Cellulite gehört zu den häufigsten körperlichen Veränderungen bei Frauen und ist weder eine Krankheit noch Zeichen mangelnder Fitness. Ursache sind vor allem die Struktur des weiblichen Bindegewebes, genetische Veranlagung und hormonelle Einflüsse. Foto: Africa Studio/stock.adobe.com

Orangenhaut und Dellen an Po und Oberschenkel: Was wirklich gegen Cellulite hilft

Die Orangenhaut ist eines der häufigsten Schönheitsthemen überhaupt und sorgt trotzdem bis heute für unzählige Missverständnisse. Kaum steigen die Temperaturen, füllen sich soziale Netzwerke, Frauenzeitschriften und Werbeanzeigen mit vermeintlichen Wundermitteln gegen Cellulite. Cremes, Massagen, Nahrungsergänzungsmittel oder teure Geräte versprechen glatte Haut innerhalb weniger Wochen.

Die wissenschaftliche Realität sieht deutlich nüchterner aus.

Cellulite – umgangssprachlich Orangenhaut genannt – ist keine Krankheit, sondern eine völlig normale Veränderung des Unterhautfettgewebes. Sie betrifft je nach Studie zwischen 80 und 90 Prozent aller Frauen nach der Pubertät. Selbst schlanke, sportliche Frauen können ausgeprägte Cellulite entwickeln, während manche übergewichtigen Frauen kaum sichtbare Dellen haben.

Medizinisch gilt Cellulite deshalb als normale anatomische Variante des weiblichen Körpers.

Was ist Cellulite eigentlich?

Unter der Haut liegen Fettzellen, die von Bindegewebsfasern umgeben werden. Bei Frauen verlaufen diese Fasern überwiegend senkrecht zwischen Haut und Muskulatur. Dadurch können Fettpolster leichter nach oben drücken.

Die Haut wird an einzelnen Stellen nach innen gezogen, während sich Fettgewebe dazwischen nach außen wölbt. Es entsteht das typische Bild kleiner Dellen und Wellen – ähnlich einer Orangenschale.

Männer besitzen dagegen meist ein netzartiges, schräg verlaufendes Bindegewebe. Dadurch wird das Fett besser gehalten und Cellulite tritt wesentlich seltener auf.

Wo entsteht Cellulite?

Am häufigsten betroffen sind:

  • Oberschenkel
  • Gesäß
  • Hüften
  • Unterbauch
  • gelegentlich Oberarme

Dermatologen unterscheiden meist drei Schweregrade.

GradErscheinungsbild
Grad 1nur beim Zusammendrücken sichtbar
Grad 2im Stehen sichtbar
Grad 3auch im Liegen deutlich ausgeprägt

Ist Cellulite eine Krankheit?

Auch wenn Orangenhaut von manchen als kosmetischer Makel gewertet wird, so ist Cellulite keine Krankheit. Sie verursacht normalerweise

  • keine Schmerzen
  • keine Entzündungen
  • keine Durchblutungsstörungen
  • keine Organschäden

Sie ist ausschließlich ein kosmetisches Problem.

Davon zu unterscheiden ist allerdings die Cellulitis. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Entzündung der Haut, die ärztlich behandelt werden muss. Beide Begriffe werden häufig verwechselt, haben aber nichts miteinander zu tun.

Unter der Haut liegen von Bindegewebsfasern umgebene Fettzellen. Die Haut wird an einzelnen Stellen nach innen gezogen, während sich Fettgewebe dazwischen nach außen wölbt. So entstehen kleine Dellen und Wellen – das typische Cellulite-Erscheinungsbild. Grafik: Kurtz – KI-generiert
Wenn sich die Fettzellen unter der Hautoberfläche vergrößern, drücken sie nach oben. Das passiert aber nicht nur bei Übergewicht. Auch schlanke oder sportliche Frauen haben zumeist aus genetischen Gründen Probleme mit der Orangenhaut. Grafik: Kurtz – KI-generiert

Warum bekommen Frauen Cellulite?

Es gibt zwar auch wenige Männer, die Cellulite bekommen können, aber hauptsächlich ist das Problem mit der Orangenhaut den Frauen vorbehalten. Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen.

