
Ursache Nummer eins für Krankschreibungen in Baden-Württemberg waren 2025 Atemwegserkrankungen, gefolgt von psychischen Erkrankungen und Muskel-Skelett-Problemen. Baden-Württemberg verzeichnet bundesweit den geringsten Arbeitsausfall auf. Foto: fotodrobik/stock.adobe.com
Bundesweit bester Wert: Beschäftigte in Baden-Württemberg im Schnitt an 16,6 Tagen im Jahr krankgeschrieben
Der Krankenstand in Baden-Württemberg ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. DAK-versicherte Beschäftigte waren durchschnittlich an 16,6 Kalendertagen krankgeschrieben und hatten demnach etwas weniger Arbeitsausfall als im Vorjahr. Die meisten Fehltage gingen auf das Konto von Atemwegserkrankungen wie Bronchitis. Weitere wichtige Ursachen für Krankmeldungen waren psychische Erkrankungen auf Rang zwei und Muskel-Skelett-Erkrankungen auf Rang drei.
Insgesamt pendelt sich der Krankenstand im Südwesten auf einem hohen Niveau ein. Deshalb fordert die DAK-Gesundheit eine fundierte interdisziplinäre Ursachenforschung, um neue Lösungswege zu entwickeln und auch ein gesundes Arbeitsumfeld in den Fokus zu rücken.
Unterschiedliche Entwicklungen bei den Ursachen für Krankschreibungen
Ursache Nummer eins für Krankschreibungen in Baden-Württemberg waren im vergangenen Jahr Atemwegserkrankungen wie Bronchitis mit 336 Fehltagen je 100 Versicherte nach 355 Fehltagen 2024 (minus 5,5 Prozent). Auf Platz zwei kamen psychische Erkrankungen wie Depressionen. Sie lagen mit 296 Fehltagen je 100 Versicherte (plus 3,6 Prozent) leicht über Vorjahresniveau. Es folgten Muskel-Skelett-Probleme etwa am Rücken, die mit 273 Tagen je 100 Versicherte im Vergleich zu 2024 (minus 3,9 Prozent) leicht zurück gingen. Am Ende ergibt das einen leichten Rückgang bei den Arbeitsausfällen gegenüber 2024.
„Pro Kopf hatten DAK-versicherte Beschäftigte in Baden-Württemberg 2025 für 16,6 Kalendertage eine Krankschreibung. Es ist jetzt notwendig, eine fundierte interdisziplinäre Ursachenforschung voranzutreiben und neue Lösungswege zu entwickeln. Das gelingt nur, wenn Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen an einem Strang ziehen“, kommentiert DAK-Landeschef Siegfried Euerle die Ergebnisse.
Chancen im betrieblichen Gesundheitsmanagement
Große Chancen sieht Siegfried Euerle im betrieblichen Gesundheitsmanagement. „Gute Arbeitsbedingungen und eine starke Unternehmenskultur sind zentrale Hebel, um den Krankenstand zu senken“, so Euerle. Deshalb sei ein Betriebliches Gesundheitsmanagement wichtig, um das Thema Gesundheit in die betrieblichen Strukturen und Prozesse zu integrieren. „Wir unterstützen Arbeitgeber dabei, ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement aufzubauen.“
Baden-Württemberg mit niedrigstem Krankenstand bundesweit
Die Fehlzeiten in Baden-Württemberg liegen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. DAK-versicherte Beschäftigte kamen 2025 im Durchschnitt auf 16,6 krankheitsbedingte Fehltage pro Kopf. Damit weist Baden-Württemberg bundesweit den geringsten Arbeitsausfall auf. Deutlich höher lagen die Fehlzeiten in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 23,2 Tagen sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit jeweils 22,9 Fehltagen pro Kopf.
Angesichts der aktuellen bundesweiten Zahlen fordert die DAK-Gesundheit einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Bundesweit waren DAK-versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 19,5 Kalendertage krankgeschrieben. Zum Vorjahresvergleich bleibt der Krankenstand mit 5,4 Prozent damit stabil, jedoch auf einem weiterhin hohen Niveau.
Teilkrankschreibung als Lösung?
„Unsere Analysen zeigen, dass sich der Krankenstand auf einem hohen Niveau einpendelt. Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben. Hierfür braucht es ein gemeinsames Handeln: Ein durch den Bundeskanzler initiierter Krankenstands-Gipfel sollte Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen an einen Tisch bringen“, so DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Dabei geht es insbesondere darum, neue Lösungswege zu entwickeln. Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein. Sie ist bereits ein bewährtes Instrument in skandinavischen Ländern.“
Auch Prof. Dr. Volker Nürnberg, BWL-Professor für Gesundheitsmanagement, sieht in der Teilkrankschreibung ein geeignetes Instrument: „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich nicht in einem eindeutigen Zustand von gesund oder krank, sondern dazwischen. Deshalb macht eine Teilkrankschreibung für bestimmte Tätigkeiten oder nur für einen Teil der Arbeitsstunden Sinn – das können zum Beispiel drei von acht Arbeitsstunden pro Tag sein – dort wo möglich auch im Homeoffice. Eine solche Regelung hat das Potenzial, zu einem signifikant niedrigeren Krankenstand zu führen.“
Kranke Psyche = langer Ausfall
2025 hatten die Beschäftigten im Durchschnitt 19,5 Fehltage pro Kopf – etwa so viel wie im Vorjahr (19,7 Tage). „Psychisch bedingte Krankschreibungen sind oft mit langen Ausfallzeiten verbunden“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Die Betriebe stehen vor der Herausforderung, eine hohe Zahl an Ausfalltagen wegen dieser Erkrankungen kompensieren zu müssen. Auch mit Blick auf die Wirtschaft ist Prävention das Gebot der Stunde.“
Prof. Dr. Nürnberg bestätigt, dass die psychischen Erkrankungen Treiber beim hohen Krankenstand sind: „Auch hier geht es nur im Zusammenspiel: Sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst als auch Arbeitgeber müssen auf gesünderes Arbeiten achten.“
Lange Falldauer bei älteren Beschäftigten
Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag 2025 bei knapp 10 Tagen. Bei den älteren Beschäftigten konnte ein Fall jedoch auch wesentlich langwieriger sein. So dauerte eine Krankschreibung bei den über 60-Jährigen im Durchschnitt etwa 20 Tage. Die DAK-Gesundheit beobachtet seit Jahren, dass es bei älteren Beschäftigten zunehmend zu längeren Krankschreibungen kommt und sie eher seltener, aber dafür im Durchschnitt immer länger krankgeschrieben sind. Trotz des demografischen Wandels wird durch diesen Umstand der Wert des Krankenstands insgesamt bisher noch nicht beeinflusst.
Höchster Krankenstand im Gesundheitswesen
Im Branchenvergleich zeigt die Analyse der DAK-Gesundheit den höchsten Krankenstand im Gesundheitswesen mit 6,2 Prozent. Entsprechend hatten Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen pro Kopf die meisten Fehltage: durchschnittlich 22,5 Tage pro Jahr. Den niedrigsten Krankenstand hatten Beschäftigte in der Datenverarbeitungsbranche mit 3,4 Prozent und durchschnittlich nur 12,6 Fehltagen pro Kopf und Jahr.
Info
Für die aktuelle Analyse der Situation im Südwesten wertete das Berliner IGES Institut die Daten von rund 263.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Baden-Württemberg aus. pm