
Abgase von Autos und Industrie plus Sonnenlicht und Hitze und eine Reihe von chemischen Reaktionen sorgen im Sommer für hohe Werte von bodennahem Ozon. Darunter leidet die menschliche Lunge. Laut Europäischer Umweltagentur (EEA) muss man jährlich mit über 20.000 Todesfällen durch die Ozon-Belastung in Deutschland rechnen. Foto: Kurtz – KI-generiert
Zehntausende vorzeitiger Todesfälle: Wie bodennahes Ozon unserer Lunge schadet
Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, kaum Wind – perfektes Sommerwetter. Doch ausgerechnet dann kann sich über Stadt und Land ein unsichtbarer Schadstoff zusammenbrauen: bodennahes Ozon. Man kann es nicht sehen, in den üblichen Konzentrationen nicht riechen und auch nicht schmecken. Trotzdem gelangt es mit jedem Atemzug in die Atemwege. Wer bei hohen Ozonwerten joggt, auf dem Bau arbeitet oder im Garten schuftet, holt besonders viel davon tief in die Lunge.
63.000 vorzeitige Todesfälle durch Ozonbelastung in der EU
Ozon ist damit so etwas wie der hinterhältige Gast des Hochsommers: Es kommt bei schönstem Wetter, macht keinen Lärm – und kann dennoch Husten, Atemnot, Entzündungen und eine messbare Verschlechterung der Lungenfunktion verursachen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, Kinder, ältere Menschen und alle, die sich draußen körperlich stark anstrengen.
Die Europäische Umweltagentur schätzt, dass in der Europäischen Union im Jahr 2023 rund 63.000 vorzeitige Todesfälle auf eine längerfristige Ozonbelastung oberhalb des Richtwertes der Weltgesundheitsorganisation zurückzuführen waren. Das bedeutet nicht, dass bei diesen Menschen „Ozonvergiftung“ auf dem Totenschein stand. Solche Zahlen werden aus Messwerten, Bevölkerungsdaten und bekannten statistischen Zusammenhängen zwischen Schadstoffbelastung und Sterblichkeit berechnet. Dennoch machen sie deutlich: Bodennahes Ozon ist kein exotisches Umweltproblem, sondern ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko.
Das gute Ozon oben – das schädliche Ozon unten
Ozon besteht aus drei Sauerstoffatomen und trägt deshalb die chemische Formel O₃. Ob es uns schützt oder schadet, hängt vor allem davon ab, wo es sich befindet.
In der Stratosphäre, etwa 15 bis 35 Kilometer über der Erdoberfläche, bildet Ozon die berühmte Ozonschicht. Sie wirkt wie ein Schutzschild und hält einen großen Teil der schädlichen ultravioletten Strahlung der Sonne zurück. Ohne diesen Filter wäre das Leben auf der Erde erheblich stärker durch Sonnenbrand, Hautkrebs und Schäden an Augen und Erbgut bedroht.
Bodennahes Ozon befindet sich dagegen in der Troposphäre, also in der Luftschicht, in der Menschen leben und atmen. Dort ist es kein Schutzschild, sondern ein aggressives Reizgas. Es gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des sogenannten Sommersmogs.
Der Merksatz lautet deshalb: Ozon weit oben ist nützlich – Ozon hier unten kann krank machen.
Gut zu wissen…
Ozon bedeutet „das Riechende“. Der Name stammt vom griechischen Wort „ozein“. In sehr hohen Konzentrationen besitzt Ozon einen stechenden Geruch. Die gesundheitlich relevante Umweltbelastung lässt sich mit der Nase jedoch nicht zuverlässig erkennen.
Ein Gewitter ist kein Wellness-Ozongenerator. Der typische Geruch nach einem Gewitter stammt nicht ausschließlich von Ozon. Auch Bodenstoffe wie Geosmin und andere chemische Reaktionsprodukte tragen zum sogenannten Regenduft bei.
Mehr Verkehr kann örtlich weniger Ozonmesswert bedeuten. Direkt an stark befahrenen Straßen kann Stickstoffmonoxid Ozon abbauen. Das macht die Luft dort nicht sauberer, sondern verändert lediglich den Schadstoffmix.
