
FSME ist eine Viruserkrankung, gegen die es keine Therapie gibt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher die FSME-Impfung allen Personen, die sich in Risikogebieten im Freien aufhalten. Foto: AmazingPixels/stock.adobe.com
Erster FSME-Fall in Baden-Württemberg – Wenn der Zeckenstich Gehirn und Nervensystem bedroht
Wegen der milden Winter sind Zecken inzwischen fast das ganze Jahr über aktiv, und das Risiko einer Ansteckung mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bleibt hoch. Wie das Landesgesundheitsamt mitteilt, wurde in Baden-Württemberg in diesem Jahr bereits der erste FSME-Fall im Ostalbkreis gemeldet. Die durch die kleinen Spinnentiere verursachte Virusinfektion kann schwere Entzündungen des zentralen Nervensystems verursachen und in seltenen Fällen lebensbedrohlich verlaufen.
Keine Therapie gegen FSME, aber eine wirksame Schutzimpfung
„FSME ist eine Viruserkrankung, gegen die es keine Therapie gibt, aber einen sehr wirksamen Schutz: die Impfung. Sie ist sicher, gut verträglich und wird für alle empfohlen, die sich in Risikogebieten im Freien aufhalten“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha. „FSME kann jeden treffen, aber niemand ist schutzlos. Die Impfung ist der beste Weg, sich und andere zu schützen – am besten jetzt, bevor die Zeckensaison richtig beginnt. Wer sich jetzt impfen lässt, kann den vollen Schutz noch vor der Hauptsaison aufbauen.“
Baden-Württemberg weiterhin FSME-Risikogebiet
Alle Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs mit Ausnahme des Stadtkreises Heilbronn gelten laut Robert Koch-Institut (RKI) als FSME-Risikogebiete. Dennoch liegt die Impfquote im Land weiterhin niedrig: Nur rund 17 Prozent der Bevölkerung waren 2024 vollständig geimpft.
Minister Lucha appellierte deshalb an die Bevölkerung: „Wir müssen die Impfquote deutlich steigern. Jedes Jahr erkranken Menschen vermeidbar schwer an FSME. Gerade wer viel draußen ist – ob beim Wandern, im Garten oder beim Spielen mit Kindern – sollte sich schützen lassen.“
Im vergangenen Jahr wurden im Südwesten 260 FSME-Erkrankungen gemeldet, das war der vierthöchste Wert seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Die jährlichen Fallzahlen schwanken, zeigen aber insgesamt einen leichten Anstieg. Sie hängen auch vom Freizeitverhalten und vom Wetter in den wärmeren Monaten ab. In Europa werden mehr als 3000 FSME-Fälle pro Jahr gemeldet.
Wer überträgt FSME?
FSME wird vor allem durch den Stich infizierter Zecken übertragen. Träger des Virus sind hauptsächlich die in Europa verbreiteten Gemeinen Holzböcke (Ixodes ricinus). Beim Blutsaugen kann das Virus direkt in den menschlichen Körper gelangen. Das FSME-Virus gehört zur Flavivirus-Familie, zu der auch Dengue- und Gelbfieberviren gehören.
Zecken infizieren sich meist bei kleinen Säugetieren wie Mäusen oder anderen Wildtieren. Diese Tiere dienen als natürliche Virusreservoire. Menschen sind hingegen sogenannte Fehlwirte – sie tragen nicht zur weiteren Verbreitung bei.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. In seltenen Fällen kann eine Infektion über nicht pasteurisierte Rohmilchprodukte infizierter Tiere erfolgen.

Was ist FSME und wie entwickelt sich die Krankheit?
FSME ist eine Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die Gehirn, Hirnhäute und teilweise auch das Rückenmark betreffen kann.
Die Krankheit verläuft typischerweise in zwei Phasen:
1. Frühphase (nach etwa 7 Tagen):
- Fieber
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Müdigkeit
- Übelkeit
Diese Beschwerden erinnern häufig an eine Grippe und klingen bei vielen Betroffenen wieder ab.
2. Neurologische Phase (bei einem Teil der Patienten):
Bei einigen Infizierten folgt nach einer beschwerdefreien Phase eine zweite Erkrankungswelle. Dann greift das Virus das Nervensystem an. Typische Symptome sind:
- hohes Fieber
- starke Kopfschmerzen
- Nackensteife
- neurologische Ausfälle
- Bewusstseinsstörungen
- Es kann zu Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündungen kommen.
Welche gesundheitlichen Folgen drohen?
Der Verlauf von FSME ist sehr unterschiedlich. Viele Infektionen verlaufen mild oder sogar symptomlos. Bei schweren Fällen kann die Krankheit jedoch gravierende Folgen haben. Bei Erwachsenen treten schwere Verläufe häufiger auf als bei Kindern.
