
Gut gekaut ist halb verdaut. Wer Mahlzeiten hastig hinunterschlingt, überfordert Magen und Darm. Die Folge: Blähungen, Sodbrennen, Völlegefühl und wohl auch mehr Pfunde auf der Hüfte. Foto: anetlanda/stock.adobe.com
Macht Schlingen dick und krank? Kauen ist ein unterschätzter Gesundheitsfaktor
Kauen ist der erste und wichtigste Schritt unserer Verdauung. Das Beißen und Mahlen der Zähne sorgt nicht nur dafür, dass Nahrung mechanisch zerkleinert wird, sondern bereitet den gesamten Körper auf die Verarbeitung vor. Speichel mit seinen Enzymen startet schon im Mund die Verdauung von Kohlenhydraten und Fetten. Wer hastig isst und schlecht kaut, überfordert dagegen Magen und Darm und wird auch schneller dick, wie eine japanische Studie zeigt.
Was passiert beim Kauen im Mund?
Unser Gebiss ist perfekt auf diese Aufgabe zugeschnitten. Schneidezähne beißen, Eckzähne reißen, Backenzähne mahlen – und das Zusammenspiel sorgt dafür, dass Nahrung in kleine, gut verdauliche Portionen zerlegt wird.
Parallel dazu mischt sich Speichel unter die Bissen. Er enthält das Enzym Amylase, das Stärke in kleinere Zuckerbausteine zerlegt, sowie Lipase, die erste Schritte der Fettverdauung einleitet. Außerdem macht Speichel das Essen gleitfähig – ohne ihn würde jeder Bissen im Hals stecken bleiben. Ohne Kauen wäre Verdauung deutlich schwerer – und weniger effizient.
Speichel ist nicht nur ein „Schmiermittel“. Er enthält Bikarbonat, das den Mundraum neutralisiert und Zähne vor Säureangriffen schützt. Gleichzeitig wirkt er antibakteriell. Ein trockener Mund, etwa durch Stress oder bestimmte Medikamente, kann daher schnell zu Karies, Mundgeruch oder Verdauungsproblemen führen.
Warum gründliches Kauen die Verdauung erleichtert
„Gut gekaut ist halb verdaut“ – ein Sprichwort, das die Wissenschaft inzwischen bestätigt. Wer Mahlzeiten hastig hinunterschlingt, überfordert Magen und Darm. Die Folge: Blähungen, Sodbrennen, Völlegefühl.
- Gründliches Kauen dagegen bringt viele Vorteile:Bessere Nährstoffaufnahme: Je feiner die Nahrung, desto leichter arbeiten Verdauungsenzyme.
- Weniger Beschwerden: Magen und Darm werden entlastet.
- Längere Sättigung: Langsames Kauen fördert das Sättigungshormon Leptin.
- Stabilerer Blutzucker: Kauen verhindert Blutzuckerspitzen und Heißhunger.
Kauen als Fitness für Kiefer und Gehirn
Interessanter Nebeneffekt: Kauen ist auch ein Training für den Kiefermuskel – einem der kräftigsten im Körper. Regelmäßiges Kauen kann die Knochendichte des Kiefers erhalten, was im Alter gegen Zahnverlust schützt.
Darüber hinaus belegen Studien, dass Kauen die Durchblutung im Gehirn anregt und die Konzentration fördert. Kein Wunder also, dass Kaugummi-Kauen in Stresssituationen oft als beruhigend empfunden wird. Kauen ist ein unterschätzter Gesundheitsfaktor. Es verbessert Verdauung, schützt Zähne, kann einer schnellen Gewichtszunahme vorbeugen, steigert die Nährstoffaufnahme und stärkt sogar das Gehirn. Wer seine Mahlzeiten bewusst und langsam genießt, tut Körper und Geist einen großen Gefallen. tok
FAQ – Häufige Fragen zum Thema Kauen
Wie lange sollte man eigentlich kauen?