Landluft ist nicht automatisch ozonarm. Die Vorläuferstoffe werden aus Städten herausgetragen und bilden im Umland weiter Ozon. Deshalb können ländliche Messstationen besonders hohe Werte anzeigen.
Ozon lässt Gummi altern. Das aggressive Gas greift nicht nur Lungengewebe, sondern auch Pflanzen, Farben, Kunststoffe und Gummi an. Feine Risse in Gummimaterialien können ein Hinweis auf Ozoneinwirkung sein.
Zimmerpflanzen sind keine Ozon-Schutzschilde. Pflanzen und Oberflächen können Ozon zwar teilweise abbauen. Einige Pflanzen geben jedoch selbst flüchtige organische Verbindungen ab. Eine normale Zimmerpflanze ersetzt daher weder Luftreinhaltung noch vernünftiges Lüften.
FFP2-Masken helfen gegen Partikel, nicht gegen Ozon. Ozon ist ein Gas und wird von gewöhnlichen Partikelfiltern nicht zuverlässig aufgehalten.
Die Lunge kann still weiter entzündet sein. Nach wiederholter Belastung lassen manche wahrgenommenen Beschwerden nach. Das bedeutet nicht zwingend, dass auch die Entzündungsreaktion verschwunden ist.
Zehntausende Todesfälle in Deutschland durch
Ozon und Luftverschmutzug
Laut Europäischer Umweltagentur (EEA) sind im Jahr 2022 erschreckende 22.924 Todesfälle auf die Ozon-Belastung in Deutschland zurückzuführen.
Insgesamt gab es 2022 in Deutschland 69.865 Todesfälle durch Luftverschmutzung aufgrund von Feinstaub (PM2,5) und 28.464 Todesfälle aufgrund des Dieselabgasgifts Stickstoffdioxid (NO2). Durch die Einhaltung der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO hätten davon 32.628 beziehungsweise 9442 Todesfälle vermieden werden können.
Ozon kommt aus keinem Auspuff, aber Autoabgase sind eine Basis
Anders als Feinstaub oder Stickstoffdioxid wird Ozon nicht einfach aus einem Schornstein oder Auspuff geblasen. Es entsteht erst in der Atmosphäre. Fachleute sprechen deshalb von einem sekundären Luftschadstoff.
Für seine Bildung braucht es mehrere Zutaten: Stickoxide, flüchtige organische Verbindungen, Sauerstoff und kräftiges Sonnenlicht. Stickoxide entstehen vor allem bei Verbrennungsprozessen, beispielsweise im Straßenverkehr, in Kraftwerken, Industrieanlagen oder Heizungen. Flüchtige organische Verbindungen stammen unter anderem aus Kraftstoffen, Lösungsmitteln, Lacken und chemischen Produkten. Auch Pflanzen geben solche Substanzen ab.
Unter intensiver Sonneneinstrahlung setzt eine komplizierte Kette photochemischer Reaktionen ein. Vereinfacht gesagt zerlegt das Sonnenlicht bestimmte Stickstoffverbindungen. Dabei entstehen reaktionsfähige Sauerstoffteilchen, die sich mit normalem Luftsauerstoff zu Ozon verbinden.
Hohe Temperaturen beschleunigen viele dieser Reaktionen. Deshalb treten starke Ozonbelastungen besonders häufig an heißen, sonnigen und windarmen Tagen auf. Mehrere Tage stabiles Hochdruckwetter können den Effekt verstärken: Die Luftmassen werden nur schlecht ausgetauscht, Vorläuferstoffe sammeln sich an und die Ozonproduktion läuft auf Hochtouren.
Auch Methan spielt eine wichtige Rolle. Das langlebige Treibhausgas fördert die Bildung des großräumigen Ozonhintergrunds. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur hängt ein erheblicher Teil der europäischen Hintergrundbelastung mit globalem Methan zusammen. Weniger Methan würde daher gleich doppelt helfen: beim Klimaschutz und bei der Verringerung von bodennahem Ozon.