Mögliche Komplikationen sind:
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung)
- Myelitis (Rückenmarksentzündung)
- dauerhafte neurologische Schäden wie Lähmungen oder Konzentrationsstörungen
- In seltenen Fällen kann die Erkrankung tödlich enden.
- Langfristig berichten manche Betroffene über anhaltende Müdigkeit, Gedächtnisprobleme oder Bewegungsstörungen.
Wie kann man FSME behandeln?
Ein zentrales Problem: Es gibt keine ursächliche Therapie gegen das FSME-Virus. Die Behandlung beschränkt sich daher auf symptomatische Maßnahmen, etwa:
- Fiebersenkung
- Schmerzbehandlung
- intensive medizinische Betreuung bei schweren Verläufen
- Bei neurologischen Komplikationen kann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig sein.
Deshalb gilt Prävention – insbesondere durch Impfung – als wichtigste Schutzmaßnahme.
Wie sicher sind FSME-Impfungen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen, die sich in Risikogebieten im Freien aufhalten. Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfungen erforderlich. Wer kurzfristig Schutz benötigt, kann sich mit einem Schnellimpfschema immunisieren lassen: Zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen, ein guter Schutz drei Wochen später. Je nach Alter ist eine Auffrischung alle drei bis fünf Jahre notwendig. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Die FSME-Impfung verhindert laut Studien tausende Erkrankungen pro Jahr in Europa.
Die FSME-Impfung gilt als wirksam und gut verträglich. Sie enthält inaktivierte Virusbestandteile und kann keine Erkrankung auslösen.
Das Standard-Impfschema umfasst:
- Impfung
- Impfung nach 2–12 Wochen
- Impfung nach 5–12 Monaten
- Danach besteht ein Schutz von mehreren Jahren; regelmäßige Auffrischungen werden empfohlen.
Studien zeigen: Wer sich vollständig impfen lässt, hat einen bis zu 97-prozentigen Schutz. Auch Jahre nach der letzten Impfung besteht noch ein hoher Schutz.
Nebenwirkungen sind meist mild, schwere Nebenwirkungen gibt es nur selten. Nebenwirkungen sind zum Beispiel:
- Schmerzen an der Einstichstelle
- kurzfristiges Fieber
- Müdigkeit
Borreliose kommt häufiger vor als FSME
Neben FSME können Zecken auch Borreliose übertragen. Erstes Anzeichen einer Infektion ist meist ein sich ausbreitender roter Ring um die Einstichstelle („Wanderröte“). Rechtzeitig erkannt, lässt sich die bakterielle Infektion gut mit Antibiotika behandeln.
Borreliose kommt viel häufiger vor, ist aber meist mit Antibiotika behandelbar. FSME ist seltener, kann jedoch schwere neurologische Schäden verursachen – und nur die Impfung schützt zuverlässig.
| FSME | Borreliose | |
|---|---|---|
| Merkmal | FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) | Borreliose (Lyme-Borreliose) |
| Erreger | Virus aus der Gruppe der Flaviviren | Bakterien (Borrelia-Arten) |
| Übertragung | Stich infizierter Zecken (vor allem Gemeiner Holzbock) | Stich infizierter Zecken |
| Verbreitung in Deutschland | Vor allem in Risikogebieten (v. a. Süddeutschland) | In ganz Deutschland verbreitet |
| Infizierte Zecken | etwa 0,1–5 % in Risikogebieten | etwa 5–35 % der Zecken |
| Häufigkeit der Erkrankung | relativ selten (mehrere hundert Fälle pro Jahr) | deutlich häufiger (Zehntausende Fälle jährlich) |
| Typische Symptome | zunächst grippeähnlich; später mögliche Hirnhaut- oder Gehirnentzündung | häufig Wanderröte, später Gelenk-, Nerven- oder Herzprobleme |
| Betroffene Organe | zentrales Nervensystem (Hirn, Hirnhäute, Rückenmark) | Haut, Gelenke, Nervensystem, Herz |
| Behandlung | keine spezifische Therapie – nur symptomatische Behandlung | Antibiotika meist wirksam |
| Impfung möglich? | Ja, wirksame Schutzimpfung verfügbar | Nein, bisher keine zugelassene Impfung |
| Langzeitfolgen | mögliche neurologische Schäden oder Lähmungen | chronische Gelenk- oder Nervenerkrankungen möglich |
Tipps zum Schutz vor Zecken:
- Impfstatus überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen
- Helle, geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk tragen
- Repellentien auf Haut oder Kleidung auftragen und regelmäßig erneuern
- Nach dem Aufenthalt im Freien Körper gründlich nach Zecken absuchen und Zecken rasch entfernen
pm/tok