
Gesunde Nieren brauchen normalen Blutdruck: Für den Nierenschutz ist die Behandlung von Bluthochdruck eine Gemeinschaftsaufgabe von Patienten, Haus- und Fachärzten für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Foto: robotcity/stock.adobe.com
Ein Drittel der Deutschen hat Bluthochdruck – das bringt oft die Nieren in Not
Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga (DHL) hat mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung zwischen 30 und 79 Jahren Bluthochdruck. Dauerhaft hohe Blutdruckwerte können zu Organschäden durch Gefäßveränderungen (zum Beispiel Verkalkungen) führen, betroffen sind oftmals auch die Nieren. Anlässlich des bundesweiten Welthypertonietages hat das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. auf die Bedeutung einer abgestimmten Diagnostik und Behandlung erhöhter Blutdruckwerte hingewiesen, um die Nieren zu schützen.
Hypertonie im Zusammenhang mit den Nieren sehen
„Bluthochdruck kann sowohl Auslöser als auch Folge einer Nierenerkrankung sein“, erklärt Professor Dr. med. Joachim Beige, KfH-Geschäftsleiter Medizin und Pflege. Zum einen steigere dauerhaft hoher Blutdruck das Risiko sowohl für die Ausbildung als auch für das Voranschreiten einer chronischen Nierenerkrankung. Zum anderen könnten durch eine Nierenerkrankung die Regulationsmechanismen für den Blutdruck gestört werden, so dass dies zu Bluthochdruck führe.
Umso wichtiger sei es deshalb, die Behandlung von Bluthochdruck als Gemeinschaftsaufgabe von Patienten, Hausärzten sowie Fachärzten für Nieren- und Hochdruckerkrankungen zu gestalten.
Früherkennung in der Hausarztpraxis nutzen
Das bestätigt auch Dr. med. Ruth Braun, ärztliche Leiterin des hausärztlich tätigen MVZ KfH-Gesundheitszentrums Lohr: Häufig sei die Diagnose von Bluthochdruck ein Zufallsbefund, daher ginge es in erster Linie darum, erhöhte Werte überhaupt festzustellen. „Gerade weil Bluthochdruck nicht weh tut, trotzdem aber Schäden verursacht, sollten Patientinnen und Patienten die regelmäßigen Check-up-Untersuchungen in der hausärztlichen Praxis wahrnehmen“, rät Braun.
So könnten erhöhte Blutdruckwerte frühzeitig erkannt werden und ließen sich zum Teil sogar ohne Medikamente und durch eine gesundere Lebensweise senken. „Falls das nicht ausreicht, stehen verschiedene Wirkstoffe für eine effektive Bluthochdruckbehandlung zur Verfügung“, ergänzt die Fachärztin für Innere Medizin. „Bei Blutdruckwerten, die trotz einer geeigneten Therapie zu hoch bleiben oder zu extremen Schwankungen führen, kommen dann die Fachärztinnen und Fachärzte für Nieren- und Hochdruckerkrankungen ins Spiel“, erläutert Beige.
Patienten seien dafür in den nephrologischen Sprechstunden der bundesweit ansässigen KfH-Zentren gut aufgehoben: „Hier wird untersucht, ob und inwiefern die Nieren beteiligt sind und wie man das Fortschreiten einer Nierenschädigung – ggf. in enger Abstimmung mit der hausärztlichen Praxis oder beispielsweise kardiologischen Fachärzten – bestenfalls verhindern sowie auch stark erhöhte Blut-druckwerte kontrollieren kann.“
Info
Für Interessierte bietet das KfH einen Patientenratgeber „Bluthochdruck erkennen. Nieren schützen“ auf https://www.kfh.de/patienteninformationen zum Download an; die Broschüre und Blutdruckpässe können auch per E-Mail unter mailto:info@kfh.debestellt werden.
Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. wurde 1969 gegründet. Ziel war, den medizinischen Versorgungsnotstand für dialysepflichtige Patienten in Deutschland zu beheben. Vom Wegbereiter für eine flächendeckende Dialyseversorgung hat sich das KfH bis heute zum nephrologischen Gesamtversorger entwickelt, der eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung nierenkranker Patienten bietet. In rund 200 KfH-Zentren werden etwa 17.400 Dialysepatienten sowie aktuell mehr als 80.000 Sprechstundenpatienten umfassend behandelt.
