Der Aschermittwoch markiert nicht nur das Ende des Faschings, er ist auch oft der Anfang für ein paar Tage Arbeitsunfähigkeit. Grippe- und Erkältungswellen treffen auf ausgelassen feiernde Menschenmengen, da sind Atemwegsinfekte vorprogrammiert. Foto: Peter Atkins/stock.adobe.com

Aschermittwoch ist Krankenschein-Tag – Hohe AU-Zahlen auch wegen Brückentagen und Montag-Blues

Die Grippesaison ist im vollen Gange, es wird geniest und gehustet und dazu gemeinsam Karneval, Fastnacht und Fasching gefeiert. Welche Auswirkungen hat das bunte Treiben auf die Krankheitszahlen? Die Auswertungen der Krankenkasse Pronova BKK zeigen: Am Aschermittwoch 2026 waren fast genauso viele Menschen arbeitsunfähig wie im Vorjahr. Und das auf einem hohem, allerdings nicht ganz so extremen Niveau wie 2023.

Rekordjahr 2023, kaum Krankschreibungen im Corona-Lockdown

Am Aschermittwoch waren 9,57 % der krankengeldberechtigten Mitglieder krankgeschrieben. Zum Faschingskehraus 2025 waren es 9,58 %. In den Vorjahren allerdings lag die Zahl mit 10,65 % (2024) und im Rekordjahr 2023 mit 11,25 % höher. Das entspricht in absoluten Zahlen 30.858 Krankschreibungen in 2023, 28.643 in 2024, 24.674 Personen in 2025 und 23.593 aktuell in 2026.

2022 waren es an Aschermittwoch 21.936 Personen (8 %), im Corona-Lockdown 2021 sogar lediglich 16.397 (5,9 %).

Hauptursache: Infektionen der oberen Atemwege

Die meisten Menschen – 5501 Personen und damit jeder Fünfte – leiden aktuell unter akuten Infektionen der oberen Atemwege mit Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen. Ähnliche Zahlen liefert auch der GrippeWeb-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts. Die Grippewelle liegt auf einem üblich hohen Niveau und steigt nicht weiter an.

Für die Analyse der Pronova BKK wurden die Zahlen der jeweils am Aschermittwoch krankgeschriebenen und krankengeldberechtigten Mitglieder verglichen.

An welchen Tagen werden in Deutschland am häufigsten Menschen krankgeschrieben?

Arbeitsunfähigkeit (AU) beziehungsweise Krankmeldung ist ein integraler Bestandteil des deutschen Arbeitsrechts und der betrieblichen Gesundheitspraxis: Arbeitnehmer haben das Recht, sich bei einer Erkrankung krankzumelden und erhalten in der Regel bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung bei Krankheit. Die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („Krankenschein“) dient als offizieller Nachweis gegenüber dem Arbeitgeber und ist meist spätestens nach dem dritten Kalendertag der Erkrankung vorzulegen.

Deutschland zählt traditionell zu den Ländern mit vergleichsweise hohen durchschnittlichen Fehlzeiten aufgrund von Krankheit – Arbeitnehmer meldeten sich 2023 im statistischen Durchschnitt rund 15,1 Arbeitstage pro Jahr krank.

Auch wenn der Aschermittwoch ein herausragender Tag für einen Krankenschein zu sein scheint, weil hier das ausgelassene Feiern in Menschenmengen ideal für die Verbreitung von Viren und Bakterien ist und der überschäumende Alkoholkonsum zu einem vielen Krankheitserscheinungen verbundenen Kater führen kann, darf man dennoch nicht von allein diesem Tag auf andere extreme Krankschreibungstage schließen. Denn: Trotz guter Datenlage zur Gesamtzahl von Krankmeldungen ist die wissenschaftlich belegte Analyse zu spezifischen „Tagesmustern“ der Krankmeldungen in Deutschland (zum Beispiel bestimmte Wochentage, Tage vor oder nach Feiertagen) bislang spärlich oder nicht öffentlich zugänglich.

Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise aus organisationaler Forschung, epidemiologischen Statistiken und internationalen Analysen zu tendenziellen Mustern.

