Pneumokokken können schwere Lungenentzündungen auslösen. Experten am Lesertelefon von Vital-Regikon.de haben erklärt, wer besonders gefährdet ist und warum die Pneumokokken-Impfung ab 60 Jahren so wichtig ist. Foto: Kurtz – KI-generiert

Lesertelefon: „Pneumokokken sind ein Hauptauslöser für eine Lungenentzündung“ – Impfung schützt

Mit dem Herbst beginnt die Saison für Atemwegserkrankungen. Neben Erkältungs- und Grippeviren stellen dabei Bakterien, zum Beispiel Pneumokokken, als Krankheitserreger ein Risiko dar. Eine Infektion mit Pneumokokken gilt als eine der Hauptursachen für Lungenentzündungen – und kann bei schwerem Verlauf lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben. Wegen der altersbedingten Schwächung des Immunsystems gelten Menschen ab dem 60. Lebensjahr als besonders gefährdet.

Mediziner informierten am Lesertelefon von Vital-Region.de über Pneumokokken-Infektionen und wie man sich davor schützen kann. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Warum ist eine Infektion mit Pneumokokken gefährlich?

Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner: Sie kann gefährlich werden, wenn sich die Bakterien – die übrigens bei vielen Menschen unbemerkt den Nasen-Rachenraum besiedeln – im Körper weiter ausbreiten. Das kann in leichteren Fällen zu Entzündungen des Mittelohrs oder der Nasennebenhöhlen führen. Häufig sind jedoch die unteren Atemwege betroffen, und es kommt zu einer Lungenentzündung. Dringen die Bakterien weiter vor, können eine Hirnhautentzündung oder gar eine Sepsis die Folge sein. Neben diesen unmittelbaren Folgen stehen mittel- und langfristige Folgen, zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für wiederkehrende Infektionen, Herz-Kreislauferkrankungen und sogar Demenz.

Welche Folgen hat eine Lungenentzündung bei Menschen ab 60 Jahren?

Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner: Ältere Menschen erholen sich von einer Lungenentzündung nur langsam und oft nicht mehr vollständig. Daten aus der Forschung zeigen, dass die körperliche und geistige Funktionalität auf Dauer um bis zu 20 Prozent abnimmt. Das bedeutet konkrete Einschränkungen in der Eigenständigkeit und Alltagsbewältigung. Hinzu kommt: Die Sterblichkeit infolge einer Lungenentzündung ist bei Menschen über 65 Jahren am höchsten.

Welche Symptome sind typisch für eine Pneumokokken-Infektion? Wie sieht die Behandlung aus?

Dr. med. Bettina Schraut: Die Symptome hängen davon ab, wo sich die Bakterien im Körper ausbreiten. Sind Nasennebenhöhlen oder Mittelohr betroffen, treten die dafür typischen Druckbeschwerden und Schmerzen auf. Eine Lungenentzündung äußert sich oft mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Husten und Atemnot. Eine Hirnhautentzündung verursacht ebenfalls hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Übelkeit. Auch eine Sepsis zeigt sich durch hohes Fieber, Schüttelfrost, Herzrasen, schnelle Atmung, einen starken Blutdruckabfall und einen stark verschlechterten Allgemeinzustand. In allen Fällen ist eine möglichst schnelle Behandlung entscheidend. Allerdings wirken Antibiotika bei immer mehr Menschen nicht wie erhofft, weshalb eine Impfung umso wichtiger ist.

Wie ist der Ansteckungsweg?

Dr. med. Matthias Künster: Pneumokokken werden vor allem über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Viele Menschen – vor allem Kinder – tragen die Bakterien im Nasen-Rachen-Raum, ohne selbst krank zu sein. Eine vorausgehende Virusinfektion, etwa eine Grippe, kann die Schleimhäute und die lokale Abwehr schwächen. Pneumokokken können sich dann leichter ausbreiten und beispielsweise eine bakterielle Lungenentzündung als Sekundärinfektion verursachen.

Grafik: Kurtz – KI-generiert

Kommt eine Pneumokokken-Infektion ausschließlich zusammen mit einer Virusinfektion vor?

Dr. med. Bettina Schraut: Eine Pneumokokken-Infektion kann auch isoliert auftreten. Wesentlich häufiger ist jedoch der Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Grippe oder COVID19, die das Immunsystem stark beanspruchen. Ein geschwächtes Immunsystem kann aber auch die Folge einer chronischen Erkrankung wie Asthma, Diabetes oder Herzinsuffizienz sein. Zudem senken bestimmte Medikamente die Immunabwehr, zum Beispiel nach einer Transplantation. Auch in diesen Fällen ist das Risiko für eine Pneumokokken-Infektion erhöht.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Pneumokokken-Impfung?

Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner: Wegen der altersbedingt nachlassenden Immunkompetenz ist die Impfung grundsätzlich ab dem 60. Lebensjahr wichtig, unabhängig von der Jahreszeit. Da aber ab Herbst Atemwegserkrankungen zunehmen und das Risiko für die beschriebenen Folgen einer Pneumokokken-Infektion steigt, sollte man sich spätestens jetzt impfen lassen. Idealerweise kombiniert man dabei den Grippe- und den Pneumokokkenschutz.

