Statine sind Medikamente, die den „schlechten“ LDL-Cholesterinspiegel senken. So wird weniger schädliches Cholesterin in den Blutgefäßen abgelagert, was Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) deutlich reduzieren kann. Foto: Rasi/stock.adobe.com

Sichere „Blutfettsenker“: Statine mit deutlich weniger Nebenwirkungen als gedacht

In der medizinischen Praxis werden Statine breit eingesetzt, um den LDL-Cholesterinspiegel zu senken und das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse, wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, zu reduzieren. Gleichzeitig listen die Fachinformationen und Beipackzettel von Statinen zahlreiche potenzielle Nebenwirkungen, die Patienten verunsichern oder abschrecken können. Dabei scheint das weitgehend gar nicht nötig zu sein.

Eine aktuelle Meta-Analyse, veröffentlicht im Februar 2026 in „The Lancet“, kommt nun zu dem Ergebnis, dass viele häufig befürchtete Nebenwirkungen von Statinen sich wohl nicht auf die Einnahme von Statinen zurückführen lassen. Die Auswertung basiert auf doppelblinden, randomisierten Studien und könnte die Aufklärung von Patienten zukünftig verändern.

Was sind Statine?

Statine sind Medikamente, die seit vielen Jahrzehnten weltweit dazu eingesetzt werden, um den „schlechten“ LDL-Cholesterinspiegel zu senken. Sie wirken, indem sie ein Enzym in der Leber blockieren, das Cholesterin (Blutfett) produziert. Auf diesem Weg kann weniger schädliches Cholesterin in den Blutgefäßen abgelagert werden. Und das kann Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), deutlich reduzieren kann. Viele Menschen kennen Statine als „Blutfettsenker“. Sie gehören zu den am besten erforschten Medikamenten. Mehr Infos zum Thema gibt es „Viel besser als ihr Ruf: Statine senken das LDL-Cholesterin“ und „Statine: wenig Evidenz für die Beipackzettel“.

Viel verordnet, wirkungsvoll und sicherer als gedacht

Statine gehören zu den am häufigsten verordneten und wirkungsvollen Medikamenten zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Studien zeigen, dass Berichte und Befürchtungen über mögliche Nebenwirkungen bei Patienten immer wieder zu Verunsicherung führen und einen Einfluss auf die Adhärenz (Therapietreue) haben können. Eine aktuelle Meta-Analyse liefert nun wichtige Evidenz dafür, dass viele der häufig angeführten Nebenwirkungen jedoch unter kontrollierten Studienbedingungen nicht häufiger auftreten als unter Placebo.

Nur vereinzelte Nebenwirkungen unter Statinen sind statistisch belegt

In der Analyse wurden individualisierte Daten aus 19 doppelblinden, randomisierten placebokontrollierten Studien mit insgesamt 123.940 Teilnehmenden (medianes Follow-up 4,5 Jahre) ausgewertet, um die Evidenz für 66 statin-gelistete Nebenwirkungen in Studien (Adverse Events, AEs) zu prüfen.

  • Nebenwirkungen auf die Muskulatur wie etwa Muskelschwäche und
  • ein erhöhtes Risiko für Diabetes bei Personen mit Prä-Diabetes

sind bereits als Adverse Events bekannt und akzeptiert.

Von den 66 potenziellen Nebenwirkungen zeigten jedoch nur vier weitere statistisch signifikante Unterschiede im Vergleich einer Therapie mit Statinten oder mit Placebo. Dazu zählen: 

  • Geringgradig erhöhte Leberenzyme (Transaminasen)
  • Andere Veränderungen der Leberfunktion 
  • Geringgradige Veränderungen der Urinzusammensetzung
  • Ödeme 

Die verbleibenden 62 gelisteten möglichen Nebenwirkungen traten in einer ähnlichen Häufigkeit bei Statin- und Placebogruppen auf. Sie zeigten also keine statistisch signifikanten Unterschiede. Dazu zählen häufig genannte Beschwerden wie Gedächtnisstörungen, Depressionen, Schlafprobleme, periphere Neuropathie oder auch sexuelle Dysfunktionen.

