Claus Bannert, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald, würde Gesundheitskompetenz liebend gerne schon als Schulfach in allen Schuljahren sehen. Und danach den Präventionsgedanken immer wieder neu an alle Altersgruppen vermitteln. Sein Ziel: „Und wenn das gut gelingt, dann glaube ich, brauchen wir den Doktor nur noch dann, wenn es ganz, ganz schlimm kommt.“ Foto: Jan Hof/PZ-Medien

AOK-Chef Claus Bannert: Mehr Gesundheitskompetenz und Prävention für gesündere Menschen

Wer krank ist, geht zum Arzt. Und die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Behandlung. Seit Jahrzehnten kann man sich darauf verlassen. Doch angesichts steigender Sozialbeiträge, hoher Krankheitskosten und volkswirtschaftlicher Folgekosten sowie des schlechten Abschneidens Deutschlands im europäischen Public Health Index stellt sich die Frage, ob dieser Weg für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auch weiterhin ohne Einschränkungen oder Reformen gehbar ist. Für Claus Bannert, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald, steht fest: Ohne eine hohe Gesundheitskompetenz bei den Bürgern und auch bei all den anderen Akteuren des deutschen Gesundheitssystems stellt sich kein Fortschritt ein.  

Weniger um die Reparatur der Krankheit kümmern, sondern mehr um die Vermeidung

Eine weitreichende Gesundheitskompetenz, so Bannert, sei „aus meiner Sicht besonders wichtig, weil wir uns wahnsinnig viel um die Reparatur kümmern und zu wenig um den Kunden“. Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, hat es beim 1. Deutschen Präventionsgipfels des AOK-Bundesverbands so formuliert: „Wenn wir das Thema politisch priorisieren und jetzt eine echte Präventionswende einleiten, gibt es die Chance auf mehr gesunde Lebensjahre, weniger Behandlungskosten und ein stabileres Gesundheitssystem.“

Das Thema Prävention werde von ökonomischer und politischer Seite ernster genommen und höher eingestuft, so Reimann. Und: „Langsam setzt sich auch hierzulande die Einsicht durch, dass Prävention nicht nur eine Frage des individuellen Lebensstils und der Eigenverantwortung ist. Umgekehrt gibt es auch mehr Offenheit für verhältnispräventive und fiskalische Maßnahmen, die sich in anderen Ländern bereits bewährt haben.“

„Eigentlich geht es um die Dinge wie Prävention, Bewegung, Ernährung, Entspannung“, wird Bannert konkret. Ebenso wichtig sei es, dass sich die Menschen „selber und rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen“, also mit ihrer Gesundheit. So würde man Gesundheitskompetenz aufbauen.

Gesundheitskompetenz lernen: Je früher, desto besser

Aber wann und wie beginnt man damit? „Wir würden das gerne schon in Schulen vermitteln“, sagt AOK-Nordschwarzwald-Geschäftsführer Bannert. Gesundheit als Schulfach – das ist schon lange eine Forderung der AOK. Damit trifft Bannert auch den Nerv der AOK-Versicherten: 87 Prozent der Erziehenden, so ein wissenschaftlicher Bericht der AOK-Gemeinschaft zur Familienstudie 2022, wünschen sich, dass ihre Kinder im Schulunterricht etwas über klima- und umweltfreundliche Ernährung lernen. Das Kultusministerium in Baden-Württemberg hat in den ersten bis zehnten Klassen mit dem von der AOK unterstützten Programm „Science Kids“ gezeigt, dass sich Gesundheitsbildung durchaus in die regulären Unterrichtsfächer der Schulen integrieren lässt.

Danach dürfe der Motor einer wachsenden Gesundheitskompetenz nicht ausgebremst werden. Für die AOK Nordschwarzwald gelte es, die „Menschen auf ihrem weiteren Lebensweg“ weiterhin mit Präventionsideen und medizinischen Erkenntnissen zu versorgen. „Und wenn das gut gelingt, dann glaube ich, brauchen wir den Doktor nur noch dann, wenn es ganz, ganz schlimm kommt“, erhofft sich Bannert. „Und bis dahin sind wir selber in der Lage, unseren Körper gut zu spüren und zu fühlen, was für uns richtig und wichtig ist.“

Politik muss die Präventionsidee konsequent umsetzen

Dass Deutschland über viel ungenutztes Präventionspotenzial verfügt, unterstreicht auf dem Deutschen Präventionsgipfel der AOK auch Dr. Gundo Aurel Weiler, Direktor für Prävention und Gesundheitsförderung in Europa bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deutschland stehe vor gewaltigen demografischen und finanziellen Herausforderungen, stagniere aber seit Jahren bei der Einführung neuer Präventionsmaßnahmen. Das „größte Geberland der WHO“ könne seine „Präventionspotentiale entfesseln“ und das „politische Momentum für Prävention“ nutzen, wenn es sich zunächst konsequent auf die Eindämmung der wichtigsten Risikofaktoren Alkohol, Tabak, Zucker, Salz, Fett und Luftverschmutzung konzentriere, so Weiler.

Um in der Gruppe der erfolgreichen Präventions-Länder mitzumischen, muss Deutschland laut Weiler den Konsum von Alkohol und Tabak signifikant senken und mehr Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung ergreifen. „So könnte Deutschland die Zahl jährlicher Krebserkrankungen um 63.000 Fälle senken und direkte Einsparungen im Gesundheitssystem von 11 Milliarden Euro erzielen“, so der WHO-Experte. Damit liegen die möglichen jährlichen Einsparungen durch wirksame Prävention in einer Größenordnung des für 2027 prognostizieren GKV-Finanzlochs.

Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums in Deutschland werden nach Berechnungen der Universität Hamburg auf 97 Milliarden Euro geschätzt (30 Milliarden direkte Kosten), die Kosten von Adipositas auf rund 63 Milliarden Euro (29 Milliarden Euro direkte Kosten) und die des Alkoholkonsums auf 57 Milliarden Euro (17 Milliarden Euro direkte Kosten).

Adipositas-Onlinecoach und PZ/AOK-Frühjahrskur

Hier ist die Politik gefragt. Forderungen zu mehr Gesundheitsprävention von der AOK gibt es genug, allein die politische Umsetzung auf Bund- und Landesebene lässt zu wünschen übrig. Was kann die AOK selbst leisten?

Die AOK Baden-Württemberg hat im Vorfeld des Welt-Adipositas-Tages am 4. März einen wissenschaftlich fundierten Online-Coach für Menschen mit Adipositas freigeschaltet. Er informiert in elf Modulen über die Hintergründe der Erkrankung und vermittelt Strategien, wie Betroffene ihren Lebensstil schrittweise verändern und ihr Körpergewicht langfristig senken können. Der neue Online-Coach bietet neben leicht verständlichen Informationen praktische Übungen zur Selbstreflexion und interaktive Lernelemente zu den Themen Ernährung, Bewegung, Verhaltensänderung, Motivation, Stressmanagement und Entspannung. Das Programm kann eine ärztliche oder therapeutische Beratung nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.

Die AOK Nordschwarzwald zielt schon seit vielen Jahren mit der PZ/AOK-Frühjahrskur auf das Vermitteln einer gesunden Ernährung, immer thematisch angepasst an aktuelle Trends und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Auf Vital-Region.de finden Interessenten alle aktuellen Videos, Rezepte, Einkaufslisten und Nachrichten rund um die dreiwöchige PZ/AOK-Frühjahrskur vom 9. bis 29. März. Auch so kann Gesundheitskompetenz gefördert werden. Und vielleicht ist sie ja dann auch nachhaltiger, wenn sie lecker schmeckt.  tok