
Lithium ist heiß begehrt: Es wird für Batterien und damit auch für den Siegeszug der Elektromobilität benötigt. Gleichzeit ist das Leichtmetall bei einigen psychischen Krankheiten als wirksames Mittel klinisch erprobt. Niedrig dosiert rückt Lithium in der Naturheilkunde und Regulationsmedizin immer mehr ins Blickfeld. Foto: jroballo/stock.adobe.com
Mikro-Dosis mit Mega-Wirkung? Was Lithium im Körper wirklich bewirken kann
Lithium ist ein Element, das die Medizin seit Jahrzehnten begleitet – und zugleich in der Naturheilkunde und Regulationsmedizin eine wachsende Rolle spielt. In der klassischen Psychiatrie gilt Lithiumsalz als Goldstandard zur Behandlung bipolarer Störungen. Bereits in den 1950er-Jahren zeigte sich seine stimmungsstabilisierende Wirkung.
Klinisch erprobt: Lithium hilft bei bipolaren Störungen und senkt Suizidraten
Einige Lithiumsalze werden in der Lithiumtherapie bei bipolaren Affektstörungen, Manie, Depressionen und Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt. Bis heute ist es eines der wenigen Präparate, die Rückfällen und suizidalen Krisen bei bipolar Erkrankten nachweislich vorbeugen. Diese Mittel wirken stimmungsstabilisierend, vermindern die Frequenz sowie Schwere manischer und depressiver Episoden und reduzieren nachweislich die Suizidrate. Die therapeutische Tagesdosis liegt in der Regel zwischen 600 mg und 1200 mg Lithiumcarbonat, mit einem angestrebten Serumspiegel von 0,5 bis 1,2 mmol/l.
Die Therapie erfordert allerdings eine enge ärztliche Begleitung, da Lithium in therapeutisch wirksamer Dosierung nahe an seiner Toxizitätsgrenze liegt. Blutspiegelkontrollen sind unverzichtbar, ebenso die Überwachung von Nieren- und Schilddrüsenwerten. Akute Nebenwirkungen umfassen Tremor, Polyurie, Gewichtszunahme und kognitive Einschränkungen. Eine langanhaltende Lithiumtherapie kann zu einer Lithium-Nephropathie (Nierenerkrankung) führen. Etwa 10 % bis 20 % der Patienten entwickeln eine Hypothyreose (mangelnde Versorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen). Deshalb ist engmaschiges Monitoring unerlässlich.
Ergänzung zu Antidepressiva und möglicherweise ein Mittel zur Prävention
In therapieresistenten depressiven Episoden kann Lithium ergänzend zu Antidepressiva verabreicht werden. Studien zeigen dabei eine signifikante Verbesserung der Remissionsrate. Lithium bleibt demnach ein unverzichtbarer Wirkstoff in der Psychiatrie mit starker Evidenzbasis bei bipolarer Störung und Suizidprophylaxe.
Gleichzeitig entwickelt sich ein spannendes Forschungsfeld rund um die präventive Nutzung von Lithium in niedrig dosierter Form. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend, doch es bedarf weiterer randomisierter, kontrollierter Studien, um klare gesundheitspolitische Empfehlungen auszusprechen.
In niedriger Dosis gegen Stimmungstiefs und Stress
Abseits der Hochdosis-Medizin rückt Lithium seit einigen Jahren auch in der Naturheilkunde und Regulationsmedizin ins Blickfeld. Hier geht es um sogenannte Mikrodosen – also Nahrungsergänzungsmittel, die meist Lithiumorotat oder Lithiumaspartat enthalten. Dosierungen bewegen sich im Bereich von 1 mg bis 5 mg pro Tag, im Vergleich zu 600 mg bis 1200 mg Lithiumcarbonat in der klinischen Anwendung.
Ziel ist nicht die Behandlung schwerer psychiatrischer Erkrankungen, sondern eine sanfte Unterstützung von Stimmungslage, Stressresilienz und kognitiver Leistungsfähigkeit. Studien deuten an, dass niedrig dosiertes Lithium neuroprotektive Effekte haben könnte, etwa durch Förderung der neuronalen Plastizität oder Schutzmechanismen gegenüber oxidativem Stress.
