
Kann das Smartphone Pickel verursachen? Handy-Akne ist zwar kein medizinischer Fachbegriff, aber das mobile Telefon birgt tatsächlich Risiken für die Haut, denn Smartphones gehören zu den am stärksten belasteten Alltagsgegenständen. Foto: Outkast – KI-generiert/stock.adobe.com
Mythos Handy-Akne: Wenn das Smartphone mit Streptokokken und Fäkalien-Spuren Pickel macht
„Dem Smartphone werden bekanntlich einige schädliche Wirkungen nachgesagt. Angefangen von angeblich durch Handystrahlung verursachten Beschwerden über Handgelenksschmerzen, Kopfschmerz und trockene Augen bis hin zu Einschlafproblemen. Aber kann das Smartphone auch zur Handy-Akne führen?“ Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer sieht es so: „Verantwortlich dafür ist letzten Endes mangelnde Hygiene, wenn man zum Beispiel das Handy nutzt, ohne vorher die Hände gewaschen zu haben.“
„Grundsätzlich ist es so, dass sich auf der Haut regelmäßig Bakterien befinden, die auch Hautunreinheiten verursachen können. Das Smartphone kann diesen Effekt an den Hautpartien, mit denen es häufig in Kontakt kommt, noch verstärken. In der Folge kann es zu roten Pickeln, Mitessern oder entzündeten Stellen kommen. Etwa an der Wange. Dies liegt daran, dass sich auf dem Smartphone zahlreiche Bakterien niederlassen können.“
Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer
Streptokokken und Fäkalien-Spuren auf dem Smartphone
Das Smartphone ist für viele Menschen ständig in der Hand – oder direkt am Gesicht. Telefonieren, Nachrichten schreiben, Videos schauen: Durchschnittlich mehrere Stunden täglich verbringen Menschen mit ihrem Handy. Dermatologen beobachten dabei zunehmend Hautprobleme, die im Zusammenhang mit Smartphones auftreten können. Im Internet kursiert dafür ein Begriff: Handy-Akne.
„Für eine Studie in der Fachzeitschrift „The International Journal of Clinical Practice“ nahmen Forscher Abstriche von Handy-Displays und fanden Staphylokokken, Streptokokken und andere potenzielle Krankheitserreger. Jedes sechste Handy war sogar mit Fäkalien-Spuren belastet“, erklärt Ursula Marschall. Ihr Tipp: „Deshalb ist es ratsam, Smartphones regelmäßig mit antiseptischen Tüchern oder mit einem Hygienespray zu reinigen. So können Hautreizungen und Unreinheiten reduziert werden.“
Handy-Akne ist bislang kein medizinischer Begriff
Handy-Akne ist kein offizieller medizinischer Fachbegriff. Dermatologen sprechen stattdessen von verschiedenen Hautreaktionen, die durch Smartphones begünstigt oder verstärkt werden können. Dazu gehören:
- Akne mechanica – Akne durch Reibung und Druck
- Kontaktdermatitis – Hautreizungen oder Allergien
- Bakterielle Hautentzündungen
- Wärme- und Feuchtigkeitsreizungen
Der Begriff Handy-Akne ist also eher ein populärer Sammelbegriff für Pickel oder Hautunreinheiten, die durch häufigen Handy-Kontakt entstehen.
Warum kann ein Handy die Haut reizen?
1. Bakterien und Schmutz auf dem Display
Smartphones gehören zu den am stärksten belasteten Alltagsgegenständen. Untersuchungen zeigen, dass sich auf Displays zahlreiche Keime, Hautfette und Schmutzpartikel ansammeln können – teilweise mehr als auf Toilettensitzen.
Wer das Handy ans Gesicht hält, bringt diese Mischung direkt auf die Haut. Besonders problematisch wird das bei:
- fettiger Haut
- verstopften Poren
- empfindlicher oder entzündeter Haut
- bestehender Akne
Dabei geht es weniger um gefährliche Keime, sondern eher um eine zusätzliche Belastung der Hautbarriere.
2. Reibung und Druck
Beim langen Telefonieren entsteht Druck auf Wange und Kieferbereich. Dazu kommt ständige Reibung durch das Gerät.
