
2024 meldete die Polizei in Deutschland knapp 12.000 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden, etwa 27 Prozent mehr als 2023. Fast die Hälfte der Verunglückten war jünger als 25 Jahre. Über die Hälfte der Verletzungen gab es im Kopf- und Gesichtsbereich. Foto: Pixel-Shot/stock.adobe.com
Oben ohne auf dem E-Scooter: 27 Rollerfahrer sterben 2024 – viele schwere Kopfverletzungen
Sie sind praktisch und in vielen Städten dank zahlreicher Anbieter fast überall verfügbar: elektrisch betriebene Tretroller, genannt E-Scooter. Aber: Seit der Zulassung von E-Scootern in Deutschland im Jahr 2019 hat ihre Nutzung stark zugenommen, ebenso wie die damit verbundenen Unfälle, bei denen 2024 insgesamt 27 Menschen ihr Leben verloren haben.
Allein 2024 meldete die Polizei in Deutschland knapp 12.000 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden, etwa 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders auffällig: Fast die Hälfte der Verunglückten war jünger als 25 Jahre, über 80 Prozent waren unter 45 Jahre alt. Alkohol spielte dabei in etwa 12,4 Prozent der Fälle eine Rolle, und häufig führte eine falsche Nutzung von Gehweg oder Fahrbahnen zum Unfall. Ebenso wird eine unangepasste Geschwindigkeit immer wieder als Unfallgrund genannt.
Gründe für die Unfälle und die Art der Verletzungen
„Viele Nutzerinnen und Nutzer von E-Scootern ignorieren die Regeln zur Nutzung von Radwegen und Schutzstreifen, aus Mangel an Aufmerksamkeit oder Kenntnis“, weiß Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin der BARMER. Besonders nachts und an Wochenenden steigen Risiko und Unfallzahlen. Schwer wiegen die Verletzungen, die bei Unfällen mit E-Scootern entstehen.
Häufig betroffen sind Kopf und Gesicht, aber auch Arme und Hände, da sich viele beim Sturz reflexartig abstützen. „Wir sehen in der Praxis vor allem Kopfverletzungen, darunter Schädel-Hirn-Traumata, sowie Brüche an Unterarmen und Händen. Auch Frakturen der unteren Extremitäten kommen regelmäßig vor. Der fehlende Helm ist dabei der größte Risikofaktor“, erklärt die Medizinerin.
Helmpflicht und Geschwindigkeit: Maßnahmen zur Unfallreduzierung
Die Einführung einer Helmpflicht bei der Nutzung könnte helfen, um schwere Kopfverletzungen zu vermeiden. Ein solche ist in Italien und Australien bereits üblich. Ebenso können das Drosseln der Höchstgeschwindigkeit sowie eine eingeschränkte Betriebszeit mögliche Maßnahmen sein, um Unfälle zu verhindern.
Im norwegischen Oslo existiert ein solches Fahrverbot für Mietroller bereits zwischen 23 Uhr und 5 Uhr, im finnischen Helsinki wurde die zugelassene Höchstgeschwindigkeit für E-Scooter am Wochenende von 25 auf 15 Stundenkilometer reduziert. „E-Scooter sind keine Spielzeuge und die Statistik zeigt klar: Junge Menschen haben ein erhöhtes Unfallrisiko. Mehr Regelbewusstsein und Sicherheit im Verkehr sind nötig“, so Dr. Marschall.
Oben ohne ist viel zu gefährlich
Neben der schnellen Verfügbarkeit und der leichten Handhabung sind E-Scooter ein beliebtes Fortbewegungsmittel, das gerade im innerstädtischen Verkehr dem Auto und den Bussen zumindest bei schönem Wetter klar überlegen sein kann. Und E-Scooter sind auch beliebt, weil es dafür keinen Helmzwang gibt, man also keinen Kopfschutz mitnehmen muss. Dabei könnten einfache Fahrradhelme, wie sie inzwischen von vielen Radlern klaglos getragen werden, zahlreiche schwere Kopfverletzungen verhindern oder abmildern.
Fahrradhelme gelten in der Unfallforschung seit vielen Jahren als wirksamer Schutz vor schweren Kopfverletzungen. Zahlreiche Studien, unter anderem aus der Unfallforschung der Versicherer, von der Weltgesundheitsorganisation WHO und diversen Universitäten zeigen, dass das Risiko schwerer Kopfverletzungen durch einen Helm im Schnitt um 60 Prozent bis 80 Prozent reduziert werden kann. Auch Schädel-Hirn-Traumata lassen sich deutlich abmildern. Allerdings: Einen vollständigen Schutz gibt es nicht – bei sehr schweren Unfällen mit hohen Geschwindigkeiten oder bei seitlichem Anprall sind Helme begrenzt wirksam.
Vorteile:
- Reduziert Risiko für Schädelbrüche, Gehirnerschütterungen und Hirnblutungen.
- Besonders effektiv bei Stürzen auf Asphalt oder Bordsteinkanten.
- Erhöht subjektives Sicherheitsgefühl, was viele Menschen zum Radfahren motiviert.
Nachteile:
- Der Fahrradhelm schützt nicht den gesamten Körper, vor allem nicht Gesicht, Hals oder innere Organe.
- In sehr heißen Klimazonen kann ein Helm als unangenehm empfunden werden (Hitzestau).
In der Diskussion:
- Manche Kritiker sehen eine mögliche „Risikokompensation“ (Fahrende fühlen sich sicherer und fahren riskanter) – wissenschaftlich aber nur schwach belegt.
- Optik und Tragekomfort werden oft als Hindernis genannt, wobei moderne Modelle dies stark verbessern.

Welche Verletzungen werden verhindert oder abgemildert?
Ein Fahrradhelm kann insbesondere bei Kopfaufprall schützen. Typische Unfallfolgen, die abgemildert werden:
- Schädelbrüche → die Helmschale verteilt den Aufprall.
- Gehirnerschütterung und Gehirnprellung → Energieaufnahme durch Schaumstoff vermindert die Kraftübertragung.
- Intrakranielle Blutungen (Hirnblutungen) → Risiko deutlich reduziert.
- Gesicht und Kiefer → nur eingeschränkt geschützt (Visierhelme bieten etwas mehr Schutz).
- Nackenverletzungen → Studien zeigen keinen Anstieg; einige Modelle mit Rotationsschutz (MIPS) mindern sogar Schleuderkräfte.
Weniger Einfluss haben Helme auf:
- Frakturen an Armen/Beinen
- Rumpfverletzungen
- Unfälle mit sehr hohen Geschwindigkeiten oder schweren Kollisionen mit Autos
Was dem Radler nützt, kann auch dem Rollerfahrer helfen
Grundsätzlich gilt: Für E-Scooter wäre die Helmnutzung besonders empfehlenswert, da Kopf- und Gesichtsverletzungen dort statistisch noch häufiger auftreten. Das zeigen Studien aus Kliniken zum Beispiel in Deutschland, den USA und Australien. Die Mechanik von Stürzen auf E-Scootern ähnelt stark der von Fahrrädern: niedrige bis mittlere Geschwindigkeit, hohes Sturzrisiko über den Lenker, harter Aufprall auf Kopf oder Gesicht.
Ein Fahrradelm könnte hier also:
- das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich senken (vergleichbar wie beim Rad) und
- besonders bei Stürzen über Unebenheiten oder Bremsfehlern schützen.
Bei E-Scootern sind zusätzlich Gesichtsverletzungen sehr verbreitet. Ein Helm mit Visier oder Kinnschutz wäre teilweise noch sinnvoller. pm/tok