
Zum Schutz vor HPV-bedingtem Krebs ist für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren in Deutschland die Impfung gegen HPV empfohlen. In Baden-Württemberg waren 2024 aber erst 42 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 26 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Foto: kerkezz/stock.adobe.com
Schutzlücken in Baden-Württemberg, obwohl Impfen gegen RSV und HPV positive Auswirkungen zeigt
Bereits zum 20. Mal findet in diesem Jahr die Europäische Impfwoche statt. Das diesjährige Motto lautet dabei „Impfstoffe wirken für jede Generation“. Positive Auswirkungen von Impfungen können auch in Deutschland und Baden-Württemberg beobachtet werden. Nach wie vor bestehen in Baden-Württemberg jedoch erhebliche Impflücken.
„Ich werde nicht müde, auf die Bedeutung von Impfungen aufmerksam zu machen. Die positiven Auswirkungen, die wir beobachten, sind wirklich beeindruckend,“ sagte Gesundheitsminister Manne Lucha in Stuttgart.
Positive Auswirkungen der RSV-Prophylaxe bemerkbar
Aufgrund eines erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe wird seit Juni 2024 für die unter Einjährigen eine Prophylaxe gegen das Respiratorische Synzytial Virus (RSV) von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Dabei erhalten Neugeborene und Säuglinge Antikörper, die vor schweren RSV-Erkrankungen schützen.
Der Schutzeffekt hat sich bereits in der darauffolgenden RSV-Saison deutlich gezeigt. Während die Gesamtzahl der übermittelten RSV-Fälle in Baden-Württemberg in der Saison 2024/25 im Vergleich zur Vorsaison leicht anstieg, halbierte sich die Zahl der übermittelten Fälle bei den unter Einjährigen nahezu. Zwischen April und September des Jahres 2024 und damit im ersten Jahr seit Einführung der Empfehlung erhielten in Baden-Württemberg 47 Prozent der Säuglinge eine RSV-Prophylaxe.
RSV-Erkrankungen treten saisonal gehäuft von Oktober bis März auf. Die STIKO empfiehlt die RSV-Prophylaxe allen Neugeborenen und Säuglingen vor ihrer ersten RSV-Saison. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen die Prophylaxe möglichst zwischen September und November erhalten. Neugeborene, die zwischen Oktober bis März geboren werden, sollen die Prophylaxe möglichst rasch nach der Geburt bekommen.
| Anzahl der in Baden-Württemberg übermittelten RSV-Fälle nach Saison (40. KW bis 20. KW im Folgejahr) | |||
| Alter | 2023/24 | 2024/25 | Änderung zwischen den Saisons in % |
| Unter Einjährige | 1.490 | 769 | -48 % |
| Einjährige und älter | 3.223 | 4.498 | +40 % |
| Alle Altersgruppen | 4.713 | 5.267 | +12 % |
Gebärmutterhalskrebs geht in jüngerer Altersgruppe mit Impfempfehlung zurück
Während die RSV-Prophylaxe unmittelbar Säuglinge vor schweren Erkrankungen schützt, entfaltet die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die ab dem Kindes- und Jugendalter empfohlen ist, ihre Wirkung erst im Laufe des Lebens. Bestimmte HPV-Typen können Krebs am Gebärmutterhals, im Rachen und im Anogenitalbereich auslösen.
Zum Schutz vor HPV-bedingtem Krebs ist für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren in Deutschland die Impfung gegen HPV empfohlen. In Baden-Württemberg waren 2024 aber erst 42 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 26 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Die Quoten liegen damit deutlich unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation angestrebten 90 Prozent. Dabei zeigt sich bereits jetzt: die HPV-Impfung wirkt.
Trotz der in Deutschland vergleichsweise niedrigen Impfquoten werden laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts erste schützende Effekt auf Bevölkerungsebene sichtbar. So ging die Rate der Neuerkrankungen mit Gebärmutterhalskrebs bei jüngeren Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren zurück. Sie ist von 7,8 pro 100.000 Frauen im Jahr 2015 kontinuierlich auf 4,3 im Jahr 2023 gesunken.
In der nächsthöheren Altersgruppe, für die zum damaligen Zeitpunkt noch keine HPV-Impfempfehlung bestand, ist hingegen kein eindeutiger Trend erkennbar. Die STIKO hatte die Empfehlung zur HPV-Impfung 2007 für Mädchen und 2018 für Jungen ausgesprochen.
„Mit höheren HPV-Impfquoten können wir zukünftig noch mehr HPV-bedingte Krebsfälle verhindern. Diese Chance sollte alle Kinder und Jugendlichen nutzen“, so Minister Lucha.
Zwei frühe Impfdosen für vollständigen Impfschutz
Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Impfdosen erforderlich. Wenn die HPV-Impfung verpasst wurde, sollte sie spätestens bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Wird die Impfung erst nach dem 15. Geburtstag begonnen, sind für den vollständigen Schutz drei Impfungen notwendig. HPV-Impfungen können zum Beispiel durch den Kinderarzt, die Hausärztin oder den Frauenarzt verabreicht werden.
„Nutzen Sie die Europäische Impfwoche und lassen Sie den Impfpass Ihrer Kinder und auch Ihren eigenen Impfpass prüfen! Verpasste Impfungen können meistens nachgeholt werden“, motiviert Minister Lucha zu dieser effektiven Selbstschutz-Maßnahme.
Bei Fragen zu Impfungen und Impfempfehlungen wenden Sie sich an die Ärztin oder den Arzt Ihres Vertrauens oder an das Gesundheitsamt. Eine gute Übersicht zu Informationen rund um das Thema Impfen bietet zudem die Webseite http://www.infektionsschutz.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Die Impfempfehlungen der STIKO sind übersichtlich im Impfkalender dargestellt. Das Impfgeschehen in Deutschland zeigt das Robert Koch-Institut unter https://www.rki.de/vacmap.

Den Impfkalender der STIKO und weitere Infografiken finden Sie hier: https://www.infektionsschutz.de/mediathek/impf-materialien/