1. Genetik

Der wichtigste Faktor ist die Veranlagung. Vererbt werden unter anderem:

  • Dicke der Haut
  • Stabilität des Bindegewebes
  • Fettverteilung
  • Elastizität der Kollagenfasern

Hat die Mutter ausgeprägte Cellulite, steigt auch das eigene Risiko deutlich.

2. Weibliche Hormone

Vor allem Östrogene beeinflussen

  • Fettverteilung
  • Wassereinlagerungen
  • Elastizität des Bindegewebes

Deshalb beginnt Cellulite meist erst nach der Pubertät.

3. Alter

Mit zunehmendem Alter

  • nimmt Kollagen ab,
  • wird die Haut dünner,
  • verliert das Bindegewebe an Festigkeit.

Dadurch werden Dellen sichtbarer.

4. Körperfett

Mehr Fettgewebe verstärkt Cellulite häufig. Aber: Auch sehr schlanke Frauen können starke Cellulite entwickeln.

5. Lebensstil

Er kann Cellulite zwar nicht verursachen, aber beeinflussen. Ungünstig wirken:

  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • starke Gewichtsschwankungen
  • Muskelabbau
  • wenig Schlaf
  • unausgewogene Ernährung

Welche Rolle spielt Übergewicht?

Übergewicht ist nicht die Ursache für Cellulite. Es kann Cellulite jedoch verstärken, weil größere Fettzellen stärker gegen die Haut drücken.

Schon eine moderate Gewichtsabnahme verbessert häufig das Hautbild – vollständig verschwinden die Dellen aber meist nicht.

Eine spezielle Anti-Cellulite-Diät existiert nicht. Trotzdem sinnvoll sind:

  • viel Gemüse
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • ausreichend Eiweiß
  • hochwertige Pflanzenöle
  • wenig Zucker
  • wenig stark verarbeitete Lebensmittel

Diese Ernährung unterstützt Haut, Gefäße und Bindegewebe insgesamt.

Wie hilfreich sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel zur Prävention oder Behandlung von Cellulite werden immer wieder in verschiedenen Inhaltskombinationen angeboten. Die meisten Nahrungsergänzungsmittel enthalten:

  • Kollagen
  • Silizium
  • Algenpräparate
  • Vitaminmischungen

Aber: Für eine deutliche Verbesserung der Cellulite existiert bislang keine überzeugende wissenschaftliche Evidenz.

Hilft viel trinken oder Sport?

Ein verbreiteter Mythos: Wer viel trinkt, beugt Cellulite vor. Ausreichendes Trinken verbessert zwar die Hautfeuchtigkeit und den allgemeinen Gesundheitszustand. Eine wissenschaftlich nachgewiesene Beseitigung von Cellulite gibt es dadurch jedoch nicht.

Auch viel Sport beseitigt Cellulite nicht. Er verbessert jedoch:

  • Muskelmasse
  • Körperfettanteil
  • Hautspannung
  • Körperform

Besonders geeignet sind:

  • Krafttraining
  • Kniebeugen
  • Ausfallschritte
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • Walking

Mehr Muskulatur unter der Haut lässt Dellen häufig weniger auffällig erscheinen.

Wer etwas gegen Cellulite tun will, muss wissen: Wunder sollte man nicht erwarten. Ein gesunder Lebensstil kann aber schon einen Teil dazu beitragen. Dermatologische Verfahren sind oft wirksam, aber teuer. Grafik: Kurtz – KI-generiert

Was bringen Cremes?

Die meisten Anti-Cellulite-Cremes enthalten:

  • Koffein
  • Retinol
  • Pflanzenextrakte
  • Hyaluronsäure

Studien zeigen: Sie können die Haut kurzfristig etwas glatter erscheinen lassen. Eine dauerhafte Veränderung des Bindegewebes gelingt damit jedoch nicht.

Was bewirken Massagen, Schröpfen oder Faszienrollen?

Massagen und Lymphdrainage

  • fördern die Durchblutung,
  • reduzieren Wassereinlagerungen,
  • verbessern kurzfristig das Hautbild.