Warum ist die Luft auf dem Land manchmal schlechter?
Es klingt zunächst widersprüchlich: Ausgerechnet in verkehrsreichen Innenstädten können die Ozonwerte zeitweise niedriger sein als am Stadtrand oder auf dem Land. Der Grund liegt in der Chemie.
Frisch ausgestoßenes Stickstoffmonoxid aus dem Verkehr kann Ozon zunächst abbauen. Die Luftverschmutzung ist dadurch keineswegs harmlos – schließlich bleiben Stickoxide und andere Schadstoffe vorhanden. Doch die gemessene Ozonkonzentration kann direkt an stark befahrenen Straßen geringer sein.
Mit dem Wind werden die Vorläuferstoffe aus der Stadt hinausgetragen. Während des Transports laufen die chemischen Reaktionen weiter. Erst einige Kilometer entfernt entsteht dann besonders viel Ozon. Deshalb können ländliche Regionen, Mittelgebirgslagen und das Umland von Ballungsräumen hohe Werte erreichen, obwohl dort deutlich weniger Autos fahren.
Der Begriff „frische Landluft“ ist an heißen Sommertagen also nicht automatisch ein Qualitätssiegel.
Ein chemischer Angriff auf die Atemwege
Ozon ist außerordentlich reaktionsfreudig. Beim Einatmen dringt es nicht wie ein klassisches Gift unverändert durch den ganzen Körper. Es reagiert bereits an den feuchten Oberflächen der Atemwege mit Fetten, Eiweißen und anderen Bestandteilen der schützenden Flüssigkeitsschicht.
Dabei entstehen aggressive Reaktionsprodukte und oxidativer Stress. So nennen Mediziner ein Ungleichgewicht, bei dem reaktive Sauerstoffverbindungen die körpereigenen Schutzmechanismen überfordern. Zellen der Atemwegsschleimhaut können geschädigt werden und Botenstoffe freisetzen, die eine Entzündungsreaktion in Gang setzen.
Die Folgen können schon nach wenigen Stunden auftreten:
Hals und Atemwege fühlen sich gereizt an. Es kommt zu Husten, einem Kratzen im Hals, Druck oder Brennen hinter dem Brustbein. Tiefes Einatmen kann unangenehm werden. Manche Menschen verspüren Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit oder ein Engegefühl in der Brust. Bei Lungenfunktionstests lässt sich teilweise nachweisen, dass weniger Luft kraftvoll ausgeatmet werden kann.
Kontrollierte Belastungsstudien zeigen, dass kurzfristige Ozonexpositionen die Lungenfunktion vermindern und die körperliche Leistungsfähigkeit begrenzen können. Viele dieser akuten Beschwerden bilden sich innerhalb einiger Stunden bis weniger Tage zurück. Entzündliche Veränderungen im Lungengewebe können jedoch länger anhalten und sich nicht immer so rasch zurückbilden wie die messbare Einschränkung der Lungenfunktion.
„Luftverschmutzung ist das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit der Menschen in Deutschland und in Europa und ein Risikofaktor für alle großen Volkskrankheiten – Herz-Kreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen und Krebs. Studien zeigen außerdem, dass das Risiko für Kinder besonders ausgeprägt ist, da sie noch in der Entwicklung sind. Die Gesundheit wird schon im frühen Kindesalter, selbst schon im Mutterleib, durch Luftverschmutzung beeinträchtigt, mit lebenslangen Folgen.“
Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Der Körper kann sich scheinbar gewöhnen – gesund ist das nicht
Wer mehrere Tage hintereinander hohen Ozonwerten ausgesetzt ist, bemerkt manchmal weniger Beschwerden als am ersten Tag. Das klingt nach einer erfolgreichen Anpassung des Körpers, ist aber kein Grund zur Entwarnung.
Die Wahrnehmung von Husten, Schmerzen beim Einatmen oder Brustenge kann nachlassen. Gleichzeitig können entzündliche Prozesse in der Lunge fortbestehen. Weniger Beschwerden bedeuten daher nicht zwangsläufig weniger Schaden.