Eine feste Zahl gibt es nicht – aber Experten empfehlen, jeden Bissen 20–30 Mal zu kauen. Wichtiger als die Zahl ist, dass die Nahrung weich und breiig wird, bevor sie geschluckt wird.
Hilft gründliches Kauen beim Abnehmen?
Ja. Langsames und bewusstes Kauen fördert die Sättigung, weil das Hormon Leptin rechtzeitig ausgeschüttet wird. Dadurch essen wir automatisch weniger, ohne das Gefühl zu haben, zu verzichten.
Welche Rolle spielt Speichel bei der Verdauung?
Speichel macht Nahrung gleitfähig und enthält Enzyme wie Amylase und Lipase, die Kohlenhydrate und Fette schon im Mund aufspalten. Außerdem schützt er die Zähne und neutralisiert Säuren.
Kann schlechtes Kauen Verdauungsprobleme verursachen?
Absolut. Wer hastig isst, überlastet Magen und Darm. Die Folgen: Blähungen, Sodbrennen, Völlegefühl. Gründliches Kauen reduziert diese Beschwerden deutlich.
Ist Kauen auch wichtig fürs Gehirn?
Ja. Kauen regt die Durchblutung im Gehirn an und kann Konzentration sowie Gedächtnisleistung verbessern. Deshalb wird Kaugummi-Kauen oft als stressabbauend und leistungssteigernd beschrieben.
Macht Kauen die Zähne gesünder?
Indirekt ja. Regelmäßiges Kauen – vor allem ballaststoffreicher Nahrung wie Obst und Gemüse – stärkt Kieferknochen und Zahnfleisch. Zudem regt es die Speichelproduktion an, die die Zähne vor Karies schützt. tok
Stark verarbeitete Lebensmittel machen dick – und falsches Kauen hilft dabei
Der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln führte bei übergewichtigen japanischen Männern zu einer signifikanten Gewichtszunahme und einer deutlich höheren Energieaufnahme im Vergleich zum Verzehr von unverarbeiteten Lebensmitteln. Eine reduzierte Kauhäufigkeit pro aufgenommen Kalorien könnte diesen Effekt verstärken, wie das DeutschesGesundheitsPortal (DGP) berichtet. Eine randomisierte, offene Crossover-Studie am Universitätsklinikum der Universität Tokio hatte das Ziel, die Auswirkungen von stark verarbeiteten Lebensmitteln (Ultra-Processed Foods, UPF, zum Beispiel Fastfood oder Fertiggerichte) im Vergleich zu unverarbeiteten Lebensmitteln auf das Körpergewicht und die Energieaufnahme zu untersuchen.
Jede Ernährungsphase mit oder ohne UPF dauerte eine Woche, unterbrochen von einer zweiwöchigen Auswaschphase. Die Mahlzeiten waren hinsichtlich Kalorien- und Makronährstoffgehalt standardisiert. Die Menge, die die Teilnehmer zu sich nahmen, war nicht eingeschränkt. Der primäre Endpunkt war die Veränderung des Körpergewichts, sekundäre Endpunkte waren die tägliche Energieaufnahme und die Kauhäufigkeit.
Während der Ultra-Processed-Food-Phase nahmen die Teilnehmer im Schnitt 1,1 kg mehr Körpergewicht zu als in der Nicht-UPF-Phase. Außerdem lag die tägliche Energieaufnahme in der UPF-Phase im Schnitt um 813,5 kcal höher.
Die Anzahl der Kaubewegungen pro aufgenommenem Kalorienwert war während des Verzehrs von ultrahochverarbeiteter Nahrung signifikant geringer. Dies weist darauf hin, dass stark verarbeitete Lebensmittel (wegen der Konsistenz durch die industrielle Fertigung?) weniger gekaut werden müssen. Das begünstigt möglicherweise eine schnellere und unbewusst höhere Nahrungsaufnahme. DGP/HealthCom/tok