Immer mehr Menschen berichten über deutlich stärkere Beschwerden nach Mückenstichen. Warum das so ist, wird unter Fachleuten intensiv diskutiert. Eines aber schon jetzt sicher: Kratzen an der Einstichstelle hilft überhaupt nicht, kann aber Entzündungen provozieren. Foto: Tierney/stock.adobe.com

Nicht kratzen! Rätseln über starke Schwellungen und Entzündungen nach Mückenstichen – was wirklich hilft

Wer in diesen Tagen durch den Garten läuft, auf der Terrasse sitzt oder einen Abend am See verbringt, kennt das Problem: Kaum wird es warm, sind die Mücken da. Und viele Menschen haben das Gefühl, dass die Folgen heute deutlich heftiger ausfallen als früher. Wo einst ein kleiner juckender Punkt zurückblieb, entstehen heute oft handtellergroße Schwellungen. Manche Stiche werden heiß, schmerzen oder entzünden sich sogar.

Tatsächlich berichten Ärzte und Apotheker seit Jahren von einer zunehmenden Zahl solcher Fälle. Besonders auffällig: Immer häufiger suchen Patienten wegen entzündeter Insektenstiche medizinische Hilfe auf. Doch warum ist das so? Haben sich die Mücken verändert? Spielt der Klimawandel eine Rolle? Oder reagiert unser Immunsystem heute anders als noch vor einigen Jahrzehnten?

Die Wissenschaft hat noch nicht auf alle Fragen eine endgültige Antwort. Klar ist jedoch: Mehrere Entwicklungen kommen derzeit zusammen.

Warum schwellen Mückenstiche heute oft stärker an?

Wenn eine Stechmücke zusticht, injiziert sie Speichel in die Haut. Dieser enthält verschiedene Eiweiße, die verhindern sollen, dass das Blut sofort gerinnt. Das Immunsystem erkennt diese Fremdstoffe und reagiert darauf. Dabei wird unter anderem Histamin freigesetzt. Dieses sorgt für Juckreiz, Rötung und Schwellung. Normalerweise bleibt die Reaktion lokal begrenzt. Doch immer mehr Menschen berichten über deutlich stärkere Beschwerden. 

Warum das so ist, wird unter Fachleuten intensiv diskutiert. Ein möglicher Faktor ist die zunehmende Verbreitung neuer Stechmückenarten. Vor allem die Asiatische Tigermücke hat sich in Süddeutschland inzwischen etabliert. Mildere Winter und längere Sommer fördern ihre Ausbreitung. Experten des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin weisen darauf hin, dass sich durch den Klimawandel invasive Stechmückenarten zunehmend auch in Deutschland ansiedeln. 

Hinzu kommt, dass Menschen heute häufiger und länger mit Mücken in Kontakt kommen. Die Mückensaison beginnt früher und endet später als noch vor einigen Jahrzehnten.

Auch Allergologen diskutieren, ob sich unser Immunsystem durch veränderte Umweltbedingungen verändert hat. Eine eindeutige wissenschaftliche Bestätigung dafür gibt es bislang jedoch nicht. „Es ist nicht auszuschließen, dass sich in Folge des Klimawandels hierzulande auch immer mehr exotische Mückenarten heimisch fühlen und diese andere Gifte oder Giftmengen abgeben, sodass es zu stärkeren Reaktionen kommt“, sagt der Mainzer Dermatologe Dr. Uwe Kirschner. Aber auch Umweltgifte könnten eine Rolle spielen. Insektizide beispielsweise stehen im Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen und eventuell zu Komplikationen zu führen. Diese chemischen Substanzen könnten, wenn auch nur in geringen Mengen, über den Speichel der Mücken in die Haut gelangen. Doch hierfür fehlen noch wissenschaftliche Beweise.

Warum entzünden sich Mückenstiche häufiger?

Der eigentliche Mückenstich ist meist nicht das Problem. Gefährlich wird es oft erst durch unsere Reaktion darauf. Der starke Juckreiz führt dazu, dass Betroffene kratzen. Dabei entstehen kleine Hautverletzungen. Durch diese können Bakterien eindringen, die sich normalerweise harmlos auf der Haut befinden. Die Folgen können sein:

  • starke Rötungen
  • Überwärmung
  • Schmerzen
  • Eiterbildung
  • bakterielle Hautentzündungen

Je länger und intensiver gekratzt wird, desto größer wird das Risiko.

