1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, die in den vergangenen fünf Jahren diagnostiziert wurde Laut RKI erkranken im Laufe des Lebens 49 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen an Krebs. Neue Therapien ließen jedoch die Krebssterberate von 1999 bis 2023 deutlich sinken. Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com

Bei Krebs sinkt das Sterberisiko in Deutschland dank Prävention, Früherkennung und innovativen Therapien

Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland erhalten jedes Jahr die Diagnose Krebs – besonders häufig sind Brust, Prostata, Lunge und Dickdarm betroffen. Doch der Medizin stehen immer ausgefeiltere Methoden für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge zur Verfügung. Wie Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, ist die Krebssterblichkeit weiter rückläufig.

Gute Nachrichten im Kampf gegen den Krebs: Die Krebssterblichkeit sinkt in Deutschland, bei Männern etwas mehr als bei Frauen. Trotzdem ist die altersstandardisierte Sterberat bei Frauen in 2023 immer noch niedriger als bei Männern. Quelle: „Krebs in Deutschland für 2021 – 2023“, RKI / Grafik: Pharma Fakten e. V.

Sterberaten je nach Geschlecht unterschiedlich stark gesunken

Rund 229.000 Menschen in der Bundesrepublik sterben jedes Jahr an Krebs, wie Pharma-Fakten.de berichtet. Keine Frage: Es sind viel zu viele – gerade, wenn man bedenkt, dass Experten zufolge ein großer Teil der Erkrankungen und Todesfälle durch verstärkte Prävention und Früherkennung, moderne Behandlung und Nachsorge vermeidbar wäre. Und trotzdem sind die Fortschritte enorm – das zeigt der Blick auf die sogenannten altersstandardisierten Sterberaten: Sie sind in den vergangenen 25 Jahren bei Frauen um 21 Prozent und bei Männern um 31 Prozent gesunken.

Altersstandardisierung bedeutet, dass Effekte von Bevölkerungswachstum und -alterung rausgerechnet werden – dies macht es möglich, die Sterblichkeit von heute mit der von vor Jahrzehnten zu vergleichen, obwohl etwa der Anteil der Menschen in höherem Alter (und mit entsprechend höherem Krebsrisiko) inzwischen größer ist als früher.

Krebs betrifft alle

„Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, die in den letzten fünf Jahren diagnostiziert wurde“, schreibt das RKI in der jüngsten Ausgabe von „Krebs in Deutschland“. Es sind Cancer Survivor. „Fast 4,8 Millionen der Ende 2023 lebenden Menschen waren in den 25 Jahren zuvor an Krebs erkrankt.“ Allein diese Zahlen zeigen: Krebs geht alle an. Laut RKI „erkranken im Laufe des Lebens fast jeder zweite Mann (49 %) und mehr als zwei von fünf Frauen (43%) an Krebs“.

Über alle Krebsformen hinweg liegen die absoluten 5-Jahres-Überlebensraten bei 57 Prozent für Frauen und bei 50 Prozent für Männer. Das heißt: Fünf Jahre nach Diagnose lebt rund die Hälfte der Betroffenen noch. Letztlich ist die Prognose aber von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von der Art und dem Stadium des Tumors. Beim schwarzen Hautkrebs liegt die absolute 5-Jahres-Überlebensrate bei 86 Prozent (Frauen) beziehungsweise 78 Prozent (Männer) – bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nur bei jeweils rund 10 Prozent.

Pharmaforschung setzt den Fokus auf Krebs

Es gibt also noch einiges zu tun: Die Onkologie ist daher weiterhin ein Schwerpunkt forschender Unternehmen. Der Pharmaverband vfa rechnet mit vielen neuen Krebsmedikamenten, die 2026 in die deutsche Versorgung kommen – unter anderem mit jeweils bis zu drei neuen Arzneimitteln gegen kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom und Blasenkrebs sowie mit zwei gegen Brustkrebs.

Die Patienten, sagt Martin Völkl, General Manager bei BeOne Medicines für Deutschland und Österreich, können „erwarten, dass diese Dynamik in der Forschung weitergeht, sich vielleicht sogar noch beschleunigen wird. Wir haben bispezifische Antikörper, wir haben Protein-Degrader oder hochspezifische Kinase-Hemmer, wir haben die Antikörper-Wirkstoff-Konjugate oder DNA-basierte Ansätze. Und wir haben die Möglichkeit, diese Ansätze intelligent zu kombinieren, um wirksamer, aber auch verträglicher zu werden. Zusammen mit der molekularen Diagnostik werden wir zunehmend mehr personalisierte Therapieentscheidungen treffen können. Davon werden Menschen mit Krebs massiv profitieren.“

Wann Krebs heilbar ist? „Es wäre unseriös ein konkretes Datum zu nennen. Umso mehr müssen wir mit hohem Tempo weiter forschen. Nur in der Wissenschaft finden wir die Antworten darauf, wie wir Krebserkrankungen vielleicht eines Tages heilen können“, so Martin Völkl.

