Mundspüllösungen sind meist nur eine Ergänzung der Mundhygiene, denn der Biofilm muss mit Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürsten mechanisch entfernt werden. Gegen Mundgeruch können Spülungen symptomatisch helfen, aber die Ursache dafür bleibt bestehen. Foto: New Africa/stock.adobe.com

Mundspülung als Zahnbürsten-Ersatz? Frischer Atem mit falschem Sicherheitsgefühl

Sie stehen im Bad, spülen 30 Sekunden lang ihr Mundwasser zwischen den Wangen hin und her, gurgeln noch kurz und fühlen sich danach wie frisch poliert? Mundspüllösungen versprechen „Extra-Schutz“ und „frischen Atem“. Mit der neuen „Kuss-Frische“ sollte sich ihr Gegenüber nicht mehr abwenden müssen. So macht Mundhygiene Spaß. Die medizinische Wahrheit sieht aber leider nicht ganz so perfekt aus: Manche Wirkstoffe können wirklich helfen. Aber kein Mundwasser ersetzt die Zahnbürste.

Mundspüllösungen für unterschiedliche Einsatzgebiete

Unter den Begriff Mundspülung fällt auf dem deutschen Markt alles von kosmetischen „Freshener“ bis zu rezeptpflichtigen Arzneimittel-Spülungen. Entscheidend ist aber nicht das Frühlings-Aroma oder der Pfefferminz-Geschmack, sondern der Wirkstoff im Mundwasser: Er bestimmt, ob eine Spülung nur kurz frisch macht oder tatsächlich Plaque, Entzündungen, Kariesrisiko oder Mundgeruch beeinflussen kann.

Praktisch lassen sich Produkte in zwei Gruppen einteilen:

1.                Kosmetische Mundwässer: Der Fokus liegt auf Geschmack und Frischegefühl, oft mit Aromen, Kräuterextrakten versetzt, manchmal auch mit Alkohol.

2.                Therapeutische Mundspüllösungen: Sie enthalten Wirkstoffe mit nachgewiesenem Nutzen, wie zum Beispiel Fluorid, Chlorhexidin, ätherische Öle, CPC oder Zink/Chlorindioxid.

3.                Spezial-Spülungen: Diese Spülungen werden etwa bei zahnärztlichen Eingriffen verschrieben. Sie wirken gezielt antiseptisch, sind aber nicht für die Daueranwendung gedacht.

Wirkstoffe von Mundspülungen im Überblick

Spülen als Ersatz fürs Zähneputzen oder gegen Mundgeruch?

Es wäre so einfach: Den Mund spülen, ausspucken und fertig ist die tägliche Mundhygiene. Aber leider funktioniert das so nicht. Zahnbelag ist ein Biofilm, der fest auf der Zahnoberfläche klebt. Den bekommt man am zuverlässigsten nur mechanisch heruntergebürstet – mit der Hand- oder der elektrischen Zahnbürste. Selbst stark wirkende Spülungen können Bakterien im Biofilm zwar stören, sie entfernen ihn aber nicht wie Bürste und Interdentalhilfen. 

Oft können Mundspülungen den Mundgeruch verhindern, aber nicht immer. Die Wirkung ist zumeist auch nur zeitlich begrenzt und selten so dauerhaft, dass der Effekt mehr als nur symptomatisch ist. Mundgeruch entsteht meist im Mundraum (intraoral), häufig durch Zungenbelag, Entzündungen am Zahnfleisch oder schlecht gereinigte Zwischenräume. Spülungen können geruchsbildende Bakterien vorübergehend reduzieren oder geruchsaktive Schwefelverbindungen (VSC) neutralisieren. Das gilt besonders Produkte mit antibakteriellen Wirkstoffen oder mit Zink/Chlorindioxid. Wenn die Ursache jedoch zum Beispiel eine Parodontitis, Tonsillensteine oder eine trockene Mundschleimhaut ist, reicht Spülen allein nicht. Dann muss die Ursache am besten nach einer Diagnose durch den Zahnarzt behandelt werden.

