Mit schniefender Nase, Halsweh, leichtem Fieber und Magen-Darm-Problemen am Strand sonnen? Keine gute Idee, wenn man sich eine umgangssprachlich so genannte Sommergrippe geholt hat. Foto: Antonioguillem/stick.adobe.com

Sommergrippe statt Strandurlaub? Warum Hitze auch Husten, Fieber und Darmstress begünstigt

Der Urlaub ist gebucht, die Temperaturen klettern über 30 Grad – und plötzlich kratzt der Hals. Die Nase läuft, der Kopf dröhnt, vielleicht kommt sogar Fieber dazu. Betroffene reiben sich verwundert die Augen: Kann man mitten im Hochsommer eine Grippe bekommen? Die kurze Antwort: Ja – allerdings steckt hinter der sogenannten Sommergrippe meist keine echte Grippe. Trotzdem kann der Infekt den schönsten Sommer gründlich verderben. 

Experten beobachten jedes Jahr, dass auch in den warmen Monaten zahlreiche Menschen mit Atemwegsinfekten kämpfen. Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst solche akuten Atemwegserkrankungen ganzjährig. Auch im Sommer zirkulieren verschiedene Erkältungsviren in der Bevölkerung. 

Was ist eine Sommergrippe überhaupt?

Der Begriff Sommergrippe ist streng genommen kein medizinischer Fachbegriff. Ärzte sprechen meist von einem grippalen Infekt oder einer Erkältung, die in den Sommermonaten auftritt. Mit der echten Influenza, also der klassischen Grippe, hat die Sommergrippe meist wenig zu tun. 

Typisch ist ein eher schleichender Beginn. Die Beschwerden entwickeln sich über Stunden oder Tage. Anders als bei der Influenza fällt man meist nicht von einer Minute auf die andere ins Bett.

Welche Erreger stecken dahinter?

Besonders häufig werden Sommerinfekte durch sogenannte Enteroviren ausgelöst. Dazu gehören vor allem Coxsackie- und Echoviren. Diese Viren fühlen sich in den warmen Monaten besonders wohl und erreichen ihre Hauptsaison häufig zwischen Juli und September. 

Daneben können auch andere Erreger beteiligt sein:

  • Parainfluenzaviren
  • Rhinoviren
  • bestimmte Coronaviren
  • gelegentlich Bakterien wie Mykoplasmen oder Legionellen

Enteroviren besitzen eine Besonderheit: Sie vermehren sich nicht nur in den Atemwegen, sondern häufig auch im Darm. Deshalb können bei einer Sommergrippe zusätzlich Magen-Darm-Beschwerden auftreten. 

Warum erwischt es uns ausgerechnet im Sommer?

Viele Menschen glauben, dass Zugluft oder Klimaanlagen eine Sommergrippe direkt verursachen. Das stimmt nicht. Verursacher bleiben immer Viren. Allerdings können typische Sommerbedingungen die Schleimhäute reizen und die körpereigene Abwehr schwächen:

  • starke Temperaturwechsel zwischen Hitze und Klimaanlage
  • trockene Luft aus Klimaanlagen oder Ventilatoren
  • langes Sitzen in nasser Badekleidung
  • kalte Nächte nach heißen Tagen
  • Flüssigkeitsmangel
  • Schlafmangel auf Reisen
  • körperlicher Stress durch Hitze oder lange Anfahrten

Wer beispielsweise aus 35 Grad Außentemperatur in einen auf 18 Grad heruntergekühlten Bus oder Flieger steigt, belastet seine Schleimhäute erheblich. Dadurch haben Viren leichteres Spiel. 

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Wie und wo steckt man sich an?

Die Übertragung erfolgt ähnlich wie bei einer Erkältung im Winter.

Tröpfchen und Aerosole: Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen Viren in die Umgebungsluft. Andere Menschen können diese einatmen. 

Schmierinfektionen: Besonders Enteroviren werden auch über verunreinigte Hände, Oberflächen, Lebensmittel oder sanitäre Anlagen übertragen. 

Typische Viren-Fallen für die Sommergrippe:

  • Flugzeuge
  • Kreuzfahrtschiffe
  • Ferienclubs
  • Campingplätze
  • Festivals
  • Freibäder mit vielen Besuchern
  • Hotelbuffets

Dort treffen viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen auf engem Raum zusammen.

Können Schwangere oder Stillende Babys anstecken?

Ja. Schwangere und stillende Mütter können Viren übertragen, wenn sie selbst infiziert sind. Die Übertragung erfolgt jedoch nicht über die Muttermilch, sondern vor allem über engen Kontakt, Husten, Niesen oder verunreinigte Hände.

Stillen wird bei den meisten Virusinfekten sogar weiterhin empfohlen, weil über die Muttermilch schützende Antikörper an das Kind weitergegeben werden können. Bei Säuglingen sollte bei Fieber oder Trinkschwäche allerdings rasch ein Kinderarzt hinzugezogen werden.

