Müssen sich Frauen wirklich jedes Jahr für eine Bikinifigur quälen? Ist der perfekte Strandkörper nur eine Illusion? Und gibt es überhaupt das einzig wahre Schönheitsideal? Foto: Svitlana/stock.adobe.com

Bikinifigur in letzter Minute? Was jetzt wirklich hilft und ob es nicht auch ohne geht

Passt der Badeanzug vom vergangenen Jahr noch? Und wie gut sehe ich eigentlich in dem neuen Bikini aus? Während in den Sozialen Medien Influencerinnen das ganze Jahr über scheinbar makellose Körper in knappen Bikinis präsentieren, machen sich spätestens jetzt viele Frauen auf die Suche nach der berühmten Bikinifigur. Doch was steckt hinter diesem Begriff? Gibt es überhaupt die eine Bikinifigur? Kann man wenige Wochen vor dem Urlaub noch etwas tun, um sich im eigenen Körper wohler zu fühlen? Und muss das eigentlich immer so sein?

Die Antworten liefern Medizin, Psychologie und Kulturwissenschaften – und sie fallen deutlich differenzierter aus als viele Werbeversprechen.

Was ist überhaupt eine Bikinifigur?

Rein biologisch betrachtet ist die Sache einfach: Jeder Körper, der einen Bikini trägt, ist eine Bikinifigur. Der Begriff selbst entstand jedoch nicht in der Medizin, sondern in Werbung und Popkultur. Besonders in den 1950er- und 1960er-Jahren etablierte sich die Vorstellung, dass Frauen für die Badesaison einen möglichst schlanken, straffen und jugendlich wirkenden Körper besitzen sollten.

Der Bikini wurde 1946 vom französischen Ingenieur Louis Réard vorgestellt. Schon wenige Jahre später begannen Modemagazine und Werbekampagnen, bestimmte Körperformen als besonders „bikinitauglich“ darzustellen. Aus dieser Verbindung von Bademode und Schönheitsideal entwickelte sich der Begriff Bikinifigu“.

Die perfekte Bikinifigur – gibt es die überhaupt?

Nein, die perfekte Bikinifigur gibt es nicht. Historiker und Soziologen weisen darauf hin, dass sich Schönheitsideale ständig verändern.

Was in den 50er- und 60er-Jahren, als der Bikini die Strände und Pool-Bereiche eroberte, als schön und perfekt galt, trifft heute nicht mehr den breiten Geschmack. In den 1950er-Jahren galt zum Beispiel die kurvenreiche Figur von Marilyn Monroe als Ideal. In den 1990er-Jahren dominierte das extrem schlanke „Heroin Chic“-Bild von Models wie Kate Moss. Heute existieren gleichzeitig mehrere Körperideale:

  • sportlich-athletisch
  • schlank und definiert
  • kurvig („Curvy“)
  • fit und muskulös
  • natürlich und unverändert („Body Positivity“)

Damit ist die Vorstellung einer einzigen Bikinifigur eigentlich überholt. Zumal diverse Untersuchungen ergeben haben, dass etliche Männer nicht wirklich sonderlich viel Begeisterung für dieses Thema aufbringen. Da wird nicht jedes noch so kleine Pölsterchen, jede versteckte Falte bemerkt oder gar bewertet. Diese neue Gelassenheit passt allerdings nicht ins große Geschäftsmodell Bikinifigur.

Kultur bestimmgt Schönheit

Auch weltweit unterscheiden sich die Schönheitsideale erheblich. Die folgende Liste stellt nur eine grobe, verallgemeinerte Übersicht dar, in der einzelne nationale, regionale Vorlieben und Vorstellungen von Schönheit nicht explizit aufgeführt sind. Abgesehen davon, dass wohl jeder Mensch zumindest im Detail unterschiedliche Ideen von einem schönen Körper hat, können gesellschaftliche, kulturelle Erfahrungen und Vorschriften sowie kommerzielle Zwänge, die Schönheitsbilder übers klassische Marketing und Soziale Medien als „Standard“ zementieren, welche Körper als attraktiv gelten. Religiöse und gesellschaftliche Normen beeinflussen zusätzlich noch, welche Körper oder wieviel davon gezeigt werden dürfen.