Montag ist ein klassischer Spitzen-Tag für die AU

In personalwirtschaftlichen Analysen wird oft berichtet, dass Montage besonders häufig für Krankmeldungen genutzt werden – nicht nur wegen realer Krankheit, sondern auch wegen eines Effekts, den man als „Wochenende-Hangover“ oder sozialpsychologischen Effekt interpretiert: Nach zwei arbeitsfreien Tagen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitnehmer eine Krankheit oder Erschöpfung spüren und melden.

Dieser Effekt wurde international beobachtet und diskutiert – zum Beispiel im angloamerikanischen Raum mit dem so genannten National Sickie Day (frühester Montag im Februar) oder generellen Analysen zu Montag-Abwesenheiten.

Aber: Konkrete, offizielle Tagesdaten für Deutschland liegen bislang kaum in publizierten Datensätzen vor; entsprechende Analysen finden eher in HR-Berichten aus den Human-Ressource-Abteilungen großer Unternehmen statt.

Freitag und der „Brückentag-Effekt“

International aufgearbeitete HR-Daten zeigen, dass Freitage oft die höchsten Abwesenheitsraten aufweisen, wenn sie unmittelbar vor Feiertagen liegen – was als Hinweis auf einen „Brückentag-Effekt“ gedeutet wird: kurzfristige Krankmeldungen könnten genutzt werden, um freie Tage zu verlängern.

In Deutschland gibt es anekdotische HR-Berichte, die anzeigen, dass ähnliche Muster auftreten – etwa vermehrte Krankmeldungen vor Brückentagen oder verlängerten Wochenenden, obwohl hier wissenschaftliche Großdatenanalysen fehlen.

Infektionswellen und saisonale Krankheiten

Die große Mehrheit der Krankmeldungen folgt realen epidemiologischen Mustern: Erkältungs- und Influenza-Wellen (typischerweise Herbst–Winter) führen zu deutlich mehr Krankmeldungen aufgrund respiratorischer Erkrankungen, die arbeitsunfähig machen.

Diese saisonalen AU-Höhepunkte sind epidemiologisch erklärbar durch die höhere Zirkulation von Viren in der kalten Jahreszeit.

Fehlzeiten und soziale Mechanismen

Neben biologischen Ursachen sind psychologische und soziale Mechanismen für die AU relevant.

Work-Life-Balance und Stress: hoher Arbeitsstress kann zu körperlichen und psychischen Erschöpfungssymptomen führen, was wiederum die Krankmelderate erhöht. Forschung zu „presenteeism versus absenteeism“ („Anwesenheit gegen Abwesenheit“) zeigt, dass das individuelle Erleben von Erschöpfung und organisationsbedingten Erwartungen die Entscheidung beeinflusst, krank zu melden oder weiterzuarbeiten.

Kulturelle Normen: Beispielsweise wird in Deutschland die Nutzung von Krankmeldungen kulturell weniger stigmatisiert als in einigen anderen Ländern. Das führt zu höheren, aber legitimen Abwesenheitsraten.

Motivationseffekte vor und nach freien Tagen: Es gibt Hinweise aus HR-Analysen, dass Arbeitnehmer eher krankmelden, wenn ein freier Tag folgt (zum Beispiel vor Brückentagen), auch wenn dies nicht auf eine medizinische Ursache zurückzuführen ist.

„Leisure Sickness“ und Erholungssyndrom

Ein verwandter psychologischer Effekt ist das Phänomen des sogenannten „leisure sickness syndrome“, bei dem Personen während oder am Beginn eines Urlaubs oder einer Erholungsphase krank werden. Das wird auf psychophysiologische Erholungsprozesse zurückgeführt. Während diese Forschung überwiegend in anderen Ländern läuft, könnte sie auch erklären, warum Krankmeldungen nach längeren arbeitsfreien Phasen zunehmen.

Fehlende Tagesdaten in Deutschland

Durchschnittlich melden sich Arbeitnehmer in Deutschland 15 bis 20 Tage pro Jahr krank. Amtliche Statistiken wie die des Statistischen Bundesamts (Destatis) liefern umfassende Zahlen zur Gesamtzahl von Krankheitstagen pro Jahr und Trends über Zeit, aber nicht systematisch nach Wochentagen oder einzelnen Kalenderdaten.

Internationale Studien zeigen Muster, dass Montage und Freitage tendenziell höhere Abwesenheitsraten haben, und dass sozialpsychologische Faktoren die Entscheidung beeinflussen, krank zu melden.   pm/tok