
Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und das Respiratorische Synzytial‑Virus (RSV) werden durch Tröpfchen/Aerosole oder direkten Kontakt übertragen. Innenräume mit schlechter Lüftung begünstigen die Verbreitung beider Erreger. Eine Impfung dagegen schützt zuverlässig. Foto: john – KI-generiert/stock.adobe.com
Atemwegsalarm: Warum Pneumokokken- und RSV-Infektionen deutlich stärker auftreten und was dagegen hilft
Deutschland hustet, röchelt und keucht. Bis zum Herbst 2025 weist Deutschland einen deutlichen Anstieg schwerer Atemwegsinfektionen auf – und noch fehlen die erwartungsgemäß hohen Zahlen für November und Dezember. Vor allem Pneumokokken- und RSV-Infektionen treten laut Robert Koch-Institut (RKI) 2025 wesentlich häufiger auf als im Vorjahr.
Die RKI-Zahlen der gemeldeten Infektionsfälle für die Kalenderwochen 1 bis 44 zeigen einen Anstieg um 28 % bei Pneumokokken und sogar um 54 % bei RSV. Der deutliche Zuwachs gegenüber üblichen Verläufen sollte zu einer höheren Aufmerksamkeit beim medizinischen Personal mahnen, denn hinter den Zahlen stehen schwere Erkrankungen, Hospitalisierungen und gegebenenfalls auch Langzeitfolgen. Dabei könnten Impfungen die teils schwerwiegenden oder gar lebensbedrohlichen Folgen einer Infektion mit diesen beiden Erregern aufhalten.
| Erreger | 2025 KW 1 bis 44 Gemeldete Fälle | 2024 KW 1 bis 44 Gemeldete Fälle | Zuwachs gegenüber Vorjahr |
| Pneumokokken | 8997 | 7009 | + 28 % |
| RSV | 65.849 | 42.845 | + 54 % |
Wie und wo man sich infiziert
Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) Pneumokokken werden vor allem über Tröpfchen/Aerosole übertragen, also beim Husten, Niesen oder auch über gesprochene Sätze in geschlossenen Räumen. Auch eine Besiedelung im Nasen-Rachenraum kann einer invasiven Erkrankung vorausgehen-
Das Respiratorische Synzytial‑Virus (RSV) ist ebenfalls ein klassischer Atemwegsvirus: Die Übertragung geschieht durch direkten Kontakt, Tröpfchen, oftmals in Kitas oder sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen sowie in Haushalten.
Gerade Innenräume mit schlechter Lüftung begünstigen die Verbreitung beider Erreger. Wir sitzen im Büro, im Wohnzimmer oder in der Bahn, die Luft steht, Viren und Bakterien bleiben länger schwebend oder sammeln sich auf Oberflächen. In der Winterzeit mit trockener Heizungsluft und geringem Luftaustausch steigt das Risiko für eine Infektion weiter.
„Die aktuelle Datenlage zeigt einen deutlichen Anstieg sowohl bei Pneumokokken‑ als auch bei RSV‑Infektionen. Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen und die Nutzung der verfügbaren Impfungen sind entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.“
Robert Koch‑Institut, Epidemiologisches Bulletin 45/2025
Wie ansteckend sind Pneumokokken und RVS?
Zur Relativierung: Die Grippe (Influenza) ist hoch ansteckend und kann jährlich viele tausend Hospitalisierungen verursachen. COVID-19 ist weiterhin Bestandteil des Atemwegsgeschehens, jedoch mit deutlich höherer Basisimmunität in der Bevölkerung. Keuchhusten (Pertussis) wiederum überträgt sich stark durch Tröpfchen, betrifft häufig Kinder, und ist impfpräventabel.
RSV und Pneumokokken liegen in ihrer Übertragungseffektivität zwischen einer klassischen Erkältung und einer hochepidemischen Erkrankung: Sie sind deutlich ansteckender und gefährlicher als eine übliche Erkältung, aber meist nicht so explosiv wie pandemische Grippe- oder COVID-Wellen. Wichtig: Bei vulnerablen Gruppen sind die beiden Erreger allerdings sehr relevant.
