Der UN-Frauenrechtsausschuss hat Deutschland dazu aufgefordert, Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren. Foto: Manuel Schönfeld/stock.adobe.com

Ärzte der Welt e.V.: Schwangerschaftsabbrüche entkriminalisieren, Zugang sicherstellen

Sichere Abtreibungen sind kein Verbrechen, sie gehören zur notwendigen Gesundheitsversorgung: Deshalb fordert die Nichtregierungsorganisation Ärzte der Welt e.V., den Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches abzuschaffen. Die Organisation richtet den Appell anlässlich des International Safe Abortion Day, dem Welttag für sichere Abtreibungen am 28. September, an die Bundesregierung.

„Die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen schafft hohe administrative Hürden und ist stigmatisierend, auch wenn sie de facto in vielen Fällen straffrei ist“, sagt Dr. Johanna Offe, Leiterin Advocacy bei Ärzte der Welt. „Auch die Weltgesundheitsorganisation betont, dass die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen Frauen und Mädchen einem höheren Risiko von schwerwiegenden Gesundheitsgefährdungen aussetzt. Die Bundesregierung muss einen ungehinderten Zugang zu sicheren Abtreibungen gewährleisten!“

39.000 Frauen sterben jährlich nach unsicheren Abbrüchen

Die humanitären Mitarbeiter von Ärzte der Welt sehen in den Projekten weltweit das Leid, das durch ungewollte Schwangerschaften und unsachgemäß durchgeführte Eingriffe, um diese zu beenden, entsteht. Unsichere Abtreibungen sind eine Haupttodesursache während der Schwangerschaft. Rund 39.000 Frauen sterben jährlich an ihren Folgen.

In Deutschland beobachtet Ärzte der Welt, dass Unversicherte und Migrantinnen mit besonderen Barrieren beim Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen konfrontiert sind. Ein Mangel an verständlichen Informationen, Sprachbarrieren und fehlende Kostenübernahme sind wesentliche Hindernisse. Deshalb fordert die NGO, dass Schwangere sowohl bei der Beratung als auch bei der Behandlung die Möglichkeit haben, bei Bedarf Sprachmittlung in Anspruch zu nehmen. Außerdem muss die Kostenübernahme gewährleistet sein, wenn die Person den Eingriff nicht aus eigenen Mitteln bezahlen kann.

UN-Frauenrechtsausschuss kritisiert Deutschland

Die Bundesregierung trägt die Verantwortung dafür, dass alle Menschen in Deutschland diskriminierungsfreien Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung haben. Sichere Schwangerschaftsabbrüche sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig müssen alle Menschen, die schwanger werden können, die Möglichkeit zur Familienplanung und Empfängnisverhütung haben. Auch der UN-Frauenrechtsausschuss hatte im Mai diesen Jahres Deutschland dazu aufgefordert, Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu gewähren und ärztliche Versorgung auch für undokumentierte Migrantinnen sicherzustellen.

Info

Ärzte der Welt e. V. ist eine humanitäre Nichtregierungsorganisation, die sich in 452 Projekten und 76 Ländern für eine bessere Gesundheitsversorgung der Bevölkerung einsetzt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Dabei erachtet die Organisation sichere Abtreibungen als Teil notwendiger Gesundheitsleistungen. pm