RegionHäufig bevorzugtes Schönheitsideal
WesteuropaSchlank, sportlich, definiert
USAMischung aus Fitness- und Curvy-Ideal
LateinamerikaAusgeprägte Kurven
Teile AfrikasKräftigere Körperformen oft positiv bewertet
OstasienSchlankheit besonders hoch bewertet

Noch schnell zur Wunschfigur: Was ist realistisch?

Viele Menschen fragen sich im Mai oder spätestens im Juni: „Kann ich in vier bis sechs Wochen noch sichtbar abnehmen?“ Die Antwort lautet: Ja – aber mit Grenzen. Medizinisch gilt ein Gewichtsverlust von etwa 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche als gesund und nachhaltig.´In sechs Wochen sind daher etwa drei bis sechs Kilogramm realistisch.

Wer mit radikaleren Methoden deutlich mehr Gewicht verliert, verliert häufig nicht nur Fett, sondern auch Wasser und Muskelmasse.

Was hilft wirklich?

Mehr Bewegung

      Sport gehört zu den effektivsten Maßnahmen. Besonders geeignet sind:

      Ausdauertraining

      • schnelles Gehen
      • Joggen
      • Schwimmen
      • Radfahren

      Vorteil: Der Kalorienverbrauch steigt und die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbessert sich.

      Krafttraining

      Viele unterschätzen dessen Bedeutung. Muskeln verbrauchen selbst in Ruhe Energie. Zudem sorgen sie für die gewünschte Körperstraffung. Empfehlung: Zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche.

      Ernährung umstellen

      Fast alle Experten sind sich einig, dass Gewichtsverlust hauptsächlich in der Küche entsteht. Hilfreich sind:

      • viel Gemüse
      • eiweißreiche Lebensmittel
      • Vollkornprodukte
      • ausreichend Wasser
      • wenig stark verarbeitete Produkte

      Eiweiß besitzt einen besonderen Vorteil: Es sättigt länger und schützt die Muskulatur während einer Gewichtsabnahme.

      Ausreichend schlafen

      Schlafmangel beeinflusst die Hungerhormone Ghrelin und Leptin. Studien zeigen: Wer dauerhaft zu wenig schläft, hat häufiger Heißhunger und nimmt leichter zu. Empfohlen werden sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht.

      Die Wahrheit über Crash-Diäten

      Kaum ein Frühsommer vergeht ohne neue Wunderdiäten. Ananas-Diät, Kohlsuppendiät, Saftkuren oder extrem kalorienarme Programme versprechen schnelle Erfolge. Kurzfristig funktionieren sie tatsächlich oft. Der Grund: Der Körper verliert Wasser und entleert seine Kohlenhydratspeicher.

      Das Problem dabei:

      • Muskelabbau
      • Heißhunger
      • Leistungseinbruch
      • Nährstoffmangel
      • Jo-Jo-Effekt

      Viele Menschen wiegen wenige Monate nach der anfangs so gut funktionierenden Crash-Diät sogar mehr Gewicht als vor der Spezialkur. Mediziner bewerten Crash-Diäten deshalb überwiegend kritisch.

      Was bringt Bauchfett-Training?

      Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: „Wenn ich viele Sit-ups mache, verschwindet das Bauchfett.“ Leider funktioniert der Körper nicht nach diesem simplen Schema. Fettabbau erfolgt grundsätzlich am gesamten Körper. Gezielte Übungen stärken zwar die Muskulatur, verbrennen jedoch nicht direkt das Fett darüber.

      Tipps von Abnehmcoach Bahmann für die Bikini-Figur

      „Eine gute Möglichkeit, um abzunehmen, ist es, mehr Aktivität in den Alltag zu integrieren“, erklärt Fitness- und Ernährungsexperte Jan Bahmann. „Dafür muss man nicht stundenlang Sport treiben. Das ist auf dem Weg zur Arbeit, in der eigenen Wohnung oder in der Freizeit bereits mit kleinen Änderungen möglich.“Der Abnehmcoach achtet neben der bloßen Gewichtsreduktion, vor allem auf den Aufbau eines neuen Bewusstseins für einen gesunden Lebensstil – ohne große Einschränkungen oder Verzicht. Weitere Informationen unter: https://janbahmann.de/

      Tipp 1: Eine eiweißreiche Ernährung

      Eine erhöhte Eiweißzufuhr unterstützt den Körper nicht nur beim Muskelaufbau, bei ausreichend Protein in jeder Mahlzeit wird auch das Sättigungsgefühl rascher erreicht, sodass man weniger zu sich nehmen muss, um satt zu werden. Zudem hält eine eiweißreiche Mahlzeit länger gesättigt zu bleiben. „Durch das Eiweiß wird eine Aufwärtsspirale in Gang gesetzt: Denn Muskeln verbrauchen mehr Energie als Körperfett. Wer also durch Eiweiß und Bewegung mehr Muskeln aufbaut, wird beinahe automatisch schlanker“, erklärt Jan Bahmann.

