Pupsen ist normal, erleichternd und Zeichen für eine funktionierende Verdauung. Nur ein sehr kleiner Anteil der Fürze stinkt. Zum Problem für Mitmenschen wird so ein Darmwind jedoch, wenn sich die abgehenden Gase in kleinen Räumen wie etwa einem Fahrstuhl stauen. Foto: Diane Diederich/stock.adobe.com

Warum wir pupsen, wann ein Furz stinkt und was wirklich gegen Blähungen hilft

Es gibt Themen, über die Menschen ungern sprechen – obwohl sie praktisch jeder täglich erlebt. Für den großen Reformator Martin Luther (1483–1546) war das offenbar kein Problem. „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“, soll er seine Tischgäste gefragt haben. Historisch ist das nicht belegt, aber mit abgehenden Körpergasen scheint er gerne in Verbindung gebracht zu werden, wie ein weiteres, „popoläres“ Zitat beweist: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“ Aber was hat es nun wissenschaftlich, medizinisch gesehen mit dem Pupsen auf sich?

Das Furzen, oder, etwas höflicher formuliert, das Abgehen von Darmgasen ist menschlicher Alltag. Medizinisch heißt das Ganze Flatulenz, umgangssprachlich Pups, Wind, Darmwind oder eben schlicht Furz. Dabei ist das Pupsen keineswegs nur eine peinliche Randerscheinung des Alltags. Darmgase verraten viel über Ernährung, Verdauung, Darmflora und sogar über Stress. Ärzte sehen regelmäßige Gasabgänge sogar als Zeichen dafür, dass der Verdauungstrakt arbeitet.

Doch warum entstehen diese Gase überhaupt? Warum stinken manche Winde wie faule Eier, während andere nahezu geruchlos sind? Und stimmt es wirklich, dass Männer lauter furzen als Frauen? Die Wissenschaft hat erstaunlich viele Antworten.

Verschluckte Luft und verschiedene Verdauungsgase  

Ein Pups besteht aus Gasen, die im Verdauungstrakt entstehen oder verschluckt werden. Ein Teil der Luft gelangt bereits beim Essen und Trinken in den Körper. Wer hastig isst, viel spricht, durch Strohhalme trinkt oder Kaugummi kaut, schluckt besonders viel Luft. Diese Luft enthält vor allem Stickstoff und Sauerstoff. Ein Teil wird später als Rülpser wieder ausgeschieden, ein anderer wandert weiter in den Darm.

Die Mischung aus zerkautem, mit Spucke angereichertem Speisebrei, Sauerstoff und Stickstoff rutscht über die Speiseröhre in den Magen. Dort mischt sich der Brei mit Magensäure. Die eigentliche „Gasfabrik“ sitzt allerdings tiefer: im Dünn- und Dickdarm. Im Dünndarm wird die Magensäure neutralisiert. Dabei entsteht wie auch bei der Fettverdauung das geruchlose Gas Kohlendioxid. Im Dickdarm zerlegen Milliarden Darmbakterien unverdauliche Nahrungsreste. Besonders ballaststoffreiche Lebensmittel wie Bohnen, Linsen oder Kohl werden von den Mikroorganismen vergoren. Dabei entstehen Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Kohlendioxid und Methan. Insgesamt produziert der Mensch im Durchschnitt zwischen 0,5 und 1,5 Liter Darmgas pro Tag. Manche Studien nennen sogar bis zu 2,5 Liter. Der Großteil der Gase ist aber geruchlos.

Übrigens: Nicht jeder produziert Methan. Nur ein Teil der Menschen besitzt bestimmte Darmbakterien, die dieses Gas bilden. Deshalb unterscheiden sich auch Geruch und Zusammensetzung der Darmwinde von Mensch zu Mensch. Und noch ein kurioser Fakt: Darmgase können theoretisch brennbar sein. Wasserstoff und Methan sind entzündlich. Die Mengen im Alltag sind zwar harmlos – trotzdem erklärt das, warum das berühmte „Feuerzeug-Experiment“ am Hinterteil keine gute Idee ist.