Ich bin Anfang 60, treibe regelmäßig Sport und lebe gesund – soll ich mich trotzdem impfen lassen?

Dr. med. Matthias Künster: Ja. Auch wer sich fit fühlt und gesund lebt, sollte die Pneumokokken-Impfung ab 60 Jahren in Betracht ziehen. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem schrittweise – häufig ohne dass wir davon etwas bemerken. Dadurch steigt auch bei gesunden und aktiven Menschen das Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen. Deshalb empfiehlt die STIKO allen Menschen ab 60 Jahren eine einmalige Pneumokokken-Impfung.

Gibt es weitere Risikogruppen, denen eine Impfung empfohlen wird?

Dr. med. Bettina Schraut: Neben allen Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr sollten sich gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission Menschen mit relevanten chronischen Erkrankungen impfen lassen. Dazu zählen – unabhängig vom Lebensalter – Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Atmungsorgane, Stoffwechselkrankheiten und neurologische Erkrankungen. Hinzu kommen Menschen mit angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigungen des Immunsystems. Eine weitere Gruppe umfasst Menschen, die beruflich mit dem Trennen und Schweißen von Metallen zu tun haben.

Wer führt die Impfung durch?

Dr. med. Matthias Künster: Ein guter Ansprechpartner ist die Hausarztpraxis. Dort kann gleichzeitig der gesamte Impfstatus überprüft und geklärt werden, welche weiteren Impfungen sinnvoll oder fällig sind. Neuerdings dürfen auch entsprechend qualifizierte und ausgestattete Apotheken Impfungen mit Nicht-Lebendimpfstoffen anbieten und können so bald zur zusätzlichen Anlaufstelle für die Pneumokokken-Impfung werden.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner: Wird der aktuell von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfstoff verwendet, besteht nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse keine Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung. Lediglich Menschen, die in der Vergangenheit mit einem älteren Impfstoff geimpft wurden, sollten sich in der Regel nach sechs Jahren mit dem aktuellen Impfstoff noch einmal impfen lassen. Im Zweifel wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin und legen Ihren Impfausweis vor.

Kann es zu Impfreaktionen oder Nebenwirkungen kommen?

Dr. med. Bettina Schraut: Die Impfung wird allgemein gut vertragen. Wie bei allen Injektionen kann es zu Rötungen oder lokalen Schmerzen an der Einstichstelle kommen. Ansonsten können sich allgemeine Symptome wie Mattigkeit, selten auch Kopfschmerzen zeigen. Diese abgeschwächten Symptome einer Infektion zeigen, dass das Immunsystem auf die Impfung wie beabsichtigt reagiert.

Muss ich die Kosten für die Impfung selbst tragen?

Dr. med. Matthias Künster: Für gesetzlich Versicherte werden die Kosten übernommen, wenn die Voraussetzungen der Schutzimpfungs-Richtlinie erfüllt sind. Dazu gehören insbesondere Menschen ab 60 Jahren sowie jüngere Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder anderen Risikofaktoren. Wer unsicher ist, ob die Impfung für ihn empfohlen ist und die Kosten übernommen werden, kann dies unkompliziert in der Hausarztpraxis klären.

Ist eine gleichzeitige Impfung gegen Pneumokokken und Grippe möglich und sinnvoll?

Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner: Mittlerweile ist eine solche Koadministration gängige Praxis. Die gleichzeitige Impfung zielt darauf ab, sowohl eine Grippe als auch eine mögliche Sekundärinfektion mit Pneumokokken zu verhindern. Wichtig: Während die Grippeschutzimpfung wegen der sich verändernden Virenstämme jährlich wiederholt werden sollte, genügt für den Pneumokokkenschutz eine einmalige Impfung.    pm

Während viele Menschen in Deutschland immer noch nicht genau wissen, was Pneumokokken sind und wie man sich davor schützen kann, entwickeln sich die Bakterien zu einem immer größeren Gefahr. 2024 war ein Rekordjahr bei den Pneumokokken-Infektionen in Deutschland. Die Grafik zeigt, dass die hohe Schutzwirkung der Impfung bei Kindern zu wenig Infektionen führt, während die geringe Impfquote bei Senioren die Anzahl der Infektionen nach oben schießen lässt. Bildrechte/Grafik: hkk Krankenkasse/hkk

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Die Experten in der Lesertelefon-Aktion waren:

  • Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner; Facharzt für Innere Medizin; Zusatzbezeichnung Geriatrie, Intensiv- und Notfallmedizin; Direktor der Klinik für Geriatrie am Klinikum Bayreuth
  • Dr. med. Bettina Schraut; Fachärztin für Innere Medizin; Zusatzbezeichnung Notärztin, Diabetologin DDG, Psychosomatische Grundversorgung; Aschheim
  • Dr. med. Matthias Künster; Facharzt für Allgemeinmedizin/Notfallmedizin; Ärztlicher Leiter MVZ Hausärzte Großenbaum, Duisburg