Stiche entzünden sich in der Regel nämlich dann, wenn sie aufgekratzt werden. Dann können Bakterien, die am Mundwerkzeug des Insekts hängen, in die Haut eindringen: „Hat die Mücke beispielsweise zuvor auf einem Hundehäufchen gesessen, können Fäkalbakterien wie Streptokokken oder Kolibakterien übertragen werden“, erklärt Kirschner. Kratzt man sich den Stich wegen des Juckreizes dann auf, kann es zu einer Mischinfektion mit Hautbakterien kommen: „Streptokokken beispielsweise können eine Sepsis, sprich eine Blutvergiftung, verursachen, wenn sie in den Blutkreislauf gelangen oder ein Lymphödem, wenn sie in die Lymphbahnen gelangen.“ 

Wie lange dauert die Saison für diverse Insektenstiche in Baden-Württemberg?

Früher dachte man bei Mücken vor allem an die Sommerferien. Heute beginnt die Saison häufig bereits im April und kann bis in den Oktober oder sogar November hineinreichen. Schon zum Monatswechsel Mai/Juni hatte das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit zusammen mit dem baden-württembergischen Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand den Start der Stechmückensaison gemeldet und auf die Probleme mit der Asiatischen Tigermücke verwiesen.

Die Hauptaktivität der wichtigsten Plagegeister

ArtHauptsaison
Heimische StechmückenApril bis Oktober
Asiatische TigermückeMai bis Oktober
BremsenJuni bis September
ZeckenFebruar bis November
GrasmilbenJuli bis Oktober

Durch milde Winter können einzelne Arten sogar ganzjährig aktiv bleiben. Besonders die Asiatische Tigermücke profitiert von steigenden Temperaturen. In Baden-Württemberg gilt sie inzwischen vielerorts als etabliert

Quellen: UBA, FLI, BfR, LUBW, Apotheken Umschau / Grafik: Kurtz – KI-generiert

Wo vermehren sich Stechmücken?

Die Antwort auf die Brutstätten der stechenden und saugenden Plagegeister überrascht viele. Nicht der große Teich ist oft das Problem, sondern der in den Untersetzer übergelaufene Blumentopf. Oder die deckellose Regentonne. Stechmücken benötigen nämlich stehendes Wasser für ihre Eiablage. Und das muss nicht glasklar sein. Für Tigermücken reichen oft bereits wenige Milliliter Wasser aus. Typische Brutstätten sind:

  • Regentonnen
  • Gießkannen
  • Pflanzenuntersetzer
  • Vogeltränken
  • Kinderspielzeug im Garten
  • Eimer
  • alte Reifen
  • verstopfte Regenrinnen

Potenzielle Brutstätten sollten vermieden werden. Das können jegliche kleine Wasseransammlungen im Garten, Hof oder auf dem Balkon sein. Daher sollte man Wasserbehälter im Freien entweder verschließen, regelmäßig leeren oder entfernen. Vogeltränken oder Hundenäpfe sollte man wöchentlich leeren und mit frischem Wasser befüllen. Oder, so Professorin Clarissa Prazeres da Costa, Medizinerin am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene und Mitbegründerin des Zentrums für Globale Gesundheit an der Technischen Universität München, zu den kleinen offenen Wasserflächen auf heimischen Balkonen oder in Gärten: „Wenn sich offenes Wasser nicht vermeiden lässt, sollten Sie zumindest mit einem Tropfen Spülmittel die Wasseroberfläche benetzten. So lässt sich verhindern, dass die Larven der Mücken hier Halt finden.“ 

Wasserbehältnisse, die nicht regelmäßig entleert werden können, sollten alle 14 Tage mit Bti-Tabletten behandelt werden. Bti-Tabletten wirken gezielt gegen Mückenlarven und sind für Menschen, andere Tiere und Pflanzen unbedenklich. Erhältlich sind sie im Baumarkt, ausgewählten Apotheken und einigen Kommunen, so eine Meldung aus dem baden-württembergischen Gesundheitsministerium.

Wann stechen Mücken am häufigsten?

