
Kopfläuse sind winzig, flink – und wenn man kleine Kinder hat, sind sie eine ständige Last. Vital-Rgeion.de erklärt, wie man die Plagegeister wieder los wird. Foto: New Africa/stock.adobe.com
Kopflaus-Alarm: So erkennt, behandelt und verhindert man den Befall richtig
Kopfläuse sind gefürchtet und zugleich ein Tabuthema. Viele Eltern empfinden es auch deshalb als unangenehm, wenn ihre Kinder betroffen sind. „Aber es hilft ja nichts, nicht darüber zu reden“, sagt Jan Krüger, Vorsitzender der Deutschen Pediculosis Gesellschaft e.V. „Und ein Aushang ‚Wir haben Kopfläuse‘ im Kindergarten nützt nur dann etwas, wenn die Eltern auch wissen, wie man richtig vorgeht.“
Im Magazin „Apotheken Umschau ELTERN“ gibt Krüger Tipps, was man gegen Läuse tun kann.
Beruhigend: Kopfläuse sind keine klassischen Krankheitsüberträger
Sie sind winzig, flink – und irgendwie ewig präsent: Kopfläuse. Besonders in Kitas und Schulen tauchen sie zuverlässig immer dann auf, wenn keiner sie braucht. Doch was richten die kleinen Blutsauger eigentlich an – und wie wird man sie wieder los? Kopfläuse sind keine Gefahr für die Gesundheit, aber äußerst lästig. Typisch ist starker Juckreiz auf der Kopfhaut, meist hinter den Ohren und im Nacken. Dieser entsteht, weil die Laus beim Blutsaugen Speichel abgibt – der wiederum kleine allergische Reaktionen auslöst.
Kratzt man sich zu sehr, können sich die Wunden entzünden oder bakteriell infizieren. Krankheiten im klassischen Sinn übertragen Kopfläuse hierzulande aber nicht.
„Kopfläuse sind unangenehm, aber kein Zeichen mangelnder Hygiene – sie bevorzugen sauberes Haar genauso wie ungewaschenes.“
Robert Koch-Institut
Diagnose mit nassem Auskämmen
Pediculus humanus capitis ist der wissenschaftliche Name der Laus. Jan Krüger hat die Gesellschaft gegründet, als seine Töchter klein waren und öfter Kopfläuse hatten – und es keine zugänglichen und verlässlichen Quellen gab, wie man die Tiere am besten loswird. „Es gab ein Informationsvakuum“, so Krüger. „Wir wollten es schließen und wissenschaftlich fundierte Infos zusammentragen.“
Doch wie sollten Eltern gegen Kopfläuse vorgehen? „Goldstandard ist die Diagnose mit nassem Auskämmen: Haare waschen, eine Pflegespülung hinein, damit sie leichter kämmbar sind, und dann mit einem guten Läusekamm auf ein weißes Blatt auskämmen“, erklärt Krüger. Damit finde man Läuse zuverlässiger, als selbst Fachleute sie mit Lupe und Licht entdecken können. Beim Läusekamm empfiehlt Julia Koch, Apothekerin aus Horneburg, Modelle aus Metall: „Die Zinken sind meist länger und erwischen so mehr Läuse und Nissen.“
Mittel gegen Kopfläuse wirken nur auf lebende Läuse
Die wichtigste Regel bei Kopflaus-Befall: Ruhe bewahren – und gezielt behandeln. Die in der Apotheke verfügbaren Mittel gegen Läuse sind typischerweise Sprays oder Shampoos, die eine Weile im Haar einwirken. Moderne Kopflausmittel enthalten Wirkstoffe wie Dimeticon (ein Silikonöl), Cyclomethicon oder Coconut-Oil-Derivate, die die Läuse und Nissen physikalisch ersticken. Diese Mittel sind gut verträglich, frei von Insektengiften und gelten als erste Wahl.
„Wichtig ist: Alle Mittel wirken nur auf lebende Läuse, nicht auf die Eier. Daher muss man die Behandlung nach etwa neun Tagen wiederholen“, empfiehlt Krüger. Dann sind die Läuse geschlüpft, haben sich aber idealerweise noch nicht vermehrt. Zusätzlich hilft sorgfältiges Auskämmen mit einem feinen Nissenkamm – am besten täglich über mehrere Tage. Mit etwas Geduld – meist rund drei Wochen – ist man die Läuse dann los.

Keine Übertragung über Mützen oder Kleidung?
Komplett verhindern lässt sich Kopflausbefall kaum. Aber: Läuse können weder springen noch fliegen, sie krabbeln nur von Kopf zu Kopf – meist beim engen Kontakt. Ein besonders hartnäckiger Mythos über Kopfläuse ist laut Krüger der Glaube, dass Läuse über Mützen oder Bettwäsche übertragen werden. Eine große australische Studie aber hat gezeigt: Auf Kleidung fand sich keine einzige Laus, wohl aber viele auf den Köpfen der Kinder. „Trotzdem stecken Eltern noch immer Kleidung in Plastiksäcke oder waschen alles durch“, sagt Kopflaus-Experte Krüger. „Wer sich damit wohler fühlt, kann das natürlich machen – es ist aber überflüssig.“
In vielen anderen Publikationen kann man aber noch Empfehlungen lesen, wie „keine Bürsten, Mützen oder Haargummis teilen“. In Familien oder Wohngemeinschaften sollte man auf jeden Fall alle Köpfe kontrollieren und gegebenenfalls gleichzeitig behandeln. Bettwäsche, Mützen oder Kuscheltiere gelten nach einem Waschgang bei 60 Grad als sicher kopflausfrei. Dinge, die sich nicht waschen lassen, kann man für zwei bis drei Tage in einen geschlossenen Plastiksack legen – Läuse überleben ohne Blut so lange nicht. pm/tok
Kopflaus-Fakten
- Inkubationszeit: 7–10 Tage bis zum Schlüpfen der Nissen
- Übertragung: nur durch engen Kopfkontakt
- Krankheiten: keine Überträgerfunktion in Mitteleuropa
- Wirkstoffe: Dimeticon, Cyclomethicon, Kokosöl-Derivate
- Wiederholungsbehandlung: nach 8–10 Tagen notwendig
- Hygiene-Tipp: Textilien bei 60 °C waschen
Eine erwachsene Kopflaus ist kaum größer als ein Sesamkorn – aber schafft es, täglich bis zu zehn Eier (Nissen) zu legen. Kein Wunder, dass sie sich so hartnäckig hält!