Das ist eine der tückischen Eigenschaften von Ozon: Der Körper schlägt möglicherweise leiser Alarm, obwohl die Belastung weiterhin vorhanden ist.
Asthma kann sich verschlechtern
Für Menschen mit Asthma ist Ozon besonders problematisch. Das Reizgas kann die Atemwege empfindlicher machen, Entzündungen verstärken und die Reaktion auf Allergene fördern. Dadurch können Asthmabeschwerden zunehmen, der Bedarf an Notfallmedikamenten steigen und im ungünstigen Fall ein schwerer Anfall ausgelöst werden.
Auch Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, chronischer Bronchitis oder anderen Vorschädigungen der Atemwege reagieren häufig empfindlicher. Bei erhöhten Ozonwerten nehmen in Bevölkerungsstudien Atemwegsbeschwerden, Medikamentengebrauch, Arztkontakte und Krankenhauseinweisungen zu.
Ozon ist jedoch kein Schadstoff, der ausschließlich Lungenkranke betrifft. Auch gesunde Menschen können reagieren. Wie stark, ist individuell sehr unterschiedlich. Es gibt Personen, deren Lungenfunktion schon bei vergleichsweise mäßiger Belastung deutlich sinkt, während andere kaum akute Symptome verspüren.
Warum manche Menschen besonders ozonempfindlich sind, ist nicht vollständig geklärt. Genetische Unterschiede, Alter, bestehende Erkrankungen, Ernährung, körperliche Aktivität und die gleichzeitige Belastung durch andere Luftschadstoffe könnten eine Rolle spielen.
Warum Kinder mehr abbekommen
Kinder gehören zu den wichtigsten Risikogruppen. Ihre Lunge wächst und entwickelt sich noch. Gleichzeitig verbringen sie häufig viel Zeit im Freien, spielen, rennen und treiben Sport. Bezogen auf ihr Körpergewicht atmen sie mehr Luft ein als Erwachsene.
Beim Toben steigt das Atemvolumen stark an. Außerdem atmen Kinder bei Anstrengung häufiger durch den Mund. Dadurch wird ein Teil der Filter- und Schutzfunktion der Nase umgangen. Das Ozon gelangt schneller und tiefer in die Atemwege.
Besonders gefährdet sind Kinder mit Asthma. Aber auch bei Kindern ohne bekannte Lungenerkrankung wurden an Tagen mit höherer Ozonbelastung vorübergehende Einschränkungen der Lungenfunktion beobachtet.
Ob eine langjährige Belastung die normale Entwicklung der Lunge dauerhaft beeinträchtigt, wird weiter erforscht. Die vorhandenen Erkenntnisse liefern jedoch genügend Gründe, Kinder nicht bei hohen Ozonwerten zu sportlichen Höchstleistungen im Freien anzutreiben.
Auch fitte Sportler gehören zur Risikogruppe
Ein gut trainierter Mensch ist nicht automatisch vor Ozon geschützt. Im Gegenteil: Ausdauersportler, Radfahrer, Fußballer oder körperlich arbeitende Menschen können besonders große Mengen des Schadstoffs aufnehmen.
In Ruhe bewegt ein Erwachsener pro Minute nur einige Liter Luft durch die Lunge. Bei anstrengendem Sport kann das Atemvolumen auf ein Vielfaches steigen. Gleichzeitig wird tiefer eingeatmet. Damit erreicht mehr Ozon jene feinen Bereiche der Lunge, die besonders verletzlich sind.
Das Problem ist also nicht nur die Konzentration in der Umgebungsluft. Entscheidend ist die tatsächlich aufgenommene Dosis. Sie ergibt sich vereinfacht aus drei Faktoren:
- Wie hoch ist der Ozonwert?
- Wie lange hält man sich draußen auf?
- Und wie kräftig atmet man dabei?
Ein intensiver Zehn-Kilometer-Lauf am späten Nachmittag kann deshalb deutlich belastender sein als ein kurzer, gemütlicher Spaziergang am selben Ort.