Heimische Stechmücken

Heimische Stechmücken überfallen ihre Opfer bevorzugt

  • morgens
  • in der Abenddämmerung
  • nachts

Asiatische Tigermücke

Anders als heimische Arten ist sie vor allem tagsüber aktiv. Das macht sie besonders lästig. 

Bremsen

Bremsen findet man oft nicht weit weg von Tieren wie Pferden und Rindern, also in der Nähe von Ställen und Weiden. Weitere Kontaktkriterien von Mensch/Bremse sind

  • sonnige Tage
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • Nähe von Gewässern

Zecken

Zecken fliegen nicht und stürzen sich auch nicht von Bäumen auf ihre Opfer. Sie lauern gerne in Knöchel- bis Kniehöhe auf vorbeilaufende Warmblüter. Man begegnet ihnen vor allem hier:

  • Wiesen
  • Waldränder
  • hohes Gras
  • Gebüsche

Grasmilben

Grasmilben treiben sich ebenfalls in den unteren Etagen der Vegetation herum. Auch da, wo man gerne einmal barfuß durchs gemähte Grün läuft, zu Beispiel in 

  • warme Wiesen
  • Gärten
  • Parks

Wie schützt man sich am besten?

Orte meiden

Besonders viele Mücken finden sich:

  • an Seen
  • in Auen
  • in Moorgebieten
  • an Regentonnen
  • in schattigen, feuchten Gärten

Kleidung

Empfohlen wird:

Dunkle Kleidung zieht manche Mückenarten stärker an.

Extratipps

Im Sommer leichter gesagt als getan: Nicht schwitzen kann hilfreich sein, denn Mücken werden von Körpergeruch und Schweiß angelockt. Regelmäßiges, beziehungsweise mehrmaliges Waschen und Duschen kann helfen. 

Und Ventilatoren in der Nähe können ebenfalls nützlich sein, weil die Luftbewegung es den Mücken schwerer macht, auf ihrem Opfer zu landen.

Mückengitter

Moskitonetz

Sie gehören zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen überhaupt. Sie halten nicht nur Mücken und andere fliegende Nervensägen wie Kleider- und Lebensmittelmotten effektiv fern, sie ermöglichen es dabei auch, Fenster oder Balkontüren für den erfrischenden Luftzug an heißen Tagen weit geöffnet zu lassen. Das wirkt sich dann besonders vorteilhaft aus, wenn man bei geöffneten Fenstern und Türen abends im normal beleuchteten Zimmer sitzen kann, ohne dauernd nach diversen Fluginsekten zu klatschen zu müssen, die vom Licht angelockt werden.  

Wenn noch ein wenig Platz im Koffer ist, rät Apothekerin Stephanie Isensee von der Pregizer Apotheke in Pforzheim zu einem Accessoire, das in vielen heißen Urlaubsgegenden mit viel Wasserfläche und einem hohen Mückenstich-Risiko gute Dienste leisten kann: „Manche schwören auf ein Moskitonetz, um gut und ungestört zu schlafen, statt nachts auf Schnakenjagd zu gehen.“ Dieses erprobte Abwehrmittel gegen nächtliche Attacken könnte man auch aber auch daheim verwenden.

Repellentien: Vor- und Nachteile

„Mückenschutzsprays oder Lotionen, sogenannte Repellentien mit einer höheren Konzentration der Wirkstoffe DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin, schützen effektiv vor Stichen. Im Freien sollte man darauf achten, die Haut mit Kleidung zu bedecken oder Repellentien anleitungsgemäß aufzutragen“, erklärt Dr. Sigrun Rich, Leiterin der Abteilung Pharmazie der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg.

Aber: Für Kleinkinder sollte man nur geeignete, speziell ausgewiesene Mittel verwenden.

MaßnahmeVorteileNachteile
DEET-haltige Mittelsehr wirksamGeruch, Hautreizungen möglich
Icaridingut verträglichetwas kürzere Wirkdauer
Zitronen-Eukalyptusnatürlichkürzere Schutzdauer
Mückengittersehr effektivnur stationär
Kleidungdauerhaftbei Hitze unangenehm

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Das sollte in der Mückensaison griffbereit sein

Die Pregizer Apotheke in Pforzheim hat Tipps, wie man sich vor Mückenstichen schützt und nervige Hautreizungen lindert. Diese Mittel empfehlen sich für den Einsatz im Urlaub wie auch daheim auf dem Balkon:

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

Was hilft nach dem Stich?