Ein dauerhafter Effekt konnte wissenschaftlich bislang nicht überzeugend gezeigt werden.

Auch beim Schröpfen und bei Übungen mit Faszienrollen berichten viele Anwenderinnen über Verbesserungen. Studien zeigen jedoch überwiegend: Die Wirkung hält meist nur wenige Tage oder Wochen an.

Moderne medizinische Verfahren kontra Cellulite

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Verfahren entwickelt.

Stoßwellentherapie: Mittlerweile existieren mehrere Studien mit moderaten Verbesserungen. Die Effekte halten meist einige Monate an.

Radiofrequenz: Erwärmt das Gewebe. Dadurch wird die Kollagenbildung angeregt. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus.

Laserbehandlung: Bestimmte Laserverfahren können Bindegewebsstränge gezielt durchtrennen. Einige hochwertige Studien zeigen Verbesserungen über mehrere Monate bis Jahre. Allerdings sind die Behandlungen teuer.

Subzision: Hier werden die straffen Bindegewebsfasern mit feinen Instrumenten gelöst. Für ausgewählte Patientinnen gehört dieses Verfahren derzeit zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Behandlungen mit länger anhaltenden Effekten.

Kollagenase-Injektionen: Vor einigen Jahren sorgte ein injizierbares Enzym zur Behandlung von Cellulite für Aufmerksamkeit. Trotz nachgewiesener Wirksamkeit wurde das Präparat vom Hersteller aus wirtschaftlichen Gründen wieder vom Markt genommen – nicht wegen neuer Sicherheitsbedenken.

Fettabsaugung: Sie eignet sich nicht zur Behandlung von Cellulite. Im Gegenteil: Je nach Technik kann sie Dellen sogar verstärken.

Die psychischen Folgen

Cellulite ist medizinisch harmlos. Psychisch kann sie dennoch erheblich belasten. Studien zeigen:

Viele Frauen

  • vermeiden Schwimmbad oder Strand,
  • tragen ungern kurze Kleidung,
  • empfinden Scham,
  • leiden unter geringerem Selbstwertgefühl.

Soziale Medien mit stark bearbeiteten Bildern verstärken diesen Druck zusätzlich.

Dermatologen weisen deshalb zunehmend darauf hin, dass Cellulite in erster Linie eine normale körperliche Eigenschaft ist – kein Schönheitsfehler und erst recht kein Zeichen mangelnder Fitness oder schlechter Gesundheit.

Wer sein Cellulite-Hautbild verbessern möchte, erreicht mit einem gesunden Lebensstil und ausgewählten dermatologischen Verfahren die realistischsten Ergebnisse. Wichtig dabei ist: Cellulite ist normal. Ein glatter Körper ohne jede Delle ist eher die Ausnahme als die Regel. Grafik: Kurtz – KI-generiert

Was hilft wirklich?

Wissenschaftlich sinnvollKaum oder gar nicht belegt
✔ Krafttraining✘ Wundercremes
✔ normales Körpergewicht✘ Detox-Kuren
✔ Rauchstopp✘ Entwässerungstees
✔ ausgewogene Ernährung✘ Kollagen-Drinks als alleinige Maßnahme
✔ realistische Erwartungen✘ „Fettverbrennende“ Pflaster
✔ moderne dermatologische Verfahren
bei starkem Leidensdruck
 

Cellulite gehört zu den häufigsten körperlichen Veränderungen bei Frauen und ist weder eine Krankheit noch ein Zeichen mangelnder Fitness. Ursache sind vor allem die besondere Struktur des weiblichen Bindegewebes, genetische Veranlagung und hormonelle Einflüsse. Weder Diäten noch Cremes können die Dellen dauerhaft verschwinden lassen.

Wer sein Hautbild verbessern möchte, erreicht mit Krafttraining, einem gesunden Lebensstil und – bei entsprechendem Leidensdruck – ausgewählten dermatologischen Verfahren die realistischsten Ergebnisse. Das wichtigste Fazit der Wissenschaft lautet jedoch: Cellulite ist normal. Ein glatter Körper ohne jede Delle ist eher die Ausnahme als die Regel.     tok