
Auf Dauer schaden Schlafstörungen und regelmäßiger Schlafentzug der Gesundheit. Die Zahl der Nachtgrübler steigt weiter an. Neben dem Grübeln über Probleme beeinflussen aber auch Faktoren wie die Nutzung digitaler Geräte oder der Konsum von Alkohol die Schlafqualität negativ. Foto: Ralf Geithe/stock.adobe.com
Nachtgrübler in Baden-Württemberg: Deutlicher Anstieg psychisch bedingter Schlafstörungen
Gute Nacht? Davon können immer mehr Baden-Württemberger nur träumen. Im Südwesten hat der Anteil der Menschen mit psychisch bedingten Schlafstörungen stark zugenommen. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse kamen im Ländle in 2024 bereits 18 Diagnosen auf 1000 Versicherte, 2019 waren es 14, im Jahr 2014 noch 10 von 100.
In Sachsen häufen sich die Schlafprobleme
Im Zehnjahresvergleich bedeutet das einen überdurchschnittlichen Anstieg um rund 83 Prozent. Laut KKH-Hochrechnung waren 2024 insgesamt rund 202.200 Menschen in Baden-Württemberg von Schlafstörungen psychischer Art betroffen.
Das im Bundesländervergleich größte Plus von 2014 auf 2024 verzeichnet die KKH mit gut 128 Prozent in Sachsen, das geringste mit rund 4 Prozent im Saarland. Die meisten Nachtgrübler leben ebenfalls in Sachsen (23 von 1000), die wenigsten in Niedersachsen und Bremen (13 pro 1000). Das deutschlandweite Mittel lag 2024 bei einem Anstieg von 73,5 Prozent sowie 18 Diagnosen pro 1000 Versicherte.

Schlafstörungen können zu schweren Erkrankungen führen
Zu nicht organisch bedingten Schlafstörungen zählen Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie Albträume und Angsttraumstörungen, wie sie unter hohen psychischen Belastungen entstehen können. Ursachen für nächtliches Wachliegen können unter anderem Konflikte und Überforderung im Beruf und Privatleben sein, traumatische oder belastende Ereignisse wie etwa der Verlust eines nahestehenden Menschen oder der Dauerkrisen-Modus in Deutschland und der Welt.
Wer über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten grübelnd im Bett liegt, nicht einschlafen oder durchschlafen kann, zählt zu den Betroffenen. „Auf Dauer können Schlafstörungen und regelmäßiger Schlafentzug der Gesundheit schaden“, warnt Aileen Könitz, Ärztin und KKH-Expertin für psychiatrische Fragen. „Dadurch erhöhen sich beispielsweise die Infektanfälligkeit sowie das Risiko für Depressionen und Angststörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andersherum können Schlafstörungen auch eine Folge von psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen sein.“
Prüfen, welche Schlafräuber man abschalten kann
Neben dem Grübeln über Probleme können auch Faktoren wie die Nutzung digitaler Geräte oder der Konsum von Alkohol die Schlafqualität negativ beeinflussen. Bereits geringe Mengen können zwar das Einschlafen erleichtern, führen aber häufig zu Durchschlafstörungen und einer schlechteren Schlafqualität. Weitere Schlafräuber können der Genuss von Koffein oder Nikotin sowie intensiver Sport oder körperliche Arbeit kurz vor dem Zubettgehen sein.
Positiv auf das Einschlafen wirken sich hingegen Entspannungstechniken wie eine Meditation sowie körperliche Aktivitäten am Tag aus. Aileen Könitz empfiehlt nächtlichen Grüblern darüber hinaus, sich zu einer festen Tageszeit rund eine viertel Stunde lang bewusst mit den eigenen Ängsten und Sorgen zu beschäftigen, diese aufzuschreiben, wegzulegen und nicht mit ins Bett zu nehmen. Halten Schlafprobleme trotz Berücksichtigung sämtlicher Tipps über längere Zeit an, sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen.
Info
Die KKH hält unter dem Motto Mach Schluss mit Nachtgrübeln! | KKH diverse Aufklärungs- und Hilfsangebote für einen gesunden Schlaf bereit.
Die KKH Kaufmännische Krankenkasse hat Versichertendaten zu nichtorganischen Schlafstörungen (Diagnose F51 nach ICD-10 inklusive nicht-organische Insomnie, Hypersomnie, Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Schlafwandeln, Pavor nocturnus, Angstträume) von 2014 bis 2024 erhoben. 2024 waren bundesweit rund 29.500 KKH-Versicherte, hochgerechnet auf die Bevölkerung in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen, betroffen. pm