Im Juli 2019 schien es Sir Patrick Stewart in der Öffentlichkeit noch gut zu gehen. Der erfolgreiche Theaterschauspieler wurde als Raumschiff-Enterprise-Captain Jean-Luc Picard mit den Star-Trek-Filmen weltberühmt. Der verstorbene 86-Jährige hatte neben einer Alzheimer-Erkrankung offenbar noch eine Lewy-Körperchen-Demenz. Foto: Gage Skidmore / Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 unter https://www.flickr.com/people/22007612@N05 und https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Diagnose Alzheimer und seltene Lewy-Körperchen-Demenz: Star Trek-Legende Patrick Stewart ist tot

Star-Trek-Legende Sir Patrick Stewart war der ruhige Captain Jean-Luc Picard auf dem Raumschiff Enterprise, der selbst in galaktischen Krisen stets die Übersicht behielt. Der britische Schauspieler starb am 28. Oktober 2026 im Alter von 86 Jahren in Los Angeles. Seine Sprecherin Kelly Bush Novak bestätigte, dass er an Alzheimer und Lewy-Körperchen-Demenz erkrankt war. Was unterscheidet diese oft übersehene Demenz-Erkrankung von Alzheimer? Und weshalb ist hier die richtige Diagnose so wichtig?

Über die persönlichen Beschwerden von Stewart oder den genauen Krankheitsverlauf ist öffentlich wenig bekannt. Die zweite Diagnose verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit. Denn Lewy-Körperchen-Demenz kann Menschen auf eine Weise verändern, die Angehörige zunächst kaum mit Demenz verbinden: Sie sehen beispielsweise Menschen oder Tiere, die nicht da sind, wirken zeitweise völlig klar und kurz darauf ungewöhnlich abwesend. Manche schlagen im Schlaf um sich, andere bewegen sich zunehmend steif und langsam.

Was im Gehirn geschieht

Namensgeber sind mikroskopisch kleine Ablagerungen des Eiweißes Alpha-Synuclein in Nervenzellen. Der Neurologe Friedrich Heinrich Lewy beschrieb entsprechende Einschlüsse bereits 1912. Die Ablagerungen stören die Funktion von Nervenzellnetzwerken. Die Krankheit betrifft deshalb nicht allein Gedächtnis und Denken, sondern auch Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Bewegungssteuerung und Schlaf.

Bei Alzheimer stehen dagegen Veränderungen durch Amyloid-beta und Tau im Vordergrund. Beide Erkrankungsprozesse können gleichzeitig im Gehirn vorliegen. Dass bei Stewart beide Diagnosen genannt wurden, ist daher medizinisch plausibel – erlaubt aber keine Rückschlüsse auf seine individuellen Symptome.

Vier Warnsignale, die auffallen können

Typisch sind starke Schwankungen der Aufmerksamkeit und Wachheit: Ein Betroffener führt morgens ein Gespräch und ist wenig später kaum ansprechbar. Hinzu kommen wiederkehrende, oft detailreiche optische Halluzinationen. Drittes Kennzeichen sind Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen wie Muskelsteifigkeit, langsame Schritte und Stürze. Viertens kann eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung auftreten: Träume werden mit Rufen, Schlagen oder heftigen Bewegungen regelrecht ausagiert, manchmal schon Jahre vor der Demenz.

Nicht alle vier Merkmale müssen auftreten. Auch Kreislaufprobleme, Verstopfung, depressive Beschwerden oder ausgeprägte Tagesschläfrigkeit sind möglich. Gedächtnisprobleme können anfangs weniger ausgeprägt sein als bei Alzheimer.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Warum die Diagnose schwierig ist

Ein einzelner Bluttest beweist die Krankheit im Alltag nicht. Ärzte erheben den zeitlichen Verlauf, untersuchen Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Bewegungen und sprechen möglichst auch mit Angehörigen. Je nach Befund helfen Magnetresonanztomografie, Schlaflabor oder spezielle nuklearmedizinische Untersuchungen. Wichtig ist zudem, behandelbare Ursachen einer Verschlechterung – etwa Infektionen, Medikamentennebenwirkungen oder Stoffwechselstörungen – auszuschließen.