Welche Symptome sind typisch?

Die Beschwerden ähneln einer Erkältung:

  • Halsschmerzen
  • Schnupfen
  • Husten
  • Heiserkeit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Müdigkeit
  • leichtes bis mäßiges Fieber

Bei Enteroviren kommen häufig hinzu:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall 

Was kann der Arzt feststellen?Eine Sommergrippe wird meist anhand der Beschwerden diagnostiziert. Bei unklaren Fällen können zusätzliche Untersuchungen erfolgen:

  • körperliche Untersuchung
  • Abhören der Lunge
  • PCR-Test auf Covid-19
  • Virusnachweis aus Nasen- oder Rachenabstrichen
  • Blutuntersuchungen

Gerade die Abgrenzung zu Covid-19 oder Influenza kann sinnvoll sein.

Sommergrippe, Influenza oder Covid-19 – ähnliche Merkmale, große Unterschiede

MerkmalSommergrippeInfluenzaCovid-19
HauptursacheEnteroviren, andere ErkältungsvirenInfluenzavirenSARS-CoV-2
JahreszeitSommer, FrühherbstHerbst/Winterganzjährig
Beginnschleichendplötzlichunterschiedlich
Fieberselten hochoft hochmöglich
Schnupfenhäufigeher seltenhäufig
Hustenhäufighäufighäufig
Gliederschmerzenleicht bis mäßigoft starkunterschiedlich
Magen-Darm-Beschwerdenrelativ häufigseltenmöglich
Geruchs-/Geschmacksverlustuntypischuntypischmöglich
Krankheitsgefühlmeist moderatoft sehr ausgeprägtunterschiedlich

Wie verläuft eine Sommergrippe?

Meist dauert die Erkrankung zwischen wenigen Tagen und einer Woche. Viele Betroffene sind nach drei bis sieben Tagen wieder fit. Komplikationen sind bei der Sommergrippe selten, aber möglich:

  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • Bronchitis
  • Lungenentzündung

Bei bestimmten Enteroviren können in seltenen Fällen Herzmuskelentzündungen auftreten. 

Ein Arztbesuch ist sinnvoll bei:

  • Atemnot
  • hohem Fieber
  • Beschwerden länger als eine Woche
  • starken Brustschmerzen
  • schweren Vorerkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Säuglingen und Kleinkindern
  • deutlicher Verschlechterung des Zustands

Was hilft wirklich?

Eine Wunderpille gegen Sommergrippe gibt es nicht. Der Körper muss die Viren selbst bekämpfen.

Das hilft

  • ausreichend Schlaf
  • körperliche Schonung
  • viel trinken
  • warme Tees
  • Honig bei Husten
  • Nasenspülungen mit Kochsalzlösung
  • Inhalationen
  • fiebersenkende Medikamente bei Bedarf
  • leichte, vitaminreiche Kost 

Hausmittel mit guter Plausibilität

  • Salbeitee zum Gurgeln
  • Kamillentee
  • Hühnersuppe
  • warme Halswickel
  • Honig (Nicht für Säuglinge unter einem Jahr!)

Das sollte man lieber lassen

  • Sport trotz Fieber
  • Alkohol
  • Rauchen
  • Antibiotika ohne bakterielle Infektion
  • stundenlanges Sonnenbaden während der Erkrankung

Vorbeugung: So bleibt der Sommer gesund

Die wichtigste Regel lautet: Schleimhäute schützen und Ansteckungen reduzieren.

Zuhause

  • regelmäßig Hände waschen
  • ausreichend trinken
  • Klimaanlagen nicht zu kalt einstellen
  • Schlafmangel vermeiden
  • Räume regelmäßig lüften

Im Urlaub

  • Hände vor dem Essen reinigen
  • Trinkwasserhygiene beachten
  • Hotelzimmer nicht auf Kühlschranktemperatur herunterkühlen
  • nasse Kleidung rasch wechseln
  • Sonnenschutz nutzen

Auf Flugreisen

  • viel trinken
  • Schleimhäute mit Nasenspray oder Kochsalzlösung feucht halten
  • Hände regelmäßig desinfizieren
  • Abstand zu offensichtlich Erkrankten halten

Auf Kreuzfahrten

  • Handhygiene besonders ernst nehmen
  • Buffets mit sauberem Besteck nutzen
  • bei Symptomen frühzeitig Bordarzt kontaktieren

Die Sommergrippe ist kein Mythos, sondern ein echter, meist viraler Infekt, der jedes Jahr viele Menschen erwischt. Besonders Enteroviren spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Erkrankung verläuft meist harmlos, kann aber den Urlaub oder die schönsten Sommertage empfindlich stören. Wer auf Hygiene achtet, starke Temperaturwechsel vermeidet und seinem Körper ausreichend Erholung gönnt, senkt das Risiko deutlich. Und wenn die Sommergrippe doch zuschlägt, gilt oft die älteste Medizin der Welt: Ruhe, Geduld und ein großes Glas Wasser.    tok