So gelangen unsere Verdauungsabgase aus dem Körper

Nicht alle Gase verlassen den Körper mehr oder minder lautstark durch den Anus. Beim Rülpsen (Eruktation) entweicht Luft aus dem Magen durch die Speiseröhre nach oben. Diese Luft gelangt meist unbemerkt in den Körper: beim hastigen Essen, durch kohlensäurehaltige Getränke oder wenn wir während des Essens sprechen und dabei zusätzlich Luft schlucken. Beim sogenannten gastrischen Rülpsen stammt die Luft direkt aus dem Magen. Beim supragastrischen Rülpsen hingegen wird Luft gezielt in die Speiseröhre eingesogen und sofort wieder ausgestoßen. Letzteres ist kein natürlicher Reflex, sondern oft ein erlerntes Verhalten, das bei Stress oder Nervosität verstärkt auftreten kann. Dieser Reflex ist wichtig, um den Magen zu entlasten und ein unangenehmes Völlegefühl zu vermeiden.

Der größte Abluftanteil gelangt jedoch über die Darmwand ins Blut und wird völlig unspektakulär und geräuschlos über die Lunge abgeatmet. Deshalb können Ärzte mit Atemtests sogar bestimmte Verdauungsstörungen erkennen. Nur ein kleiner Teil endet tatsächlich als Furz. Und der Teufel steckt hier im Detail, beziehungsweise der teuflische Geruch, denn nur etwa ein Prozent des über den Anus ins Freie gelangenen Darmwind-Gasgemisches soll für den üblen Geruch sorgen. Kurios: Wenn Menschen gesund und vegetarisch essen wollen, müssen sie mit übler riechenden Pupsen rechnen. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Quinoa, Brokkoli oder Nüsse kurbeln die Gasproduktion an. Das gilt auch für schwefelhaltige Lebensmittel wie Bohnen, Kohl und Zwiebeln. Doch Fleischesser bleiben nicht verschont, den sie nehmen die Extraportion Schwefel mit Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten ein.

Wie oft pupsen wir täglich?

Wie oft wir pupsen, hängt stark von Ernährung, Darmflora und individuellen Faktoren ab. Als normal gelten etwa 10 bis 20 Gasabgänge pro Tag. Manche Fachgesellschaften nennen sogar bis zu 24 Winde täglich als unbedenklich. Problematisch wird es erst, wenn starke Schmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust oder plötzlich massive Veränderungen hinzukommen. Dann können Erkrankungen wie Reizdarm, Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen dahinterstecken.

Vor allem Fruktose gilt als häufiger Auslöser. Der Fruchtzucker steckt nicht nur in Obst, sondern auch in Säften, Softdrinks und vielen Fertigprodukten. Wird Fruktose im Dünndarm nicht vollständig aufgenommen, landet sie im Dickdarm – dort freuen sich die Bakterien über das Festmahl und produzieren reichlich Gase. Ähnlich verhält es sich mit Milchzucker. Wer Laktose schlecht verträgt, bekommt nach Kaffee mit Milch oft ein grummelndes Bauchgefühl.

Auch Stress spielt eine Rolle. Unter Anspannung verändert sich die Darmbewegung. Manche Menschen schlucken unbewusst mehr Luft, andere reagieren mit einem empfindlicheren Verdauungssystem. Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem und steht in enger Verbindung mit dem Gehirn. Nicht umsonst spricht man von der Darm-Hirn-Achse.

Was riecht denn hier so übel?

Besonders spannend ist die Frage nach dem Gestank – letztlich aber ist sie total überwertet, denn der Anteil der wirklich stinkenden Winde ist erstaunlich klein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass weniger als ein Prozent des gesamten Gasvolumens aus geruchsintensiven Schwefelverbindungen besteht. Die menschliche Nase, im Tierreich nicht gerade als besonders feinsinnig bekannt, nimmt diese Stoffe allerdings schon in winzigsten Mengen wahr.