Zur Lewy-Körperchen-Erkrankungsgruppe gehört auch die Parkinson-Demenz. Als klinische Orientierung dient die Ein-Jahres-Regel: Beginnt die Demenz vor oder ungefähr gleichzeitig mit den Parkinsonsymptomen, spricht das eher für Demenz mit Lewy-Körperchen; tritt sie erst nach länger bestehender Parkinsonkrankheit auf, eher für Parkinson-Demenz.

Warum manche Medikamente gefährlich werden können

Eine besonders wichtige Konsequenz der Diagnose betrifft Medikamente gegen Halluzinationen und starke Unruhe. Bestimmte Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, können bei Lewy-Körperchen-Demenz schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen: ausgeprägte Steifigkeit, Benommenheit und eine dramatische Verschlechterung. Solche Mittel gehören deshalb nur nach sorgfältiger fachärztlicher Abwägung in die Behandlung.

Eine Heilung gibt es bislang nicht. Bei ausgewählten Patienten können Cholinesterasehemmer wie Donepezil oder Rivastigmin einzelne geistige und psychische Beschwerden lindern; die konkrete Zulassungssituation ist zu beachten. Physio- und Ergotherapie, sichere Wohnräume, Behandlung von Schlafproblemen und Unterstützung für Angehörige sind ebenso wichtig.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Wie häufig ist die Erkrankung?

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt für die Lewy-Körperchen-Demenz einen Anteil von etwa fünf Prozent der Demenzerkrankungen. Je nach diagnostischer Abgrenzung und untersuchter Gruppe unterscheiden sich Schätzungen deutlich; die Zahl ist daher kein exakter Anteil aller Betroffenen. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein. Meist beginnt die Erkrankung im höheren Lebensalter. Die Lebenserwartung variiert stark – Durchschnittswerte lassen keine Prognose für einen einzelnen Menschen zu.

Was Angehörige konkret tun können

Wiederholte Wahrnehmungsstörungen, auffällige Schwankungen der Wachheit, nächtliches Ausagieren von Träumen und neue Gangprobleme sollten ärztlich abgeklärt werden. Hilfreich ist ein Symptomtagebuch mit Zeitpunkt, Dauer, Medikamenten und möglichen Auslösern. Bei Halluzinationen ruhig bleiben, Sicherheit vermitteln und nicht in einen Streit über das Gesehene geraten. Bei plötzlich neu aufgetretener Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder Schlaganfallzeichen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich; bei akuter Gefahr 112 wählen.

Stewarts Tod lenkt damit den Blick auf eine Demenzform, deren Symptome leicht fehlgedeutet werden. Gerade die Unterscheidung zu Alzheimer ist keine akademische Spitzfindigkeit: Sie kann über den richtigen Umgang mit Beschwerden und über die Sicherheit einer Behandlung entscheiden. tok

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Sir Patrick Stewart – Leben und Karriere

1940 – Geboren am 13. Juli in Mirfield, West Yorkshire, England; aufgewachsen in einfachen Verhältnissen.
1950er – Frühe Theaterarbeit; Ausbildung an der Bristol Old Vic Theatre School.
1966 – Beginn der langjährigen Zugehörigkeit zur Royal Shakespeare Company; Shakespeare-Rollen prägen seinen Stil.
1981–1984 – Kinorollen unter anderem in Excalibur (1981) und Dune – Der Wüstenplanet (1984).
1987–1994 – Weltweiter Durchbruch als Captain Jean-Luc Picard in Star Trek: The Next Generation.
1994–2002 – Vier Star-Trek-Kinofilme mit der Next-Generation-Besatzung.
2000–2017 – Professor Charles Xavier in mehreren X-Men-Filmen, darunter X-Men (2000) und Logan (2017).
2008–2013 – Erfolge auf Broadway und West End mit „Macbeth“ sowie „Waiting for Godot“ und „No Man’s Land“ mit Ian McKellen.
2010 – Zum Ritter geschlagen; seither Sir Patrick Stewart.
2020–2023 – Rückkehr als Jean-Luc Picard in der Serie Star Trek: Picard.
2023 – Autobiografie „Making It So“ veröffentlicht.
2026 – Gestorben am 28. Oktober in Los Angeles im Alter von 86 Jahren.