Wer ist gefährdet?
Im Prinzip sind alle Menschen, die mit ihren Mitmenschen in Kontakt treten, gefährdet. Pneumokokken können neben Lungenentzündungen auch Hirnhautentzündungen oder Sepsis (Blutvergiftung) verursachen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge und Personen mit Vorerkrankungen. Die Datenlage des RKI weist darauf hin, dass invasive Pneumokokken-Erkrankungen mit besonders schweren Verläufe schon im Jahr 2024 gegenüber 2023 merklich angestiegen sind. 2025 sieht es noch einmal übler aus.
RSV betrifft vor allem Kleinkinder und ältere Erwachsene, verursacht Bronchiolitis, Husten und Atemnot und kann in schweren Fällen zu Krankenhausaufenthalten führen.
Symptome und mögliche Folgeschäden
Bei Pneumokokken kann das Spektrum von milden Atemwegsinfekten bis zur lebensgefährlichen Sepsis reichen. Symptome sind typischerweise Husten, Fieber, Atemnot, Brustschmerz, teils Verwirrtheit bei älteren Patienten. Von einer invasiven Pneumokokken-Infektion spricht man, wenn die Erreger in sterile Körperbereiche wie Blut oder Gehirnflüssigkeit eindringen. Die Folgen können Hör- oder Sehbeeinträchtigungen, neurologische Ausfälle, chronische Lungenschädigung oder sogar der Tod sein.
Bei RSV liegen die häufigsten Krankheitsbilder in Bronchiolitis (kleine Atemwege bei Säuglingen), Lungenentzündung, Atemnot und Hospitalisierung. Zwar sind Todesfälle in Deutschland vergleichsweise selten, doch gerade bei sehr jungen Kindern oder älteren Menschen mit Vorerkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko.
Invasive Pneumokokken-Erkrankungen und schwere RSV-Erkrankungen mit Hospitalisierung bergen ein deutlich höheres Risiko für Mortalität als einfache Erkältungen.
Impfungen schützen zuverlässig
Gemäß aktueller Informationen wurde die Pneumokokken-Impfempfehlung durch die STIKO aktualisiert: Für Personen älter als 60 Jahre wird die Verwendung des 20-valenten Konjugatimpfstoffs empfohlen. Es wird nicht mehr empfohlen, nur den 23-valenten Polysaccharidimpfstoff (PPSV23) alleine einzusetzen. Damit reagiert man auf die steigende Zahl invasiver Erkrankungen und auf die Wirksamkeitsdaten moderner Impfstoffe.
Für RSV gilt: Eine Impfung beziehungsweise Prophylaxe zur Saisonbeginnzeit wird insbesondere älteren und Risikopersonen nahegelegt. Das gilt für Menschen ab 75 Jahren beziehungsweise für Menschen ab 60 Jahren mit hohem Risikofaktor.
Beide Impfungen können schwere Verläufe und Todesfälle wirksam reduzieren.

So beugt man zusätzlich üblen Infektionsfolgen vor
Diese Impfungen sind ein wichtiger und vor allem sehr sicherer Baustein – aber nicht der einzige. Lüften, Luftqualität, Schleimhautschutz und Hygienemaßnahmen bleiben zentral.
Schon gewusst?
In einem schlecht gelüfteten Raum kann die Aerosol‑Konzentration innerhalb von 30 Minuten um bis zu 500 % steigen – ein ideales Umfeld für Pneumokokken, RSV & Co.
Innenraum-Lüftung und Luftqualität:
- Regelmässiges Stoßlüften (zum Beispiel 5 bis 10 Minuten mehrmals am Tag) oder idealerweise Querlüften.
- Im Büro oder im Zimmer auf ausreichenden Luftwechsel achten: Ein CO₂-Messgerät kann dabei innvoll sein (>1000 ppm = schlecht).