Warum riechen manche Fürze praktisch gar nicht, während andere Menschen ganze Räume räumen können? Die Antwort liegt in Schwefelverbindungen. Der typische Geruch nach faulen Eiern entsteht vor allem durch Schwefelwasserstoff. Hinzu kommen Stoffe wie Methanthiol oder Dimethylsulfid. Diese Substanzen entstehen beim Abbau eiweißreicher und schwefelhaltiger Lebensmittel – etwa Eier, Fleisch, Kohl oder Zwiebeln. Die meisten Darmgase selbst, darunter Stickstoff, Wasserstoff oder Kohlendioxid, sind dagegen geruchlos.

Übrigens: Nicht jeder produziert Methan. Nur ein Teil der Menschen besitzt bestimmte Darmbakterien, die dieses Gas bilden. Deshalb unterscheiden sich auch Geruch und Zusammensetzung der Darmwinde von Mensch zu Mensch. Und noch ein kurioser Fakt: Darmgase können theoretisch brennbar sein. Wasserstoff und Methan sind entzündlich. Die Mengen im Alltag sind zwar harmlos – trotzdem erklärt das, warum das berühmte „Feuerzeug-Experiment“ keine gute Idee ist.

Stille Schleicher und laute Kracher

Und warum sind manche Fürze laut? Das Geräusch entsteht nicht im Darm, sondern am Ausgang. Wenn Gas durch den Schließmuskel, den Anus und die Gesäßfalten gepresst wird, beginnen diese zu vibrieren – ähnlich wie bei einem Blasinstrument. Lautstärke und Klang hängen davon ab, wie schnell welche Menge Gas entweicht, wie angespannt die Muskulatur ist und in welcher Position man sitzt. Ein harter Holzstuhl kann nämlich den Effekt verstärken.

Geschlechtsbedingte Unterschiede beim Pupsen

Zwischen Männern und Frauen gibt es beim Flatulieren tatsächlich Unterschiede. Studien zeigen, dass Männer im Durchschnitt etwas häufiger furzen – vermutlich wegen größerer Essensmengen und höherem Fleischkonsum. Frauen berichten dagegen häufiger über unangenehme Blähungen oder Völlegefühl. Beim Geruch scheint weniger das Geschlecht als vielmehr die Ernährung entscheidend zu sein, obwohl es auch Hinweise darauf gibt, dass Frauenpupse oft leiser, dafür aber geruchsintensiver sind. Dies könnte der geschlechterbedingten unterschiedlich aufgebauten Darmflora geschuldet sein.

Interessant ist aber das Verhalten: Männer gehen oft entspannter mit dem Thema um, während Frauen Pupse häufiger unterdrücken. Ein Flatulenzlautstärke-Wettbewerb, wie er in Gruppen von männlichen Jugendlichen und angeheiterten Männergruppen zuweilen üblich ist, ist in Frauenkreisen eher ungewöhnlich.

Ist das Zurückhalten von Fürzen ungesund?

Das Unterdrücken des Gasabgangs kann unangenehm werden. Wer Fürze dauerhaft zurückhält, riskiert zwar keinen geplatzten Darm, aber die Gase verschwinden nicht einfach. Sie können Druck, Bauchschmerzen oder Krämpfe verursachen. Ein Teil wird wieder aufgenommen und abgeatmet. Auf Dauer gilt ständiges Unterdrücken allerdings als unangenehm und sozial bedrückend.

Da lohnt es sich, für einen Pups kurz den Raum zu verlassen oder etwas abseits zu stehen. So entlastend das Abwehen von Darmwinden ist, so belastend für das Umfeld können damit verbundene Geräusche und Gerüche sein.

Was hilft wirklich gegen Blähungen?

Von Blähungen sprechen Ärzte, wenn Betroffene unter vermehrter Gasbildung, Druckgefühl oder sichtbar aufgeblähtem Bauch leiden. Der Bauchumfang kann dabei tatsächlich deutlich zunehmen. Manche Menschen sehen am Abend regelrecht aus, als hätten sie mehrere Kleidergrößen zugelegt. Ursache ist oft eine Kombination aus Gasansammlung, träger Darmbewegung und empfindlicher Bauchdecke.

Blähungen gelten nicht automatisch als Krankheit. Häufig sind sie harmlos und ernährungsbedingt. Sie können aber Symptom anderer Erkrankungen sein – etwa bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Reizdarm, Zöliakie oder bakteriellen Fehlbesiedlungen des Dünndarms.

