
Lachen ist keine Frage des Alters. Aber es kann helfen, lästige Erscheinungen des Alterns zu vergessen. Gesund ist das Lachen allemal. Foto: Siphosethu Fanti/peopleimages.com/stock.adobe.com
Ist Lachen wirklich gesund, obwohl es doch ansteckend sein soll?
Ein herzhaftes Lachen kann Räume füllen, Menschen verbinden – und möglicherweise sogar die Gesundheit stärken. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Lachen nur ein spontaner Gefühlsausbruch oder ein biologisches Multitalent mit therapeutischem Potenzial? Die Wissenschaft hat darauf überraschend klare Antworten.
„Lachen ist eine körperliche Übung von großem Wert für die Gesundheit.“
Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.), griechischer Universalgelehrter, Philosoph und Naturforscher
Wie entstehen Lächeln und Lachen?
Lächeln und Lachen sind tief in unserer Biologie verankert. Bereits Säuglinge lächeln reflexartig – ein evolutionäres Signal, das Nähe schafft und Bindung fördert. Entwicklungspsychologen gehen davon aus, dass das soziale Lächeln etwa ab der sechsten Lebenswoche entsteht und ein entscheidender Schritt für zwischenmenschliche Beziehungen ist.
Biologisch betrachtet entsteht Lachen im Zusammenspiel verschiedener Hirnareale. Besonders aktiv sind:
- das limbische System (Emotionen)
- der präfrontale Cortex (Bewertung von Situationen)
- das motorische Zentrum (Steuerung der Muskeln)
Psychologisch ist Lachen häufig eine Reaktion auf Inkongruenz, also auf überraschende, widersprüchliche oder unerwartete Situationen. Genau deshalb funktionieren Witze.

Welche Muskeln und Prozesse sind beteiligt?
Ein echtes Lachen ist Hochleistungssport für den Körper. Bis zu 17 Gesichtsmuskeln sind beim Lächeln aktiv, beim intensiven Lachen sogar deutlich mehr – inklusive Zwerchfell und Atemmuskulatur.
Im Körper laufen dabei zahlreiche Prozesse ab:
- Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormone)
- Reduktion von Cortisol (Stresshormon)
- Aktivierung des Belohnungssystems
- Verbesserung der Durchblutung
Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass beim Lachen auch Dopamin freigesetzt wird – ein Botenstoff, der Motivation und Wohlbefinden steigert.
Warum lachen Menschen überhaupt?
Lachen ist weit mehr als Humor. Es erfüllt mehrere Funktionen:
- Soziale Bindung: Gemeinsames Lachen stärkt Beziehungen
- Stressabbau: Emotionale Entlastung
- Kommunikation: Signalisiert Zustimmung, Sympathie oder Entspannung
Interessant: Menschen lachen etwa 30-mal häufiger in Gesellschaft als allein. Lachen ist also vor allem ein soziales Phänomen.
Gibt es dann Lachen auch bei Tieren? Ja, zumindest in ähnlicher Form. Primaten wie Schimpansen oder Bonobos zeigen beim Spielen lautähnliche Geräusche, die dem menschlichen Lachen ähneln. Auch Ratten geben bei spielerischen Interaktionen hochfrequente Kicherlaute von sich. Die Forschung geht daher davon aus, dass Lachen evolutionär älter als Sprache ist.
Ist Lachen wirklich gesund?
Lachen ist gesund. Heißt es oft im Volksmund. Aber stimmt das medizinisch gesehen? Die kurze Antwort: Ja, mit Einschränkungen.
Studien zeigen:
- Lachen kann das Immunsystem stärken
- Es verbessert kurzfristig die Gefäßfunktion
- Es kann Schmerzen reduzieren
- Es senkt Stress und Angst
Eine oft zitierte Studie der University of Maryland zeigte, dass Lachen die Gefäße erweitert, ähnlich wie leichte körperliche Aktivität. Allerdings ersetzt Lachen keine medizinische Therapie. Es wirkt unterstützend, nicht heilend.
Selbst als Begleitmaßnahme zu einem Diätprogramm mit einem traurigen Fastenmenü und erschreckend kleinen Portionen kann das Lachen beitragen, denn es verbrennt tatsächlich und überraschend viel Kalorien. Das sind etwa 10 bis 40 Kalorien pro 10 bis 15 Minuten intensiven Lachens. Das entspricht einem kurzen, ebenen Spaziergang. Das ist zwar kein jederzeit leicht abrufbares Fitnessprogramm, aber immerhin ein netter Nebeneffekt.
„Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.“
Charlie Chaplin (1889 – 1977), britischer Komiker, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Filmeditor, Komponist und Filmproduzent
Lachtherapie – Mythos oder Medizin?
Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Ansätze für Therapien, in denen das Lachen eine zentrale Rolle spielt:
- Humortherapie in der Psychotherapie
- Klinikclowns in Krankenhäusern
- Lachyoga
Studien zeigen positive Effekte auf:
- Angstpatienten
- Schmerzempfinden
- Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen
Die Datenlage ist jedoch gemischt. Viele Studien sind klein oder methodisch eingeschränkt. Dennoch gilt: Lachen kann therapeutisch unterstützen.
Selbst ein Lächeln, quasi die kleine Schwester des Lachens, kann Wunder bewirken. Studien zeigen, dass:
- Menschen mit Lächeln sympathischer wirken
- sie häufiger Hilfe erhalten
- sie selbst bessere Stimmung entwickeln
Sogar ein bewusst aufgesetztes Lächeln kann laut Forschung die Stimmung positiv beeinflussen.
Lachen ist also weit mehr als nur ein Ausdruck von Freude. Es ist ein komplexes Zusammenspiel aus Biologie, Psychologie und sozialer Interaktion. Es stärkt Beziehungen, reduziert Stress und kann sogar körperliche Prozesse positiv beeinflussen. Oder einfacher gesagt: Lachen ist keine Medizin, aber eine der angenehmsten Nebenwirkungen des Menschseins.
Ist Lachen ansteckend?
Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der BARMER, kennt die Antwort: „Ein Lächeln soll bekanntlich Wunder wirken. Ob dem tatsächlich so ist, sei dahingestellt. Zumindest aber dürfte jeder schon einmal erlebt haben, dass selbst dem schlecht gelaunten Gegenüber plötzlich ein Lächeln über das Gesicht huscht, sobald er oder sie von einer anderen Person fröhlich angelacht wird. Ist Lachen also ansteckend? Ja, das ist es und von der Hirnforschung sogar eindeutig belegt.“
Marshall kann auch genau erklären, wie das funktioniert: „Schauen Menschen anderen beim Lachen zu, werden im Gehirn Regionen angeregt, die auch aktiv sind, wenn sie selbst lachen. Mehr noch, schon das Geräusch lachender Menschen veranlasst das Gehirn, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten. Britische Forscher haben dazu Freiwilligen verschiedene emotionale Lautausdrücke vorgespielt und die Hirnaktivität beobachtet. Positive Gefühlsäußerungen wie Lachen oder Jubeln lösten in einer bestimmten Region der Hirnrinde eine sehr starke Antwort aus, die die akustischen Gefühlsausdrücke widerspiegelt. Bei dem untersuchten Areal handelte es sich um den prämotorischen Cortex, also dem für die Planung von Bewegungsabläufen wie das Lachen zuständigen Bereich.“
Und jetzt wird es spannend: „In dieser Hirnregion befinden sich außerdem Spiegelneuronen. Das sind Nervenzellen, die allein durch die Betrachtung einer Bewegung anderer Menschen aktiviert werden und so die Bewegung auf nervlicher Ebene widerspiegeln. Die Forscher untersuchten, ob diese Spiegelneuronen auch bei rein akustischen Signalen automatisch reagieren. Dafür analysierten sie die Aktivität in der Hirnrinde von Freiwilligen Stoffwechselvorgänge, die bei Aktivität in Gehirn entstehen. Vorgespielt wurden menschliche Äußerungen, die die Emotionen Triumph, Spaß, Angst und Ekel ausdrückten“, so BARMER-Medizinerin Marschall.
Das Ergebnis der britischen Forscher: „Alle Hörbeispiele lösten Aktivität im prämotorischen Cortex aus, der die Bewegungsabläufe für die Gesichtsmuskulatur entwirft. Die Aktivitäten bei den positiven Gefühlsausdrücken wie Lachen waren dabei stärker als bei Ekel und Angst. So gesehen ist Lachen also wirklich ansteckend“, lautet das Fazit von Marschall. Somit ist Lachen eines der stärksten sozialen Ansteckungsphänomene überhaupt.
