
Rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen gelten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als vermeidbar. Lebensstil-Änderungen hin zu einem gesünderen Alltag ohne Rauchen und ohne Alkohol machen einen großen Teil der Krebsprävention aus. Grafik: Kurtz – KI-generiert
Präventionsgipfel: Vier von zehn neuen Krebserkrankungen sind vermeidbar
Krebs ist immer noch der Angstmacher Nummer 1, wenn es um die Gesundheit geht. Dabei könnten 40 Prozent der Krebsneuerkrankungen durch kluge Prävention verhindert werden. Wie lässt sich die Krebsprävention in Deutschland wirksam stärken? Konkrete Maßnahmen und Ideen liefert der gerade veröffentlichte Ergebnisbericht des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels von Deutscher Krebshilfe und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ).
Politisches Handeln angefordert
Rund 50 Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft hatten am Gipfel teilgenommen und ihre Expertise eingebracht. Die politischen Signale zur Stärkung der Prävention stimmen zuversichtlich.
„Wir wissen heute so viel wie nie zuvor darüber, wie Krebs verhindert werden kann. Aber wir schaffen es noch nicht, dieses Wissen umzusetzen“, so Prof. Rita Schmutzler, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. „Die Ergebnisse des Krebspräventionsgipfels zeigen sehr konkret, an welchen Stellen politisches Handeln erforderlich ist. Jetzt müssen die politischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, um dieses Wissen konsequent in die Praxis zu überführen“, ergänzt Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).
„Durch bewusste Alltagsentscheidungen lässt sich das Krebsrisiko verringern – etwa durch einen gesunden Lebensstil oder das Vermeiden schädlicher Umwelteinflüsse.“
Nationales Krebspräventionszentrum, Webseite unter https://www.krebspraevention.de/krebsrisiko-senken

Krebsprävention stärken – Gipfel erarbeitet Maßnahmen
Im Mittelpunkt des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels standen sechs zentrale Handlungsfelder. Die beteiligten Experten empfehlen unter anderem, Prävention politisch ressortübergreifend stärker zu verankern, die Erfahrungen erfolgreicher Modellprojekte bundesweit nutzbar zu machen, Schulen stärker in den Blick zu nehmen, lokale Präventionsstrukturen auszubauen und den volkswirtschaftlichen Nutzen von Prävention systematisch sichtbar zu machen.
Ein starker Hebel sind zudem Maßnahmen, die es den Menschen leichter machen, sich gesundheitsbewusst zu verhalten – die so genannte Verhältnisprävention. Hier sehen viele Fachleute erheblichen politischen Nachholbedarf. Beispielsweise werden Tabak und Alkohol in Deutschland deutlich geringer besteuert als in anderen europäischen Ländern, in denen sich höhere Steuern als Lenkungsmaßnahme bewährt haben. Bei der Veranstaltung fand Prof. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung deutliche Worte: Tabak verursache allein im Gesundheitswesen Kosten von 30 Milliarden Euro pro Jahr, welche in Form von Steuererhöhungen auf Rauchende umgelegt werden müssten. Gleichzeitig erinnerte er an das Potenzial der Krebsprävention. Vier von zehn Krebserkrankungen könnten durch kluge Prävention verhindert werden – diese Zahl sieht er als Verpflichtung.


Politik signalisiert größere Offenheit für Prävention
Beim Gipfel wurde deutlich, dass Krebsprävention auf wachsendes politisches Interesse stößt. Johannes Wagner, MdB Bündnis90/ Die Grünen kündigte die Gründung eines fraktionsübergreifenden ‚Parlamentskreis Prävention‘ an, um Prävention auf parlamentarischer Ebene zu stärken – was bereits in die Tat umgesetzt wurde. Kurze Zeit später startete das Bundesgesundheitsministerium eine Präventionsoffensive.
Dies sehen die Veranstalter als wichtige Signale. Zugleich betonen sie, dass die Herausforderungen im Bereich der Krebsprävention nicht durch einzelne Projekte oder Modellvorhaben gelöst werden können. „Jetzt braucht es den politischen Willen, Prävention konsequent und langfristig zu stärken. Wir erwarten, dass die neue Offenheit für das Thema auch unter der neuen Führung im Bundesgesundheitsministerium in konkrete Entscheidungen mündet“, sagt Schmutzler.
Prävention ist eine Investition in Gesundheit und Zukunft
Rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen gelten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als vermeidbar. Gleichzeitig stehen die Gesundheitssysteme zunehmend unter finanziellen Druck. „Die Kosten im Gesundheitssystem explodieren – gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Prävention zu stärken“, sagt Baumann. „Wer Prävention fördert, senkt nicht nur das Risiko für Krebs und viele weitere nichtübertragbare Krankheiten, sondern entlastet langfristig auch das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme. Wir brauchen eine Präventionsdekade, die Präventionskonzepte systematisch wissenschaftlich weiterentwickelt und in die Anwendung überführt.“
Mit dem Nationalen Krebspräventionsgipfel wollen Deutsche Krebshilfe und DKFZ den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik weiter stärken. Die beim Gipfel erarbeiteten Maßnahmen sollen in politische Entscheidungsprozesse auf Bundes- und Länderebene eingebracht werden. pm


Info
Der Nationale Krebspräventionsgipfel wurde 2025 vom DKZF und der Deutschen Krebshilfe initiiert mit dem Ziel, eine langfristige und tragfähige Krebspräventionsstrategie für Deutschland zu entwickeln. Der Gipfel findet einmal jährlich statt, um die Umsetzung und Wirkung der Handlungsempfehlungen unabhängig zu überprüfen, kontinuierlich weiterzuentwickeln und dabei an den jeweils aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen. Weitere Informationen sowie die Ergebnisse des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels finden Sie hier.
Das Nationale Krebspräventionszentrum wurde 2019 vom DKFZ und der Deutschen Krebshilfe im Rahmen einer langfristig angelegten strategischen Partnerschaft initiiert. Es bündelt die Forschungsaktivitäten des DKFZ unter einem Dach und vereint Forschung, Aus- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Politikberatung und Outreach. Das Nationale Krebspräventionszentrum ist damit eine zentrale Einrichtung für die Weiterentwicklung und den Ausbau der Krebsprävention in Deutschland. Die Deutsche Krebshilfe fördert den Aufbau des Nationalen Krebspräventionszentrums mit 25 Millionen Euro. Weitere Informationen unter: www.krebspraevention.de