Was hilft? Bewegung gehört zu den wirksamsten Maßnahmen. Spaziergänge regen die Darmbewegung an und helfen beim Abtransport der Gase. Auch Wärme, Bauchmassagen und Entspannungstechniken können helfen. Bewährt haben sich Fenchel-, Kümmel- oder Anistee. Diese Kräuter wirken krampflösend und reduzieren die Gasbildung.

Bei Medikamenten ist die Lage gemischt. Wirkstoffe wie Simeticon oder Dimeticon sollen Gasblasen im Darm zerstören. Sie gelten als gut verträglich, die Studienlage ist jedoch teilweise widersprüchlich. Pflanzliche Präparate mit Pfefferminzöl oder Kümmel werden häufig empfohlen. Für Aktivkohle existieren dagegen nur begrenzte wissenschaftliche Belege. Wer häufig unter massiven Blähungen leidet, sollte nicht nur zu Hausmitteln greifen, sondern mögliche Unverträglichkeiten ärztlich abklären lassen.

So können Sie das Pupsen etwas ausbremsen

Furzen ist normal, medizinisch sinnvoll und ein Zeichen aktiver Verdauung. Problematisch wird es erst bei Schmerzen, starken Veränderungen oder erheblichem Leidensdruck. Der Darm ist eben kein stilles Organ, sondern ein ziemlich gesprächiger Mitbewohner. Man kann jedoch zumindest etwas an der Lautstärke und der Haufigkeit der Windgeräusche regeln, wenn man aktiv gegen Blähungen vorgeht und ein paar Ernährungstipps beachtet. Man kann zum Beispiel öfter einmal den Kaffee durch Tee ersetzen, den Sprudel durch stilles Wasser, gerne auch aus dem Wasserhahn, austauschen. Teemischungen aus Kümmel, Anis und Fenchel sollen die Verdauung anregen und Krämpfe lösen.

Das hilft ebenfalls gegen Blähungen: In Ruhe langsam essen, die Nahrung ausgiebig kauen, nicht zu viel dabei sprechen und sich hinterher einen Verdauungsspaziergang gönnen. Viel Bewegung und Sport sind gute Möglichkeiten, den Blähbauch wieder flacher zu machen. Durch Bewegung wird der Gastransit, also der Weg des Gases durch den Körper, beschleunigt. Auch gut: Kleinere, bei Bedarf auf mehrere Mahlzeiten verteilte Portionen essen und dabei natürlich auf blähende Lebensmittel verzichten. tok

Diese Lebensmittel fördern die Gasentwicklung

  • Besonders ballaststoffreich: Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Vollkornprodukte, Getreideflocken
  • Besonders schwefelhaltig: Eier, Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Fleisch, Bohnen
  • Fruktosereich: Apfelsaft, Birnen, Softdrinks, Trockenfrüchte
  • Laktosehaltig: Milch, Sahne, Eiscreme
  • Kohlensäurehaltig: Mineralwasser, Bier, Limonaden

Diese Kräuter und Gewürze können die Gasentwicklung mindern

  • Fenchel – krampflösend und entblähend
  • Kümmel – unterstützt die Verdauung
  • Anis – entspannt die Darmmuskulatur
  • Pfefferminze – kann Bauchkrämpfe lindern
  • Ingwer – fördert die Magen-Darm-Bewegung
  • Kamille – beruhigt den Verdauungstrakt
  • Bohnenkraut
  • Petersilie
  • Dill
  • Liebstöckel
  • Thymian
  • Rosmarin
  • Koriander
  • Lavendel

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen
Im YouTube-Video „Blähbauch loswerden: Was tun gegen Blähungen?“ von „AOK – Der Gesundheitskanal“ erklärt „Doc Felix“, was im Körper passiert, welche Lebensmittel einen aufgeblähten Bauch verursachen und was man dagegen tun kann, um sie schnell loswerden zu können.  

