Das zirkadiane System (innere Uhr) im Gehirn des Menschen spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Wichtige Faktoren wie Lichteinwirkung, Mahlzeiten und Sport, sollten sich nicht nur an der tatsächlichen Uhrzeit, sondern auch am jeweiligen Chronotyp (Eule oder Lerche) orientieren. Foto: MAHFUJ – KI-generiert/stock.adobe.com

Wenn innere Uhr, Chronotyp und Tagesrhythmus asynchron sind, ist das Herz in Gefahr

Die Gesundheit von Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel werden durch unsere innere Uhr und unseren Tagesrhythmus beeinflusst. In einer wissenschaftlichen Stellungnahme stellt die amerikanische Herzgesellschaft wesentliche Faktoren vor, die auf unseren Rhythmus einwirken und ihn aus dem Takt bringen können. Dadurch können Übergewicht und Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigt werden.

Innere Uhr und Tagesrhythmus nicht immer deckungsgleich

Unser Tagesrhythmus spiegelt unsere Lebenswirklichkeit wider, er steht aber nicht zwingend in Einklang mit unserer inneren Uhr, die auch als zirkadianes System oder zirkadianer Rhythmus bezeichnet wird. Das zirkadiane System besteht aus einem zentralen Taktgeber im Gehirn, dem suprachiasmatischen Nukleus (SCN) im Hypothalamus. Hinzu kommen über den Körper verteilt weitere Taktgeber bis hin zu verschiedenen Genen und ihren Produkten. Der wesentliche Taktgeber für den SCN ist Licht, das auf die Netzhaut trifft. Auf diese Weise wird der innere Rhythmus an den äußeren Tagesrhythmus gekoppelt.

Allerdings laufen Tages- und zirkadiane Rhythmen nicht immer synchron, wenn man in wechselnden Früh- und Spätschichten arbeiten muss. Auch unser Freizeitvergnügen, dass mit dem Friday-Night-Fever aufblüht und mit der Sonntags-Kater-Pflege endet, passt selten zu unserer inneren Uhr, genauso wie diverse tägliche  Ablenkungen wie das Binge Wachting mit dem Netflix-Account oder das Doom Scrolling auf dem Smartphone. Die Folgen davon wurden schon mehrfach untersucht und stets für negativ befunden.

Zirkadianer Rhythmus und was ihn beeinflusst

In einer wissenschaftlichen Stellungnahme stellte nun die amerikanische Herzgesellschaft wesentliche Faktoren vor, die auf unseren Rhythmus einwirken und ihn aus dem Takt bringen können. Ein wichtiger Faktor, der unseren zirkadianen Rhythmus beeinflusst, ist unser Chronotyp. Hierbei unterscheidet man Frühtypen (Lerchen – Frühaufsteher, die vor allem früh am Tag ihre Leistungshöhepunkte haben) von Spättypen (Eulen – Spätaufsteher, Morgenmuffel, die später am Tag zu Höchstform auflaufen). 

Störungen des zirkadianen Rhythmus können entstehen, wenn der Chronotyp nicht mit dem eigenen Verhalten und dem Tagesrhythmus übereinstimmt. Wenn Menschen mit spätem Chronotyp zum Beispiel früher aufstehen müssen, als es ihre innere Uhr vorgibt, stehen sie in ihrer biologischen Nachtruhe auf. Zirkadiane Rhythmusstörungen können auch durch Erkrankungen, Schichtdienst sowie Sport oder Mahlzeiten zur falschen Zeit hervorgerufen werden.

Störungen des zirkadianen Systems und ihre Auswirkungen

Störungen des zirkadianen Rhythmus können unseren Stoffwechsel beeinträchtigen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Unstimmigkeiten zwischen innerer Uhr und Tagesrhythmus gelten als etablierter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Einer Metaanalyse zufolge haben Schichtarbeiter ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umgekehrt sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einer sehr guten Übereinstimmung von innerem und äußerem Rhythmus.

Der zirkadiane Rhythmus ist an der Steuerung von Stoffwechsel, Energieverbrauch und Appetit beteiligt. Störungen des zirkadianen Rhythmus können auf diesem Weg das Risiko für Übergewicht und Diabetes erhöhen. Zirkadiane Rhythmusstörungen nehmen außerdem Einfluss auf die Blutdruckregulation und das Risiko für Bluthochdruck. Schichtarbeit steigert beispielsweise das Hochdruckrisiko, während die frühere und regelmäßige Einnahme von Mahlzeiten das Risiko senkt.

Sport und zirkadianer Rhythmus

Sporteinheiten können, ja nachdem wann sie stattfinden, zu Rhythmusverschiebungen führen. Sport am Morgen oder frühen Nachmittag können den Rhythmus nach vorne verschieben, während abendliche Sporteinheiten ihn nach hinten verschieben können. Das Ausmaß der Verschiebung ist dabei vom Chronotyp abhängig. Sportliche Aktivität sorgt zudem für eine bessere Übereinstimmung der im Körper verteilten Taktgeber.

Inneren und äußeren Rhythmus in Einklang bringen

Zentraler Punkt der Stellungnahme der amerikanischen Herzgesellschaft: Das zirkadiane System spielt eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit. Das Timing der für die innere Uhr wichtigen Faktoren – Lichteinwirkung, Mahlzeiten und Sport – sollte sich dabei nicht nur an der tatsächlichen Uhrzeit, sondern auch am jeweiligen Chronotyp orientieren. So kann man auch die eigene Gesundheit positiv beeinflussen.     DeutschesGesundheitsPortal/HealthCom/tok

Info

Hier lesen Sie die Originalmeldung: Role of Circadian Health in Cardiometabolic Health and Disease Risk: A Scientific Statement From the American Heart Association