- Heizungsluft nicht zu trocken halten (ideal etwa 40 % bis 60 % relative Feuchte). Trockene Schleimhäute sind anfälliger für Erreger.
- Luftfilter oder Luftreiniger mit HEPA-Filtern kann man dort einsetzen, wo das Lüften selten möglich ist.
Schleimhäute schützen und Nasenraum stärken:
- Nasenspülungen oder Nasensprays können helfen, Schadstoffe, Staub oder Erreger vor allem bei gereizten Schleimhäuten zu reduzieren.
- Regelmässige Bewegung im Freien: Frischluft stärkt die Atemwege.
- Nicht rauchen und Passivrauch meiden: Rauch schädigt die Atemwege und erleichtert Infektionen.
Hygienemaßnahmen und Aufmerksamkeit im Alltag:
- Beim Husten und Niesen das Taschentuch oder die Ellbogenbeuge verwenden.
- Regelmässig Hände waschen oder desinfizieren, besonders nach dem Kontakt mit Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Innenräumen mit vielen Personen.
- Frühzeitig bei Symptomen den Arzt kontaktieren, insbesondere bei Atemnot, hohem Fieber, bei Säuglingen oder älteren Personen.
Zielgruppen besonders schützen:
- Säuglinge/Kleinkinder: Hier ist RSV sehr relevant. Gute Belüftung von Kinderzimmern, Vermeidung von vielen Kontakten bei großer Ausbreitung.
- Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankung: Impfung, gute Lüftung zu Hause und mehr Aufmerksamkeit gegenüber Luftqualität.
- Arbeitsplätze: In schlecht gelüfteten Büros oder Werkstätten die Lüftung prüfen. Arbeitgeber sollten Aerosol- und Luftwechsel-Maßnahmen sicherstellen.
Warum gibt es in den 2020er-Jahren mehr Atemwegserkrankungen?
In den 2020er-Jahren lässt sich eine Tendenz zu mehr problematischen Atemwegserkrankungen erkennen – nicht zwingend epidemisch bei allen Erregern, aber konkret Pneumokokken- und RSV-Infektionen sollte man eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken.
Mehrere Faktoren für die steigenden Fallzahlen spielen zusammen:
- Nach der Pandemie (COVID-19) sind viele Menschen seltener erkrankt gewesen. Das führte zu geringerer Immunität gegenüber normalen Atemwegserregern. Das heißt: Erreger stoßen auf eine empfänglichere Bevölkerung.
- Veränderungen in der Umwelt: Luftverschmutzung (Feinstaub, Stickoxide, Ozon) schwächt die Schleimhäute und das Immunsystem der Atemwege. Studien zeigen, dass Luftschadstoffe die Abwehr in der Lunge beeinträchtigen können.
- Innenräume: Ob im Home-Office, im schlecht gelüfteten Büro, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Winter verbringen wir mehr Zeit drinnen, mit geringer Lüftung, trockener Heizungsluft und potenziell höheren Viren-/Bakterien-Konzentrationen.
- Klimatische Faktoren: Mildere Winter, veränderte Luftfeuchtigkeit und -zirkulation, längere Saison von Atemwegserregern.
- Multimorbide Bevölkerung: Mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen (zum Beispiel COPD, Herz-Kreislauf, Diabetes), höheres Alter, das alles vergrößert die Risikogruppen.
Der Vital-Region-Tipp
Wenn in diesem Winter Ihre Nase öfter läuft, der Husten länger anhält oder die Kollegin wieder mit Erkältung ins Büro kommt, nehmen Sie diese Krankheitsanzeichen ernst. Die Kombination von mehr Atemwegsinfektionen, erhöhtem Risikopotenzial durch Innenraum- und Luftbedingungen sowie neuen Impf-Empfehlungen macht 2025 zu einem Jahr, in dem wir Atemwege gezielt schützen sollten.
Nutzen Sie den Impfschutz, verbessern Sie Ihre Innenraum-Luft und stärken Sie Ihre Schleimhäute. So fangen Sie manches Problem schon in der Nase ab, bevor die Erreger zur Lunge kommen. tok