In zusätzlichen Analysen zu vier Studien, die eine intensive gegenüber einer weniger intensiven Statintherapie miteinander verglichen, bestätigten sich zudem signifikante Überschüsse nur für abnorme Leber-Transaminasen und andere Leberfunktionsanomalien, was auf eine mögliche Dosisabhängigkeit dieser Effekte hinweisen könnte. 

Nebenwirkungsangaben stärker an Evidenz ausrichten

„In der täglichen Praxis sehen wir häufig, dass Patientinnen und Patienten Statine aufgrund befürchteter Nebenwirkungen absetzen oder eine Therapie gar nicht erst beginnen“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Laufs, Klinikdirektor des Universitätsklinikums Leipzig. „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass viele dieser Beschwerden unter kontrollierten Studienbedingungen nicht ursächlich auf Statine zurückzuführen sind. Angesichts ihres nachgewiesenen Nutzens zur Senkung des kardiovaskulären Risikos sollten Betroffene daher mit entsprechender Indikation eine Statintherapie nicht beenden, sondern ihre Beschwerden gemeinsam mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt besprechen.“

Auch für die regulatorische Kommunikation könnten die Befunde relevant sein. Fachinformationen und Beipackzettel basieren teilweise auf heterogenen Datenquellen, darunter auch Beobachtungsstudien oder Spontanmeldungen. Während für die Aufnahme einer Nebenwirkung oftmals bereits ein begründeter Verdacht ausreicht, erfordert eine Streichung einen definitiven Nachweis über sehr große Kollektive von Patienten. 

Die vorliegende Analyse aus doppelblinden randomisierten Studien spricht dafür, Nebenwirkungsangaben stärker an hochwertiger Evidenz auszurichten, um Fehlinformationen und Nocebo-Effekte zu reduzieren. 

„Der aktuelle Stand, wie Nebenwirkungen in Fachinformationen und Beipackzetteln aufgeführt sind, vermittelt häufig ein verzerrtes Bild des tatsächlichen Risikos. Es kann dadurch sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Patientinnen und Patienten, die eine Therapie benötigen, verunsichern oder fehlleiten. Eine präzise, evidenzbasierte Darstellung unerwünschter Nebenwirkungen kann dazu beitragen, die Risikowahrnehmung realistischer einzuordnen und die Therapietreue zu verbessern.“
Prof. Dr. Ulrich Laufs
, Klinikdirektor des Universitätsklinikums Leipzig

Die im „The Lancet“ erschienene Arbeit liefere, laut dem Kardiologen, die Datenbasis für eine Überarbeitung, um eine fundierte und evidenzbasierte Entscheidungsfindung dahingehend besser zu unterstützen.

Die aktuelle Analyse zeigt: Statine beweisen sich in wissenschaftlichen Studien als sicher. Viele Sorgen in der Öffentlichkeit basieren eher auf Einzelfällen oder Beobachtungsstudien, die solche Effekte mitunter überschätzen können. Die Ergebnisse können Ärzte dabei unterstützen, Patienten noch besser aufzuklären, um so die Angst vor Nebenwirkungen zu reduzieren – was die Herzgesundheit insgesamt positiv beeinflusst.  

Tipps: Ernährungsprinzipen zur Senkung des kardiovaskulären Risikos

• Reduktion der Gesamtfettaufnahme
• Ersetzen langkettiger gesättigter durch einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren
• Bevorzugung von Omega-3-gegenüber Omega-6-Fettsäuren
• Vermeiden von Trans-Fettsäuren
• Reduktion der Cholesterinaufnahme
• WHO-Empfehlung: bei Erwachsenen mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität (aerobe Aktivitäten von moderater bis hoher Intensität) pro Woche, Kinder täglich eine Stunde
• Möglichst weniger als sechs Tassen Kaffee pro Tag trinken

Info
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit knapp 13.000 Mitgliedern. Weitreichende Informationen fürÄrzte sowie medizinisches Fachpersonal, aber auch für Nicht-Mediziner tellt die DGK online auf Herzmedizin.de zur Verfügung.   pm