Doof, doofer, Tanmxxing: „Die gezielte Verursachung von Sonnenbränden für den vermeintlichen Schönheits-Glow erhöht das Risiko für Hautkrebs“, sagt der Dermatologe Prof. Dr. Christian Sander über die Social-Media-Trends Tanmixxing und Sweet Sunburn. Foto: Iuliia Metkalova – KI-generiert/stock.adobe.com

Hautschäden und Hautkrebs durch TikTok-Trends „Sweet Sunburn“ und „Tanmaxxing“

Auf Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram verbreiten sich unter den Stichworten „Sweet Sunburn“ und „Tanmaxxing“ (oder „UV-Maxxing“) besorgniserregende Trends: Jugendliche und junge Erwachsene setzen sich gezielt der extremen Mittagssonne aus, verzichten auf Sonnenschutzcremes oder nutzen Bräunungsbeschleuniger und Bräunungsöle, um eine intensive Rötung oder extrem dunkle Haut zu erzielen. Das

„Die gezielte Verursachung von Sonnenbränden für den vermeintlichen Schönheits-Glow erhöht das Risiko für Hautkrebs.“
Prof. Dr. Christian Sander
, Chefarzt der Hautklinik der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg

Social Media verwechselt hohes Hautkrebs-Risiko mit einem ästhetischen Look

Prof. Dr. med. Christian Sander, Chefarzt der Hautklinik der Asklepios Klinik St. Georg (Hamburg), warnt angesichts dieser Entwicklung eindringlich vor erheblichen gesundheitlichen Risiken und stellt klar: „Ein Sonnenbrand ist kein ästhetisches Statement, kein ‚Look‘, sondern ein Hilferuf der Haut, genauer: eine akute, zelluläre Brandverletzung der Haut mit dem klaren Risiko des Hautkrebses.“

In Social-Media-Videos wird die leicht gerötete Haut fälschlicherweise als attraktiver „Sunburn-Look“ verharmlost. Und die raffinierten Algorithmen der Plattformen verstärken diese vermeintlichen Schönheitsideale noch zusätzlich. Aus ärztlicher Sicht stellt diese Sichtweise jedoch eine gefährliche Fehleinschätzung dar. „Es gibt medizinisch gesehen keinen gesunden Sonnenbrand und auch keine unbedenkliche Bräune“, betont der Dermatologe Prof. Sander.

Prof. Dr. med. Christian Sander, Chefarzt der Eduard-Arning-Klinik für Dermatologie und Allergologie in der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg, warnt vor schädlichen Social-Media-Trends für Sonnenbaden. Bildrechte/Foto: Asklepios Kliniken GmbH & Co. KG

Jede Hautrötung schädigt Zell-DNA

„Sobald sich die Haut rötet, liegt bereits eine Entzündung mit einer Schädigung der Zell-DNA vor. Die Haut reagiert mit einer Entzündung auf die ultraviolette Strahlung“, so Prof. Sander, Chefarzt der Hautklinik der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. „Zu glauben, man könne die Haut durch schrittweises Abbrennen auf die Sonne vorbereiten oder einen ästhetischen Trend daraus machen, ist ein medizinischer Mythos mit potenziell tödlichen Folgen“, so seine eindringliche Warnung.

Die Vorstellung von Bräune als Schönheitsideal gehe dabei auf die Mode-Ikone Coco Chanel zurück, die schon vor rund 100 Jahren entgegen aller Traditionen (damals war vornehme Blässe das Zeichen von Wohlstand) erstmals gebräunte Models auf den Laufsteg schickte, so Prof. Sander, der mit seinem Team in der Klinik jährlich viele Patienten mit einem schwarzem Hautkrebs (Melanom) und weißem Hautkrebs (Basaliom und Plattenepithelkarzinom) behandelt. Und diese Erkrankungen wurden alle in der Regel durch zu viel der gefährlichen UV-Strahlung verursacht – und das mit steigender Tendenz.

