
Jeder Dritte in Deutschland leidet unter den Folgen extremer Hitze. Frauen haben durch hohe Temperaturen fast doppelt so häufig Gesundheitsprobleme wie Männer. Foto: Olga Kо – KI-generiert/stock.adobe.com
Heiß, heißer, krank: Fast jeder Dritte hat gesundheitliche Probleme durch Hitze
Immer mehr Menschen leiden unter den Folgen extremer Hitze. Laut aktuellem DAK-Hitzereport berichtet inzwischen fast jeder und jede Dritte von gesundheitlichen Beschwerden durch hohe Temperaturen. Frauen haben fast doppelt so häufig Gesundheitsprobleme wie Männer. Die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt, dass Symptome wie Müdigkeit, Schlafprobleme und Kreislaufbeschwerden am häufigsten vorkommen.
Besonders betroffen von Hitzewellen sind laut Einschätzung der Befragten die Bereiche Pflege, Krankenhaus und Kinderbetreuung. Auch die Sorgen der Menschen vor dem Extremwetter steigen: Laut Umfrage machen sich knapp zwei Drittel große beziehungsweise sehr große Sorgen. Darüber hinaus halten drei Viertel der Befragten die aktuellen Hitzeschutzmaßnahmen für nicht ausreichend.

Mehr Frauen als Männer und mehr Stadt- als Landbewohner werden Hitzeopfer
„Hitzewellen werden zunehmend zur Belastung: Wenn ein Drittel der Bevölkerung schon Gesundheitsprobleme hatte, dann muss der Hitzeschutz gerade für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder verbessert werden“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Es ist alarmierend, wenn die große Mehrheit der Menschen Sorge vor dem Extremwetter hat und die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichend findet. Deshalb müssen Bund, Länder und Kommunen verstärkt an ihren Hitzeschutzplänen arbeiten.“
Laut DAK-Hitzereport haben Gesundheitsprobleme in den vergangenen drei Jahren um 10 Prozentpunkte zugenommen. 30 Prozent der Befragten leiden darunter. Besonders Frauen sind dabei mit 40 Prozent fast doppelt so oft betroffen wie Männer (21 Prozent). Am häufigsten berichten Erwachsene im Alter von 30 bis 44 Jahren mit 35 Prozent von gesundheitlichen Beschwerden. Zudem leiden insbesondere 38 Prozent der in Großstädten lebenden Menschen an Gesundheitsproblemen.
Insgesamt klagen Betroffenen mehrheitlich vor allem über Abgeschlagenheit, Schlafprobleme, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen. Fünf Prozent der Befragten haben in Folge der Gesundheitsprobleme durch Hitze einen Arzt aufgesucht. Dennoch fühlen sich 94 Prozent der Befragten gut informiert und wissen, wie sie sich persönlich vor gesundheitlichen Folgen bei Hitze schützen können.
Maßnahmen zum Hitzeschutz reichen nicht aus
Eine große Mehrheit der Befragten sieht neben dem Bereich mit schwerer körperlicher Arbeit wie Handwerk, Bau und Produktion mit 89 Prozent auch den Pflegebereich (86 Prozent) besonders von Hitzewellen betroffen. Auch sehen 58 Prozent der Befragten Schulen und Kindergärten als einen durch Hitze stark eingeschränkten Bereich. Im Vorjahr waren es noch 49 Prozent.
Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befragten sind der Meinung, dass die unternommenen Hitzeschutz-Maßnahmen bislang nicht ausreichen und mehr getan werden sollte. Bei den jungen Menschen (18 bis 29 Jahre) sind es 82 Prozent. Dabei beunruhigt die Aussicht auf weitere Hitzewellen und Extremwetter vielen Menschen zunehmend: 40 Prozent der Befragten macht sich große, mehr als jede und jeder Fünfte sogar sehr große Sorgen (22 Prozent). Auch junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren zeigen sich mit einem Anteil von 37 Prozent besonders besorgt, ebenso Befragten aus Großstädten mit mindestens 500.000 Einwohnern (29 Prozent).
