„Bei Kindergartenkindern sind bis zu zehn Infekte pro Jahr kein Grund zur Sorge. Vor allem harmlose Atemwegsinfekte mit Husten und Schnupfen treten in diesem Alter besonders häufig auf“, weiß BARMER-Medizinerin Dr. Utta Petzold. Foto: The Little Hut – KI-generiert/stock.adobe.com

Kitas sind Tauschbörsen für Krankheitserreger – Worauf Eltern achten sollten

Wenn für Kinder der Kita-Alltag beginnt, häufen sich Schnupfen, Husten und Magen-Darm-Infekte. Für viele Familien fühlt es sich an, als sei ständig jemand krank. Tatsächlich gelten Kindertagesstätten nicht ohne Grund als „Tauschbörsen für Krankheitserreger“. Doch diese Phase hat auch eine positive Seite: Das Immunsystem lernt und wird gestärkt.

Mit dem Start in die Kita beginnt für viele Familien eine Zeit voller neuer Eindrücke, doch leider oft auch voller Infekte. Laufende Nasen, Husten oder Magen-Darm-Erkrankungen gehören in den ersten Monaten fast schon zum Alltag. Der Grund liegt auf der Hand. Viele Kinder spielen auf engem Raum zusammen, teilen Spielzeug oder kommen beim Essen und Toben in engen Kontakt. Krankheitserreger werden dabei leicht übertragen.

Aller Anfang ist schwer

Besonders zu Beginn haben Kinder den Erregern noch wenig entgegenzusetzen. Ihr Immunsystem befindet sich im Training und muss erst lernen, Viren und Bakterien zu erkennen und abzuwehren. Deshalb sind häufige Infekte in den ersten Kita-Jahren grundsätzlich normal. „Bei Kindergartenkindern sind bis zu zehn Infekte pro Jahr kein Grund zur Sorge. Vor allem harmlose Atemwegsinfekte mit Husten und Schnupfen treten in diesem Alter besonders häufig auf“, weiß BARMER-Medizinerin Dr. Utta Petzold.

Auch wenn die vielen Erkrankungen Eltern oft an ihre Belastungsgrenzen bringen, steckt darin eine gute Nachricht. „Jeder überstandene Infekt hilft dem Immunsystem dabei, Erfahrungen zu sammeln. Dadurch entwickelt der Körper nach und nach eine bessere Abwehr gegen viele Erreger“, so Petzold. Das erklärt auch, warum ältere Kinder später seltener krank werden als in den ersten Kita-Jahren.

Der richtige Umgang mit kranken Kindern

Trotzdem gilt, nicht jeder Infekt ist harmlos. Fühlt sich ein Kind krank, hat Fieber oder leidet unter einer hochansteckenden Erkrankung wie Masern, Windpocken, Mumps, Keuchhusten, Krätze oder einer Durchfallerkrankung, sollte es zu Hause bleiben und sich vollständig auskurieren. Das schützt nicht nur andere Kinder und das Kita-Personal, sondern gibt dem eigenen Körper die notwendige Zeit zur Erholung. 

„Nach einem komplett fieberfreien Tag sind die meisten Kinder in der Regel wieder fit genug für den Kita-Alltag. Welche Erkrankungen einen Besuch der Einrichtung ausschließen und wann eine Rückkehr möglich ist, regelt das Infektionsschutzgesetz sowie die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts“, so Petzold. Bei einem einfachen Schnupfen ohne Fieber oder deutlich eingeschränkten Allgemeinzustand ist die Situation dagegen weniger eindeutig. Viele Einrichtungen haben hierfür eigene Vorgaben. Eltern sollten sich deshalb frühzeitig mit den Regeln ihrer Kita vertraut machen und diese konsequent einhalten.

Wie Vorbeugung helfen kann

Damit Infekte möglichst glimpflich verlaufen, können Eltern das Immunsystem ihrer Kinder im Alltag unterstützen. Petzold rät: „Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, ausreichend Bewegung sowie regelmäßige Aufenthalte an der frischen Luft fördern die körpereigenen Abwehrkräfte. Tageslicht unterstützt außerdem die Bildung von Vitamin D. Gleichzeitig sollte, besonders in den Sommermonaten, auf einen guten Sonnenschutz geachtet werden.“ Ebenso wichtig ist der Blick auf den Impfschutz. Eltern sollten überprüfen, ob ihr Kind alle empfohlenen Schutzimpfungen erhalten hat und auch der eigene Impfschutz vollständig ist. Impfungen können zwar nicht vor jeder Erkältung schützen, verhindern jedoch viele schwere Infektionskrankheiten, die sich gerade in Gemeinschaftseinrichtungen leicht verbreiten können.

Ansteckung in der Familie vermeiden

Wenn das Kind krank ist, bleibt oft die Sorge, dass sich die ganze Familie ansteckt. Gerade Magen-Darm-Erkrankungen werden häufig innerhalb des Haushalts weitergegeben. Hier helfen einfache Hygienemaßnahmen: gründliches Händewaschen, insbesondere nach dem Naseputzen, dem Toilettengang oder dem Wickeln, sowie bei Bedarf die Händedesinfektion. Auch getrennte Handtücher können das Ansteckungsrisiko verringern.   pm