Wer sollte besonders aufpassen?
| Gruppe | Warum das Risiko erhöht ist | Sinnvolle Reaktion |
|---|---|---|
| Kinder | Lunge entwickelt sich noch, viel Aktivität im Freien, höhere Atemmenge pro Körpergewicht | Intensives Toben und Ausdauersport bei hohen Werten reduzieren |
| Menschen mit Asthma | Entzündete und überempfindliche Atemwege können stärker reagieren | Therapieplan beachten, Notfallspray bereithalten |
| Menschen mit COPD oder chronischer Bronchitis | Geringere Atemreserve und vorgeschädigtes Lungengewebe | Belastung anpassen, Beschwerden ernst nehmen |
| Ältere Menschen | Häufiger Herz- und Lungenerkrankungen, geringere körperliche Reserven | Hitze und Ozon gemeinsam berücksichtigen |
| Sportler und Außenbeschäftigte | Tieferes und schnelleres Atmen erhöht die aufgenommene Dosis | Anstrengende Tätigkeit möglichst in den Morgen verlegen |
| Individuell Ozonempfindliche | Auch Gesunde können deutlich reagieren | Auf Husten, Brustenge, Schmerzen beim Einatmen und Luftnot achten |
Was Ozon langfristig anrichten kann
Die kurzfristigen Wirkungen auf die Atemwege sind gut belegt. Zunehmend untersucht wird, was passiert, wenn Menschen über Jahre immer wieder erhöhten Konzentrationen ausgesetzt sind.
Langzeitstudien bringen Ozon mit einer höheren Sterblichkeit durch Atemwegserkrankungen in Verbindung. Außerdem gibt es Hinweise auf Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen und Stoffwechselstörungen. Die gesundheitliche Wirkung dürfte nicht allein auf die Lunge begrenzt bleiben: Entzündungsbotenstoffe und oxidativer Stress können möglicherweise Prozesse im gesamten Körper beeinflussen.
Bei solchen Beobachtungsstudien ist die Einordnung anspruchsvoll. Menschen sind nie nur Ozon ausgesetzt, sondern gleichzeitig Feinstaub, Stickstoffdioxid, Hitze, Lärm und zahlreichen persönlichen Risikofaktoren. Gute Studien versuchen, diese Einflüsse statistisch zu berücksichtigen. Eine einzelne Untersuchung beweist noch keine direkte Ursache. Das Gesamtbild vieler Studien spricht jedoch dafür, dass sowohl kurzfristige Spitzen als auch eine längerfristige Belastung gesundheitlich relevant sind.
Die Europäische Umweltagentur bezeichnet Ozon nach Feinstaub als eine der bedeutendsten luftschadstoffbedingten Ursachen vorzeitiger Sterblichkeit in der EU. Für 2023 berechnete sie rund 63.000 vorzeitige Todesfälle, die bei einer Absenkung der langfristigen Belastung auf den WHO-Richtwert theoretisch hätten vermieden werden können.
Solche Zahlen dürfen weder verharmlost noch dramatisiert werden. Es handelt sich um Modellrechnungen für ganze Bevölkerungen. Sie sagen nicht voraus, welcher konkrete Mensch an welchem Tag durch Ozon stirbt. Sie zeigen aber, dass kleine Risikoerhöhungen bei Millionen belasteten Menschen in der Summe eine große gesundheitliche Bedeutung bekommen.
Während der beispiellosen Hitzewelle im Juni 2026 könnten, so ein Bericht der Nichtregierungsorganisation Global Witness, zwei Drittel der Menschen in der EU „einer schädlichen Ozonbelastung ausgesetzt gewesen sein. Beinahe 300 Millionen Menschen, darunter 100 Millionen Kinder und ältere Menschen, hätten Ende Juni Ozonwerte erfahren, die über der empfohlenen Belastungsgrenze liegen“, wie „Der Spiegel“ online berichtet.
Ab welchem Wert wird Ozon gefährlich?