Was bedeutet „Hypertonie“?
Der Begriff Hypertonie (Bluthochdruck) stammt aus dem Griechischen und Lateinischen und bedeutet wörtlich „erhöhter Druck“. Von arterieller Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Dadurch muss das Herz stärker arbeiten und Gefäße sowie Organe werden langfristig geschädigt.
Blutdruckwerte verstehen
Ein Blutdruckwert wird immer mit zwei Zahlen angegeben, zum Beispiel: 120 / 80 mmHg. Die Einheit mmHg bedeutet „Millimeter Quecksilbersäule“. Der obere Wert zeigt den systolischen Blutdruck an. Er entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt. Der untere Wert ist der diastolische Blutdruck. Er misst den Druck in den Gefäßen während der Entspannungsphase des Herzens.
Wann ist der Blutdruck normal?
| Kategorie | Blutdruck |
| Optimal | unter 120 / 80 mmHg |
| Normal | unter 130 / 85 mmHg |
| Hochnormal | 130–139 / 85–89 mmHg |
| Hypertonie Grad 1 | 140–159 / 90–99 mmHg |
| Hypertonie Grad 2 | 160–179 / 100–109 mmHg |
| Hypertonie Grad 3 | ab 180 / 110 mmHg |
Wann sollte man dringend ärztliche Hilfe suchen?
Bei Werten von:
- über 180 systolisch oder
- über 120 diastolisch
vor allem zusammen mit Symptomen wie:
- Brustschmerzen
- Atemnot
- neurologischen Ausfällen
- starken Kopfschmerzen
- Sehstörungen
muss rasch ärztlich abgeklärt werden. Dann kann ein sogenannter hypertensiver Notfall vorliegen.
Ursachen von Hypertonie
Die Primäre (essenzielle) Hypertonie macht etwa 90 % der Fälle aus. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen:
- genetische Veranlagung
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- salzreiche Ernährung
- Rauchen
- Alkohol
- chronischer Stress
- höheres Alter
Für eine Sekundäre Hypertonie ist eine konkrete Erkrankung die Ursache, zum Beispiel:
- Nierenerkrankungen
- hormonelle Störungen
- Schilddrüsenerkrankungen
- Schlafapnoe
- bestimmte Medikamente (zum Beispiel Kortison)
Welche Symptome können auftreten?
Bluthochdruck bleibt oft lange unbemerkt. Deshalb nennt man ihn auch den „stillen Killer“. Mögliche Beschwerden sind:
- morgendliche Kopfschmerzen
- Schwindel
- Ohrensausen
- Herzklopfen
- Nervosität
- Nasenbluten
- Kurzatmigkeit
- Sehstörungen
- schnelle Erschöpfung
Viele Betroffene haben jedoch gar keine Symptome.
Warum ist Hypertonie gefährlich?
Dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt Gefäße und Organe.
Mögliche Folgen:
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Herzschwäche
- Herzrhythmusstörungen
- Nierenschäden
- Netzhautschäden am Auge
- Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
Je länger Hypertonie unbehandelt bleibt, desto höher ist das Risiko schwerer Folgeerkrankungen.
Behandlung der Hypertonie
Eine Lebensstiländerung ist die wichtigste Basistherapie. Empfohlen werden:
- Gewichtsreduktion
- regelmäßige Bewegung
- salzarme Ernährung
- mediterrane Kost
- Rauchstopp
- weniger Alkohol
- Stressabbau
- ausreichend Schlaf
Bereits kleine Veränderungen können den Blutdruck deutlich senken.
Blutdrucksenkende Medikamente kommen zum Einsatz, wenn Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichen oder hohe Werte vorliegen. Häufig verwendete Medikamente-Gruppen sind:
- ACE-Hemmer
- Sartane
- Betablocker
- Calciumkanalblocker
- Diuretika („Wassertabletten“)
Oft werden mehrere Wirkstoffe kombiniert.
Wichtig zu wissen
Hypertonie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit – aber auch eine der am besten behandelbaren. Entscheidend ist:
- regelmäßiges Messen,
- frühe Diagnose,
- konsequente Behandlung.
So lassen sich schwere Folgeerkrankungen oft verhindern. pm/tok