Was leistet ein Mundwasser wirklich für die Mundhygiene?

•                 Als Zusatz zu Putzen mit der Zahnbürste und einer Interdentalreinigung können bestimmte Spülungen Plaque und Zahnfleischentzündung messbar reduzieren.

•                 Fluoridspülungen können bei erhöhtem Kariesrisiko unterstützen (Remineralisation).

•                 Bei Mundgeruch können Zink/Chlorindioxid oder antibakterielle Spülungen Symptome dämpfen, besonders, wenn der Zungenbelag etwa mit einem Zungenschaber mitbehandelt wird.

•                 In bestimmten Situationen (nach Operationen, akuten Entzündung, eingeschränkter Motorik) kann eine Spülung ein sinnvolles Backup sein.

Wichtig: Der Nutzen hängt stark davon ab, ob die Spülung therapeutische Wirkstoffe enthält und ob sie richtig angewendet wird (Dosierung, Dauer, nicht schlucken).

•                 Das Frischegefühl kommt oft eher von Aromastoffen und Minze als von echter Keimreduktion.

•                 Bei Mundgeruch ist Zungenbelag häufig wichtiger als die „ Frische-Behandlung“ des Atems an sich.

•                 Starke Antiseptika können bei Dauergebrauch sichtbare Verfärbungen verursachen, und das ist kein Mythos.

Sind Mundspüllösungen ein Problem für die Schleimhäute im Mund?

Manche Mundwässer können bei regelmäßiger, intensive Nutzung den Schleimhäuten im Mund Probleme bereiten. Täglicher und/oder falscher Gebrauch können ein Brennen, ein Trockenheitsgefühl oder Reizungen provozieren. Alkoholhaltige Produkte können die empfindliche Mundschleimhaut stärker reizen, aber auch starke Antiseptika sind bei Dauergebrauch eher problematisch.

Sehr starke Antiseptika können die Keimzusammensetzung in der Mundflora verändern. Deswegen sollten sie eher kurzzeitig und gezielt eingesetzt werden.

Und was passiert, wenn man aus Versehen die Mundspülung schluckt? Kleine Restmengen sind bei Erwachsenen meist unkritisch. Problematisch wird es bei größeren Mengen vor allem für Kinder, etwa wenn das Mundwasser neben diversen anderen Stoffen auch noch Alkohol enthält. Als Grundregel gilt: Nicht absichtlich schlucken; bei größeren Mengen oder Symptomen den Giftnotruf, bei schweren Symptomen sofort 112 anrufen.

FAQ

Welche Mundspülung ist für den Alltag am sinnvollsten?

Wenn überhaupt, dann eine therapeutische Spülung mit klarem Ziel (zum Beispiel Fluorid bei Kariesrisiko oder antimikrobiell bei Gingivitis-Neigung) – und nur als Ergänzung. Für akute Entzündung/OP: zeitlich begrenzte CHX-Spülung nach Anweisung.

Sollte man nach dem Spülen mit Wasser nachspülen?

Meist nicht, sonst verdünnt man den Wirkstoff. Entscheidend ist die Packungsanweisung.

Welche Mundspülungen sollten Kinder meiden?

Alkoholhaltige Spülungen und hochkonzentrierte Fluorid- oder Antiseptika ohne zahnärztliche Empfehlung. Kinder nur unter Aufsicht, nicht schlucken.

Kann Mundspülung die Mundflora schädigen?

Sehr starke Antiseptika können die Keimzusammensetzung verändern – deswegen eher kurzzeitig und gezielt.

Was hilft zusätzlich gegen Mundgeruch?

Zungenreinigung, Interdentalreinigung, Entzündungen behandeln lassen, ausreichend trinken; bei anhaltendem Mundgeruch Ursachencheck (Zahnarzt/HNO). tok