Eine scharfe Trennlinie zwischen „völlig ungefährlich“ und „gefährlich“ gibt es nicht. Je höher die Konzentration, je länger die Belastung und je stärker die körperliche Aktivität, desto größer wird das Risiko.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für kurzfristige Belastungen einen maximalen täglichen Acht-Stunden-Mittelwert von 100 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. Für die längerfristige Belastung während der ozonreichen Jahreszeit nennt sie einen sogenannten Spitzen-Saison-Richtwert von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die WHO-Richtwerte sind gesundheitlich begründete Empfehlungen, aber nicht automatisch gesetzlich bindende Grenzwerte.
In der Europäischen Union gilt bislang ein Zielwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter als höchster Acht-Stunden-Mittelwert eines Tages. Nach den gegenwärtigen Regeln darf dieser Wert an höchstens 25 Tagen pro Jahr überschritten werden, gemittelt über drei Jahre. Zielwert bedeutet jedoch nicht dasselbe wie ein strikter Grenzwert, dessen Überschreitung unmittelbar Sanktionen auslöst.
Ab einem Stundenmittelwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter gilt die Informationsschwelle. Dann muss die Bevölkerung informiert werden. Bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter ist die Alarmschwelle erreicht. Solche extremen Spitzen sind in Deutschland mittlerweile selten, gesundheitlich relevante Belastungen können jedoch bereits deutlich darunter auftreten.
Das ist ein wichtiger Punkt: Wer nur auf eine offizielle Ozonwarnung bei 180 Mikrogramm wartet, kann bereits vorher einer Belastung ausgesetzt sein, die empfindlichen Menschen Probleme bereitet.
Ozonwerte richtig lesen
Ein einzelner Messwert ist immer zusammen mit seinem Zeitraum zu betrachten. Ein Stundenmittel beschreibt die durchschnittliche Konzentration während einer Stunde. Ein Acht-Stunden-Mittel glättet kurzfristige Schwankungen und bildet die Belastung über einen längeren Abschnitt des Tages ab.
Für die Gesundheit ist diese längere Belastung besonders wichtig. Ein Wert von 130 Mikrogramm über viele Stunden kann relevanter sein als ein sehr kurzer Ausschlag, der rasch wieder sinkt.
Zudem misst eine Station nur die Luft an ihrem Standort. Einige Kilometer weiter können die Werte anders liegen. Höhe, Windrichtung, Bewölkung, Verkehr, Gelände und regionale Luftströmungen beeinflussen die Konzentration.
Wann ist die Belastung am höchsten?
In Deutschland steigen Ozonwerte an sonnigen Sommertagen meist im Laufe des Vormittags an. Die höchsten Konzentrationen werden häufig am Nachmittag und frühen Abend erreicht. Danach nimmt die Sonnenstrahlung ab, die Neubildung lässt nach und Ozon wird teilweise abgebaut.
Die genauen Zeiten unterscheiden sich je nach Region und Wetterlage. In Ballungsräumen kann der Spitzenwert früher auftreten, im Umland zeitlich verzögert. Auch in höheren Lagen kann die Konzentration nachts vergleichsweise hoch bleiben.
Die oft gehörte Empfehlung „Sport einfach auf den Abend verschieben“ ist deshalb nicht immer ideal. Ein Lauf um 18 Uhr kann an einem heißen Tag noch mitten in die Ozonspitze fallen. Besser ist häufig der frühe Morgen. Am zuverlässigsten ist jedoch der Blick auf aktuelle Messwerte und Vorhersagen.
In Deutschland erfassen rund 300 Messstationen die Ozonkonzentration. Die Werte werden unter anderem vom Umweltbundesamt und von den Landesumweltbehörden veröffentlicht.

Muss man bei hohen Werten im Haus bleiben?
Für die meisten gesunden Menschen ist ein erhöhter Ozonwert kein Grund, den ganzen Tag in geschlossenen Räumen zu verbringen. Sinnvoll ist es aber, die Belastung zu reduzieren.
