Die Hitzewelle im Juni forderte in Deutschland bis zu 5500 Todesfälle. Besonders gefährdete Personengruppen sind Ältere, vor allem alleinlebende Menschen, chronisch oder psychisch kranke und pflegebedürftige Menschen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, Obdachlose und Menschen, die schwer körperlich und/oder im Freien arbeiten. Foto: Olga Ко – KI-generiert/stock.adobe.com

Bis zu 5500 Tote durch Rekordhitze im Juni – Gesundheitsminister startet Taskforce in Baden-Württemberg

Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle: Schon zum Wochenende hin werden in Baden-Württemberg erneut Temperaturen von über 30° C erwartet. Die neuen Temperaturrekorde dieses Sommers zeigen eindrücklich, wie wichtig gesundheitlicher Hitzeschutz und die Vorbereitung auf Hitzeextreme sind. Laut aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts sind durch die extreme Hitzewelle im Juni in Deutschland mehr als 4300 Menschen gestorben. Zahlen des statistischen Bundesamtes deuten sogar auf bis zu 5500 Todesfälle hin, so die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Landesgesundheitsminister Hildenbrand: Hitzeschutz ist langfristige Aufgabe für alle

Vor diesem Hintergrund hat der baden-württembergische Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand eine Taskforce eingerichtet, um die zahlreichen bereits bestehenden Hitzeschutz-Aktivitäten im Land – etwa von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst und bei der Medikamentenversorgung – enger zu vernetzen und gezielt auszubauen sowie die Bevölkerung noch besser über Hitzeschutzmaßnahmen zu informieren.   

„Durch den Klimawandel werden Extremhitzeereignisse künftig zunehmen. Das bedeutet, dass Hitzeschutz nicht nur eine kurzfristige, sondern vor allem auch eine langfristige Aufgabe ist, die Bund, Länder, Kommunen und Einrichtungen betrifft. Wir möchten ein deutliches Zeichen setzen, dass wir vorausschauend mit den Folgen des Klimawandels und dem Thema Hitzeschutz umgehen. Ganz konkret geht es darum zu helfen, hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle zu vermeiden, Einrichtungen handlungsfähig zu halten und die Folgen extremer Hitze für Gesellschaft und Gesundheitswesen zu begrenzen“, so Hildenbrand.

Taskforce soll Bestands- und Bedarfsanalyse liefern

Konkret hat die Taskforce die Aufgabe, zunächst eine Bestands- und Bedarfsanalyse durchzuführen, die unter anderem auf die Herausforderungen von Krankenhäusern und Pflegeheimen während der Juni-Hitzewelle eingeht. Daraus sollen zügig konkrete Maßnahmen folgen wie Hitzeschutzpläne für Einrichtungen oder auch deutliche Hinweise auf jetzt schon bestehende bauliche Möglichkeiten innerhalb der Krankenhausförderprogramme.

Im Landesgesundheitsamt, das im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit angesiedelt ist, gibt es bereits seit dem Jahr 2022 das Kompetenzzentrum „Klimawandel und Gesundheit“, das eine tragende Rolle in der Taskforce einnehmen wird. Das Gesundheitsministerium steht außerdem in engem Austausch mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Kommunen, um die Lage kontinuierlich zu beobachten und auf mögliche weitere Hitzephasen vorbereitet zu sein.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Erste Aktionen bei Krankenhäusern und Pflegeheimen laufen bereits

Viele Krankenhäuser und Pflegeheime in Baden-Württemberg reagieren bereits. So arbeiten viele eng mit Feuerwehr und Gesundheitsämtern zusammen. Einige Einrichtungen haben präventiv und gezielt sogenannte „Hot-Spots“ – Orte mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko für hitzegefährdete Menschen – identifiziert, um bei Bedarf schnell mit Unterstützungsmaßnahmen reagieren zu können. Zudem hatten einige Einrichtungen bereits vor der Hitzewelle Hitzeaktionspläne etabliert und interne Taskforces eingerichtet. Darüber hinaus beraten die bei den Stadt- und Landkreisen eingerichteten Beratungs- und Prüfbehörden (ehemals Heimaufsichtsbehörden) Pflegeeinrichtungen eng und unterstützen diese mit Handlungsempfehlungen und Checklisten.

Auch der sachgerechte Umgang mit Arzneimitteln ist ein wichtiger Bestandteil des gesundheitlichen Hitzeschutzes. Hohe Temperaturen können die Qualität, Stabilität und Wirksamkeit von Arzneimitteln beeinträchtigen. Medikamente sollen grundsätzlich entsprechend den Herstellerangaben gelagert werden.

Hitze als großes Gesundheitsrisiko

Die besonders gefährdeten Personengruppen sind: Ältere, vor allem alleinlebende Menschen, chronisch oder psychisch kranke und pflegebedürftige Menschen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, Obdachlose und Menschen, die schwer körperlich und/oder im Freien arbeiten. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand appelliert daher: „Hitze ist bereits heute eines der größten klimawandelbedingten Gesundheitsrisiken und belastet uns alle. Achten Sie auf sich, aber auch auf andere. Gemeinsam können wir gut durch diese außergewöhnlich heißen Tage kommen.“

Auch viele Kommunen setzen bereits Hitzeschutz-Maßnahmen um oder entwickeln Hitzeaktionspläne. Um einen Überblick über die kommunalen Hitzeschutzmaßnahmen zu erlangen und diese sichtbar zu machen, hat das Landesgesundheitsamt bereits zweimal eine landesweite Umfrage bei allen Kommunen Baden-Württembergs zu den geplanten und umgesetzten Hitzeschutzmaßnahmen durchgeführt (Hitzeschutz-Umfrage BW – LGA Gesundheitsamt Stuttgart). Weitere Informationen zu Hitze und wie Sie sich schützen können, finden Sie außerdem unter Gesundheit und Hitze – LGA Gesundheitsamt Stuttgart.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

DUH fordert nationalen Hitze-Krisengipfel

Angesichts der Zahl von möglicherweise 5500 Hitzetoten im vergangenen Juni in Deutschland fordert die Deutsche Umwelthilfe die Bundesregierung auf, jetzt Verantwortung für Menschenleben zu übernehmen und wirksame Hitzeschutzmaßnahmen umzusetzen. „Diese Zahlen müssen ein Weckruf für die Bundesregierung sein. Sie muss jetzt schnellstmöglich einen Hitze-Krisengipfel einberufen, um wirksamen Hitzeschutz verbindlich zu verankern und vulnerable Gruppen zu schützen. Besondere Verantwortung tragen Bauministerin Hubertz und Gesundheitsministerin Warken: Wir brauchen mehr Bäume, Stadtgrün und entsiegelte Flächen, um Menschenleben vor den direkten Folgen der eskalierenden Klimakrise zu retten“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Und sie legt nach: „Die Hitze schlägt aber nicht nur unmittelbar zu, sondern auch in Zeitlupe. Die Zustände in Schulen, Kliniken und öffentlichen Verkehrsmitteln waren tagelang unzumutbar – wer auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, kann die Folgen noch heute spüren. Eine aktuelle Analyse von Prognos zeigt außerdem, dass ein einzelner Hitzetag die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro kostet. Die Bundesregierung muss endlich verstehen: Wenn sie sich weiter wegduckt, setzt sie das Wohl aller Bürgerinnen und Bürger aufs Spiel.“ pm/tok

Grafik: Kurtz – KI-generiert