      Tipp 2: Die tägliche Schrittzahl erhöhen

      Eine weitere einfache und angenehme Methode auf dem Weg zur Traumfigur ist die Erhöhung der Schrittzahl im Alltag. Das ist für jeden umsetzbar, denn dafür reicht es aus, mal das Auto stehenzulassen, in den Pausen während der Arbeitszeit ein paar Schritte zu gehen oder mehrere kleine Spaziergänge in den Tag einzubauen. So kommen rasch fünf- bis zehntausend Schritte am Tag zusammen, die auch 100 bis 200 Kalorien verbrennen – ohne große Anstrengung.

      Tipp 3: Hip Thrusts für einen straffen Po

      Da es beim Thema Traumfigur nicht nur darum geht, an Gewicht zu verlieren, sondern auch Körperpartien zu straffen, wird hier eine Po-Übung vorgestellt, die dabei helfen kann, den Po zu formen. Die Hüftstoß-Übung, auch Hip Thrust genannt, kann jeder auf einer Sofa- oder Stuhlkante ausführen. Hierbei werden die Schultern auf eine Kante abgelegt und die Beine hüftbreit aufgestellt. Anschließend wird der Po mit einem geraden Rücken vom Boden in die Höhe gestreckt – ohne den Rücken am höchsten Punkt zu überstrecken.

      Diese Übung stärkt die untere Rückenmuskulatur, den Po und die Oberschenkel und kann zwei- bis dreimal pro Woche mit drei Sätzen zu je 12 Wiederholungen durchgeführt werden. Um die Übung schwerer zu gestalten, kann sie auch einbeinig ausgeführt werden, oder der Muskel wird mithilfe von Büchern oder Ähnlichem stärker belastet.

      Tipp 4: Flüssige Kalorien weglassen

      Beim Trinken von Säften oder Limonaden nehmen wir über den Tag verteilt ungewollt mehr Kalorien zu uns, als notwendig ist. Denn Wasser oder Tees löschen ebenso den Durst, haben aber keine Kalorien. Wenn es doch mal etwa Süßes sein muss, helfen Light-Getränke aus, die völlig ohne oder mit nur sehr wenigen Kalorien auskommen.

      Tipp 5: Zwischenmahlzeiten vermeiden

      Zwei oder drei wirklich sättigende Mahlzeiten am Tag sind nach dem Ernährungsexperten Bahmann besser als viele kleine Mahlzeiten. Denn so bleibt der Blutzuckerspiegel stabil und das Hungergefühl wird weniger – außerdem werden auf diese Weise meist weniger Kalorien aufgenommen.

      Tipp 6: Eine aufrechte Haltung macht schlanker

      Eine aufrechte Haltung streckt nicht nur automatisch die Figur, fordert Muskelspannung und trainiert somit Muskeln, die wichtig sind für eine gute Bikini-Figur. Wer sich allerdings hängen lässt, sieht automatisch fülliger aus. Daher heißt es Schultern zurück und Brust raus, denn bereits die Haltung verändert die Figur zum Positiven.    pm

      Was hilft kurzfristig vor dem Sommerurlaub?

      SinnvollWenig sinnvoll
      Mehr BewegungHungerkuren
      KrafttrainingEntwässerungstabletten
      Eiweißreiche ErnährungMonodiäten
      Ausreichend SchlafExtreme Fastenkuren
      Weniger Alkohol„Detox“-Programme
      Realistische ZieleWunderpillen

      Wer will die Bikinifigur eigentlich mehr?

      Wer braucht eigentlich eine Bikinifigur? Wer will, dass es so etwas gibt? Eine spannende Frage, die Psychologen seit Jahren beschäftigt. Studien zeigen: Frauen beurteilen ihren Körper oft deutlich kritischer als Männer ihn beurteilen. Und viele Frauen überschätzen zudem, wie wichtig Männern bestimmte Schönheitsmerkmale tatsächlich sind.

