
Menschen mit Hör- und Sehproblemen können weniger Reize und Informationen verarbeiten. Mit einer Brille und einem optimal angepassten Hörgerät gelangen wieder mehr Sinneseindrücke und Infos ins Gehirn, das dann auch wieder mehr gefordert wird – und das ist eine effektive Demenz-Prävention. Foto: Ulia_photo – KI-generiert/stock.adobe.com
Demenz vorbeugen: Warum Hörgerät und Brille wichtig fürs Gehirn sind
Was haben Hörgerät und Brille mit Demenzprävention zu tun? Mehr als viele denken. Wer schlecht hört und kaum etwas sieht, erhält und erlebt weniger Informationen. Das kann einsam machen und das Gehirn unterfordern. Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative (AFI) zeigt, warum unbehandelte Hör- und Sehschwächen das Demenzrisiko erhöhen können und wie man frühzeitig gegensteuern kann.
„Unbehandelte Schwerhörigkeit gehört zu den größten Risikofaktoren im mittleren Alter. Auch Sehbehinderungen können das Demenzrisiko erhöhen, insbesondere wenn im hohen Alter nachlassende Sehkraft und Augenerkrankungen nicht behandelt werden.“
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI.
Was passiert im Gehirn, wenn Hören und Sehen nachlassen?
Menschen mit Hör- und Sehproblemen können weniger Reize und Informationen verarbeiten. Oft ziehen sie sich auch zurück, weil sie Gesprächen schlechter folgen können oder sich in ungewohnter Umgebung unsicher fühlen. „Wer soziale Kontakte meidet, fordert sein Gehirn nicht ausreichend. Bei Schwerhörigkeit werden außerdem Hintergrundgeräusche nicht mehr wahrgenommen, die das Gehirn auch aktiv halten. Die Folge: Die geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab und das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer steigt“, erklärt Pfitzer-Bilsing.
Das Hörvermögen verschlechtert sich meist altersbedingt ab Mitte 50. Auch die Sehkraft lässt mit zunehmendem Alter nach. Bereits ab Mitte 40 fällt das Sehen in der Nähe schwerer, später können Erkrankungen wie Grauer Star oder Makuladegeneration hinzukommen.
Was hilft, um gegenzusteuern?
„Schwerhörigkeit wird oft noch nicht so ernst genommen. Während es ganz normal ist, im Alter eine Brille zu tragen, tun sich viele Menschen mit Hörhilfen schwer. Das kann aber schwerwiegende Folgen haben. Deshalb sollte man das Hörvermögen regelmäßig in einer HNO-Praxis oder von einem Hörgeräteakustiker überprüfen lassen. In den meisten Fällen kann ein Hörgerät helfen, Defizite auszugleichen“, erläutert Pfitzer-Bilsing.
Wird eine Hörhilfe ärztlich verordnet, übernimmt die Krankenkasse die Kosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. Ist die Schwerhörigkeit krankheitsbedingt, sollte die Ursache behandeln werden. Wichtig ist es, sich früh genug darum zu kümmern.
„Wenn man zu lange mit einer Schwerhörigkeit lebt, gewöhnt sich das Ohr daran. Wenn dann mit einem Hörgerät korrigiert wird, erscheinen Stimmen und Geräusche unangenehm laut und das Hörgerät landet in der Schublade. Das ist natürlich nicht hilfreich.“
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI
Regelmäßig das Sehvermögen testen
Auch wer schlechter sieht, sollte die Ursachen fachärztlich abklären und behandeln lassen. Sehhilfen wie eine Brille oder die Behandlung von Augenkrankheiten können dazu beitragen, die Sehkraft länger zu erhalten. „Lassen Sie regelmäßig Ihre Augen untersuchen. So kann Ihre Brille entsprechend angepasst und Augenerkrankungen können frühzeitig behandelt werden. Wer gut hört und sieht, kann weiterhin aktiv am Leben teilnehmen und Gesprächen besser folgen. Das Gehirn wird gefordert und bleibt leistungsfähiger“, betont Pfitzer-Bilsing. pm
Info
Seh- und Hörschwäche gehören zu insgesamt 14 Risikofaktoren, die die AFI in der Broschüre „Alzheimer vorbeugen – Gesund leben, gesund altern“ zusammengestellt haben. Die Broschüre kann kostenlos bestellt werden bei der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V., Kreuzstraße 34 in 40210 Düsseldorf; Telefonnummer 0211 – 86 20 66 0. Onlinebestellung unter www.alzheimer-forschung.de/alzheimer-vorbeugen