Drastisch erhöhtes Hautkrebsrisiko: Jugendsünden rächen sich im Alter

Besonders besorgniserregend ist die Zielgruppe der aktuellen Sonnenbräunungs-Trends: Vor allem Teenager und junge Erwachsene lassen sich auf Social Media dazu verleiten, bei maximalem UV-Index ohne Sonnenschutz zu bräunen. Prof. Dr. Sander appelliert daher auch an Eltern und Pädagogen, das Thema aktiv gegenüber Jugendlichen anzusprechen: „Social-Media-Trends kommen und gehen – aber die Schäden an der Haut bleiben ein Leben lang. Aufklärung, konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, also LSF 50, sowie das Meiden der prallen Mittagssonne sind unverzichtbar.“

Die wissenschaftliche Bewertung einer überhöhten Sonneneinstrahlung auf die Haut ist eindeutig.

Risiko für Hautkrebs: Medizinische Fachgesellschaften weltweit warnen seit vielen Jahren eindringlich, dass Sonnenbrände in der Jugend das Risiko für ein malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) deutlich erhöhen. Kontinuierliches Sonnenbaden erhöht das Risiko für den weißen Hautkrebs.

Beschleunigte Hautalterung: UV-Strahlen zerstören die Kollagenfasern der Haut unumkehrbar. Die Folge sind frühzeitige, tiefe Falten, Pigmentflecken und ein dauerhafter Verlust der Hautelastizität.

Dermatologische Empfehlung: Gefahrlose Alternativen für den Sommer-Glow

„Wer auf einen braunen Teint im Sommer nicht verzichten möchte, muss seine Gesundheit dafür nicht aufs Spiel setzen“, erläutert Prof. Dr. Sander. Die Vorschläge der medizinisch versierten Hautexperten setzen auf sichere Alternativen und die Bedeutung der Hautpflege nach dem (möglichst kurzen) Sonnenbaden.

„Fake it, don’t bake it“ (Selbstbräuner & Bronzer): Dermatologen empfehlen überdies die Nutzung von Selbstbräunern oder Bronzern beziehungsweise Make-up als einen Weg für einen sonnengeküssten Glow ohne gefährliche UV-Schäden. („Fake it, don’t bake it“ ist ein Wortspiel aus dem Englischen und bedeutet übersetzt sinngemäß: Fälsche die Bräune, statt dich auszubacken – also in der Sonne zu verbrennen).    pm

Tipps von Vital-Region.de für ein risikoärmeres Sonnenbad

Ein völlig risikofreies Sonnenbad gibt es nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht. Dermatologen und Fachgesellschaften betonen, dass jede intensive UV-Exposition das Risiko für Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung erhöht. Gleichzeitig muss aber nicht jede Minute in der Sonne vermieden werden. Entscheidend ist, UV-Schäden möglichst gering zu halten. Hier sind die wichtigsten wissenschaftlich fundierten Empfehlungen:

1. Sonnenbrand unbedingt vermeiden

Das wichtigste Ziel lautet: Nie so lange in der Sonne bleiben, dass die Haut rot wird. Bereits wenige schwere Sonnenbrände – insbesondere in Kindheit und Jugend – erhöhen das Risiko für:

  • malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)
  • Basalzellkarzinom
  • Plattenepithelkarzinom

Dermatologen betrachten Sonnenbrände deshalb als einen der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren.

2. Die UV-Intensität ist wichtiger als die Temperatur

Viele Menschen orientieren sich an der Außentemperatur. Medizinisch relevant ist jedoch der UV-Index.

Besonders kritisch:

  • UV-Index ab 3: Schutzmaßnahmen sinnvoll
  • UV-Index ab 6: intensive Mittagssonne möglichst meiden
  • UV-Index 8–11: nur kurze Aufenthalte in direkter Sonne

Auch bei nur 18 °C, Wind oder leichter Bewölkung kann die UV-Belastung hoch sein.

3. Die Mittagssonne möglichst meiden

In den Mittagsstunden erreicht der größte Teil der täglichen UV-Strahlung die Haut. Dermatologen empfehlen häufig: Zwischen etwa 11 und 15 Uhr (je nach Jahreszeit und Region) möglichst:

  • im Schatten bleiben
  • Haut bedeckende Kleidung
  • Hut
  • Sonnencreme

4. Langsam an Sonne gewöhnen

Die Haut entwickelt zwar einen gewissen Eigenschutz (Pigmentierung und Verdickung der Hornschicht), dieser ist jedoch begrenzt. Sinnvoll ist:

  • anfangs nur 10 bis 20 Minuten direkte Sonne
  • anschließend Schatten
  • Aufenthaltsdauer langsam steigern

Bräune ersetzt keinen Sonnenschutz.