      Während Frauen häufig auf:

      • Bauchumfang
      • Oberschenkel
      • Cellulite
      • Hüftumfang

      achten, bewerten Männer bei der Partnerwahl oft andere Eigenschaften stärker, etwa:

      • Ausstrahlung
      • Sympathie
      • Humor
      • Selbstbewusstsein

      Das bedeutet nicht, dass Äußerlichkeiten unwichtig wären. Die Forschung zeigt jedoch, dass Frauen häufig einem strengeren inneren Bewertungsmaßstab folgen als ihrem tatsächlichen sozialen Umfeld.

      „Dein Körper ist kein Schmuckstück, sondern das Fahrzeug für deine Träume.
      Taryn Brumfitt, Gründerin der Body-Image-Bewegung „Body Image Movement“

      Der psychische Druck wächst

      Besonders soziale Medien haben den Druck verstärkt. Auf Instagram, TikTok oder Facebook werden oft:

      • bearbeitete Bilder
      • perfekte Lichtverhältnisse
      • Filter
      • gezielte Posen

      eingesetzt. Mit der Realität hat das nicht immer viel zu tun. So wie Werbefotos kunstvoll geschönt und auf eine dekorative, massenkompatible Ästhetik getrimmt sind, so handelt es sich bei den Fotos in den Sozialen Medien selten um authentische, ungefälscht reale Abbildungen. Da helfen versteckte Sicherheitsnadeln diverse Passform-Pannen zu überspielen, da wird der Müll neben der Palme, unter der man besonders dekorativ am Strand liegen kann, ausgeblendet und die teure Chamganerflasche im Vordergrund ist schon lange leer getrunken, muss aber noch das ganze Jahr über für jedes Setting das kapriziöse Luxus-Feeling ankurbeln.   

      Diesen Bildern kann man sich nur schwer entziehen, auch wenn der Wirkmechanismus inzwischen weit bekannt sein dürfte. Das Gehirn vergleicht den eigenen Körper trotzdem mit diesen Bildern. Psychologen sprechen vom sogenannten sozialen Vergleich. Die möglichen Folgen:

      Positive Effekte

      • Motivation zu mehr Bewegung
      • gesündere Ernährung
      • stärkere Gesundheitsorientierung

      Negative Effekte

      • geringes Selbstwertgefühl
      • Körperunzufriedenheit
      • Essstörungen
      • Depressionen
      • Angststörungen

      Vor allem junge Frauen berichten zunehmend von Unzufriedenheit mit ihrem Aussehen.

      Warum Selbstbewusstsein attraktiver wirken kann als Perfektion

      Mehrere psychologische Studien kommen zu einem interessanten Ergebnis: Menschen mit einem positiven Körperbild werden häufig als attraktiver wahrgenommen – unabhängig von ihrem tatsächlichen Gewicht. Selbstsicherheit verändert:

      • Körperhaltung
      • Mimik
      • Ausstrahlung
      • soziale Wirkung

      Das erklärt, warum zwei Personen mit ähnlicher Figur völlig unterschiedlich wahrgenommen werden können.

      Wie man sich von der Bikinifigur-Idee befreien kann

      Experten empfehlen mehrere Strategien für den Abschied von den Zwängen, mit einer Bikinifigur in den Urlaub fahren müssen.

      Den Fokus verändern: Nicht fragen: „Wie sehe ich aus?“ Sondern: „Was kann mein Körper leisten?“

      Social-Media-Diät: Weniger Zeit mit unrealistischen Körperbildern verbringen.

      Realistische Ziele setzen: Drei Kilogramm weniger und bessere Fitness sind oft sinnvoller als ein unerreichbares Ideal.

      Körperneutralität statt Perfektion: Nicht jeder muss seinen Körper lieben. Es reicht oft schon, ihn zu akzeptieren.

      Braucht man überhaupt eine Bikinifigur? Aus medizinischer Sicht lautet die Antwort eindeutig: Nein. Was wirklich zählt, sind Gesundheitsfaktoren wie:

      • Blutdruck
      • Fitness
      • Muskelmasse
      • Stoffwechselgesundheit
      • psychisches Wohlbefinden

      Ein gesunder Körper kann viele Formen haben. Und vielleicht besteht die modernste Definition einer Bikinifigur genau darin: Eine Bikinifigur ist der Körper, mit dem man sich traut, im Bikini an den Strand zu gehen. Und heutzutage darf man sich getrost etwas mehr trauen.    tok