheinlichkeit, vor dem 5. Geburtstag zu sterben als ein Baby im Vereinigten Königreich (UK). Infektionskrankheiten sind in dem westafrikanischen Land für 56 Prozent dieser Todesfälle verantwortlich. Im Fokus steht vor allem Malaria – „eine Krankheit, die […] verhindert oder behandelt werden kann“, betont Ritchie.
Ähnliches gilt für viele andere Bereiche: „Es gibt Vakzine gegen Rotaviren, die häufigste Ursache von Durchfallerkrankungen“, erläutert sie, und „gegen Masern“ sowie „gegen Meningitis und Keuchhusten.“ Und: „Nur die Hälfte aller Geburten in Nigeria wird von medizinisch geschultem Personal begleitet; eine höhere Versorgungsquote würde das Risiko von Komplikationen senken und Leben retten.“
Zwei Todesfälle durch Frühgeburten pro Tag in Deutschland
Immerhin: Große Fortschritte wurden bereits erzielt. Berichten der Vereinten Nationen zufolge ist die weltweite Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um 60 Prozent gesunken – von 93,5 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten im Jahr 1990 auf 37,4 im Jahr 2024. Ein Beispiel: Gerade in Ländern wie UK oder den USA sterben heute deutlich weniger Kinder an Krebs als früher. Anderes Beispiel: Die Zahl der Verkehrstoten ist vielerorts gesunken. Doch da geht noch mehr.
„Wenn ich also sage, dass die meisten Todesfälle von Kindern weltweit verhindert werden könnten, meine ich damit nicht nur den Schutz vor Infektionskrankheiten; auch wenn dies oft der kosteneffektivste Weg ist, viele Leben zu retten. Es gibt viele weitere Bereiche, in denen wir Fortschritte gemacht haben und noch deutlich weiterkommen können“, resümiert Ritchie. Übrigens: In Deutschland führen laut Our World in Data Frühgeburten die Todesursachenliste dieser Altersgruppe an (27 %); es sind im Durchschnitt deutlich über zwei Todesfälle pro Tag. pm/Pharma-Fakten
Info
Weitere Informationen finden Sie hier.

Die häufigsten Todesursachen für Kinder bis zu 5 Jahren in Deutschland
Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit sehr niedriger Kindersterblichkeit. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken. Im Jahr 2024 starben 2245 Säuglinge im ersten Lebensjahr. Bei rund 654.000 Geburten entspricht das etwa 3,4 Todesfällen je 1000 Lebendgeburten.
Die Antwort nach den häufigsten Todesursachen für Kinder bis zu 5 Jahren hängt stark vom Alter ab. Bei Kindern unter 5 Jahren unterscheiden Fachleute meist zwischen Säuglingen (unter 1 Jahr) und Kindern von 1 bis 4 Jahren.
Säuglinge (unter 1 Jahr)
Die häufigsten Todesursachen sind:
- Erkrankungen und Komplikationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Frühgeburtlichkeit
- Angeborene Fehlbildungen und genetische Erkrankungen
- Plötzlicher Kindstod (SIDS) – allerdings deutlich seltener als noch vor einigen Jahrzehnten dank Präventionsmaßnahmen.
Kinder von 1 bis 4 Jahren
Ab dem ersten Geburtstag verschiebt sich das Bild deutlich. Dann treten folgende Todesursachen in den Vordergrund:
- Unfälle und Verletzungen (Verkehrsunfälle, Ertrinken, Stürze, Ersticken, Vergiftungen und anderes mehr) sind die häufigste Todesursache. Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnet Kinderunfälle als die häufigste Todesursache für Kinder ab einem Jahr in Deutschland.
- Krebserkrankungen (vor allem Leukämien und Hirntumoren)
- Angeborene Fehlbildungen
- Erkrankungen des Nervensystems und andere schwere chronische Erkrankungen
Insgesamt bis zum 5. Geburtstag
Die meisten Todesfälle vor dem fünften Lebensjahr treten im ersten Lebensjahr auf. Deshalb dominieren in der Gesamtgruppe der unter Fünfjährigen vor allem:
- Frühgeburts- und Geburtskomplikationen,
- angeborene Fehlbildungen,
- schwere Erkrankungen im Säuglingsalter,
- sowie bei Kindern ab 1 Jahr Unfälle.