5. Sonnencreme richtig einsetzen

Dermatologen empfehlen:

  • Lichtschutzfaktor (LSF) 30 bis 50+
  • Breitbandschutz gegen UVA und UVB
  • reichlich auftragen (Erwachsene benötigen etwa 30 bis 40 ml für den ganzen Körper)
  • 15 bis 30 Minuten vor intensiver Sonnenexposition auftragen
  • nach Schwimmen oder starkem Schwitzen erneut auftragen

Wichtig: Nachcremen verlängert die sichere Aufenthaltsdauer nicht, sondern erhält den Schutz.

6. Kleidung schützt am zuverlässigsten

Am besten schützen:

  • dicht gewebte Kleidung
  • UV-Schutzkleidung
  • breitkrempiger Hut
  • Sonnenbrille mit UV-400-Schutz

Textilien bieten oft einen zuverlässigeren Schutz als Sonnencreme allein.

7. Vorsicht auf Wasser, Schnee und Sand

UV-Strahlung wird reflektiert:

  • Schnee: bis etwa 80 %
  • heller Sand: etwa 15 bis 25 %
  • Wasser: bis etwa 10 %

Dadurch kann die effektive UV-Belastung deutlich steigen.

Lieber kürzer sonnen und mehr eincremen – wer sein Hautkrebsrisiko verringern will, kommt an diesen Tipps nicht vorbei. Grafik: Kurtz – KI-generiert
Richtiges Sonnenbaden fängt damit an, dass man den aktuellen UV-Index kennt und sich danach richtet. In den Mittagsstunden ist er gemeinhin am höchsten. Grafik: Kurtz – KI-generiert

8. Vitamin D benötigt deutlich weniger Sonne als viele glauben

Nach Einschätzung vieler Fachgesellschaften reichen im Sommer oft bereits kurze Aufenthalte mit unbedecktem Gesicht, Armen und Händen aus, um die körpereigene Vitamin-D-Bildung anzuregen. Längeres Sonnenbaden bringt für die Vitamin-D-Produktion keinen proportionalen Zusatznutzen, erhöht aber die UV-Schädigung.

9. Wer besonders vorsichtig sein sollte

Ein erhöhtes Hautkrebsrisiko besteht unter anderem bei:

  • sehr heller Haut (Hauttyp I oder II)
  • vielen Muttermalen
  • familiärer Vorbelastung
  • früheren Sonnenbränden
  • geschwächtem Immunsystem
  • bereits durchgemachtem Hautkrebs

Für diese Personen empfehlen Dermatologen einen besonders konsequenten UV-Schutz.

10. Regelmäßige Hautkontrollen

Dermatologen empfehlen:

  • monatliche Selbstkontrolle der Haut
  • auf neue oder sich verändernde Muttermale achten (ABCDE-Regel)
  • bei Auffälligkeiten frühzeitig eine dermatologische Untersuchung
  • regelmäßiges Hautkrebs-Screening entsprechend den nationalen Empfehlungen

Was wäre ein vergleichsweise hautfreundliches Sonnenbad?

Nach dermatologischen Empfehlungen könnte ein vernünftiger Ablauf so aussehen:

  • Vor dem Aufenthalt den UV-Index prüfen.
  • Möglichst morgens oder am späten Nachmittag in die Sonne gehen.
  • Die Haut langsam an Sonnenlicht gewöhnen.
  • Bereits nach kurzer Zeit (je nach Hauttyp oft 10–30 Minuten direkter Sonne) in den Schatten wechseln.
  • Sonnenbrand konsequent vermeiden.
  • Sonnenschutz durch Kleidung, Hut und Sonnencreme kombinieren.
  • Längeres „Bräunen“ in intensiver Sonne vermeiden.

Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Je weniger UV-Schäden die Haut im Laufe des Lebens erleidet, desto geringer ist das Risiko für Hautkrebs und lichtbedingte Hautalterung. Ein maßvoller Aufenthalt im Freien ist möglich, sollte aber so gestaltet werden, dass Sonnenbrände konsequent vermieden und intensive UV-Belastung reduziert werden.  tok