Info
Für den Hitzereport der DAK-Gesundheit wurden 1519 Bundesbürger ab 18 Jahren vom Forsa-Institut online befragt. Die repräsentative Erhebung wurde vom 22. Juni bis zum 1. Juli 2026 durchgeführt. Der DAK-Hitzereport wurde 2022 erstmals erstellt. Die DAK-Gesundheit reagiert auf die Belastungen durch extreme Temperaturen und verstärkt ihre Aufklärung. Hier finden Interessierte Gesundheitstipps für den Umgang mit Hitze. pm


Wenn hohe Temperaturen krank machen – von Sonnenbrand bis Hitzschlag
Sommer, Sonne, Freibad – für viele Menschen klingt das nach der schönsten Zeit des Jahres. Doch immer häufiger werden Hitzewellen zur ernsthaften Gesundheitsgefahr. Nach aktuellen Umfragen gibt inzwischen fast jeder dritte Mensch in Deutschland an, unter den Folgen großer Hitze zu leiden. Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Säuglinge und Menschen, die im Freien arbeiten. Aber auch gesunde Erwachsene können bei hohen Temperaturen innerhalb weniger Stunden ernsthaft erkranken.
Der Grund: Unser Körper ist darauf ausgelegt, seine Kerntemperatur möglichst konstant bei rund 37 Grad Celsius zu halten. Steigen die Außentemperaturen deutlich an oder kann die Wärme nicht mehr ausreichend abgegeben werden, gerät dieses fein abgestimmte Kühlsystem zunehmend an seine Grenzen. Schweißproduktion, Blutgefäße, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel arbeiten auf Hochtouren. Irgendwann reichen die natürlichen Schutzmechanismen jedoch nicht mehr aus – und aus einer harmlosen Überwärmung kann ein medizinischer Notfall werden.
Sonnenbrand – mehr als nur rote Haut
Die häufigste Hitzeschädigung beginnt oft harmlos: mit einem Sonnenbrand. Dabei handelt es sich um eine akute Entzündung der Haut, ausgelöst durch ultraviolette (UV-)Strahlung. Bereits wenige Minuten intensiver Sonneneinstrahlung können – abhängig vom Hauttyp – ausreichen, um Hautzellen dauerhaft zu schädigen.
Typisch sind gerötete, überwärmte und schmerzende Hautpartien. Bei schweren Sonnenbränden entstehen Blasen, teilweise begleitet von Fieber oder Schüttelfrost. Besonders gefährlich sind wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend. Sie erhöhen nachweislich das Risiko, später an schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken. Auch Basalzell- und Plattenepithelkarzinome treten nach jahrelanger UV-Belastung deutlich häufiger auf.
Wenn dem Körper das Wasser ausgeht
Noch häufiger als Sonnenbrände ist eine Dehydrierung. An heißen Sommertagen verliert der Mensch durch Schwitzen je nach körperlicher Belastung mehrere Liter Flüssigkeit. Gleichzeitig gehen wichtige Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Magnesium verloren.
Wer diesen Verlust nicht rechtzeitig ausgleicht, bekommt zunächst Durst, trockene Schleimhäute und Kopfschmerzen. Später folgen Schwindel, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und dunkler Urin. Im weiteren Verlauf sinkt der Blutdruck ab, der Kreislauf wird instabil und die Gefahr einer Ohnmacht steigt.
Besonders ältere Menschen bemerken Durst häufig erst sehr spät. Medikamente wie Entwässerungstabletten oder bestimmte Blutdrucksenker können den Flüssigkeitsverlust zusätzlich verstärken.

Hitzekrämpfe – wenn die Muskeln streiken
Vor allem Sportler oder körperlich arbeitende Menschen kennen das Phänomen: Nach starkem Schwitzen ziehen sich plötzlich Waden, Arme oder Bauchmuskeln schmerzhaft zusammen.
Verantwortlich ist meist ein Mangel an Elektrolyten, insbesondere Natrium. Hitzekrämpfe gelten als Warnsignal dafür, dass der Körper bereits erheblich unter der Wärmebelastung leidet. Werden Flüssigkeit und Elektrolyte nicht ersetzt, kann daraus eine deutlich gefährlichere Hitzeerschöpfung entstehen.
Hitzeerschöpfung – der Körper gibt auf
Bei einer Hitzeerschöpfung reicht die Kühlleistung des Körpers nicht mehr aus. Große Mengen Flüssigkeit und Salze gehen verloren, der Blutdruck sinkt ab und die Durchblutung verschlechtert sich.
Betroffene fühlen sich extrem erschöpft, klagen über Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Haut wirkt meist kühl und schweißnass, obwohl die Umgebung heiß ist. Manche Patienten werden blass und bekommen Herzrasen.
Jetzt ist rasches Handeln gefragt: Schatten, Ruhe, Flüssigkeit und Kühlung verhindern häufig, dass sich die Situation weiter verschlechtert.
Sonnenstich – wenn der Kopf überhitzt
Im Gegensatz zur Hitzeerschöpfung entsteht ein Sonnenstich vor allem durch intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Die Hirnhäute werden gereizt, was zu heftigen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Nackensteifigkeit führen kann.