Dermatologen kennen dieses Phänomen bereits von:
- Helmen
- Masken
- Sportkleidung
- engen Kragen
Die Folge kann eine sogenannte Akne mechanica sein. Typisch sind kleine entzündliche Pickel entlang der Stellen, an denen das Handy regelmäßig aufliegt.
3. Wärme und Feuchtigkeit
Smartphones entwickeln Wärme – besonders beim Laden, Telefonieren oder Streaming.
Wärme plus Schweiß kann:
- die Talgproduktion erhöhen
- Poren verstopfen
- Entzündungen fördern
Gerade im Sommer oder bei empfindlicher Haut kann dies Hautprobleme verstärken.
4. Nickel und Kontaktallergien
Einige Smartphones oder Handyhüllen enthalten Metallbestandteile mit Nickel. Nickel gehört zu den häufigsten Kontaktallergenen weltweit.
Menschen mit Nickelallergie können reagieren mit:
- Rötungen
- Juckreiz
- Schuppung
- kleinen Bläschen
Besonders betroffen sind Wangen, Ohrbereich oder Finger.
Welche Hautprobleme treten typischerweise auf?
Dermatologen beobachten vor allem:
| Hautproblem | Typische Symptome |
| Akne mechanica | Pickel, Mitesser, entzündete Stellen |
| Kontaktdermatitis | Rötung, Juckreiz, Brennen |
| Follikulitis | Entzündete Haarfollikel |
| Reizungen durch Wärme | empfindliche, gerötete Haut |
Auffällig ist häufig eine einseitige Verteilung – also mehr Pickel auf der Seite, auf der überwiegend telefoniert wird.
Wie gefährlich ist das wirklich?
Für gesunde Menschen ist ein Smartphone normalerweise kein ernsthaftes medizinisches Risiko.
Problematisch kann es aber werden bei:
- Aknepatienten
- Menschen mit empfindlicher Haut
- Neurodermitis
- Rosacea
- Kontaktallergien
Dort kann das Handy bestehende Beschwerden verstärken.
Wichtig: Smartphones verursachen keine klassische Akne allein. Sie gelten eher als zusätzlicher Trigger.
So schützen Sie Ihre Haut im Alltag
Display regelmäßig reinigen. Besonders sinnvoll: Reinigung nach Sport, unterwegs oder längeren Telefonaten. Dermatologen empfehlen:
- tägliches Reinigen des Displays
- spezielle Displaytücher oder alkoholarme Reinigungstücher
- keine aggressiven Haushaltsreiniger
Freisprechfunktion nutzen. Je weniger direkten Hautkontakt das Smartphone hat, desto besser. Das reduziert Reibung, Wärme und Keimkontakt.
Hilfreich sind:
- Headsets
- Bluetooth-Kopfhörer
- Lautsprecherfunktion
Hände sauber halten: Viele Keime gelangen erst über die Hände aufs Smartphone – und von dort zurück ins Gesicht. Deshalb gilt:
- Hände regelmäßig waschen
- nicht ständig ins Gesicht fassen
- Handy nicht auf verschmutzte Oberflächen legen
Handyhüllen beachten. Wer empfindlich reagiert, sollte:
- nickelfreie Hüllen wählen
- glatte, gut reinigbare Oberflächen bevorzugen
- verschmutzte Silikonhüllen regelmäßig säubern
Hautpflege anpassen. Aggressive Produkte können die Hautbarriere zusätzlich schwächen. Bei unreiner Haut empfehlen Dermatologen:
- milde Reinigung
- nicht-komedogene Pflegeprodukte
- keine übermäßige Austrocknung
Wann sollte man zum Hautarzt?
Ein Hausarzt-Besuch ist angeraten, wenn
- Pickel dauerhaft zunehmen
- einseitige Entzündungen auftreten
- Haut stark juckt oder schuppt
- die Beschwerden trotz Reinigung bleiben
Dann kann ein Hautarzt klären, ob Akne, eine Allergie oder eine andere Hauterkrankung vorliegt. pm/tok