Gut zu wissen…
Ratten „kichern“ beim Spielen – allerdings im Ultraschallbereich
Babys lachen bis zu 300-mal am Tag, Erwachsene oft nur noch 15–20-mal
In Japan gibt es Wettbewerbe im „Lächeln halten“
Kitzeln funktioniert nur bei anderen – das Gehirn „erkennt“ eigene Reize
Menschen lachen eher über Personen als über Witze
Ein echtes Lachen kann die Schmerzgrenze kurzfristig erhöhen
Es gibt Menschen mit Gelotophobie – der Angst, ausgelacht zu werden
Lachen kann sogar im Schlaf auftreten
In manchen Kulturen gilt häufiges Lachen als Zeichen von Unsicherheit
Das längste dokumentierte Lach-Event dauerte mehrere Stunden – mit Erschöpfung inklusive
„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“
Joachim Ringelnatz (1883 – 1934), deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler
Kann man Lachen lernen?
Teilweise ja. Humor ist zwar individuell, aber trainierbar. Dabei können diese Punkte hilfreich sein:
- Perspektivwechsel lernen
- Ironie verstehen
- bewusst positive Reize suchen
Programme wie Lachyoga zeigen: Selbst künstliches Lachen kann echte Effekte auslösen, denn der Körper unterscheidet nur begrenzt zwischen echtem und antrainiertem Lachen.
„Nicht alle Menschen sind gleichermaßen humorig. Humor lässt sich aber trainieren. Zuerst sollte ich spüren, ob ich eher ein Mensch des feinen Sprachwitzes bin oder doch lieber der krachledernen Kalauer. Kann ich über mich selbst lachen? Für Humor braucht es auch eine gehörige Portion Mut. Mut, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen“, erklärte Medizinredakteurin Andrea Mayer-Halm im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“. Ein wertschätzender Humor wirkt ferner wie ein soziales Schmiermittel unter Freunden, Kolleginnen, aber auch in der Beziehung zwischen Ärztin und Patient.
Wer lacht mehr – Männer oder Frauen?
„Kommt eine Blondine in den Baumarkt…“ Eine Google-Suche nach „Blondinenwitze“ liefert Material für ungezählte Herrenabende. Aber: Dass Frauen sich darüber amüsieren, ist eher unwahrscheinlich. Und anders herum, wenn Männer zum Ziel von Spott und Hohn werden? Das hatte die Psychologin Dr. Silvana Weber mit Dr. Sven Kachel (Universität Kaiserslautern-Landau) untersucht.„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass zwar frauenverachtende Witze von Frauen als Bedrohung empfunden werden, insbesondere wenn sie von einem männlichen Sprecher erzählt werden“, sagte die Psychologin. Bei Männern zeigte sich dieser Effekt allerdings nicht – nicht einmal dann, wenn der Witz auf Kosten der Männer von einer Frau erzählt werde.
Bei ihrer Studie habe sich die Hypothese bestätigt, „dass Frauen Witze im Allgemeinen weniger lustig finden als Männer“. Darüber hinaus hätten Frauen weiblich-abwertende Witze als weniger lustig im Vergleich zu männlich-abwertenden oder neutralen Witzen empfunden, während es bei den männlichen Teilnehmern keinen solchen Unterschied gab.
Studien zeigen:
- Frauen lachen insgesamt häufiger als Männer
- Männer lachen besonders oft, wenn sie mit Frauen sprechen
- Frauen lachen eher über soziale Situationen, Männer häufiger über klassische Witze
Lächeln vs. Lachen – gibt es einen Unterschied?
Der Unterschied zwischen Lächeln und Lachen ist markant und wissenschaftlich belegt. Natürlich kann man ein freundliches Lächeln aufsetzen, etwa wenn es gilt, bei Verkaufsgesprächen den Kunden auf seine Seite zu ziehen, in positiv zu stimmen. Aber es gibt auch die „reale“ oder „natürliche“ Version: Das sogenannte Duchenne-Lächeln ist ein echtes, unwillkürliches Lächeln, das eben auch echte Freude ausdrückt. Es zeichnet sich durch das gleichzeitige Anheben der Mundwinkel und das Kontrahieren des Augenringmuskels aus, was zu charakteristischen Krähenfüßen führt. Dieses Lächeln ist schwer vorzutäuschen, da es automatisch entsteht. tok/pm
| Merkmal | Lächeln | Lachen |
|---|---|---|
| Intensität | mild | stark |
| Muskeln | Etwa 17 Gesichtsmuskeln | zusätzlich Zwerchfell und Atemmuskeln |
| Geräusch | meist still | hörbar |
| Funktion | soziale Signale | emotionale Entladung |
| Wirkung | beruhigend | aktivierend |