In Europa nehmen Krebserkrankungen mit 17 Prozent an der gesamten Krankheitslast einen hohen Wert ein. Umso erstaunlicher ist es, dass Ausgaben für Krebsmedikamente nur 3 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben ausmachen. Quelle: Dolon – The Transformative Value of Cancer Medicines in Europa (für EFPIA) / Grafik: Pharma Fakten e. V.

Vom Nutzen neuer Krebsmedikamente

Trotz aller Fortschritte bei Prävention, Diagnose, neuartigen Arzneimitteln und besserer Nachsorge stellen Krebserkrankungen eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Gerade deshalb sollten Arzneimittelinnovationen als das betrachtet werden, was sie sind: eine Investition in die Zukunft und in eine prosperierende Wirtschaft. Das zeigt eine Studie, die der europäische Pharmaverband EFPIA vorgestellt hat.

Krebsbehandlungen sollten nicht als bloße Kosten, sondern als wertvolle Investitionen betrachtet werden – denn Krebs ist längst nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine wirtschaftliche Krise Europas. Jeder unbehandelte oder zu spät behandelte Krebsfall kostet die Wirtschaft Milliarden durch Produktivitätsverluste, Frühverrentung und Pflegeaufwand. Wer jetzt in Prävention, Früherkennung und innovative Therapien investiert, investiert in Arbeitskraft, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Jeder Euro, der in die Bekämpfung von Krebs fließt, zahlt sich doppelt aus: in geretteten Leben und in gesicherter wirtschaftlicher Stärke Europas.

Generation X: Mehr Krebserkrankungen im frühen Lebensalter

17 Prozent – das ist der Anteil von Krebserkrankungen an der gesamten Krankheitslast in Europa. Gemessen wird das in DALYs, den so genannten krankheitsbereinigten Lebensjahren. Die Zahl wird steigen. Das liegt nicht nur an der Unumkehrbarkeit der demographischen Trends auf dem Kontinent – mit dem Alter steigt das Krebsrisiko. Daten aus einer Kohortenstudie in den USA zeigen zudem, dass dort die Inzidenz für Krebs in der Generation X höher ist als bei den Baby-Boomern: „Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Krebsinzidenz in den USA bei gleichbleibender Entwicklung noch Jahrzehnte lang hoch bleiben könnte.“

Experten rechnen damit, dass das übertragbar ist: „Die Zahl der Krebserkrankungen im frühen Lebensalter ist seit 1990 weltweit um 79 Prozent gestiegen“, heißt es im Weißbuch „The Transformative Value of Cancer Medicines in Europe“, welches das Beratungsunternehmen Dolon im Auftrag des europäischen Pharmaverbandes EFPIA erstellt hat. „Immer häufiger sind Menschen in der Blüte ihres Lebens betroffen, was Karrieren, Familien und langfristige Lebenspläne beeinträchtigt und erhebliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Produktivität hat.“ Für das Jahr 2024 wird die Zahl der Krebsfälle in der Europäischen Union und den EFTA-Staaten voraussichtlich 3,4 Millionen erreichen – ein Anstieg von 21,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2020.

Anteil der Krebsmedikamente an den Gesundheitsausgaben: 3 Prozent

Droht also ein starker Anstieg der Kosten für die Krebsbekämpfung? Dolon liefert Zahlen: „Im Jahr 2023 beliefen sich die Gesamtausgaben für Krebsbehandlungen, einschließlich Medikamente, Krankenhausleistungen, ambulanter Versorgung und sonstiger Kosten, auf etwa 6,6 Prozent der Gesundheitsbudgets in ganz Europa. Dieser Anteil ist seit 1995 konstant geblieben und entspricht dem allgemeinen Wachstum der Gesundheitsausgaben.“ Und: Insgesamt werden nur rund 3 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben für Krebsmedikamente aufgewendet. Das ist – gemessen an der Krankheitslast – ein überschaubarer Betrag.

Dolon geht davon aus, dass in den Jahren zwischen 2012 und 2022 durch Verbesserungen in der Krebsversorgung, -behandlung und -diagnostik rund 1,44 Millionen Lebensjahre in ganz Europa gerettet wurden. Ein wesentlicher Treiber dabei: neue Therapiemöglichkeiten. „Wir schätzen den Gesamtwert der durch pharmazeutische Innovationen erzielten Gesundheitsgewinne auf 29,2 Milliarden Euro (Spanne: 7,5 bis 63,3 Milliarden Euro) und unterstreichen damit den immensen gesellschaftlichen Nutzen von Investitionen in Fortschritte in der Krebsbehandlung.“     Pharma-Fakten