KI-Systeme können Unsicherheiten auslösen, etwa durch fehlende Transparenz, hohe Lernanforderungen oder den Eindruck permanenter Bewertung. KI wird eine weitere Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit zur Folge haben, was den digitalen Stress verstärken wird. Foto: Alejandro/stock.adobe.com

Künstliche Intelligenz: So reduzieren Sie den Druck bei mentaler Belastung durch KI-Überforderung

Künstliche Intelligenz und digitale Technologien verändern unser Leben rasant. Sie versprechen Effizienz, Unterstützung und neue Freiräume. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen das Gefühl einer Überforderung. Diese Entwicklung wird zunehmend als digitale Überlastung oder digitaler Stress beschrieben. Sie hat Folgen für die mentale Gesundheit.

Digitale Überforderung kann dann entstehen, wenn digitale Medien und Technologien den Alltag dominieren, und das Gefühl von Kontrolle verloren geht. „Ursachen sind unter anderem eine permanente Informationsflut, häufige Unterbrechungen, technischer Anpassungsdruck sowie die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Freizeit“, erklärt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der BARMER. Digitale Systeme, einschließlich KI-gestützter Anwendungen, können diesen Druck verstärken, wenn sie ohne klare Regeln, ausreichende Schulung oder realistische Erwartungen eingeführt werden.

Wie äußert sich digitale Überlastung?

Digitale Überforderung zeigt sich sowohl psychisch als auch körperlich. „Typische Symptome sind unter anderem Konzentrationsprobleme, emotionale. Erschöpfung, innere Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen. Auch Kopfschmerzen, Verspannungen und ein allgemeines Gefühl der Überforderung treten häufig auf“, so Jakob-Pannier. Studien zeigen zudem, dass besonders Beschäftigte, die auch in ihrer Freizeit dienstlich erreichbar sind, deutlich häufiger über Stress und Erschöpfung klagen.

In der Arbeits- und Gesundheitspsychologie wird digitaler Stress als Belastung beschrieben, die entsteht, wenn technische Anforderungen die individuellen Bewältigungsressourcen übersteigen. Insbesondere KI-Systeme können Unsicherheiten auslösen, etwa durch fehlende Transparenz, hohe Lernanforderungen oder den Eindruck permanenter Bewertung. KI wird eine weitere Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit zur Folge haben. Dies kann das Stresserleben zusätzlich verstärken.

Warum KI den Druck erhöhen kann

KI-basierte Anwendungen haben grundsätzlich das Potenzial, Arbeit zu erleichtern. Studien zeigen jedoch, dass dieser Effekt stark davon abhängt, wie die Technologien eingeführt werden. Ohne ausreichende Einarbeitung oder klare Zuständigkeiten fühlen sich viele Beschäftigte überfordert. 

Die BARMER-Psychologin sagt dazu: „Digitaler Stress, auch Technostress genannt, nimmt besonders in Phasen der Einführung neuer Technologien zu, bevor sich Routinen entwickeln.“ Gleichzeitig belegen wissenschaftliche Untersuchungen, dass wahrgenommener Kontrollverlust, permanente Erreichbarkeit, mangelnde Kompetenz und ständige Anpassung an neue Systeme zentrale Stressfaktoren sind. KI wird dann nicht als Entlastung, sondern als zusätzliche mentale Belastung erlebt.

Was hilft, den digitalen Druck zu reduzieren?

Sowohl individuelle Strategien als auch organisatorische Maßnahmen können digitale Überforderung wirksam verringern. Wichtig ist hierbei, die eigene digitale Balance immer im Blick zu haben.
1. Bewusste digitale Pausen: Regelmäßige Auszeiten von digitalen Medien können sinnvoll sein. „Digital Detox“ bedeutet nicht den kompletten Verzicht, sondern einen bewussten, kontrollierten Umgang mit digitalen Angeboten.
2. Klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit: Feste Ruhezeiten, abgeschaltete Benachrichtigungen und klare Regeln zur Erreichbarkeit helfen, mentale Erholung zu fördern und Dauerstress zu vermeiden.
3. Digitale Kompetenz stärken: Schulungen, verständliche Einführung neuer Tools und verlässlicher technischer Support erhöhen das Gefühl von Sicherheit und Selbstwirksamkeit und können so ein zentraler Schutzfaktor gegen Stress sein.
4. Nutzerfreundliche Gestaltung digitaler Systeme: Einfach bedienbare, transparente und gut abgestimmte digitale Anwendungen reduzieren Frustration und Überforderung deutlich.
5. Digitale Resilienz fördern: Digitale Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit digitalen Anforderungen reflektiert, gesund und selbstbestimmt umzugehen. Dazu gehören Achtsamkeit, Stressbewältigung und ein bewusster Medienumgang. pm