Als Pupsen noch große Kunst war: Die fast vergessene Geschichte der Kunstfurzer

Heute gilt Furzen meist als peinliche Panne beim Familienessen oder als pubertärer Witz auf dem Schulhof. Doch über Jahrhunderte hinweg war kontrolliertes Pupsen tatsächlich eine anerkannte Bühnenkunst. Kunstfurzer traten an Königshöfen auf, begeisterten in Varietés das Publikum – und verdienten mit ihren Darmwinden teilweise mehr Geld als Sänger oder Zauberer.

Der Superstar des Moulin Rouge

Der berühmteste Vertreter dieser kuriosen Zunft war der Franzose Joseph Pujol, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Le Pétomane“ – auf Deutsch etwa „der Furzkünstler“ oder „Furzoman“. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er in Paris zur Sensation. Pujol trat ab den 1890er-Jahren im legendären Moulin Rouge auf. Anders als gewöhnliche Menschen konnte er Luft gezielt durch den After einsaugen und kontrolliert wieder ausstoßen. Damit erzeugte er erstaunliche Geräusche und Melodien.
Zeitgenössische Berichte schildern, dass er mit der Luft aus seinem Hinterteil
• Märsche imitierte,
• Tiergeräusche nachahmte,
• Kerzen ausblies,
• Instrumente imitierte,
• und sogar bekannte Musikstücke „spielte“.
Das Publikum war begeistert. Manche Abende lockten mehr Zuschauer an als berühmte Tänzerinnen oder Sänger. Berichten zufolge verdiente Pujol zeitweise enorme Summen und galt als einer der bestbezahlten Entertainer Frankreichs.

Wie funktionierte das Kunstfurzen?

Die meisten Menschen können Darmgase nur begrenzt kontrollieren. Kunstfurzer wie Pujol trainierten dagegen ihre Beckenboden- und Schließmuskulatur extrem gezielt. Historiker und Mediziner vermuten, dass Pujol Luft in den Enddarm einsaugen konnte – ähnlich wie manche Menschen Wasser „hochziehen“ können.
Dadurch entstanden kontrollierbare Luftströme, die sich rhythmisch und in unterschiedlicher Lautstärke entweichen ließen. Das eigentliche Geräusch entsteht – wie beim normalen Furz – durch Vibrationen des Anus, des Schließmuskels und der Gesäßfalten. Mit Verdauung oder echten Darmgasen hatte die Kunst oft nur wenig zu tun. Viele Nummern basierten eher auf eingesaugter Luft als auf natürlichen Blähungen.

Kunstfurzer gab es schon im Mittelalter

Historiker gehen davon aus, dass professionelle Furz-Unterhalter deutlich älter sind als das Varieté des 19. Jahrhunderts. Bereits im Mittelalter tauchen sogenannte „Flatulisten“ in Chroniken auf. Besonders bekannt ist der englische Hofnarr Roland the Farter, der im 12. Jahrhundert am Hof von König Heinrich II. lebte. Der Mann erhielt angeblich Landbesitz dafür, dass er jedes Jahr zu Weihnachten eine besondere Darbietung aufführte: einen Sprung, einen Pfiff – und einen Furz gleichzeitig. Was heute wie ein Internetwitz klingt, gilt tatsächlich als historisch belegt.

Warum liebten Menschen solche Shows?

Varietés lebten von Überraschung, Tabubrüchen und körperlichem Humor. Furzkunst verband gleich mehrere Dinge:
• etwas Verbotenes,
• körperliche Akrobatik,
• Musik,
• und absurde Komik.
Hinzu kam: Die Zuschauer wussten oft nicht, wie die Kunststücke funktionierten. Viele hielten sie zunächst für Tricktechnik oder versteckte Instrumente.
Vereinzelt gibt es Kunstfurzer heute noch. Auch im 20. und 21. Jahrhundert traten immer wieder Künstler mit ähnlichen Nummern auf. In modernen Comedy-Shows oder Zirkusprogrammen taucht die Tradition gelegentlich wieder auf – meist allerdings als ironische Hommage. Die große Zeit der professionellen Flatulisten endete mit dem Niedergang klassischer Varietés. Dennoch gilt „Le Pétomane“ bis heute als eine der ungewöhnlichsten Bühnenlegenden Europas. tok