Die wichtigste Regel: Nicht kratzen!

Kälte

Hilft gegen:

  • Schwellung
  • Juckreiz
  • Entzündung

Hitze

Sogenannte Stichheiler erwärmen die Einstichstelle kurz auf etwa 50 Grad. Dadurch können Eiweiße im Mückenspeichel verändert werden. Viele Betroffene berichten über eine deutliche Linderung.

Antihistaminika

Falls ein Patient gleich mehrere Stiche hat, können Antihistaminika zur oralen Einnahme oder auch Kortisontabletten sinnvoll sein. Sollte es bereits zu einer schweren bakteriellen Infektion gekommen sein, wird ein Antibiotikum notwendig. Nur so lässt sich eine Blutvergiftung verhindern. Antihistaminika sind geeignet bei:

  • starkem Juckreiz
  • ausgeprägter Schwellung

Kortison

Kann bei stärkeren lokalen Reaktionen hilfreich sein. Können gewöhnliche Insektenstiche mit Gelen meist gut behandelt werden, reichen diese bei einer Entzündung eventuell nicht mehr aus. In diesem Fall wird der Arzt wahrscheinlich eine kortisonhaltige Salbe verschreiben.

Warum wollen wir überhaupt kratzen?

Histamin aktiviert spezielle Nervenfasern in der Haut. Das Gehirn interpretiert dies als Juckreiz. Kratzen erzeugt kurzzeitig Schmerzreize. Diese überdecken den Juckreiz für einige Sekunden. Aber langfristig verschlimmert Kratzen das Problem jedoch häufig.

Dermatologe Kirschner rät, die Einstichstelle gut zu kühlen, „zum Beispiel mit einem kalten, feuchten Lappen oder einem Coolpack.“ Durch die Kälte wird der Entzündungsprozess verlangsamt und die Weiterleitung des Juckreizes über die Nervenbahnen zum Gehirn abgeschaltet. „Danach ein – am besten gekühltes – Gel mit dem Wirkstoff Dimetindenmaleat auf die betroffene Stelle auftragen, zum Beispiel Fenistil. Das lindert den Juckreiz und reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass man an der Stelle kratzt.“

Neben Kälte wirke, so Kirschner, auch Hitze wahre Wunder bei Mückenstichen. In der Apotheke gebe es hierfür spezielle batteriebetriebene Stifte. Die rund 50 Grad heißen Mückenstifte werden mit der keramischen Kontaktfläche für einige Sekunden auf den Stich gehalten. „Das Gewebe wird an der Einstichstelle kurz aufgeheizt. Dies führt dazu, dass die juckreizauslösenden Stoffe des Mückensekrets zerfallen“, so Kirschner.

Von manchen gut gemeinten Tipps gegen Mückenstiche sollte man dagegen dringend die Finger lassen: So geht von selbst erhitzten Löffeln oder Münzen eine große Verbrennungsgefahr aus. Ist der Juckreiz gar nicht mehr auszuhalten, ist es besser, auf die Stelle zu klatschen oder die Haut mit den Fingerkuppen zu massieren. Letztendlich trägt aber jede manuelle Reizung dazu bei, dass sich der Juckreiz verschlimmert.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Typische und seltene Reaktionen nach Mückenstichen

Typisch

  • Juckreiz
  • Rötung
  • kleine Schwellung
  • leichte Überwärmung

Seltener

  • handtellergroße Schwellungen
  • starke Entzündungen
  • allergische Reaktionen

Notfall

Sofort medizinische Hilfe erforderlich bei:

  • Atemnot
  • Schwellungen im Gesicht
  • Kreislaufproblemen
  • Bewusstseinsstörungen

Wann sollte man zum Arzt?

Erwachsene

Empfohlen bei:

  • Eiterbildung
  • Schwellung größer als 10 Zentimeter
  • Fieber
  • starken Schmerzen
  • rascher Ausbreitung der Rötung
  • Atemnot
  • Schwellungen im Gesicht
  • Kreislaufproblemen
  • Beschwerden über mehrere Tage

Kinder

Zusätzlich bei:

  • auffälliger Schwellung
  • Trinkverweigerung
  • Teilnahmslosigkeit

Babys

Bei Säuglingen sollte grundsätzlich frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.