Anstrengende Ausdaueraktivitäten sollten empfindliche Menschen auf eine Zeit mit niedrigeren Werten verlegen oder nach drinnen verschieben. Ein Spaziergang ist meist weniger problematisch als ein Intervalltraining. Wer Beschwerden entwickelt, sollte die Belastung abbrechen und sich erholen.
Menschen mit Asthma sollten ihre verordneten Medikamente wie ärztlich besprochen anwenden und ein schnell wirksames Notfallspray griffbereit haben. Ozon lässt sich nicht durch eine zusätzliche Medikamentendosis „vorsorglich neutralisieren“. Eine Änderung der Therapie gehört in ärztliche Hände.
Treten starke Atemnot, pfeifende Atmung, ausgeprägte Brustschmerzen, bläuliche Lippen, Verwirrtheit oder eine rasche Verschlechterung auf, ist medizinische Hilfe erforderlich.
Hilft eine Maske?
Eine gewöhnliche medizinische Maske oder FFP2-Maske schützt gut beziehungsweise sehr gut vor bestimmten Partikeln. Ozon ist jedoch ein Gas und passiert solche Filter weitgehend.
Spezielle Atemschutzsysteme mit geeigneten Gasfiltern können Ozon unter bestimmten Arbeitsbedingungen reduzieren. Sie sind für den normalen Alltag aber weder praktikabel noch eine Standardempfehlung.
Die bessere Schutzstrategie lautet: aktuelle Werte prüfen, Aufenthaltsdauer und Belastungsintensität anpassen und starke körperliche Anstrengung in belasteten Stunden vermeiden.

Soll man die Fenster geschlossen halten?
Innenräume weisen häufig niedrigere Ozonkonzentrationen auf als die Außenluft, weil Ozon an Wänden, Möbeln, Textilien und anderen Oberflächen rasch reagiert und dabei abgebaut wird. Lüftet man während einer Ozonspitze dauerhaft, kann jedoch mehr davon ins Gebäude gelangen.
An heißen Tagen bietet sich daher an, frühmorgens gründlich zu lüften und Fenster später zu schließen oder nur kurz zu öffnen. Das muss allerdings mit dem Hitzeschutz abgewogen werden. Ein völlig überhitzter Innenraum ist besonders für ältere und kranke Menschen ebenfalls gefährlich.
Es geht also nicht darum, die Wohnung luftdicht zu versiegeln, sondern Hitze- und Ozonschutz sinnvoll miteinander zu verbinden.
Vorsicht ist außerdem bei manchen Luftreinigern, Ionisatoren oder Geräten mit sogenannter Ozonfunktion geboten. Geräte, die absichtlich Ozon erzeugen, sollten nicht in bewohnten Räumen betrieben werden. Das vermeintlich „reinigende“ Gas kann selbst die Atemwege belasten.
Hitze und Ozon: ein ungesundes Doppel
Ozon und Hitze treten oft gleichzeitig auf. Beide belasten den Körper, allerdings auf unterschiedliche Weise. Hitze beansprucht Kreislauf und Temperaturregulation, fördert Flüssigkeitsverlust und kann zu Erschöpfung oder Hitzschlag führen. Ozon reizt vor allem die Atemwege und löst Entzündungsreaktionen aus.
Gemeinsam können sie besonders problematisch werden. Wer bei großer Hitze schwer atmet, erhöht sein Atemvolumen und nimmt dadurch mehr Ozon auf. Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen verfügen häufig über geringere körperliche Reserven. Auch bestimmte Medikamente und Flüssigkeitsmangel können die Anpassungsfähigkeit einschränken.
In Studien müssen die Wirkungen von Hitze und Ozon sorgfältig voneinander getrennt werden, weil beide häufig gleichzeitig zunehmen. Im wirklichen Leben interessiert diese Trennung den Körper allerdings wenig: Er muss mit beiden Belastungen zur selben Zeit fertigwerden.
Macht der Klimawandel alles schlimmer?
Grundsätzlich schafft der Klimawandel Bedingungen, die Ozonbildung begünstigen können: mehr heiße Tage, intensivere Hitzeperioden und in manchen Regionen häufiger stabile, sonnige Wetterlagen. Das Umweltbundesamt warnt deshalb davor, dass steigende Temperaturen die Ozonbildung und die gesundheitlichen Risiken verstärken können.