Lithium im Trinkwasser und als Schutz vor kognitiven Störungen
Naturheilkundlich wird Lithium zudem als Spurenelement diskutiert. In Trinkwasserregionen mit höheren Lithiumkonzentrationen ließ sich eine geringere Suizidrate feststellen, was der Diskussion zusätzliche Nahrung gibt. Basis dieser Erkenntnis waren Beobachtungsstudien aus Österreich, Japan, den USA und Griechenland. Die Dosen in diesen Studien liegen bei unter 1 mg pro Tag. Obwohl die Ergebnisse auch über einen längeren Zeitraum Bestand haben, handelt es sich um korrelative Analysen. Das heißt: Auch wenn bislang kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen ist, sind die Studienergebnisse doch möglicherweise von medizinischer Relevanz.
Einige Tier- und Humanstudien deuten an, dass niedrig dosiertes Lithium möglicherweise neuroprotektiv wirken könnte. Die Hypothese: Lithium hemmt GSK-3 (Glykogen-Synthase-Kinase 3) – ein Enzym, das an Alzheimer-Erkrankungen beteiligt ist. Einige Pilotstudien an Menschen deuten darauf hin, dass niedrig dosiertes Lithium das Fortschreiten leichter kognitiver Störungen (MCI) verzögern könnte. Die derzeitige Datenlage ist vielversprechend, aber nicht ausreichend für allgemeine Empfehlungen.
Nahrungsergänzung mit Lithium ist kein Ersatz für eine medizinische Therapie
Auch wenn das Forschungsinteresse an den medizinischen Wirkungen von Lithium wächst, fehlen bislang noch eindeutige Leitlinien für die Nahrungsergänzung. Bis dahin bleibt der Einsatz niedrig dosierter Lithium-Supplemente eine individuelle Entscheidung, die vorzugsweise unter ärztlicher Beratung erfolgen sollte. Lithium-Orotat wird aber als Nahrungsergänzungsmittel bereits verwendet, obwohl es in der EU nicht offiziell als solches anerkannt ist.
So bleibt festzuhalten: Die Zukunft wird zeigen, ob Lithium in Mikrodosierung ein fester Bestandteil komplementärer Konzepte wird oder eher eine Randerscheinung bleibt. Und: Nahrungsergänzung mit Lithium ist kein Ersatz für eine medizinische Therapie, sondern kann allenfalls eine regulative Ergänzung sein – und sollte auch dann idealerweise mit fachlicher Begleitung erfolgen.
FAQ: Lithium in Medizin und Naturheilkunde
Ist Lithium als Nahrungsergänzungsmittel sicher?
In niedrigen Dosierungen gilt es als relativ sicher. Dennoch sollten Menschen mit Nieren- oder Schilddrüsenproblemen vorsichtig sein und Rücksprache mit einem Arzt halten.
Können Lithium-OTC-Präparate meine Medikamente ersetzen?
Nein. Klinisch relevante Erkrankungen wie bipolare Störungen erfordern ärztlich verschriebenes Lithiumcarbonat und engmaschige Kontrollen.
Wo bekomme ich Lithium in Mikrodosierung?
In Form von Nahrungsergänzungsmitteln (oft Lithiumorotat). Der Nutzen ist wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt.
Info
Lithium ist ein Leichtmetall und kommt in der Natur aufgrund seiner hohen Reaktivität nicht elementar vor. Als Spurenelement ist Lithium in Form seiner Salze ein häufiger Bestandteil von Mineralwasser. Im menschlichen Organismus sind geringe Mengen Lithium vorhanden; das Element ist jedoch nicht essenziell und hat keine bekannte biologische Funktion. Einige Lithiumsalze haben aber eine medizinische Wirkung und werden in der Lithiumtherapie bei bipolaren Affektstörungen, Manie, Depressionen und Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt. Studien zeigen, dass zwischen einem höheren Gehalt von Lithium in der Umwelt (Trinkwasser) und einer höheren Lebenserwartung ein statistisch signifikanter Zusammenhang besteht. Und: Lithium wird gerade im industriellen Maßstab für die Produktion von Autobatterien für die Elektromobilität benötigt. tok