Warum sind Kinder häufiger von Mückenstichen und Insektenbissen betroffen?

Gebüsch, Pfütze oder blühende Wiese: Kinder spielen gerne da, wo sich viele Insekten und Krabbeltiere aufhalten. Die meisten Insektenstiche und -bisse sind harmlos, unangenehm können sie trotzdem sein. „Kinder trifft es häufiger als Erwachsene, weil sie beim Spielen eher mit Wespen, Mücken und Grasmilben in Kontakt kommen“, sagt Friederike Kaiser, Beratungsärztin bei der R+V Krankenversicherung.  

Kinder spielen häufiger draußen, bewegen sich dort auch mehr, tragen oft kurze Kleidung und reagieren immunologisch stärker. Verschärft wird dies durch die leidige Tatsache, dass ihnen das Nicht-Kratzen wesentlich schwerer fällt als Erwachsenen, die um die Folgen wissen.

Am gefährlichsten können Stiche von Wespen und Bienen werden. „Hier kann man mit dem richtigen Verhalten gut vorbeugen“, sagt R+V-Expertin Kaiser. So reagieren vor allem Wespen aggressiv auf hektische Bewegungen und Schlagen – und stechen dann öfter zu. „Kinder müssen also lernen, in ihrer Gegenwart ruhig zu bleiben“, erklärt Kaiser weiter. Barfußlaufen auf einer Wiese voller Kleeblüten ist ebenfalls nicht zu empfehlen. Wenn Kinder auf eine Biene oder Wespe treten, sticht diese sofort zu.

Wespen lieben zudem Süßes. Sind beispielsweise Nahrungsreste im Gesicht und an den Fingern, wirkt das verlockend. Die Ärztin rät deshalb, Mund und Hände nach einer Mahlzeit feucht abzuwischen und Nahrungsreste zu entfernen. „Grundsätzlich ist beim Essen und Trinken besondere Vorsicht angebracht.“

Für Mücken, Grasmilben und Zecken gilt: Je mehr vom Körper bedeckt ist, desto weniger Angriffsfläche bietet er. Gut zu wissen: Dunkle Kleidung zieht Mücken stärker an als helle. Schuhe können vor den unangenehmen Bissen von Grasmilben schützen.

Was tun, wenn ein Kind gestochen wurde?

Gleich vorweg: Wird ein Kind gestochen, heißt es unbedingt Ruhe zu bewahren. In der Regel sind solche Unfälle nicht besonders gefährlich. Und die Ruhe der Eltern überträgt sich auch bald aufs gestochene Kind. Das sind die fünf wichtigsten Maßnahmen nach einem Stich:

  1. Ruhe bewahren
  2. Einstichstelle kühlen
  3. Kratzen verhindern
  4. Haut beobachten
  5. bei Verschlechterung Kinderarzt kontaktieren

Mückenstiche sind zwar unangenehm, lästig und jucken, aber für Kinder sind Wespen- oder Bienenstiche viel schmerzhafter und schwerer zu ertragen. Hat trotz aller Vorsicht eine Wespe zugestochen, sollten die Eltern die betroffene Stelle umgehend kühlen. Wenn der Bienenstachel steckengeblieben ist, sollte er möglichst rasch gezogen werden. 

„Wenn starke Reaktionen oder Atmungs- und Kreislaufprobleme auftreten, sollte das Kind sofort in ärztliche Behandlung“, so Ärztin Kaiser. Kühlen mit Eis, einer kalten Flasche oder einem Kühlpad lindert auch andere Stiche und Bisse. So jucken die Bisse von Grasmilben oft heftig. Linderung, so Kaiser, bieten hier Hausmittel wie verdünnter Essig, eine Zitronenscheibe oder eine aufgeschnittene Zwiebel. Das Kind sollte möglichst nicht an der betroffenen Stelle kratzen oder reiben. „Dann verstärkt sich der Juckreiz, und es kann leicht zu einer Entzündung kommen“, warnt wir R+V-Expertin. Ruhe bewahren.

Schutz von Babys und Kleinkinder

Bei Babys gelten besondere Regeln.