Ganz so einfach wie „wärmer gleich überall automatisch mehr Ozon“ ist die Entwicklung allerdings nicht. In Europa wurden Emissionen wichtiger Vorläuferstoffe wie Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen in den vergangenen Jahrzehnten reduziert. Dadurch sind extreme Ozonspitzen vielerorts seltener geworden.
Gleichzeitig sind die mittleren Konzentrationen nicht im gleichen Maß gesunken. Der großräumige Ozonhintergrund, Ferntransport aus anderen Regionen, Methan und veränderte Wetterbedingungen erschweren weitere Fortschritte. In manchen Städten kann weniger Stickstoffmonoxid außerdem bedeuten, dass lokal weniger Ozon abgebaut wird.
So entsteht ein scheinbares Paradox: Die spektakulären Spitzenwerte können abnehmen, während eine gesundheitlich relevante Grundbelastung bestehen bleibt.
Ozon kennt keine Landesgrenzen
Ein Teil der Vorläuferstoffe wird über Hunderte oder Tausende Kilometer transportiert. Methan verteilt sich sogar global in der Atmosphäre. Ein Bundesland oder ein einzelner Staat kann das Problem deshalb nicht allein lösen.
Lokale Maßnahmen gegen Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen bleiben wichtig. Zusätzlich braucht es europäische und internationale Strategien zur Verringerung von Methan, Verkehrsemissionen, industriellen Lösemitteln und weiteren Vorläuferstoffen.
Bodennahes Ozon ist damit ein klassisches Beispiel dafür, dass Gesundheitsschutz, Luftreinhaltepolitik und Klimaschutz zusammengehören.
Was jeder Einzelne tun kann
Die persönliche Ozonproduktion lässt sich im Alltag nur begrenzt beeinflussen. Dennoch tragen weniger fossiler Verkehr, energiesparendes Verhalten, emissionsarme Produkte und ein geringerer Verbrauch lösemittelhaltiger Stoffe langfristig zur Verringerung der Vorläuferemissionen bei.
Für den unmittelbaren Selbstschutz sind fünf Regeln besonders nützlich:
- Erstens: An heißen, sonnigen Tagen die aktuellen Ozonwerte prüfen.
- Zweitens: Intensiven Sport möglichst in die frühen Morgenstunden legen.
- Drittens: Bei Husten, Brustenge oder Atemnot die Belastung reduzieren oder abbrechen.
- Viertens: Kinder, Asthmatiker und Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten besonders schützen.
- Fünftens: Räume möglichst dann lüften, wenn Ozon- und Außentemperatur niedriger sind.
Blick in die Zukunft
Bodennahes Ozon wird uns trotz saubererer Motoren und modernerer Industrieanlagen nicht so schnell verlassen. Die chemische Bildung ist komplex, die Vorläuferstoffe stammen aus vielen Quellen und ein Teil der Belastung wird über weite Strecken herangetragen.
Der Klimawandel droht die Erfolge der Luftreinhaltung teilweise auszubremsen. Häufigere Hitzewellen und starke Sonneneinstrahlung können neue Ozonepisoden fördern. Gleichzeitig altert die Bevölkerung. Damit wächst die Zahl jener Menschen, die aufgrund von Herz-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen empfindlicher auf Umweltbelastungen reagieren.
Die gute Nachricht lautet: Ozon ist kein unvermeidbares Naturereignis. Seine Konzentration kann durch die Verringerung von Stickoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen und Methan gesenkt werden. Maßnahmen gegen fossile Emissionen verbessern daher nicht nur langfristig das Klima, sondern können schon heute die Luft gesünder machen.
Bis dahin lohnt es sich, an heißen Sommertagen nicht nur auf die Temperatur zu schauen. Denn wenn der Himmel besonders blau ist und die Sonne vom wolkenlosen Himmel brennt, kann die Luft zwar nach Urlaub aussehen – aber für die Lunge alles andere als erholsam sein. tok