| Altersgruppe | Häufigste Todesursachen | Einordnung |
| Unter 1 Jahr | Komplikationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Frühgeburt | Mit Abstand wichtigste Ursache im Säuglingsalter. |
| Angeborene Fehlbildungen und Chromosomenstörungen | Zweitwichtigste Gruppe. | |
| Plötzlicher Kindstod (SIDS) | Deutlich seltener als früher, aber weiterhin relevant. | |
| Schwere Infektionen und Erkrankungen des Atmungs- oder Nervensystems | Vergleichsweise selten. | |
| 1 bis 4 Jahre | Unfälle und Verletzungen | Häufigste einzelne Todesursachengruppe. Dazu zählen Verkehrsunfälle, Ertrinken, Ersticken, Brände und Vergiftungen. |
| Krebserkrankungen | Vor allem Leukämien und Hirntumoren. | |
| Angeborene Fehlbildungen | Spielen auch nach dem ersten Geburtstag noch eine Rolle. | |
| Erkrankungen des Nervensystems | Seltene, aber relevante Ursache. |
Kein deutsches Frühchen-Programm, aber dafür spezialisierte Perinatalzentren
Deutschland hat kein einzelnes nationales „Frühchen-Rettungsprogramm“. Stattdessen gibt es bereits ein ganzes Bündel verbindlicher Maßnahmen, die genau darauf abzielen, Todesfälle und schwere Schäden bei Frühgeborenen zu reduzieren. Die aktuelle politische Debatte dreht sich eher darum, wie stark die Versorgung in spezialisierten Zentren konzentriert werden soll.
Was es bereits gibt
1. Spezialisierte Perinatalzentren
Sehr kleine Frühgeborene werden in Deutschland möglichst in hochspezialisierten Perinatalzentren versorgt. Diese Zentren müssen strenge Anforderungen an Personal, Technik und Erfahrung erfüllen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dafür die Qualitätsrichtlinie für Früh- und Reifgeborene geschaffen.
2. Mindestmengen-Regelung
Seit 2024 dürfen Frühgeborene unter 1250 Gramm grundsätzlich nur noch in Kliniken versorgt werden, die mindestens 25 solcher Fälle pro Jahr behandeln. Hintergrund: Studien zeigen, dass die Überlebenschancen in erfahrenen Zentren höher sind.
3. Transparente Qualitätskontrolle
Alle Perinatalzentren müssen ihre Ergebnisse veröffentlichen. Erfasst werden unter anderem:
- Überlebensraten,
- schwere Hirnblutungen,
- schwere Infektionen,
- andere Komplikationen.
Eltern können die Daten auf https://perinatalzentren.org/standortsuche/ vergleichen.
4. Leitlinien zur Vermeidung von Frühgeburten
Fachgesellschaften arbeiten kontinuierlich an Leitlinien zur Prävention von Frühgeburten. Dazu gehören Empfehlungen zu:
- Risikoschwangerschaften,
- Gebärmutterhals-Verkürzung,
- Infektionen,
- Mehrlingsschwangerschaften,
- Progesterontherapie und anderen Präventionsmaßnahmen.
Wo gibt es Streit?
Der Konflikt betrifft vor allem die Zentralisierung der Versorgung.
Befürworter (Neonatologen, Fachgesellschaften, Krankenkassen) argumentieren:
- Mehr Erfahrung bedeutet bessere Überlebenschancen.
- Höhere Mindestmengen retten Leben.
- Komplikationen werden in großen Zentren früher erkannt.
Kritiker (einige Bundesländer, regionale Kliniken) argumentieren:
- Längere Anfahrtswege für Schwangere.
- Gefahr der Schließung kleiner Zentren.
- Schlechtere Versorgung in ländlichen Regionen.
Die Politik hat die Regelung letztlich nicht gestoppt; die höheren Mindestmengen gelten seit 2024. Allerdings gab es vorher jahrelange Auseinandersetzungen und Klagen einzelner Länder und Kliniken. Die meisten Experten fordern heute nicht mehr, ein neues Frühchen-Programm aufzulegen, sondern die bestehenden Strukturen weiter auszubauen. Die zentrale Forderung lautet häufig: „Die richtige Schwangere muss vor der Geburt im richtigen Zentrum ankommen.“
Der Hauptgrund: Bei extrem kleinen Frühgeborenen entscheidet oft bereits der Geburtsort über die Überlebenschancen. Die Debatte dreht sich deshalb weniger um neue Medikamente oder Kampagnen als um die Frage, ob Deutschland die Versorgung noch stärker auf große spezialisierte Zentren konzentrieren soll.
Pforzheimer Helios Klinikum mit Spitzenwerten unter den regionalen Perinatalzentren
Ein Blick auf die Perinatalzentren in Baden-Württemberg (Stand 30. September 2015) im Leserkreis von Vital-Region.de zeigt, dass das Helios Klinikum Pforzheim im Bereich „Überleben von Frühgeborenen ohne schwere Erkrankung“ deutlich besser als der Durchschnitt der anderen Kliniken abgeschnitten hat – punktgleich mit dem Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl.
Und auch im Bereich „Überleben von Frühgeborenen“ erzielt das Pforzheimer Perinatalzentrum einen Superwert, zusammen mit Klinikum Sindelfingen-Böblingen, der Filderklinik, dem Klinikum Esslingen, dem Universitätsklinikum Heidelberg und dem Alb Fils Klinikum. Minimal besser sind das Universitätsklinikum Tübingen, das Rems-Murr-Klinikum Winnenden und das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer. tok