Vor allem kleine Kinder und ältere Menschen reagieren empfindlich auf diese Form der Überwärmung. Ein Sonnenstich sollte ernst genommen werden, weil sich daraus in seltenen Fällen schwerere neurologische Komplikationen entwickeln können.
Hitzschlag – ein lebensbedrohlicher Notfall
Der Hitzschlag gehört zu den gefährlichsten Folgen extremer Temperaturen. Dabei steigt die Körperkerntemperatur meist auf über 40 Grad Celsius an. Die körpereigene Temperaturregulation versagt vollständig.
Die Haut ist oft heiß und trocken, weil das Schwitzen aufgehört hat. Hinzu kommen Verwirrtheit, Sprachstörungen, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit. Ohne sofortige medizinische Behandlung drohen Hirnschäden, Organversagen und Tod.
Ein Hitzschlag ist deshalb immer ein Fall für den Rettungsdienst.

Was Hitze mit Herz und Kreislauf macht
Um überschüssige Wärme abzugeben, erweitert der Körper seine Blutgefäße. Dadurch sinkt der Blutdruck. Gleichzeitig muss das Herz schneller schlagen, um alle Organe weiterhin ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
Für gesunde Menschen ist diese Mehrarbeit meist gut zu bewältigen. Herzkranke geraten jedoch schnell an ihre Belastungsgrenze. Das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Angina-pectoris-Anfälle oder Herzinfarkte nimmt während Hitzewellen messbar zu.
Auch das Blut verändert sich. Durch Flüssigkeitsverlust wird es zähflüssiger. Dadurch steigt die Gefahr von Thrombosen und Schlaganfällen.
Das Gehirn leidet mit
Das Gehirn reagiert besonders empfindlich auf Flüssigkeitsmangel und sinkenden Blutdruck. Bereits leichte Dehydrierung kann Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Müdigkeit verursachen.
Mit zunehmender Überwärmung treten Verwirrtheit, Orientierungsprobleme und verlangsamtes Denken auf. Bei älteren Menschen entwickeln sich nicht selten akute Verwirrtheitszustände (Delir), die häufig zunächst mit einer Demenz verwechselt werden.
Die Nieren arbeiten am Limit
Die Nieren regulieren den Wasserhaushalt des Körpers. Fehlt Flüssigkeit, versuchen sie zunächst, möglichst viel Wasser zurückzuhalten. Die Urinmenge nimmt ab, der Urin wird dunkel.
Hält dieser Zustand länger an, kann die Durchblutung der Nieren so stark absinken, dass ein akutes Nierenversagen droht. Gleichzeitig steigt das Risiko für Nierensteine.
Hitze begünstigt auch Infektionen
Hohe Temperaturen fördern nicht nur Kreislaufprobleme. Auch Krankheitserreger profitieren vom Sommer. Lebensmittel verderben schneller, wodurch Infektionen mit Salmonellen, Campylobacter oder bestimmten Escherichia-coli-Bakterien häufiger werden. In warmen Seen vermehren sich Blaualgen (Cyanobakterien), die Hautreizungen und Magen-Darm-Beschwerden verursachen können.
Zunehmend in den Fokus rücken außerdem Vibrionen. Diese Bakterien fühlen sich in den wärmer werdenden Küstengewässern der Nord- und Ostsee wohl. Gelangen sie über kleine Hautverletzungen in den Körper, können schwere Wundinfektionen und im schlimmsten Fall Blutvergiftungen entstehen.
Auch Legionellen vermehren sich in warmen Wasserleitungen, Duschen oder Kühlsystemen besonders gut und können schwere Lungenentzündungen auslösen.
Wer besonders gefährdet ist
Nicht jeder Mensch verträgt Hitze gleich gut. Säuglinge können ihre Körpertemperatur noch nicht ausreichend regulieren. Ältere Menschen schwitzen oft weniger und verspüren Durst später. Herz-, Nieren- oder Diabetespatienten haben ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen.
Hinzu kommen Menschen mit Übergewicht, Schwangere sowie Beschäftigte auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder anderen Berufen unter freiem Himmel.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Die meisten Hitzeschäden lassen sich vermeiden. Ausreichend trinken, direkte Mittagssonne meiden, leichte Kleidung tragen, körperliche Belastungen in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen und Wohnräume möglichst kühl halten, gehören zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen.
Denn eines zeigen alle Studien der vergangenen Jahre: Extreme Hitze ist längst kein seltenes Wetterphänomen mehr, sondern entwickelt sich zu einem der größten gesundheitlichen Risiken des Klimawandels. Wer Warnzeichen früh erkennt und richtig reagiert, kann sich und andere wirksam schützen. tok