Ein einzelner Hustenstoß kann mehr infektiöses Influenza-Material in die Luft abgeben als mehrere Minuten ruhiges Ausatmen. Wer hustet und Grippe hat, sollte sich deshalb konsequent auskurieren und Kontakte reduzieren. Foto: rashyn – KI-generiert/stock.adobe.com

Influenza-Forschung: Bei Verbreitung von Grippeviren macht Husten den Unterschied

Bislang ging man davon aus, dass sich Influenzaviren bereits durch die reine Anwesenheit einer infizierten Person im selben Raum – also allein durch deren Atmen oder Sprechen – verbreiten und zu einer Ansteckung führen können. Eine neue kontrollierte Studie aus den USA mit infizierten Personen stellt diese Annahme nun differenzierter dar und lenkt den Blick auf einen entscheidenden Faktor: das Symptom Husten.

In der Untersuchung wurden gesunde Probanden gemeinsam mit natürlich an Influenza erkrankten Personen in einer kontrollierten Umgebung untergebracht. Die Forschenden analysierten unter anderem die ausgeatmete Luft, Oberflächenproben und Blutwerte. Zwar konnten bei normalem Atmen Grippeviren in der Luft nachgewiesen werden, jedoch nur in vergleichsweise geringen Mengen. In einem gut durchlüfteten Umfeld reichten diese Konzentrationen offenbar nicht aus, um eine Infektion auszulösen, denn keine der Kontaktpersonen steckte sich im Rahmen der Studie an.

Husten treibt Viren-Verbreitung

Auffällig war jedoch ein weiterer Befund: Die infizierten Personen husteten nur selten. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass beim Husten die Menge freigesetzter Viren sprunghaft ansteigt. Ein einzelner Hustenstoß kann mehr infektiöses Material in die Luft abgeben als mehrere Minuten ruhiges Ausatmen. Husten erzeugt hochkonzentrierte Aerosolwolken, die kurzfristig eine deutlich höhere Viruslast enthalten als die gleichmäßig verdünnte Atemluft im Raum. 

Genau diese kurze Viren-Spitzenbelastung scheint für die Übertragung der Grippe eine zentrale Rolle zu spielen. Die aktuelle Studie legt daher nahe, dass nicht allein das Zusammensein in einem Raum das entscheidende Risiko darstellt, sondern insbesondere das aktive Ausstoßen virushaltiger Partikel durch Husten. Bleibt dieses Symptom weitgehend aus, kann selbst bei einer nachgewiesenen Virenlast in der Atemluft eine Ansteckung unter bestimmten Bedingungen ausbleiben.

Richtig auskurieren und Ansteckungsgefahr reduzieren

Husten ist damit nicht nur ein lästiges Begleitsymptom, sondern möglicherweise ein wesentlicher Motor der Virus-Verbreitung. Wer hustet, sollte sich deshalb konsequent auskurieren und Kontakte reduzieren, wie das Pharmaunternehmen Engelhard Arzneimittel GmbH & Co.KG mitteilt. Hustend zur Arbeit oder in die Schule zu gehen, bedeutet unter Umständen, große Mengen infektiöser Partikel in die Umgebung abzugeben und damit das Infektionsgeschehen zu verstärken. 

Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Relevanz einer aktiven Hustentherapie mit der Linderung von Hustenreiz und Entzündung in den Atemwegen, mit dem Lösen des festsitzenden Schleims, der Unterstützung des Abhustens und der Erweiterung der Bronchien für ein freieres Durchatmen.

Dabei kann eine Verkürzung der Hustendauer nicht nur das eigene Wohlbefinden verbessern, sondern auch die Phase verringern, in der besonders viele Viren freigesetzt werden, so die Schlussfolgerung von Engelhard Arzneimittel (pflanzliche Arzneimittel unter dem Markennamen „Prospan“).    pm

Info

Originalstudie: Lai J, Sobhani H, Coleman KK, et al. Evaluating modes of influenza transmission (EMIT-2): Insights from lack of transmission in a controlled transmission trial with naturally infected donors. PLOS Pathogens. 2026;22(1):1-24. doi: 10.1371/journal.ppat.1013153