Empfohlen werden:

  • Kinderwagen-Netze
  • lange, leichte Kleidung
  • Moskitonetze am Bett
  • Mückengitter an Fenstern

Repellentien sollten nur altersgerecht verwendet werden. Nicht jedes Präparat für Erwachsene ist für Kleinkinder geeignet.

Warum man Kinder nach dem Spielen nach Zecken absuchen soll

Zecken übertragen unter anderem:

  • Borreliose: Bakterien der Gattung Borrelia werden vor allem durch den Holzbock (heimische Zeckenart) übertragen. Die Borrelien) können alle Körpergewebe befallen und diverse klinische Symptome auslösen. Etwa einer von 100 Zeckenstichen führt zur Borreliose-Krankheit, die behandelt werden muss. Erstes Warnzeichen ist die Wanderröte. Die verschiedenen Krankheitsformen können zu chronischen, schmerzhaften Erkrankungen führen. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht.
  • FSME: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und einer Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) verlaufen kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dort wohnen und arbeiten einen Impfschutz gegen FSME als sichersten Schutz vor der Krankheit. Kinder können ab dem ersten Geburtstag gegen FSME geimpft werden.  

Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borreliose-Übertragung. Deshalb sollten Kinder nach jedem Aufenthalt auf Wiesen, im Garten oder am Waldrand abgesucht werden.

Was taugen Hausmittel?

Viele Hausmittel gegen Stiche und Bisse von Insekten kursieren seit Generationen. Doch nicht alles hilft.

Kann helfen

  • Kühlpacks
  • kalte Umschläge
  • Stichheiler
  • medizinische Gele

Wissenschaftlich kaum belegt

  • Essig
  • Zahnpasta
  • Zwiebeln
  • Spucke

Experten raten dazu, auf medizinisch geprüfte Methoden zu setzen.

Mückenmythen im schnellen Faktencheck

??? Mücken werden von Licht angezogen

Falsch, sie orientieren sich über ihren Geruchsinn.

??? Mücken mögen süßes Blut

Falsch, auch wenn Mücken durchaus ihre Vorlieben haben – diese beziehen sich jedoch auf den Geruch der Personen.

??? Knoblauch hält Mücken ab

Falsch, außer dem Blutsaugen haben sie wenig mit Vampiren gemein.

??? Spucke hilft gegen juckende Mückenstiche

Falsch, ein Kühlakku hilft besser und ist zudem hygienischer.

??? Mückenstiche sind immer harmlos

Falsch, denn durch Mücken können hierzulande in seltenen Fällen Erreger ernster Erkrankungen übertragen werden. Deshalb ist eine effektive Mücken-Abwehr so wichtig

??? Nur weibliche Mücken stechen

Richtig, denn nur die weiblichen Mücken brauchen das menschliche Blut für die Produktion ihrer Eier.

??? Schwarze Kleidung zieht Mücken an

Richtig, Mücken bevorzugen Schwarz, Orange, Rot und Cyan – Weiß ist daher die beste Wahl.

??? Kokos-Duft hält Mücken ab

Richtig, Kokos-, Mandel-, Wassermelonen- und Bourbon-Duft können abschreckend wirken.

??? Mücken werden durch Schweiß angezogen

Richtig, denn der zersetzte Schweiß enthält viele Geruchsstoffe, die Mücken anziehend finden.

??? Mückenspray hält die Plagegeister zuverlässig ab

Richtig, durch bestimmte Wirkstoffe können Mücken die Duft-Lockstoffe des Menschen nicht mehr wahrnehmen

Der Fluch der Klimakrise: Es wird nicht besser werden

Mückenstiche sind längst mehr als nur ein lästiges Sommerärgernis. Durch längere warme Jahreszeiten, die Ausbreitung neuer Arten wie der Asiatischen Tigermücke und möglicherweise veränderte Umweltbedingungen nehmen starke Schwellungen und Entzündungen offenbar zu. 

Der Klimawandel verändert nach Einschätzung zahlreicher Fachleute die Verbreitung von Stechmücken und verlängert ihre Aktivitätszeiten deutlich. Dadurch muss man vor allem zuerst im Süden Deutschlands in naher Zukunft mit neuen, einst als exotisch gehandelten Infektionskrankheiten durch neue Mückenarten rechnen.     tok