
Geschlechterunterschiede bei Darmkrebs: Frauen leiden häufiger an Tumoren auf der rechten Körperseite, die weniger auffällig und daher oft erst in späteren Stadien diagnostiziert werden als Tumoren auf der linken Seite. Frauen bauen aufgrund ihres Stoffwechsels die Medikamente langsamer ab, was mehr Nebenwirkungen bedingen kann. Foto: DebbyMelindaYanti – KI-generiert/stock.adobe.com
Darmkrebs geschlechtsspezifisch therapieren: Frauen und Männer erkranken unterschiedlich
Brauchen Frauen und Männer mit Darmkrebs unterschiedliche Therapien? Forschende des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT)/Universitäts KrebsCentrums (UCC) in Dresden gehen nun dieser bislang kaum beachteten Frage nach. Darmkrebs ist nicht nur eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Er verläuft bei Frauen und Männern oft unterschiedlich, wird teils später erkannt und führt zu verschiedenen Nebenwirkungen bei der Behandlung.
Die Dresdner untersuchen, welche molekularen Unterschiede zwischen den Geschlechtern die Tumoreigenschaften beeinflussen. Die Ergebnisse könnten den Weg zu passgenaueren, verträglicheren Therapien ebnen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über drei Jahre mit 306.700 Euro.
Pro Jahr erhalten über 55.000 Menschen eine Darmkrebs-Diagnose
Rund 25.000 Frauen und 30.250 Männer erhalten in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Darmkrebs. Neben der Häufigkeit unterscheiden sich auch die Art der Erkrankung und die Nebenwirkungen der Therapie zwischen den Geschlechtern. So bekommen Frauen beispielsweise häufiger Tumoren auf der rechten Körperseite, die weniger auffällig und daher oft erst in späteren Stadien diagnostiziert werden als Tumoren auf der linken Seite. Außerdem bauen Frauen aufgrund ihres Stoffwechsels die Medikamente langsamer ab, wodurch sie beispielsweise eher an Müdigkeit, Durchfall und Übelkeit leiden als Männer. Doch welche molekularen Ursachen stecken hinter diesen klinischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern?
Darmkrebs: (K)Eine Frage des Geschlechts?
Dr. Alexander Wurm, Leiter des geförderten Forschungsprojekts CRC-EXPOSED (Exploring of Sex Disparities on the Molecular Level in Colorectal Cancer), konnte in vorangegangenen Studien bereits zeigen, dass Darmkrebszellen unterschiedliche molekulare Eigenschaften aufweisen, die das Wachstum des Tumors beeinflussen – je nachdem, ob die Zellen von einem Mann oder einer Frau stammten. Nun will sein Forschungsteam einen Schritt weitergehen: In speziellen Darmkrebs-Modellen untersuchen die Wissenschaftler, welche Gene für bestimmte Eigenschaften des Tumors wichtig sind.
„Wir nutzen dafür einen Ansatz, mit dem wir einzelne Gene in den Zellen ausschalten können. Dann schauen wir uns an, ob sich die Zellen dadurch anders verhalten, als wenn das Gen aktiv ist – beispielsweise, ob die Krebszellen schneller oder langsamer wachsen. So können wir Rückschlüsse ziehen, welche Funktionen die einzelnen Gene haben“, erklärt Dr. Wurm. „Das Ziel ist, herauszufinden, ob es Gene gibt, die eben nur bei Frauen oder nur bei Männern die Eigenschaften des Tumors beeinflussen. Diese könnten als Angriffspunkte für geschlechtersensible Krebstherapien dienen.“
Frauen sind in medizinischen Studien immer noch unterrepräsentiert
Der Projektleiter betont: „In medizinischen Studien und präklinischen Modellen sind Frauen häufig unterrepräsentiert. Dadurch eignen sich jedoch möglicherweise einige der in Therapiestudien geprüften Medikamente nicht gleichermaßen für beide Geschlechter. Unser Projekt soll insbesondere in Hinblick auf personalisierte Therapien bei Darmkrebs beleuchten, inwiefern dem biologischen Geschlecht in präklinischen und klinischen Studien in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden kann.“
Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe: „Mit CRC-EXPOSED fördert die Deutsche Krebshilfe ein hochrelevantes Forschungsvorhaben, das eine zentrale Frage der modernen Krebsmedizin adressiert: Wie können wir die Heilungschancen für Frauen und Männer gleichermaßen verbessern? Personalisierte Therapien können ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn biologische Unterschiede systematisch berücksichtigt werden. Das Projekt legt dafür eine entscheidende wissenschaftliche Grundlage und trägt dazu bei, dass Fortschritte in der Darmkrebstherapie allen Patientinnen und Patienten zugutekommen – unabhängig vom Geschlecht.“ pm