Bis KW 2/2026 mindestens 225 bestätigte Influenza-Todesfälle

Um sich vor einer Influenza-Infektion zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, eine jährliche Grippeschutzimpfung gegen Influenza. Dies war im vergangenen Herbst 2025 in Deutschland insbesondere mit Blick auf die Grippesaison 2024/25 geboten. Im Zeitraum von Kalenderwoche (KW) 40/2024 bis KW 20/2025 gab es laborbestätigte 393.452 Influenza-Fälle – ein starker Anstieg im Vergleich zur Vorsaison um 85 Prozent und die höchste Fallzahl seit Jahren. In den 16 Wochen (KW 51/2024 bis KW 14/2025) Grippewelle zeigten die RKI-Monatsberichte deutliche Belastungen im stationären Bereich (SARI-Hospitalisierungen), ohne dass konkrete Gesamtzahlen für alle Krankenhauseinweisungen zentral ausgewiesen werden. In diesem Saisonbericht wurden keine einheitlich veröffentlichten Gesamtzahlen für Grippe-Todesfälle bundesweit im Hauptbericht genannt. Einige externe Berichte sprechen jedoch von einer deutlichen Todesfall-Zunahme gegenüber den Vorjahren. Die Grippesaison 2024/25 war also epidemiologisch ungewöhnlich stark mit hoher Fallzahl, langer Dauer und hoher Aktivität insbesondere bei Kindern. 

Die aktuelle Grippesaison 2025/26 in Deutschland ist noch nicht abgeschlossen. Angaben beruhen auf aktuellen RKI-Wochen- und ARE-Berichten bis KW 2/2026 oder KW 7/2026. Bis Anfang 2026 wurden mindestens 225 labordiagnostisch bestätigte Influenza-Todesfälle gemeldet (Stand KW 2/2026). Die wöchentlichen Fallzahlen steigen saisonal; die deutschlandweite Fallzahl-Summe für die Komplettsaison 2025/26 liegt noch nicht als finaler RKI-Report vor. 

Laut RKI-Wochenberichten blieben die Hospitalisierungen und Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen (inklusive Influenza) bisher unter den Werten der Vorsaison 2024/25 um diese Zeit. Die Influenza-Aktivität ist weiterhin hoch, betrifft alle Altersgruppen, und zeigt saisonale Zunahmen nach dem Jahreswechsel.

Warum empfiehlt das RKI/ die STIKO die Grippeschutzimpfung?

Die Grippe kann schwere Erkrankungen, Komplikationen wie Lungenentzündung, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verursachen – insbesondere bei Personen mit erhöhtem Risiko wie zum Beispiel älteren oder chronisch kranken Menschen. Die Impfung soll

  • vor einer Influenza-Erkrankung schützen,
  • schwere Verläufe und Komplikationen verringern,
  • und Übertragungen in der Bevölkerung reduzieren.

Der Schutz baut sich nach der Impfung in der Regel innerhalb von etwa 10 bis 14 Tagen auf.

Für wen wird die Grippeschutzimpfung empfohlen?

Die STIKO am RKI empfiehlt die saisonale Influenza-Impfung insbesondere für Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe oder Komplikationen.

Standard-Empfehlung (alle Jahre):

  • Personen ab 60 Jahren – Standardindikation.

Indikations-Empfehlungen (jährlich, je nach Saison):

  • Chronisch Kranke zum Beispiel mit Herz-, Lungen-, Stoffwechsel- oder neurologischen Erkrankungen.
  • Schwangere (meist ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel).
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.
  • Medizinisches und pflegerisches Personal sowie Angehörige von Risikogruppen, damit gefährdete Personen geschützt werden.
  • Personen mit regelmäßigem Kontakt zu Tieren (zum Beispiel Schweine, Geflügel, Wildvögel), da Influenza-Viren dort zirkulieren können.

Menschen ohne Risikofaktoren unter 60 Jahren erhalten zwar keine Pflicht-Empfehlung, können sich aber ebenfalls impfen lassen; ein Arztgespräch kann klären, ob es sinnvoll ist.

Wann sollte man sich impfen lassen?

  • Zeitpunkt: Am besten im Herbst, ab Oktober bis Mitte Dezember, bevor die Grippesaison beginnt.
  • Warum dann: Die saisonale Grippe spielt meist im Winter eine große Rolle und der volle Impfschutz braucht Zeit (etwa zwei Wochen).
  • Nachträgliche Impfung: Auch nach Beginn der Grippewelle kann eine Impfung sinnvoll sein, solange die Influenzaviren zirkulieren.       tok