An Glatteistagen operieren Orthopäden und Unfallchirurgen gebrochene Knochen rund um die Uhr. Die DGOU rät dazu, auf eisigen Wegen im Pinguin-Gang zu laufen. Foto: Ingo Bartussek/stock.adobe.com

Volle Notaufnahmen bei eisigen Wegen: Pinguin-Gang vermeidet Stürze – Rücken schonen beim Schneeschippen

„Die Wetterlage spitzt sich zu, gerade zum Freitag drohen verbreitet winterliche Gefahren: regional gefrierender Regen, kräftiger Schneefall, Schneeverwehungen und teils stürmischer Wind. Der Verkehr kann dadurch stark beeinträchtigt werden“, warnt wetter.com-Meteorologe Georg Haas. Während bei solchen Wetterlagen der Straßenverkehr in Deutschland eher ausgebremst wird, geht es in den Kliniken dagegen besonders hektisch zu. Frostige Morgenstunden, Schnee vor der Haustür oder Blitzeis – wenn die Menschen von solchen Wetterphänomenen überrascht werden, füllen sich die Notaufnahmen.

„Wir merken sofort, wenn die Wege rutschig werden, die Unfallzahlen steigen dann spürbar“, sagt Prof. Dr. Frank Hildebrand, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU). Über die Feiertage gab es bereits zahlreiche Glatteis-Verletzte. Besonders Handgelenke, Hüfte und Schultern sind bei den klassischen Sturzverletzungen betroffen und müssen innerhalb kurzer Zeit versorgt werden.

Besonders tückisch: gefrorene Pfützen, die vom Schnee bedeckt sind

„Am Wochenende werden die Räumdienste in Deutschland gut zu tun haben, regional wird es kräftig und langanhaltend schneien, begleitet von stürmischem Wind und Schneeverwehungen“, prophezeit Haas und legt nach: „Nach dem schneereichen Wochenende drohen zum Wochenstart erneut gefährliche Wetterlagen mit gefrierendem Regen und spiegelglatten Straßen.“ Derzeit ist die Rutschgefahr also noch nicht gebannt: In den nächsten Tagen bleibt es glatt. Besonders tückisch sind jetzt gefrorene Pfützen, die von Schnee bedeckt und nicht sichtbar sind.

Wie übersteht man die nächsten Tage sicher ohne Sturz auf dem Eis und ohne Rückenschmerzen beim Schneeschippen? Die DGOU rät zu zwei einfachen Tricks: Mit dem Pinguin-Gang auf glatten Wegen kann man Stürze vermeiden und den Rücken schonendes Schneeschippen schützt die Wirbelsäule.

Knochenbruch-Operationen rund um die Uhr

Bei Wintereinbruch sieht man in vielen Kliniken ein typisches Bild: Patienten mit schmerzverzerrtem Gesicht. Die klassischen Sturzverletzungen landen oft innerhalb von Minuten auf dem OP-Plan. An Glatteistagen operieren Orthopäden und Unfallchirurgen gebrochene Knochen rund um die Uhr. Der Hexenschuss-geplagte Rücken muss versorgt und die Betroffenen beraten werden, damit sie schnell wieder mobil werden. „Mit ein paar einfachen Vorsichtsmaßnahmen lassen sich Stürze und Rückenverletzungen vermeiden. So bleiben Gips, Schmerzen und lange Ausfallzeiten erspart“, sagt PD Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention.

Zwei Schaubilder der DGOU zeigen, wie es geht.

Sicher auf eisigen Wegen: Der Pinguin-Gang

Wer beim Gehen kleine Schritte macht, den Oberkörper leicht nach vorne neigt und die Füße flach aufsetzt, geht wie ein Pinguin – stabil, kontrolliert und deutlich weniger sturzgefährdet.

Zusätzliche Tipps:

• Kleine Schritte, Gewicht leicht nach vorne verlagern

• Rutschfeste Schuhe oder Spikes nutzen

• Hände frei halten und nicht in die Taschen stecken

• Langsam gehen

• Besonders ältere Menschen profitieren von Begleitung auf kurzen Wegen, heller Kleidung und guter Beleuchtung.

Bild/Copyright: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie

Richtiges Schneeschippen schont den Rücken

Die Schneeräumpflicht zwingt viele Menschen – ob fit oder nicht – frühmorgens mit der Schneeschaufel ein zuweilen kräftezehrendes Workout zu leisten. Oft fehlt die Zeit, sodass ohne Aufwärmen, hastig und schlecht bekleidet geschippt wird. Falsche Drehungen, ruckartige Bewegungen, zu schwere Schneemengen oder Arbeiten in gebückter Haltung führen schnell zu Zerrungen, Wirbelblockaden oder einem Hexenschuss. „Wir raten, die körperliche Belastung an den eigenen Trainingszustand anzupassen und bewusst auf die Körperhaltung zu achten“, erklärt Prof. Dr. Bernd Kladny, DGOU-Generalsekretär.

Zusätzliche Tipps:

• Früh genug aufstehen, um Stress zu vermeiden

• Muskulatur aufwärmen, nicht direkt nach dem Aufstehen starten

• Kälte meiden: Rücken warmhalten

• Schieben statt heben, um Belastung zu reduzieren

• Richtige Körperhaltung: Gerade bleiben, zum Heben in die Knie gehen

• Ergonomische Schippe verwenden

• Rutschfeste Schuhe für sicheren Stand

• Besonders Menschen mit Rückenproblemen oder nach Operationen sollten vorsichtig sein und bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen.

Bild/Copyright: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie

Die aktuelle Wetterlage

Vom atlantischen Ozean nähert sich ein Sturmtief. Das Tiefzentrum erreicht am Donnerstag, 8. Januar den Ärmelkanal und das Frontensystem den Westen und Süden Deutschlands. Am Freitag, 9. Januar befindet sich das Tiefzentrum über Deutschland. Im Warmsektor des Tiefs wird es im Süden vorübergehend stürmisch und mild. Im Nordosten bleibt es frostig. Zwischen der Frostluft und der milden Luft befindet sich eine Luftmassengrenze, an der Schneesturm herrscht.

Am Freitag, 9. Januar wird es stürmisch und im Süden bis zu 10 Grad mild mit örtlichen Regenschauern. Im Norden und Nordosten bleibt es frostig und hier schneit es länger anhaltend und kräftig. Dazu sorgt Wind für Schneeverwehungen. Hier ist Chaos praktisch vorprogrammiert.

Am Samstag, 10. Januar kommt die Kaltluft in der Mitte und im Süden zurück mit teils kräftigem Schneefall und Glätte – mit Schwerpunkt im Westen und Südwesten.

Am Sonntag, 11. Januar herrscht Dauerfrost mit Schneefall vor allem an den Alpen und im Erzgebirge. Sonst ist es öfter trocken und teilweise sonnig.

Die neue Woche startet eiskalt, örtlich mit strengem Frost um -20 Grad. Von Südwesten wird es in der Folgezeit langsam milder.

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